Brief an ein nie geborenes Kind / Fallaci, Oriana

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Brief an die Gesellschaft

3 29. Sep 2009

Pro:
nimmt kein Blatt vor den Mund, streckenweise sehr differenziert

Kontra:
nimmt kein Blatt vor den Mund, verkopft, streckenweise verallgemeinernd und beleidigend

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau:

Unterhaltungswert:

Spannung:

Humor:

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Doris_

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 49 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ausschnitte dieses Buches habe ich einst in der Schule gelesen. Als mir das Buch dann vor einigen Tagen in die Hände fiel, ergriff ich die Gelegenheit, es komplett zu lesen. Allzu umfangreich ist es ja mit seinen gerade mal 120 Seiten nicht, also innerhalb weniger Stunden zu bewältigen.

Ich hielt es dann auch durch, selbst wenn ich vom Inhalt nicht so begeistert bin wie zahlreiche andere Rezensenten im Internet.

Das Buch enthält Briefe einer selbstbewussten alleinstehenden jungen Frau. Sie ist beruflich sehr erfolgreich, überzeugter Single und ungewollt schwanger. Sie richtet Briefe an ihr Ungeborenes, um ihre Situation zu reflektieren und sich darüber klar zu werden, ob sie die Schwangerschaft fortsetzen oder einen Abbruch machen lassen soll. Fallaci schildert auch den enormen Druck, den ihre Umwelt in dieser Frage auf sie ausübt. Außerdem stellt sie sich selbst die Frage, die sich wohl spätestens seit der Erfindung der Eisenbahn jede Generation neu stellt: Darf man in DIESE Welt eigentlich überhaupt noch guten Gewissens Kinder setzen?

Ich bin in meinem Urteil zwiegespalten. Über lange Strecken fand ich es nur ärgerlich. Die Sicht der Welt der Autorin ist weitgehend nur pessimistisch, alle Andersdenkenden werden einfach nur als dumm abgetan. Auch ich sehe vieles sehr pessimistisch, aber deshalb alle Optimisten per se als Dummköpfe zu bezeichnen, hat nichts mit Philosophie oder intellektuellem Denken zu tun, das ist einfach arrogant.

Und wenn es nach der Autorin geht, ist allein die Tatsache, ein Mann zu sein, schon ein Verbrechen, ebenso die Tatsache, einer Kirche anzugehören. Da wird beleidigt und verallgemeinert, und das auf erschreckend niedrigem Niveau. Das alles gefällt mir gar nicht. Vielleicht kann man das aber teilweise auch den Schwangerschaftshormonen zuschreiben, denn es gibt andererseits auch viele Passagen im Buch, die sehr differenzierte Überlegungen ausbreiten. Außerdem nimmt die Autorin kein Blatt vor den Mund.

Auffallend ist, dass Fallaci kaum Gefühle zulässt, alles verkopft angeht. Wo beispielsweise Trauer zu erwarten wäre, wird entweder die Philosophie bemüht oder aber mit Beleidigungen reagiert. Vor allen Dingen letzteres mag eine Schutzreaktion sein, schade ist es trotzdem.

Der Buchtitel verrät es schon: Das Kind wird den Brief nie lesen, denn es wird zwar nicht abgetrieben, stirbt aber auf Grund von Schwangerschaftskomplikationen noch im Mutterleib.

Insgesamt ist die Lektüre empfehlenswert, aber ich kann jetzt nachvollziehen, warum wir damals in der Schule nur Ausschnitte gelesen haben (die differenzierten Passagen eben). Das macht in diesem Fall Sinn, aber ich war eben trotzdem auf das Gesamtbild gespannt.

Titel: Brief an ein nie geborenes Kind
Autorin: Oriana Fallaci
Umfang: 120 Seiten
Format: Taschenbuch
Verlag: Fischer
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596237068
ISBN-13: 978-3596237067  

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
FernsteuerungCiao

FernsteuerungCiao

20.10.2009 22:48

Ein interessantes Thema - es gibt viele Menschen, harte Passagen im Leben mit reichlicher "Trockenheit" verarbeiten.

Boellerina

Boellerina

30.09.2009 11:32

Nein, sowas kann ich gerade wirklich nicht lesen!!

Chaoscrash

Chaoscrash

29.09.2009 17:09

etwas ungewöhnliches Werk, auch hinsichtlich des Pessimismus .-)CC

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