Hoch auf dem Gelben Wagen

3  30.08.2000

Pro:
Immer an der frischen Luft

Kontra:
auch bei jedem Sauwetter , Hitze -  und Ozonrekord

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Einstellungschancen:

Aufstiegschancen

Verdienstmöglichkeiten:

Sozialleistungen:


mamale

Über sich:

Mitglied seit:14.07.2000

Erfahrungsberichte:142

Vertrauende:21

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 7 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Unsere persönliche Kritik und Bilanz...
Mein Mann ist nun seit knapp 30 Jahren Briefträger und ich selbst war 14 Jahre bei der Post davon einige Zeit selbst Briefträgerin und kann einiges dazu erzählen.

Meinen ersten Brief habe ich mit 8 Jahren zugestellt und zwar mit Papi der ebenfalls 26 Jahre Briefträger war. Jeden Samstag wenn wir keine Schule hatten durfte ich mitgehen und die damals noch sehr seltenen "Wurfsendungen" in die Briefkästen schmeißen. Oh, wie stolz ich doch war, das ich sogar mein eigenes Wägelchen dazu hatte. Sehr viel Spaß hat es mir gemacht und Papa war immer früh zu Hause und man konnte sehr viel unternehmen. Obwohl ich ein anderes Berufsziel hatte (wollte eigentlich Bäcker/in und Konditor/in werden) konnte Paps mich doch überreden bei der Post eine Lehre zu beginnen. Nach 1 Jahr BGJ (Berufsgrundschuljahr) begann die eigentlich Lehre bei der Post. Die Lehre ansich war sehr schön, doch leider ziemlich nutzlos im Nachhinein betrachtet. Sie teilte sich auf zwischen Berufschule, Postschule und praktisches beim Postamt selbst. Nach der Lehre wurde man versetzt, in meinem Fall nach Stuttgart und da ging es erst richtig los.
Nach 3 Tagen "Einlernzeit" im jeweiligen Bezirk war man auf sich alleine gestellt. Für Leute die bei der Post gelernt haben, sicherlich kein Problem, wenn es am Anfang doch sehr schwierig erscheint. Allerdings für "Angelernte" gibt es auch nach diesen 3 Tagen Einlernzeit noch jede Menge Fragen. Es reicht schließlich nicht aus, einen Brief in den dazugehörigen Kasten zu werfen, sondern da gibt es noch einiges mehr.

Der Tagesablauf und die Tätigkeit eines Briefträgers im Vergleich.... Damals und Heute - Vorteile und Nachteile

Der Dienstbeginn ist 7.00 Uhr (von Amt zu Amt verschieden) daran hat sich seither nichts geändert.

Früher mußte man seine Feinpost ( das sind Briefe, Postkarten, Drucksachen im Kleinbriefformat usw.), die nach Straßennamen vorsortiert wurde, einsammeln und dann an seinem Zustellschrank "stecken".
Dann mußte man die Grobpost (Zeitungen, große (DIN A 4 und 5) Briefe etc.) und Stücksendungen ( Warenproben, Filme, Blindensendungen usw.) der kompletten Gruppe ableeren (Eine Gruppe besteht aus etwa 4 - 6 Bezirken) und in der Gruppe mußten diese Sendungen auf die jeweiligen Bezirke und dann der Gangfolge nach sortiert werden.
Nach Verteilschluß, d.h. wenn die komplett angefallene Post für diesen Tag vorsortiert und gesteckt wurde, ging man an die Zuschriftenstelle, wo man dann seine Einschreiben, Wertbriefe und Geldanweisungen, Zustellungsaufträge (z.B vom Gericht auch die "blauen Briefe" genannt) usw. gesondert erhielt und ein Nachweis (Unterschrift des Kunden) erforderlich war.
Danach werden die Briefe "gezogen", in kleineren handgroßen Bündeln geschnürrt (damit sie nicht auseinanderfallen), die Ablagebeutel werden gemacht (da die ganze Post nicht auf einmal in den Wagen geht), die später dann der Eilzusteller verteilt.

Der Nachteil:
Das Sortieren der Grobpost sowie das Schlange stehen an der Zuschriftenstelle kostete Zeit und Nerven, da es durchaus auch Kollegen gab, die meinten sie müßten dabei nicht mithelfen oder sie müßten sich vordrängeln um schnell wieder Feierabend zu haben.

Der Vorteil:
Die Bezirke waren noch nicht so groß, man hatte pünktlich oder auch früher Feierabend, (selten das es später wurde, wenn dann während der Weihnachtszeit). Wurfsendungen (Reklame) gab es sehr wenig. Man konnte den genauen Nachweis über zugeschriebene Sendungen erbringen.

Dann geht es raus zur Zustellung. Je nach Bezirk kann man direkt am Postamt anfangen oder man muß mit Bus oder Straßenbahn erstmal in seinen Bezirk fahren um zu beginnen, was für einige, vorallem zierlicherer Personen, garnicht so einfach ist, denn der Zustellwagen ist oft überfüllt und entsprechend schwer und nur selten bekommt man Hilfe beim Einsteigen. Dann trägt man seine Post (festgelegte Wegstrecke) aus, wofür man unterschiedlich lang unterwegs ist ca. 21/2 - 4 Stunden je nach Sendungsaufkommen. Nach der Zustellung werden dann noch alle unzustellbaren Sendungen bearbeitet (z.B. nachsenden, weil verzogen oder ähnliches) sowie die Ablieferung der nachzuweisenden Sendungen bei der Zuschriftenstelle bzw. Geldbeträge bei der Zustellkasse.

Heute holt man die komplette Post für seinen eigenen Bezirk ab.

Nachteile:
Die komplette Post ist unsortiert (nicht mehr nach Straßennamen), man muß kreuz und quer bei seinem Schrank stecken. Nimmt natürlich sehr viel mehr Zeit in Anspruch. Erhöhte Fehlerquote bei den Sendung die nicht für diesen Bezirk bestimmt sind. Die Post die man früher von der Zuschriftenstelle bekommen hat, kommt nun mit der normalen Post an den Arbeitsplatz. Man hat keinen Nachweis mehr, wieviele Sendungen man erhalten hat und es ist sehr schwer zu beweisen, wenn Sendungen fehlen, das man diese nicht unterschlagen hat. Durch diese angeblichen Erleichterungen für die Zusteller hat sich die Arbeitszeitbemessung trastisch verändert, was zur Folge hat, das viel Bezirke ganz gestrichen- und die verbleibenden wesentlich vergrößert wurden und weiter vergrößert werden. Da die Bemessungswerte nicht eindeutig festgelegt sind ist es der Deutschen Post - AG möglich, diese nach eigenem Ermessen zu ändern. Viele Kollegen machen (mir total unverständlich) täglich freiwillig Überstunden (kommen schon früher, gehen später) um dem Leistungsdruck noch Standhalten zu können. Viele Urlaubsvertretungen kündigen schon nach den ersten Tagen wieder, weil sie sich die Arbeit als Briefträger viel einfacher vorgestellten - und überfordert waren. Die Urlaubsabwicklung für die Zustellkräfte leidet darunter sehr, so wurden schon viele auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet und bereits früher aus dem Urlaub zurückgeholt. Hohe Fehlerquote durch ständig wechselndes Personal. Das Aufkommen der Wurfsendung hat sich trastisch erhöht, hatte man früher einmal die Woche 1 Wurfsendung, so gibt es heute fast täglich eine (teilweise mehrere).

Vorteile:
Bei der Grobpost keine Gruppensortierung mehr, es gibt keine Unstimmigkeiten mehr deswegen. Die Qualtität der Zustellung hat ingesamt zugenommen, nicht zuletzt durch den überdurchschnittlichen Einsatz der Stammzustellkräfte.

Bei der Zustellung hat sich nicht sehr viel verändert, außer das man durch die größen Bezirke und höheres Sendungsaufkommen länger unterwegs ist und das teilweise Fahrradbezirke dazugekommen sind. Die Ablieferung der nachzuweisenden Sendungen und Geldbeträge erfolgt nun durch Einsortierung in speziell dafür vorgesehene Behältnisse.

Durch die Einführung des neuen Verteilsystems hat sich einiges geändert, man sollte dies aber nicht als Argument nehmen um Arbeitszeiten durchzudrücken, die den Zustellern keine Luft mehr lassen. Eine gerechte und sozialverträgliche Bemessung wäre für alle Beteiligten der bessere Weg.

Insgesamt ist die Deutsche Post AG ein attraktiver Arbeitgeber bei dem es ständig genug zu Arbeiten gibt, leider vergessen die Manager dabei zu oft, das man die Arbeitsleistung der Zusteller nicht beliebig hochschrauben kann, denn - Diese Leistung wird bereits überschritten!!!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Onkel_Dittmeyer

Onkel_Dittmeyer

18.05.2002 13:50

Ein sehr interessanter Bericht! Mich wundert es daß die Post so hohe Leistungsanforderungen stellt daß das Personal "ausgebeutet" wird - das sollte nicht sein...

rosaprosa

rosaprosa

02.09.2000 21:16

Nun muß ich Dir noch mal im Komentar schreiben. Ich habe noch einige Dinge mehr auszusagen, die den Beruf des Briefzustellers betreffen. Doch leider muß man auf so einer Meinungsplattform auch vorsichtig sein, es könnte de innerbetrieblichen Vorgesetzten mißfallen, wenn man hier mal so richtig Dampf abläßt. Ich habe ICQ: Nr.77274771, oder mail mich an, Biankawhv@gmx.de. Wie Du mit 5 Kindern diesen Beruf ausüben kannst, ist mir ein Rätsel, bitte melde Dich. Rosaprosa

rosaprosa

rosaprosa

02.09.2000 02:30

Oh wie recht Du doch hast, die Wurfsendungen sind das letzte, wir sind für jeden Werbeverweigerer dankbar, desto weniger muß von dem Müll mitgenommen werden. Und der Fruck ist wircklich sehr groß Gruß Rosaprosa

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