Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
sehr interessante Aufzeichnungen, die einen hohen Informationswert haben |
| Kontra: |
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| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Buchdaten
* Verlag: Aufbau Tb
* 2000
* Ausstattung/Bilder: 428 S.
* Seitenzahl: 428
* Aufbau Taschenbücher Bd.1536
* Deutsch
* ISBN-13: 9783746615363
* ISBN-10: 3746615364
Preis: 10,00 Euro bei bucher.de
Die Autorin
dem Klappentext entnommen:
"Brigitte Reimann, geb.am 21.Juli 1933 in Burg bei Magdeburg, gestorben am 20.Februar 1973 in Berlin/DDR.
Nach dem Abitur arbeitete Brigitte Reimann zunächst als Lehrerin. 1955 begann sie zu schreiben. Als Schriftstellerin vertrat sie den so genannten Bitterfelder Weg, nach dem Autoren versuchen sollten, durch Arbeit in Betrieben einen engeren Kontakt zum Volk herzustellen. 1960 zog sie nach Hoyerswerda, wo sie bis 1968 wohnte. 1965 wurde sie mit dem Heinrich-Mann-Preis geehrt.
Von 1968 bis 1973 wohnte sie in Neubrandenburg (Brigitte-Reimann-Gedenkstätte). Während der Jahre in Hoyerswerda arbeitete sie im Kombinat "Schwarze Pumpe". Aus dieser Tätigkeit heraus schrieb sie 1961 den Kurzroman "Ankunft im Alltag". Er gab der so genannten Ankunftsliteratur den Namen. Im Alter von 39 Jahren starb Brigitte Reimann am 20. Februar 1973 in Berlin an Krebs. Den Roman "Franziska Linkerhand" ließ sie unvollendet zurück.
Einige heutige Literaturwissenschaftler vermuten, dass dieses Werk vor der Veröffentlichung im Auftrag von SED-Funktionären teilweise umgeschrieben wurde und einzelne Auszüge gestrichen wurden. 2003 erfuhr Brigitte Reimann zahlreiche Ehrungen zu ihrem 70. Geburtstag, unter anderem wurde in Hoyerswerda eine Bibliothek nach ihr benannt und in Neubrandenburg eine Gedenkstätte eingerichtet. 2004 wurde ihr Leben in der Fernsehproduktion "Hunger auf Leben" mit Martina Gedeck in der Hauptrolle verfilmt."
Meine Zusammenfassung
Der erste Eintrag ist vom 31.08.1955, der letzte Eintrag vom 30.12.1963. Und sofort befindet man sich mitten drin, im Leben der B.R. - Jeder Eintrag ist interessant, spannend, und zunächst erzählt sie viel von ihrem Liebesleben, das aber immer verwoben ist mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit. So verlieben sich viele ihrer Schriftstellerkollegen in sie, aber nicht nur die, sondern eigentlich fast alle, mit denen sie Umgang hat.
Und auch sie verliebt sich sehr häufig, hat zahlreiche Liebschaften, die aber immer beginnen mit langwierigen Unterhaltungen, Diskussionen, sei es über Literatur, Politik oder Kunst.
Von ihrem ersten Mann lässt sie sich scheiden, heiratet dann ihren *Daniel* (Siegfried Ditschmann) mit dem zusammen sie einige Kurzgeschichten und Hörspiele schreibt, und den sie für sehr begabt hält. Während sie aber vom Erfolg verwöhnt wird, bleibt ihm der Erfolg zunächst verwehrt.
Während ihrer Ehe mit Daniel lernt sie dann auch *Jon* kennen, hat jahrelang ein Verhältnis mit ihm, lebt noch lange mit Daniel zusammen, von dem sie sich aber scheiden lässt, und dann Jon heiratet. (das kommt aber erst im nächsten Band ihrer Tagebücher)
Sie lebt ihr Leben 100 Prozent, egal um was es geht. Nächtelang diskutiert sie, meistens wird Wodka oder sonst welcher Alkohol in riesigen Mengen *vernichtet*. Sie hat eine sehr direkte Sprache, nennt alles beim Namen. -
Und: sie hat Erfolg mit ihren ersten Werken. Dennoch ist sie immer wieder unsicher, verwirft dutzendemale einen Anfang einer Erzählung oder eines Buches.
Mit "Die Geschwister" beschäftigt sie sich über Jahre, immer wieder schreibt sie an dieser Erzählung weiter, schmerzlich immer wieder an die Realität in ihrer Familie erinnernd, wo ihr Bruder sich in den Westen abgesetzt hat.
Immer mehr werden die Eintragungen aber politisch; d.h. sie sieht als Kommunistin viele negativen Seiten des "Systems", kritisiert sie auch öffentlich, bekommt auch Schwierigkeiten damit, aber auch immer wieder Rückendeckung von anderen.
-Sie beschreibt ihre Kontakte mit höchsten Persönlichkeiten, ob aus der Partei, dem Politbüro oder des Schriftstellerverbandes. Sie wird in viele Präsidien gewählt, zu vielen Kommentaren und Aufsätzen aufgefordert, die sie nicht alle schaffen kann, aber wenn sie sie schreibt, dann gibt sie auch ihre Meinung wieder, was oft Probleme bereitet, aber sie geht dieses Risiko ein.
Sie beschreibt z.B. auch als Bewohnerin von Hoyerswerda diese neu gebaute Stadt, hat Diskussionen auch mit Architekten, sie kritisiert die Städtebauweisen und die damit verbundenen Schwierigkeiten in Bezug auf Bewohnbarkeit dieser Plattenbausiedlungen, ihre sozialen Auswirkungen etc.
(hat sie dann in ihrem Roman "Franziska Linkerhand" verarbeitet.)
Sie ist herzkrank, hat häufig schwere Herzanfälle, aber dennoch lebt sie ihr verrücktes Leben, begleitet von häufigem Alkoholkonsum und vielen Zigaretten immer weiter, ihre Gesundheit nicht beachtend. In Berlin wird sie dann am Herz operiert, aber darüber gibt es nur ein paar Sätze.
Meine abschließende Meinung
Dieses Buch ist so interessant, dass ich danach gleich "Die Geschwister" lesen musste, und danach gleich die Fortsetzung ihrer Tagebuchaufzeichnungen, "Alles schmeckt nach Abschied".
Insgesamt liefert die Lektüre ihrer Bücher eine ganz neue Sichtweise über die damalige DDR (zumindest für mich, eine Westlerin), ihre Bewohner, Literaten, Künstler, und auch über die Partei, die Politik usw.
Das kann in ein paar Sätzen nicht wiedergegeben werden, man muss diese Bücher einfach selbst lesen!! - Was ich ganz heiß empfehlen kann.
Auch wer sich nicht so für die damalige DDR interessiert, wird hochinteressante Schilderungen, nicht zuletzt sehr spannende Bücher zu lesen bekommen.
Fazit: unbedingt lesenswert, und zwar für alle, ob aus dem Osten oder aus dem Westen!!