Verschwörungen, Mord und andere Kleinigkeiten ...
11. Nov 2001
Pro:
sehr humorvoll geschrieben, leichtes Lesevergnügen,
Kontra:
nur durchschnittlich spannend, wer historische Fakten erwartet, wird enttäuscht sein
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 tigger-cr
Über sich:
Hi! Schön, dass du vorbeischaust ... :-)
Mitglied seit:09.09.2001
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 157 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hi @all! Nach ein paar Fehlgriffen bei meiner Bücherjagd in der Bibliothek endlich mal wieder ein voller Erfolg. Das Buch "Bronzeschatten" hat mich von der ersten bis zur letzten Seite begeistert und darum will ich euch meine Erfahrungen damit auch nicht vorenthalten. Ich beziehe mich bei meinen Aussagen auf die gebundene Ausgabe.
1) Cover: ====== Schon das Cover verrät den Hauptspielplatz der Erzählung. Man sieht ein römisches Gebäude, viele weißgewandete Männer und einen Mann auf Thron mit rotem Mantel. Davor knien ein paar Bittsteller, was aber scheinbar keinen interessiert. Eigentlich war es das Cover, dass mich dazu verleitet hat, das Buch mitzunehmen, denn ich wollte mal wieder was historisches lesen. Als ich dann im Klappentext erfuhr, dass es sogar ein "historischer Kriminalroman" ist, war die Sache klar: Das Buch kommt mit! Der Klappentext verrät allerdings nichts weiter über den Buchinhalt. Das finde ich etwas schade. Denn ich musste mich zuerst durch einen relativ langen Buchumschlagsseitentext (was für ein Wort ...) durchlesen, bevor ich wusste, worum es eigentlich geht. Ich finde das Cover gelungen, denn es zeigt gleich, um welche Zeitepoche es geht. Außerdem sind Die Verlagsinformationen sehr gut eingearbeitet – sprich, man findet sie erst, wenn man genauer hinschaut. Das fand ich zumindest, eine sehr nette Idee. 2) Inhalt: ====== Das Wichtigste an einem Buch ist ja der Inhalt .... ;-)
a) Hauptpersonen: ============= Das ganze Buch dreht sich eigentlich nur um einen Mann: Marcus Didius Falco. Ein Privatermittler mit mieser Bezahlung im Dienste des Kaisers Vespasians. Davis hat diesen "Romanhelden" mit einer gehörigen Portion Sarkasmus und Geschick, immer mal wieder das Falsche zu tun, oder zu sagen ausgerüstet, so dass die ganze Geschichte sehr unterhaltsam wird, denn der Krimi ist in der Ich-Form geschrieben. Eine wichtige Nebenfigur (aber meiner Meinung nach eben keine Hauptperson) ist Helena Justina. Eine von Falco angebetete Senatorentochter die standesmäßig so weit entfernt ist, dass er immer wieder mehr oder weniger erfolgreiche Versuche unternimmt, seine Liebe zu ihr loszuwerden ...
Das Buch hat am Anfang eine sehr interessante Übersicht über die meisten in der Erzählung vorkommenden Personen. Das kann helfen, vor allem verrät die Beschreibung der einzelnen schon viel
über den Schreibstil, wenn auch, meiner Meinung nach, weniger über die tatsächliche Bedeutung in der Geschichte. Ein kleines Beispiel: "S. Aemilius Rufus Clemens: Ein Magistrat in Herculaneum mit sehr eindrucksvoller Ahnentafel (und nicht viel Verstand)" b) Handlung: ========= Die Erzählung startet 71 n Chr. in Rom an "einem ganz normalen Tag" (so die Kapitelüberschrift). Falco ist mal wieder auf dem Weg, einen seiner sehr unbequemen Aufgaben zu erledigen: Er muss eine heimlich von kaiserlichen Truppen um die Ecke gebrachte Leiche beseitigen, die sich leider schon im fortgeschrittenen Zustand der Verwesung befindet. Dabei lernt der Leser auch gleich seinen treuen Freund Frontinus kennen, den Hauptmann der Wache. Falco lässt sich in den ersten Seiten über sich selbst und seine etwas undankbare Stellung am Hof aus. Fast ganz nebenbei stolpert man als Leser so ungeahnt mitten hinein in eine Handlung, die sich später als wichtig erweisen wird. Der Romanheld ist ganz menschlich und kämpft mit Skrupeln, so eine arme Leiche einfach in der Kanalisation verschwinden zu lassen, ohne ihr auch nur die Chance auf einen Übergang in die Totenwelt zu geben. Darum kommt er noch einmal zurück und vollzieht so etwas ähnliches wie einen Totenritus. Dabei entdeckt er, dass sie bei ihrer Säuberungsaktion nicht alleine waren, sondern beobachtet wurden. Als Privatermittler kann er das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und er versucht, den unheimlichen Unbekannten zu verfolgen. Mehr oder weniger glücklos – zwar verliert er sein Beobachtungsobjekt, dafür trifft er aber ein sehr hübsches, junges Mädchen, das in einer Spelunke arbeitet. Ein weiterer Charakterzug Falcos kommt zum Vorschein: er kommt an keinem Rock vorbei, ohne wenigstens den Versuch gestartet zu haben, den Inhalt zu erobern ... ;-) Und so nimmt die Geschichte ihren Verlauf: Falco geht so seinen täglichen Pflichten nach, was im Moment bedeutet, die Überreste einer Verschwörung gegen den neuen Kaiser zu beseitigen und beschlagnahmten Besitz zu verkaufen. Schon bald wird deutlich: Er ist auf der Karriereleiter ziemlich weit unten und muss meistens die Drecksarbeit leisten, während andere zum einen das Geld und zum anderen die Lorbeeren einheimsen. So ist auch sein nächster Auftrag in dieser Sache eher undankbar. Während sein "geschätzter" Kollege Anacrites sich im schönen warmen Küstengebiet vergnügen kann, um den nächsten Auftrag zu erfüllen, wird er in das ungastliche Süditalien geschickt, um dort einem der Mitverschwörer die versöhnende Hand des Kaisers zu reichen. Leider kommt noch ein kleiner Mord dazwischen. Ausgerechnet am Bruder desjenigen, den er besuchen soll. Jetzt muss er auch noch eine Urne mitschleifen ... Mit einigen Hindernissen, die ich nicht erwähnen will, um euch den Spaß beim Lesen nicht zu vermasseln, erledigt er seinen Auftrag und kehrt erfolgreich nach Rom zurück. Der andere scheiterte kläglich, allerdings dafür um so gründlicher – sprich: sämtliche Leute sind aufgeschreckt und die Spuren längst kalt. Jetzt darf Falco doch noch die Scherben einsammeln und hat dabei so manches gefährliche Abenteuer zu bestehen. Mehr wird nicht verraten, denn sonst ist ja die ganze Spannung weg! In dem ganzen Verschwörungs- und Mordsumpf wird noch, eine scheinbar nebensächliche, Liebesgeschichte von Falco zu einer Senatorentochter namens Helena Justina eingeflochten. Glücklos und sich seines miesen Standes bewusst, startet Falco immer wieder Versuche, seine Liebe zu ihr zu beenden. Aber es klappt nicht. Die beiden giften sich zwar ständig an, wenn sie sich begegnen, aber richtig loslassen können beide nicht. Immer wieder scheint die Beziehung gescheitert, doch dann kommt was dazwischen und schwupps ist es aus mit den guten Vorsätzen. Das Problem aber bleibt: standesgemäß passen sie einfach nicht zusammen und außerdem gibt es da anscheinend doch noch einen anderen Mann ...
3) eine kleine Leseprobe: ================== Ich fand den Schreibstil der Autorin sehr amüsant und ich habe oft vor mich hin grinsend weitergelesen. Um euch ein bisschen Appetit zu machen, hier eine kleine Kostprobe: Zitat von S. 105: "Ich war festüberzeugt, dass ich wüsste, was Süßholzwurzel heißt; andernfalls hätte ich mich nicht einmal meiner Mutter zuliebe (die ein Geschenk aus dem Süden erwartete und mir vorsorglich empfohlen hatte, was ich kaufen solle) auf diesen Handel eingelassen. Tatsächlich muss ich aus Versehen eine saftige griechische Zote gerissen haben. Der Standinhaber glich einer zwergenwüchsigen Saubohne, die am Stock gehangen hat, bis sie in der Schote geschrumpelt ist. Er stimmte ein Geheul an, das drei Straßen weit zu hören war. Die Menschen strömten herbei und drückten mich gegen den Stand wie eine Flunder ... (na ja, und wie er aus dieser etwas ungemütlichen Situation wieder rauskam, muss man natürlich selber lesen ;-) ) 3) Zur Autorin: =========== Lindsey Davis wuchs in Birmingham, England, auf und studierte in Oxford. In der Illusion lebend, dass Frauen im Staatsdienst gerechter als in der Wirtschaft behandelt würden, wurde sie Beamtin. Ein sehr unschöner Kampf um eine Beförderung belehrte sie eines Besseren und so kündigte sie und begann zu schreiben. Ihr erstes Buch "Silberschweine" war dann auch gleich ein großer Erfolg. Bronzeschatten ist ihr zweites Buch, das ebenso sehr erfolgreich war.
4) Meine Meinung: ============== Ich habe mich beim Lesen des Buches köstlich amüsiert. Der sehr humorvolle Schreibstil hat für mich das Lesen zu einem besonderen Genuss gemacht. Allerdings muss man mit dem oft sehr trockenen, manchmal auch etwas makabren Humor zurecht kommen. Von einem Krimi erwarte ich auch Spannung und die Möglichkeit zum Mitfiebern. Im Nachhinein würde ich sagen, dass die Geschichte nur durchschnittlich spannend war, dennoch aber mit Morden und Verschwörungsplänen ausreichend gespickt, so dass doch ein gewisses "Krimifeeling" aufkommt. Ich habe die Spannung allerdings beim Lesen auch nicht vermisst und behaupte mal, dass das Buch auch ohne Gänsehaut zum Vergnügen werde kann. Auf 582 Seiten gelingt es der Autorin meiner Meinung nach sehr gut, das Lebensgefühl und die Alltagsprobleme im alten Rom zu schildern und den Leser in diese ganz andere Welt mit hinein zu nehmen. Wer allerdings historische Fakten erwartet, wird enttäuscht sein, denn es wird zwar der Kaiser Vespasian erwähnt, aber sonst sehr wenig zum historischen Kontext gesagt. Für mich war die zeitliche Einordnung auch mehr ein stilistisches Mittel der Verfremdung, als wirkliche Beschreibung von politischen Ereignissen. Das Lebensgefühl und die Umstände von damals kommt aber meiner Meinung nach durchaus authentisch zur Geltung. Der Schreibstil ist nicht nur humorvoll, sondern auch sehr anschaulich (siehe Leseprobe). Ich finde, Davis ist es sehr gut gelungen, dem Leser Bilder vor die Augen zu malen, mit denen er sich das Gelesene gut vorstellen kann. Fazit: ==== Ein gelungenes Buch, das mir Lust auf mehr gemacht hat. Ich werde sicher versuchen, auch noch andere Bücher von Davis in die Finger zu bekommen. Wer Lust auf ein humorvolles Krimivergnügen mit durchschnittlichem Spannungsgehalt hat, ist mit diesem Buch meiner Meinung nach gut beraten.
Kaufangaben: ========== Taschenbuch (589 Seiten): ---------------------------------- Preis: DM 16,90 (EUR 8,64) Verlag: Droemer Knaur, München Erscheinungsdatum: Mai 2000 ISBN: 3426618907 Gebundene Ausgabe: ------------------------ Ich habe leider keine weiteren Angabe mehr gefunden. Es kann sein, dass es das Buch nur noch als TB zu kaufen gibt. Meine Ausgabe stammt aus der Bibliothek. Verlag: Eichborn-Verlag Erscheinungsdatum: Juni 1992 ISBN: 3812802055
Freue mich immer über Kommentare! Danke, für's Lesen und Bewerten! vlg, Tiggerchen (© 11.11.01)
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25.11.2001 12:30
hört sich gut an. Ich werde mal bei Amazon schauen ob es das Buch dort noch gibt. Gruss Manni
18.11.2001 11:40
Das scheint ja ein gutes Buch zu sein, bzw. sehr humorvoll geschrieben. Ciao Kati
13.11.2001 14:05
Eine sehr gute Ausführung!! Würde ich mir glatt mal zulegen! Gruß Thorsten