Geiz ist eben nicht nur geil…..
30. Jan 2003
(2. Dez 2008)
Pro:
Idee und Handlung
Kontra:
ab und an der Humor
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau:
Unterhaltungswert:
Spannung:
Humor:
Aufmachung:
mehr
 Gering
Über sich:
Lesetipp: Womibla mit seinem C180er Bericht
Mitglied seit:25.11.1999
Erfahrungsberichte:603
Vertrauende:166
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 159 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Marcus Didius Falco, seines Zeichens Privatermittler des gerade zum Kaiser erkorenen Vespasian, soll für eben diesen einen kniffligen Fall römischer Politik lösen. Denn Vespasian ist nicht unumstritten, hat sich gegen andere Bewerber um den Kaiserthron (Princeps, wie Prof. Schneider (GHK Kassel) da mürrisch einfügen würde) durchgesetzt. Dass sein Stuhl noch wackelt, zeigen einige aktuelle Verschwörungen, von denen eine eben gerade zum Teil aufgeflogen worden ist. Die daran Beteiligten sind geflohen, wurden mit Posten "abgefunden" bzw. für den Fall eines jungen adoptierten Senators im Gefängnis scheinbar erdrosselt worden. Doch gerade, als sich Vespasian der anderen Beteiligten annehmen will, auf seine, unblutige Art, erscheint ein grün gekleideter Mann und tötet gezielt eine Schlüsselfigur. Marcus Didius Falco seinerseits kann sich zwar einiges darauf einbilden, Privatermittler des Kaisers (Princeps) zu sein, nur wird davon leider nur selten der Magen voll, was an dem sprichwörtlichen Geiz des eben genannten Herrschers liegt. Der knausert bei jeder Sesterz, die er Falco für seine guten Dienste zahlen muss und vermittelt dabei noch das unangenehme Gefühl, dass er soeben ein Königreich verschenkt habe. Nun, Falco ist nichts, hat wenig, dafür proportional viel Sorgen - ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich in Gefahr für sein Land zu begeben.
Kompliziert wird sein Leben auch noch dadurch, dass er mit der Frau des oben erwähnten adoptierten Senators und Thronstürzers ein intensives Techtelmechtel hat, was vor allem deshalb wirklich kompliziert wird, weil eben auch eine ganze Menge Gefühl von beiden Seiten dabei eine Rolle spielt. Ein Skandal, würde man heute wie damals sagen. Marcus usw. Falco soll weiter Mitverschwörer im Auftrag des Kaisers warnen. Auf seinen beiden Routen durch Italien macht er dabei mehrfach unliebsame Bekanntschaft mit Barnabas, dem grün Gekleideten, bzw. seinen Schergen, die gleichwohl wenig zimperlich sind im Umgang mit dem Tod wie ihr Herr selbst. Dass man auch an Morden an hoch stehenden Persönlichkeiten nicht zurückschreckt, zeigt Falco, dass es um einen sehr hohen Einsatz bei diesem Spiel um die Macht gehen muss - ein Einsatz, der nur wert ist, wenn es …. genau….., um den Thron des Herrschers des Römischen Reiches geht. Und schon bald steht Falco im Zentrum der Interessen der Mörderband….
Falco dringt immer tiefer in das Gestrüpp der doch anscheinend aufgeflogenen Verschwörung und stellt fest, dass eine kleine Gruppe der alten Verschwörung, einen neuen Plan ausgeheckt hat, der Rom quasi an seiner Lebensader treffen soll. //_/_/_/_/_/_/_/ Meinung _/_/_/_/_/_/_/_/_/
Mit Marcus Didius Falco betritt ein zugegebener Maßen weiterer sympathischer Antik- Detektiv die Bühne der Unterhaltungsliteratur, der freilich mitunter durch die Feder der Autorin an einigen Stellen zwanghaft ironisch wirkt, wird doch jeder seiner Schritte mit bisweilen spitzen Bemerkungen seiner selbst kommentiert bzw. mitbedacht. Zweifelsohne aber schafft es Davis auch, eine interessante Story zu vermitteln, die zwar weniger opulent in das Wissen über die damalige Zeit einführt als die Bücher von John Maddox Roberts einführt, aber dennoch ein anschaulich plastisches Bild der antiken Welt des Alten Roms vermittelt. Anders als bei Roberts stehen hier Lebensbilder der unteren und mittleren Schichten der römischen Gesellschaft im Mittelpunkt der Handlung. Der chronisch blanke Falco, der sich auch mal bei seinen Verwandten den Bauch voll schlagen muss, und der auch einmal Staatseigentum als sein eigenes ausgibt um es verkaufen zu können, dennoch aber immer treu seinem knauserigen Herrn dient - ein Widerspruch, der vielleicht typisch für diese Zeit des Reiches war. Eingeführt wird man auch in den Standesdünkel der Oberen, und zwar am Beispiel der Beziehung zu Helena, der Senatorenfrau und - tochter. Beide Hauptprotagonisten sind trotz aller Kritik am ab und an nervenden Humor durchaus glaubwürdig dargestellt und durch sie und ihr Handeln lebt das Buch. Und immerhin habe ich mir gleich die anderen Bände der Bücher bestellt.
//_/_/_/_/_/_/_/ DATEN _/_/_/_/_/_/_/_/_/ Das Buch wurde 1990 erstmals veröffentlicht und jetzt wieder neu aufgelegt. Lindsey Davis: Bronzeschatten.Knaur Verlag. Preis: 8,90 €
//_/_/_/_/_/_/_/ Kleiner Exkurs _/_/_/_/_/_/_/_/_/ Bis heute ist die Meinung, dass die römischen Amtsinhaber in den Provinzen letztere auspressten wie reife Zitronen, weit verbreitet. In der Fachwissenschaft mehren sich freilich Anzeichen, dass davon generell und allgemein nicht die Rede sein kann, dass vielmehr oft und größtenteils wirklich gewirtschaftet und nicht erbeutet wurde. Es kann sich, wie es auch bei Davis auftaucht, bei diesem weit verbreiteten Stellungnahmen durchaus um eine Wandersage handeln - ähnlich auch den Latifundien, von denen viele meinen, es habe sie überall gegeben, die aber nur an zwei bis drei Originalstellen benannt werden.
Die vier Sterne für dieses Buch müssen erklärt werden. Nach John Maddox Robert - die bisher auf dem deutschen Markt fehlenden zwei Bände aus dessen Reihe sind ab Mai 2003 wieder erhältlich !!! - gibt es derzeit drei weitere Krimihelden, deren mehr oder minder interessanten taten im Alten Rom spielen. Lindsey Davis ist dabei die meiner Meinung nach von der Qualität der Unterhaltung und der interessanten Handlung wegen die bessere Wahl mit Ausnahme des Originals. Roberts Bücher sind auch im Verkaufserfolg weit über den "Nachahmern" einzuordnen. Sich daran messen zu müssen, ist schwer, zumindest nach meinem Geschmack. Und da ich bei der Lektüre immer wieder Vergleiche gezogen habe, mag das Meinungsbild auch eingetrübt sein.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
Mehr über dieses Produkt lesen
|
|
|
|
26.12.2008 23:31
einwandfreier Bericht, danke für deine Lesung bei mir :-)
21.12.2008 20:02
ich wünsche dir ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest! glg Kathrin
14.12.2008 23:44
jepp ... das alte rom fehlt mir noch in meiner krimisammlung ... .-) lg mozarteum