Über sich:THEMEN: Wie man unschwer erkennen kann, liegt mein Schwerpunkt im Bereich Film, irgendwo zwischen Ku...
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"Beat" Takeshi Kitano bedient nicht unbedingt das Massenpublikum. Den einen ist er mitunter zu poetisch, den anderen zu brutal. Dabei versteht er es wie kein zweiter, das eine mit dem anderen zu verbinden. Trotzdem geht Kitano immer den geraden Weg und am Ende kommt das heraus, was sich am Anfang bereits abgezeichnet hat. Dazwischen fahren Autos einsame Straßen entlang, werden lange Wege gelaufen, ein Baseball-Match, ein verspielter Tag am Meer. Der Zuschauer verfolgt Kitanos Geschichten gebannt, stets darauf gefaßt, unversehens herausgerissen zu werden aus dem beinahe hypnotischen Rhythmus, der diesen Geschichten zugrunde liegt. Meist geschieht das auch - eine Wagenpanne, ein Stolpern, ein nicht gespielter Ball, ein plötzlicher Schuß. Das Banale und das Unerwartete sind dem japanischen Allmeister die gleiche Betrachtung wert. Wenn die Handlung scheinbar arabeske Kreise zieht, findet man sich mit einem Mal doch wieder auf dem Weg und stellt fest, daß man ihn nie verlassen hat.
"Brother" ist nach "Violent Cop" (1989), "Boiling Point" (1990), "Sonatine" (1994)und "Hana-Bi" (1997), der bei den Filmfestspielen in Venedig den Goldenen Löwen gewonnen hat, das neue Gangster-Epos von "Beat" Takeshi Kitano, hier Regisseur, Drehbuch-Autor, Cutter und Hauptdarsteller in einem, sonst noch Produzent mehrerer Game-, Talk- und Comedyshows, Autor von rund einem Dutzend Romanen und populärster Baseball-Kommentator Japans.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Yamamoto (Takeshi Kitano) ist der Leibwächter eines mächtigen Unterweltbosses in Tokio. Als es zum Konflikt mit einer rivalisierenden Familie kommt und sein Boss erschossen wird, gehen Yamamoto und sein Freund Kato (Susumi Terajima) nach Los Angeles, wo Yamamotos Bruder Ken (Claude Koroudo Maki) zusammen mit dessen Freund Denny (Omar Epps) mehr schlecht als recht im Drogengeschäft tätig ist. Kurz nach Yamamotos Ankunft kommt es auch dort zu einer Auseinandersetzung mit einer konkurrierenden Gang. Yamamoto beseitigt die Gangster auf der Straße und die finsteren alten Herren im Hintergrund. Um den einflußreichen Yakuza Shirase (Masaya Kato) als Bündnispartner zu gewinnen, opfert sich Kato. Doch der hitzköpfige Shirase erweist sich als gefährlicher Partner, der das inzwischen florierende Unternehmen direkt in einen Krieg mit der italienischen Mafia steuert. Einen Krieg, von dem Yamamoto weiß, daß er ihn nicht gewinnen kann.
Auch in diesem Film ist Takeshi Kitano nicht gerade redselig. Das Reden überläßt er den anderen. Wenn es nichts mehr zu sagen gibt, sprechen die Waffen. Hier hat Kitano die Möglichkeiten, die sich ihm in den USA geboten haben, weidlich ausgekostet. Dabei kann man nicht sagen, daß mehr Blut fließen würde, als ein abgeschnittener Finger, ein Schuß in den Hinterkopf oder ein fachgerecht aufgeschlitzter Bauch erwarten ließe. Seien es traditionelle Unterwerfungsgesten, rituelle Selbsttötungen oder sonstige Begleiterscheinungen im Leben eines eiskalten Yakuza-Killers: Yamamotos Welt ist blutig. Wer damit nicht zurecht kommt, sollte sich einen anderen Film ansehen. Eingefleischten Actionfans wird "Brother" gefallen. Alteingesessene Kitano-Fans dagegen werden das Kino mit einer gewissen Leere in der Magengegend verlassen.
Abgesehen von der Thematik als solcher und der drastischen Art ihrer Darstellung hat "Brother" nur wenig gemein mit den Vorgängern. Das fängt schon mit der Rhythmik des Films an. Die langen Wege fehlen ganz, das Geschehen am Rande bleibt eher unbeachtet. Es gibt ein paar Zitate aus eigenen Filmen, wie etwa die Straßenszene aus "Sonatine", und Ähnlichkeiten, wie die Figur der Freundin in "Brother" der Freundin aus "Sonatine" ähnelt. Gelegentlich Kitanos skuriler Humor, Marke "I love cops"-Aufkleber auf dem Wagen mit dem Mordopfer oder ein Beschiss unter Freunden beim Würfelspiel. Anspielungen wie "Ich dachte, der (Yamamoto) steht nicht auf Frauen" verweisen auf "Boiling Point" oder "Violent Cop", wo auch nicht ganz klar war, auf wen oder was Kitanos alter ego steht. Mit Katos Opfer und dem Einstieg Shirases in Yamamotos Geschäfte wird das Verhalten der handelnden Personen mitunter unklar. So erscheint nicht schlüssig, warum Yamamoto sich von dem hitzköpfigen Shirase überhaupt in den tödlichen Krieg mit der Mafia reiten läßt. Gegen Ende erscheint die Story ein wenig hingeschludert. Klar ist von vornherein, daß ein Killer wie Yamamoto nicht im Bett sterben wird. Während jedoch in "Hana-Bi" beispielsweise am Ende ein Blick und ein Schweigen die Ausweglosigkeit der Situation und die sich daraus ergebende Konsequenz wortlos erklären, wird in "Brother" ein Abschiedsbrief bemüht. Mit Rücksicht auf das amerikanische Publikum wird Omar Epps den Film überleben und - eher Kitano untypisch - mit den Taschen voller Geld auf dem Highway entschwinden.
Wer die früheren Filme nicht kennt, wird in "Brother" viel Neues entdecken. Wer sie aber kennt, wird sich gelegentlich ein wehmütiges Seufzen nicht verkneifen können. Brother ist gewiß nicht Kitanos bester Film, aber wahrscheinlich wird er der erfolgreichste sein.
Hana-Bo war ein guter Film von Kitano, allerdings für mich zu sehr in Poesie ersäuft. Brother will ich mir auf jeden Fall ansehen, weil der doch bestimmt mehr Richtung John Woo geht. Und den mag ich lieber *g*
hallo troglodyte! vielen dank für die auskunft zu takeshi und dein interesse für meine berichte. tatsächlich habe ich beim meinungsschreiben eine enorme entwicklung mitgemacht. ich schreibe jetzt in erster linie für die leute, die mir ihr vertrauen ausgesprochen haben. interessant sind eigentlich alle meine gut besprochenen bücher. meine neuen qualitätsansrüche habe ich aber erst seit letztem dezember umgesetzt. meine top 10 (keine qualitative reihenfolge):
die hölle auf erden, menschen als versuchskaninchen, einfach ein sehr gutes buch, am ende des weges, held der su (dich interessiert der film wohl nicht?), der mut zu leben, gefährliche erinnerung, der weg in den untergang, tragische lebensgeschichte, wenn das wörtchen wenn nicht wär.
viel spass beim lesen! tresckow
24.01.2003 11:58
Hana-Bo war ein guter Film von Kitano, allerdings für mich zu sehr in Poesie ersäuft. Brother will ich mir auf jeden Fall ansehen, weil der doch bestimmt mehr Richtung John Woo geht. Und den mag ich lieber *g*
29.03.2001 10:06
hallo troglodyte! vielen dank für die auskunft zu takeshi und dein interesse für meine berichte. tatsächlich habe ich beim meinungsschreiben eine enorme entwicklung mitgemacht. ich schreibe jetzt in erster linie für die leute, die mir ihr vertrauen ausgesprochen haben. interessant sind eigentlich alle meine gut besprochenen bücher. meine neuen qualitätsansrüche habe ich aber erst seit letztem dezember umgesetzt. meine top 10 (keine qualitative reihenfolge): die hölle auf erden, menschen als versuchskaninchen, einfach ein sehr gutes buch, am ende des weges, held der su (dich interessiert der film wohl nicht?), der mut zu leben, gefährliche erinnerung, der weg in den untergang, tragische lebensgeschichte, wenn das wörtchen wenn nicht wär. viel spass beim lesen! tresckow
10.03.2001 00:49
@ tresckow: Nicht für jedes Genre, sondern für die Tätigkeit vor der Kamera ("Beat" Takeshi) und hinter der Kamera (Takeshi Kitano). Grüße, Troglodyte