Brother (2000)

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Brother (2000)

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Spiel mit Grenzen

5  27.01.2001

Pro:
Die Neuerfindung eines alten Genres

Kontra:
 -

Empfehlenswert: Ja 

katapult

Über sich: Film ab!

Mitglied seit:31.08.2000

Erfahrungsberichte:69

Vertrauende:31

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

„So konnte also der Don auf sein Regiment recht stolz sein. Diejenigen, die ihm die Treue geschworen hatten, waren in seiner Welt sicher und geschützt, mochten andere Männer, die an Gesetz und Ordnung glaubten, auch zu Millionen sterben."
Mario Puzo, „Der Pate"

Krieg ist für Yamamoto (Takeshi Kitano alias Beat Takeshi) kein Ausnahmezustand sondern ein besonderes Spiel, dessen Regeln er in Tokio perfekt zu beherrschen gelernt hat. Als Leibwächter gelingt ihm aber ein unverzeihliches Missgeschick. Sein Boss wird getötet, was eigentlich gleichbedeutend ist mit dem eigenen Tod. Durch glückliche Umstände bekommt er aber eine zweite Chance. Er landet in L.A., und dort vollzieht er seine Variante des amerikanischen Traums in Windeseile. Wie man sich ein Machtvakuum zu Nutze macht ist für ihn ein Kinderspiel. Kaum dass er aus Tokio geflohen ist gelingt es ihm, verfeindete Latinos, Schwarze und Japaner zu einer schlagkräftigen Yakuza-Truppe zusammenzuschweißen.
Dass letztendlich gegen die Italo-Mafia kein Kraut gewachsen ist wird er noch vehement zu spüren bekommen, doch anfängliche Bedenken seiner stümperhaften Rekruten wischt er locker beiseite. „Dann ist halt Krieg" stellt er nüchtern fest - und grinst.
Wofür eigentlich tötet die Yakuza? Für Geld und Macht kurzfristig. Langfristig scheint es keine Ziele zu geben außer den eigenen Tod.

Todesverfallenheit ist vielleicht das zentrale Thema von „Brother". Yamamoto betritt Amerika wie ein Handwerker auf der Suche nach einer Fabrik. Töten hat er gelernt, Gewalt ist sein Handwerkszeug und Material zum Bearbeiten findet er zuhauf. Ansonsten gibt er eine verlorene Gestalt ab, er ist gelangweilt und einsam. Der Heimatlose spricht kaum, verzieht keine Miene, und dann lacht er plötzlich los wie ein Kind, wenn er z.B. beim Würfeln geschummelt hat. Aber er lacht auch dann, wenn er mit einem Opfer ein tödliches Spiel spielt, wo nur er gewinnen kann. Selbst seinen eigenen Tod inszeniert er mit Hingabe und nicht ohne Befriedigung. Ein fairer Verlierer zu sein ist ihm einiges wert.

„Brother" ist ein irritierender Film - lakonisch, still, poetisch, sehr oft ungemein komisch und gleichzeitig exzessiv brutal. Getragen wird er von einer fatalistischen Einstellung zum Leben, und doch wird nichts angeklagt oder verherrlicht.
Den Vorwurf, gewaltverherrlichend zu sein, weist Kitano überzeugend von sich: „Das mag so wirken, weil die Gewalt sich oft unerwartet und „schmerzhaft" ereignet. Aber Gewalt ist in ihrem Wesen genau so. (...) Wer zur Gewalt greift, wird unvermeidlich von ihr eingeholt." (Kitano in einem Interview in „Der Tagesspiegel".)

Kitano ist ein Meisterwerk gelungen. Er entwickelt den Mafia-Film neu, indem er dem Genre eine kühle, melancholische Ästhetik verpasst. Er verzichtet auf Tarantino-Coolness und bringt seinen eigenen Humor ein. Er verzichtet auch völlig auf Heldentum und zeichnet die Mafia als eine anachronistische Burschenschaft.
Es gibt brillant geschnittene Szenen, in denen die Schießereien wie ein Stroboskoplicht wahrgenommen werden. Nur kurze Standbilder deuten auf das Massaker hin und am Ende der Szenen sieht man die Dutzenden von Leichen kunstvoll arrangiert herumliegen.
Was den Film vollends zum Genuss macht ist Takeshi Tikano selbst. Wie er durch die Szenen watschelt ist köstlich, und mit seiner scheinbar starren Mimik schauspielert er äußerst originell und überzeugend.

Im Fernsehprogramm „DSF" albert Kitano schon seit geraumer Zeit täglich herum mit seiner radikalen Variante vom „Spiel ohne Grenzen" ("Takeshi's Castle"). Schon dabei erscheint er einem respekteinflößend und sympathisch zugleich. Wer aber keine Angst hat vor einer möglichen realen Begegnung mit ihm verdient meinen allerhöchsten Respekt!.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Shacaru

Shacaru

09.08.2001 20:04

Soso, also hat es dieses wundervolle Kunstwerk "Brother" doch zu ciao-Besprechungen geschafft. Respekt, nachdem hier doch recht oft halbseitig Hirngelähmte zu Werke gehen zu scheinen; vor allem bei Filmen (siehe z.B. Vertical Limit). Aber darum geht's ja nicht. Ein schöner Bericht, den du da abgeliefert hast, ich überleg jetzt stark, ob ich wirklich noch meinen eigene abliefern soll. Aber einen kleinen Fehler inhaltlicher Natur hast du meiner Meinung nach gemacht: Yamamoto versagt nicht als Leibwache seines Bosses, sondern seine Familie wird wg. besagter Ermordung seines Bosses Oberhauptslos und damit vom rivalisierenden Syndikat geschluckt. Yamamoto unterwirft sich nicht aktiv und soll daher von seinem Ex-"Bruder" getötet werden, zum einen um ihn aus dem Weg zu räumen, zum andern um seine eigene Loyalität zu beweisen. Dieser schafft ihn dann nach Amerika. Zumindest ist das meine Deutung. Und ach ja, falls jemand aus der Gegend kommt: In Tübingen läuft der gerade. Bis denn dann.

BornHoLyO

BornHoLyO

20.04.2001 15:19

Das mit dem Doppel-Effekt tut mir Leid. War keine Absicht! Aber deswegen musst du doch nicht gleich.. is der revolver echt? aber wir können doch.. nein..

BornHoLyO

BornHoLyO

20.04.2001 15:17

Brother zeigt viel und doch gar nichts. Ich persönlich hatte enorme Schwierigkeiten, im Film eine Kontinuität zu finden, aber dann wirkt er erstaunlich. Trotzdem halte ich "Meisterwerk" dann etwas zu übertrieben, der Film bleibt sehr einseitigt vor allem nervt das übertrieben gezeichnete Verhalten von Takeshi stellenweise schlicht. Visuell bleibt er aber überzeugend, obwohl man das Gefühl hat, Kitano konnte sich nicht eindeutig für einen Stil entscheiden. Aber gut, der Mischmasch is ja auch gut (vor allem die Strobo-Schießerei!). MfG BornHoLyO

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