Brother (2000)

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Brother (2000)

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Yo, Brother Yakuza, what’s up?

5  13.08.2002

Pro:
Kitano as usual

Kontra:
kommerzieller und brutaler als "Kitano as usual"

Empfehlenswert: Ja 

MarsellusWallace14

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:255

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 66 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

All diejenigen Kritiker, die mit den Filmen des japanischen Multitalents „Beat“ Takeshi Kitano nichts anfangen können, bezichtigen den Regisseur, Autor und Schauspieler der unnötig exzessiven Darstellung von Gewalt, der spärlichen, prätentiösen Handlung und der kalten, sterilen und nahezu bewegungslosen Mimik, die der kauzige Kerl mit den starren Augen, dem Knautschgesicht und der kleinen Statur an den Tag legt. Ihn als einseitig abzustempeln wäre wohl die größte Beleidigung, die man sich bei einem Tausendsassa wie Kitano vorstellen kann: nicht nur moderiert er hirnrissig alberne, für sich schon brutale Game Shows im japanischen Fernsehen und ist sowohl als Standup-Komiker und Kinderfreund in seinem Heitmland bekannt wie ein bunter Hund und von allen Altersklassen beliebt, zudem fertigt er oft in Personalunion extrem gewalttätige Krimis an, die in ihrer poetischen Wucht, ihrer narrativen Experimentierfreude und stilistischer Perfektion auf allen Festivals dieser Welt enormen Zuspruch und Respekterweisung erhalten haben. Beat Takeshi ist ein Meister.

Von Kitano kenne ich bislang drei Filme, die allesamt von Gangstern und Polizisten handeln und im selben Stilleben-Tempo und mit unvermittelten Gewaltexplosionen erzählt werden, aber keiner wie der andere ist. „Violent Cop“ (1989), sein überschätztes Frühwerk, war eine japanische „Dirty Harry“-Variante, die Maßstäbe in kühl kalkulierter Gewalt setzte, aber eher seelenlos blieb. „Sonatine“ (1993), sein bislang bester Film, war die verzaubernde Story über echte Zuneigung zwischen verspielten Yakuza-Killern, die im Blutbad endete. „Hana-Bi“ (1997), sein bislang am meisten gefeiertes Werk, war die in verschiedenen Zeitebenen fast simultan erzählte, tragische Lebensgeschichte eines korrupten Polizisten, der die Seiten wechselt. Mit der amerikanisch-japanischen Co-Produktion (Frankreich und England zahlten auch) „Brother“ (2000) stellt sich der in Europa und Asien gefeierte Kitano dem Westen vor und kehrt in Amerika ein, um einen kraftvollen, stilvollen Krimi mit kulturspezifischem Humor, zunehmend brutaler Gewalt und gewohnt grandiosen Momenten abzuliefern.


>>>>> T h e S t o r y <<<<<


Yamamota (Beat Takeshi) ist ein ehrenhafter und treu ergebener Yakuza, ein Killer der Mafia Japans. Als er jedoch den Mord an seinem Boß durch die Männer einer verfeindeten Gang nicht verhindern kann und alle seine Yakuza-Brüder ihre Dienste den verhaßten Feinden anbieten, will er es alleine mit der mächtigen Organisation aufnehmen. Doch sein Freund, der beauftragt wurde ihn zu töten, bittet ihn darum, das Land zu verlassen und von Tokyo nach Los Angeles, Amerika zu fliehen, wo dessen adoptierter Bruder Ken (Claude Maki) weilt.

In den Staaten begegnet Yamamoto auf dem Weg zu Ken den schwarzen Kleingangster Denny (Omar Epps), der ihn abzuzocken versucht, aber mit einem verwundetenn Auge davon kommt. Es stellt sich heraus, daß Denny und zwei andere Freunde von Ken für die Latino-Mafia Drogen verkaufen. Als einer von ihren Männern, Ken wegen mieser Ausbeite bedrohen, greift Yamamoto dazwischen und löscht gleich in einem Rutsch die ganze Organisation aus. Sie übernehmen das Territorium und formen eine Gang aus Schwarzen und Japanern, die allmählich an Ansehen, Stärke und Furcht zunimmt. Indes entwickelt sich eine tiefgehende Freundschaft zwischen den brothers-in-crime Denny und Yamamoto.

Doch nachdem auch der feindliche örtliche Yakuza Shirase (Masaya Kato) sich der Gang angeschlossen hat, versuchen sie die italienische Mafia aus dem Geschäft zu bringen, was verhängnisvolle Konsequenzen für alle Beteiligten annimmt...


>>>>> M y R e v i e w <<<<<


Wer „Brother“ als Meisterwerk bezeichnet ist nicht weit von der Wahrheit. Aber auch wenn der Film durchaus ebenso kontroverse wie grandiose, faszinierende wie abstoßende Szenen innehat, so kommt er weder an die Leichtfüßigkeit von „Sonatine“ noch an den Schwermut von „Hana-Bi“ heran. So stilsicher Kitano auch hier abermals vorgeht, so kann man sich dem Eindruck nicht verwehren, daß er bei der Transaktion von Japan nach Amerika doch einige Kompromisse machen mußte, um zugänglicher zu werden für die große Masse. Gut möglich, daß der im Verhältnis zu seinen anderen Filmen weit flotter vorangehender Film, der erstmals auch in großen Teilen in Englisch ist, zu einem Kultklassiker auf Video avanciert, zumal die einzigartige Kombination aus ahnungslosen Ghetto-Kids und abgebrühten Yakuza-Killern nicht nur den Charme und Dynamik dieses kleinen Juwels ausmacht, sondern auch viele Jugendliche ansprechen wird und somit den für anspruchsvolle Filme bekannten Kitano richtig populär machen wird, zumal in Sachen Action „Brother“ nicht zu unterschätzen ist.

Der durchweg ansprechende Crossover-Appeal des Films ruht auf den Schultern der zwei Hauptdarsteller Takeshi Kitano und Omar Epps. Kitano gibt einmal mehr den skrupellosen Killer mit einem äußerst morbiden Humor, kurzer Lunte und unglaublicher Härte, während Epps den Straßenjungen, der sich auf einmal in edlen Anzügen höchst sympathisch gibt. Die innige Beziehung zwischen den beiden Kriminellen spiegelt sich auch in der Freundschaft zwischen Kitano und seinem japanischen Yakuza-Bruder, wo auch die Doppeldeutigkeit des Filmtitels liegt: Brother sowohl im Sinne von „schwarzer Bruder“ und „Yakuza-Bruder“. Die übrige Besetzung ist für ihre jeweiligen Rollen perfekt, selbst wenn die jüngeren Gangster meist nur apathisch herumstehen und staunen ob der Aktionen der erfahreneren Männer.

Die Dramaturgie des Films ist recht simpel, als daß sie von einem grausamen Gemetzel zum nächsten schaltet und den Aufstieg der Brüder-Gang eindrucksvoll bebildert. Als dann der Zerfall umso härter ist, geht der Film einem gar zu Herzen, wie etwa wenn ein schwarzer Bruder um seinen japanischen Bruder trauert und in seiner Wut zurückgehalten werden muß. Und Kitano hat für seine Figur die vielleicht schönste, coolste und eleganteste Todesszene seit, ja, seit seiner Off-Kamera-Todesszene in „Sonatine“ aufgehoben. Lediglich einer kommt davon und dessen sentimentaler Quark hätte man nun wirklich aus dem Film schneiden können ohne wichtige Informationen, noch eine sehenswerte Szene zu verlieren. Der Film hätte mit dem absehbaren Tod des Yakuza-Killers Yamamoto enden soll. Schluß und aus.


>>>>> F i n a l V e r d i c t <<<<<


Abgesehen von dem unnötig fröhlichen Epilog, ist „Brother“ ein weiterer Kitano-Klassiker, der all seine Vorlieben von kranker Gewalt, absurdem Humor, gewichtigen Fragen über Ehre, Kameradschaft, Treue, Freundschaft und Brüderlichkeit unter Kriminellen abermals behandelt, wenn auch in einer aufregend neuen Variante. Es ist kommerzieller und brutaler geraten als seine früheren Filme, aber das verzeiht man dem Meisterregisseur nur zu gerne.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Stingl

Stingl

01.07.2003 01:17

Sehr gut reviewt. Mir hat dieser Film von Kitano bislang am besten gefallen, da er nicht so poetisch tief überladen ist. Und sogar für seine Verhältnisse recht temporeich... Dabei liebe ich ja ruhige, lange Einstellungen (Sergio Leone ist da immer noch der Meister), bei Kitano ist das aber teilweise auch etwas zu langatmig inszeniert. Dafür besticht seine Coolness, die nur noch von Eastwood himself übertroffen wird. Und der Schlußmonolog von Epps, nun ja, ein Zugeständnis für den Durchschnitts-Gucker. Aber ein Happy-End ist das ja auch nicht wirklich. Sehr guter Bericht. LG, Torsten

w.gruentjens

w.gruentjens

20.08.2002 22:48

Man weiß bei deiner Meinung nicht genau, ob die Unnötigkeiten, die dich gestört haben, wirklich für jeden Betrachter so verzeihlich sind, wie sie es für dich sind. Ich werde ihn wohl mal selbst ansehen müssen...

moerk

moerk

20.08.2002 12:32

ich war auch recht beeindruckt. kannte ich Beat Takeshi zwar bis dahin noch nicht, habe ich ihn wohl schätzen gelernt. dieser subtile humor verbunden mit der bedingungslosigkeit, mit der er zu werke geht, stellt er absolut überzeugend dar. und die "holy shit"-szene (denny fährt im wagen und realisiert, was yamamota für ihn getan hat) am ende, hat mich fast umgehauen. ein wirklich guter yakuza-film.

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  1. Stingl
  2. mima17
  3. w.gruentjens
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"hilfreich" von (2%):
  1. FrankundFrei

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