Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Die Büchergilde Gutenberg überzeugt durch ein reichhaltiges Angebot an Büchern, die in jeder Hinsicht vom Feinsten sind : sowohl inhaltlich als auch handwerklich |
| Kontra: |
ohne jede Einschränkung empfehlenswert ! |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Buchclubs und Buchgemeinschaften gibt es viele. Auch Bertelsmann, der sich mittlerweile zum Medienriesen und weltweit operierenden Super-Tycoon gemausert hat, begann seinen phänomenalen Aufstieg in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts einmal als kleiner Lesering mit Sitz im westfälischen Städtchen Gütersloh.
Den Ehrgeiz, zu einem weltumspannenden Großunternehmen à la Bertelsmann aufzusteigen, hatte die Büchergilde Gutenberg freilich nie. Seit ihrer Gründung im Jahre 1924 versteht sie sich vielmehr als ein Buchclub, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, seinen Mitgliedern Zugang zu guten Büchern zu verschaffen, die inhaltlich wertvoll sind, deren Aufmachung den handwerklichen Prinzipien der Buchdruckerkunst entspricht und die auch für Menschen mit schmalem Geldbeutel erschwinglich sind.
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Geschichte der Büchergilde:
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Aus der Taufe gehoben wurde die Büchergilde Gutenberg am 29. August 1924 vom „Bildungsverband der deutschen Buchdrucker“. Maßgeblicher Initiator und Gründungsmitglied dieser seit ihrem Bestehen der Gewerkschaft sehr nahe stehenden Buchgemeinschaft war Bruno Dreßler, der unmittelbar nach Gründung Geschäftsführer wurde und dieses Amt bis kurz vor seinem Tode innehatte.
Mit der Gründung dieser Buchgemeinschaft verfolgten die Buchdrucker in erster Linie das Ziel, gute Literatur und „Schöngeistiges“ einer breiten Schicht von Arbeitern zugänglich zu machen, um dem damaligen Proletariat die Teilnahme am geistigen und kulturellen Leben seiner Zeit zu ermöglichen.
Uns Kindern der heutigen Wohlstandsgesellschaft scheint es kaum noch verständlich, daß der Besitz von Büchern einst NICHT zu den Selbstverständlichkeiten des Lebens gehörte. Und doch war damals genau dies der Fall: Der Besitz von Büchern war ein Privileg der Angehörigen der oberen Gesellschaftsklassen. Arbeiter und kleine Angestellte/Beamte hingegen konnten sich Bücher nicht leisten, sondern waren in den Zeiten der Inflation und der nachfolgenden Massenarbeitslosigkeit der Weimarer Republik vollauf damit beschäftigt, ihr nacktes Überleben zu sichern. Es galt, einigermaßen satt zu werden, die Miete für das Dach über dem Kopf zusammenzukratzen und Brennmaterial für den Winter zu organisieren, um nicht erfrieren zu müssen. An den Erwerb von Büchern war gar nicht zu denken, weil unerschwinglich.
Auch das Taschenbuch, das die Verbreitung von Literatur in geradezu umwälzender Weise demokratisiert hat, war noch längst nicht erfunden. Es sollte immerhin bis zum Jahre 1950 dauern, bis der Rowohlt-Verlag (rororo) das erste Taschenbuch auf den Markt brachte und damit den Buchmarkt revolutionierte.
Dieses Mißstandes war sich im Jahre 1929 der Bildungsverband der deutschen Buchdrucker nur zu gut bewußt und wollte Abhilfe schaffen. Bücher sollten fortan JEDERMANN zugänglich sein. Unbeeinflußt von Profitinteressen sollten die Mitglieder der Büchergilde Gutenberg „inhaltlich gute Bücher in technisch vollendeter Ausführung und nicht alltäglicher Ausstattung“ erwerben können, um des „schöngeistigen“ Lebens teilhaftig zu werden (Zitat aus der damaligen Satzung).
Schnöde Profitinteressen waren streng verpönt: auf einen Verlegergewinn wurde konsequent verzichtet. Jeglicher Gewinn sollte der besseren Ausstattung der Bücher zugute kommen.
Die aufgrund dieser Philosophie gegründete Büchergilde Gutenberg erwies sich als erfolgreich und beständig. Sie konnte namhafte Autoren, u.a. den geheimnisumwitterten B. Traven, dessen berühmtes „Totenschiff“ erstmalig und exklusiv bei der Büchergilde erschien, für sich gewinnen. Unter anderen waren auch Erich Kästner und Ricarda Huch dieser Buchgemeinschaft sehr verbunden.
1933 übernahmen die Nazis die Macht in Deutschland. Nach der barbarischen Bücherverbrennung wurde das kulturelle Leben in unserem Lande gleichgeschaltet, und die Büchergilde Gutenberg mußte ins Schweizer Exil ausweichen. Dort konnte sie sich bis Kriegsende immerhin über Wasser halten.
1946 versuchte Bruno Dreßler in Deutschland einen Neuanfang, der sich sehr schwierig gestaltete, stand doch Nachkriegsdeutschland noch unter der Verwaltung der Siegermächte, die ein strenges Auge auf sämtliche Veröffentlichungen auf dem Gebiet der Literatur hatten, weil sie die abermalige Verbreitung faschistischen Gedankenguts verhindern wollten.
Über diesen Verdacht war die Büchergilde natürlich völlig erhaben, und so wurde sie im Laufe der Wirtschaftswunderjahre und in den Jahren danach immer erfolgreicher, konnte die Zahl ihrer Mitglieder enorm steigern, wartete mit exklusiven und hochinteressanten Buchproduktionen auf und gewann zahlreiche Auszeichnungen wegen der hervorragenden Gestaltung ihrer Bücher ...
Dieser Höhenflug hielt bis in die neunziger Jahre an. Vor etwa zehn Jahren begannen die Mitgliederzahlen jedoch, langsam aber stetig zu sinken. Parallel dazu schrumpften die Zahlen der Gewerkschaftsmitglieder. Über die Ursachen für diesen Mitgliederschwund, der gewiß nichts mit dem Programm der Büchergilde zu tun hatte, kann ich nur Vermutungen anstellen: Die mit der Gewerkschaft assoziierte Büchergilde mußte sicher – obwohl völlig unbeteiligt - auch einen Teil der Zeche für den damaligen Skandal um die gewerkschaftseigene „Neue Heimat“ mitbezahlen.
1997 wollte sich die Beteiligungsgesellschaft der Gewerkschaften AG (BGAG) von der inzwischen unrentablen Büchergilde trennen und bot sie zum Verkauf an. Als einziger ernst zu nehmender Kaufinteressent blieb der Bertelsmann-Konzern übrig. Nach zähen Verhandlungen nahm die BGAG das Angebot der Mitarbeiter der Büchergilde an, ihnen den Buchclub in Form eines „Management-Buyouts“ zu verkaufen.
Seit 1998 haben also einige leitende Angestellte die Führung der Büchergilde eigenständig und sowohl gewerkschafts- als auch konzernunabhängig übernommen. Ihre erklärte Absicht ist es, das Programm der Büchergilde gemäß der Philosophie ihrer Gründungsväter fortzuführen.
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Worin besteht dieses Programm im Einzelnen?
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Das Programm der Büchergilde zeichnet sich vor allem durch seine Besonderheit aus. Im Angebot sind ausschließlich Bücher, die sich deutlich vom Alltäglichen abheben. Dies gilt sowohl für deren besonders gute handwerkliche Austattung und Aufmachung als auch für ihren Inhalt.
Allerwelts- und Trivialliteratur gehörte nie zum Repertoire der Büchergilde und wird hoffentlich nie dazugehören.
Vielmehr ist das Sortiment der Büchergilde dazu angetan, den geistigen Horizont des Lesers zu erweitern, seine Bildung zu vertiefen, ihm einen preisgünstigen Zugang zu klassischer Literatur zu bieten und ihn an der Diskussion politischer und gesellschaftlicher Themen zu beteiligen.
Ganz in diesem Sinne genießen literarische Werke, die sich mit politischen und zeitkritischen Themen beschäftigen, absolute Priorität. Diese Maxime gilt nicht nur für deutsche und europäische Sachbücher, sondern auch für Belletristik aus der ganzen Welt, sofern sie ein politisches oder sozialkritisches Thema behandelt.
Im Kampf gegen das Vergessen der nazionalsozialistischen Gewaltherrschaft und ihrer Folgen findet die Rubrik „Exilliteratur“ mit Werken u.a. von Feuchtwanger, Döblin und Koestler auch heute noch, über 50 Jahre nach dem Zusammenbruch des sog. „Dritten Reiches“, einen angemessen Platz im Sortiment der Büchergilde Gutenberg.
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Nicht unerwähnt bleiben sollte darüber hinaus die Buchreihe „Edition Zeitkritik“ mit Beiträgen über politische und soziologisch relevante Themen und Fragestellungen unserer Zeit, die seit einigen Jahren einen bedeutenden Platz im Programm der Büchergilde Gutenberg einnimmt. Von Ortega y Gassets „Der Aufstand der Massen“ über Fromms „Haben oder Sein“ bis hin zu Kymlickas „Multikulturalismus und Demokratie“ findet sich hier eine große Auswahl an Texten zur Gesellschaftskritik und zu Phänomenen, die die öffentliche Debatte bestimmen.
Mitglieder können die „Edition Zeitkritik“ abonnieren und sparen dabei 20 Prozent gegenüber dem regulären Listenpreis.
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Des Weiteren besticht die Büchergilde durch ihr exzellentes Angebot an ILLUSTRIERTEN Büchern. Auf diesem Gebiet ist sie führend und wurde im Laufe der Zeit mit zahlreichen Preisen der Stiftung Buchkunst für das jeweils „schönste Buch des Jahres“ ausgezeichnet.
Als illustrierte Ausgaben angeboten werden meist bekannte Werke von Klassikern, wie z.B. „Deutschland, ein Wintermärchen“ von Heinrich Heine, George Orwells „Animal Farm“, das berühmte „Utopia“ von Thomas Morus, Heinrich Manns „Untertan“ oder Oscar Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“, um nur einige wenige zu nennen.
Unter den Illustratoren dieser Reihe finden sich so illustre Namen wie Bernhard Heisig, Georg Eisler, Hans Ticha und immer wieder der unverkennbare Michael Mathias Prechtl, der mittlerweile als „Haus- und Hof-Illustrator“ der Büchergilde gilt und in diesem Jahre seinen 75. Geburtstag feiert.
Für diejenigen, die sich für diese bibliophilen Kostbarkeiten besonders interessieren: über Orwells „Animal Farm“ sowie über „Dr. Erich Kästners Lyrische Hausapotheke“ habe ich hier bei ciao vor einiger Zeit Rezensionen eingestellt, in denen ich diese Ausgaben detailliert beschreibe.
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Neben diesen Leckerbissen aus der Bereich der „großen“ Literatur bietet die Büchergilde auch Gesamtausgaben der Werke großer Dichter und Schriftsteller, Biographien sowie Sachbücher aus allen Bereichen des Lebens.
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Aktuell verfolgt die Büchergilde das Mammutprojekt einer exklusiven Ausgabe des Gesamtwerkes von Günter Grass, dem Nobelpreisträger des Jahres 1999. Den Auftakt dieser Edition bildet – wie könnte es anders sein – die „Blechtrommel“, die sowohl in herkömmlicher Buchform neu herausgegeben wird als auch – ein besonderes Schmankerl – als Hörbuch auf 23 CDs, vom Autor höchstpersönlich gelesen.
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Auch Kinder- und Jugendbücher dürfen im Programm der Büchergilde natürlich nicht fehlen. Die „Unendliche Geschichte“ von Michael Ende ist ebenso vertreten wie das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten. Und der beliebte Zauberlehrling Harry Potter hat selbstverständlich auch längst seine Fangemeinde bei der Büchergilde.
Wenn dem Leser schließlich die Augen vor Überanstrengung zufallen, kann er sich bei den Klängen einer exquisiten CD entspannen, die er natürlich auch bei der Büchergilde Gutenberg erworben hat. Das Musikprogramm besteht allerdings ausschließlich aus Zukaufprodukten. Über einen eigenen Musikverlag verfügt die Büchergilde nicht.
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Hier noch ein paar „technische“ Details:
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Jedes Mitglied der Büchergilde verpflichtet sich zur Abnahme eines Titels pro Quartal.
Mitgliedsbeiträge werden nicht erhoben; Freundschaftswerbungen werden mit wertvollen und nicht alltäglichen Prämien belohnt.
Vierteljährlich erscheint eine interessant aufgemachte Mitgliederzeitschrift, die nicht nur eine Liste der Neuerscheinungen, sondern auch detaillierte Rezensionen sowie Interviews mit Autoren enthält.
Auch im Internet ist die Büchergilde natürlich längst vertreten: www.buechergilde.de.
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FAZIT: Ohne Einschränkung 5 leuchtend rote Sterne für diese außergewöhnliche Buchgemeinschaft!
Ich bedanke mich fürs Lesen und empfehle natürlich die Lektüre der Büchergildenbücher.
Copyright giovanna, 2001
| weitere Erfahrungsberichte |
Büchergilde ist nicht mehr ganz zeitgemäß
Bewertung für Büchergilde Gutenberg von
crusty68
Pro: Sonderausgaben
Kontra: Versandkosten, Schwankende Qualität, lange Lieferzeiten
Die Büchergilde ist der etwas andere Buchclub. In der Eigenwerbung lieben sie schöne und gute Bücher, weisen permanet auf die Qualität der Bücher hin. Die Bücher sind tatsächlich bei einigen Exemplaren hochwertig in Leinen gebunden, ich persönlich hatte 3 ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
14.03.2011
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Der andere Club, wirklich schöne Bücher
Bewertung für Büchergilde Gutenberg von
bgbln
Pro: Gute Titelauswahl, beste Ausstattung
Kontra: -
...Vor fast 20 Jahren, ich war gerade 16 (schluck!) trat ich der Büchergilde Gutenberg bei. Damals war der club noch voll in gewerkschaftlicher Hand. Dieser Buchclub ist vor 75 Jahren von Gewerkschaftlern gegründet worden und die Aufgabe war, schöne Bücher f ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
16.09.2000
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