Buddhismus

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... Später kaufte ich mir ein Buch mit dem Titel "Buddhismus für das Abenland". Da steht teilweise ganz etwas anderes drin. Deshalb möchte ich mal die Frage erörtern: was ist eigentlich Buddhismus? Die Meditation ****************** Diese deckt sich nur teilweise mit dem Buddhismus. Es ... Bericht lesen





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Eine Religion als Ratgeber
Erfahrungsbericht von negendank über Buddhismus
16.12.2005


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Buddhisten sind freundlich, hilfsbereit und selbstlos .
Kontra: Buddhisten sind leidenschaftlos und gleichgültig .

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Diesmal verwerte ich zwei Erfahrungen. Während eines Aufenthaltes in Singapore erlebte ich zufällig den Geburtstag Buddhas. Die Bevölkerung ist zu 80% chinesisch und dies ist der einzige Tag im Jahr, an dem sich ein Chinese öffentlich als Buddhist zu erkennen gibt. Sonst sind Asiaten im Hinblick auf ihre Religion sehr schweigsam. Nur wegen des Feiertages hattte ich Gelegenheit, einmal bewußt mit Buddhisten zu sprechen.

Später kaufte ich mir ein Buch mit dem Titel "Buddhismus für das Abenland". Da steht teilweise ganz etwas anderes drin. Deshalb möchte ich mal die Frage erörtern: was ist eigentlich Buddhismus?

Die Meditation
******************

Diese deckt sich nur teilweise mit dem Buddhismus. Es gibt auch eine hinduistische Meditation und es gibt eine Meditation durch Psychologen. Es gibt auch Lehrmeister, welche Techniken der Meditation in Kursen vermitteln. Da kann ich nicht mitreden. Ich habe keinen dieser Kurse besucht, wobei ich nicht weiß, welcher dieser Lehrmeister seriös ist. Allerdings kann man auch aus Gründen meditieren, die nichts mit der Religion zu tun haben. Das Thema gehört eigentlich in eine andere Kategorie.

Ein Buddhist ist nicht automatisch zur Meditation verpflichtet. Es gibt allerdings Gründe zur Meditation, auf die ich noch eingehen werde. Ein Mensch kann auch privat bei sich zuhause meditieren. Das läßt sich nicht nachprüfen und so kann jeder alles behaupten. Betrachten wir ersteinmal, was den Buddhismus so alles ausmacht.

Das Leben Buddhas
*************************

Sein Leben ist historisch belegt. Buddha war ein Mensch aus Fleisch und Blut, der sich auch irren konnte. Im Laufe seines Lebens hat er sich mehrfach korrigiert. Gestorben ist er an einer Fleischvergiftung. Er hat unwissentlich vedorbenes Fleisch gegessen und das war schon ein tragischer Irrtum.

Daraus zieht der Mensch ganz richtig den Schluß, daß man beim Einkauf von Fleisch auf Qualität achten soll. An dem Beispiel will ich zeigen, daß sich der Buddhismus nicht abgrenzen läßt. Diese Lehre enthält gesunden Menschenverstand und Alltagsweisheiten. Es sind vielerlei Erkenntnisse dabei, die man auch anders bekommen könnte. Man kann auch buddhistische Ratschläge befolgen, ohne deshalb Buddhist sein zu müssen.

Anders an Buddhas Geburtstag. Es werden nur vegetarische Speisen gereicht. Diese Geste zeigt Respekt vor Buddha und wird auch von Ausländern erwartet. Es wäre äußerst taktlos, an seinem Geburtstag ausgerechnet das Nahrungsmittel zu verzehren, an dem er selber gestorben ist.

Kulturelle Vermischung
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Weil diese Lehre viele Erkenntnisse enthält, die man auch anders bekommen könnte, kommt es in asiatischen Ländern unweigerlich zur kulturellen Vermischung. In Ländern, die mehrheitlich von Buddhisten bewohnt werden, sind diese anhand ihrer Kultur zu erkennen. Das gilt besonders für die Kleidung. Die reine Lehre sagt nicht aus, welche Kleidung "richtig" oder "falsch" wäre. Dagegen haben asiatische Kulturen eine erkennbare Kleiderordnung. Auch in den Ländern verbringt ein überzeugter Buddhist einige Zeit seines Lebens im Kloster, um sich so zu seiner Religion zu bekennen. Im Kloster werden nur Lehren buddhistischen Ursprungs verkündet und das ist dann eindeutig.

In China und Japan wird gesagt, daß die Menschen mehrere Religionen haben. Das liegt an uralten Traditionen, welche sich nicht mehr aus dem Buddhismus heraus erklären lassen.

In Europa führt die kulturelle Vermischung dazu, daß sich Buddhisten nicht eindeutig von Nicht-Buddhisten unterscheiden. Deshalb werden sie statistisch nicht erfaßt und es gibt keine konkrete Zahl. Nun muß es quasi einen gemeinsamen Nenner geben, damit der Buddhismus eine eigenständige Identität hat. Die gemeinsamen Überzeugen lassen sich stichwortartig in drei Punkten zusammenfassen:

1. Es gibt eine Wiedergeburt. 2. Das Karma hat Einfluß auf die Wiedergeburt. 3. Viele Wiedergeburten führen ins Nirvana. Dazu im Einzelnen:

Das Karma
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Dies ist ein Schicksal, das man sich selbst zuzuschreiben hat. Jede Handlung hat Folgen und zwar unabhängig vom Glauben. Diese Folgen treten ein, egal ob man daran glaubt oder ob man das nicht glaubt und das ist das Schicksalhafte an der Sache.

Die Folgen können entweder in diesem Leben oder in einem späteren Leben eintreten. Deshalb ist der Buddhismus eine Mischung aus Religion und Ratgeber. Der Mensch will sich auch schon in diesem Leben vor unangenehmen Folgen schützen und dazu braucht er einen Ratgeber. Dieser kann buddhistischen oder nicht-buddhistischen Ursprungs sein. In Asien sind solche Ratgeber in englischer Übersetzung zu bekommen und da habe ich mal gestöbert. Es gibt tatsächlich einen buddhistischen Ratgeber zum richtigen Verhalten im Straßenverkehr. Ein gläubiger Buddhist kann alles und jedes mit seiner Religion verbinden und vielfach geht es um ganz praktische Dinge.

Nun kommen wir zum nächsten Leben und das gehört schon zur Religion. Das Karma bildet die Summe aller Folgen und hat auch im nächsten Leben Konsequenzen. Ein Budhhist will nach seiner Wiedergeburt besser leben als heute und dazu muß er sein Karma verbessern. Dazu gibt es drei Wege.

Am einfachsten und besten leistet er gute Taten. Das ist jede Form von uneigennütziger Hilfe für andere Menschen. Dadurch bekommt der Buddhismus seinen sympathischen Charakter. Gläubige Buddhisten sind sanftmütig, höflich, tolerant, hilfsbereit und gastfreundlich. Der Umgang mit solchen Menschen bereitet sehr viel Freude. Und umgekehrt werden Haß, Neid und Gier strikt abgelehnt. Das sind negative Eigenschaften, welche das Karma verderben und unangenehme Folgen haben.

Nun hat der Mensch nicht immer die Gelegenheit und die Mittel, um anderen helfen zu können. Dann kann er buddhistische Lehrbücher studieren und andere Wege finden. Die Sache hat nur einen Haken. Die Handlungen des Menschen sind auch von der Situation abhängig. Wenn die beschriebene Situation auf mich nicht zutrifft, dann kann ich das Beispiel nicht nachmachen. Das gilt besonders für asiatische Werke in englischer Übersetzung. So habe ich einmal gelesen, wie einer eine gute Tat vollbracht hat, indem er Götzenanbeter aufgeklärt hat. Bei uns kenne ich keinen Götzenanbeter, den ich aufklären könnte. (Oder sind bei Ciao welche dabei? *ggg*).

Das wäre nun Anlaß zur Meditation. Ich wüßte nicht, wem ich helfen könnte und finde auch keine Ratschläge, die mir weiterhelfen. Dann müßte ich meditieren und auf dem Weg herausfinden, was ich sonst noch tun könnte.

Meine Meinung
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Vielleicht komme ich nochmal auf diese Erde; - vielleicht auch nicht. Wenn diese Lehre doch stimmen sollte und wenn ich ein weiteres Leben bekommen sollte, dann wäre ich später froh darüber, wenn es mir besser geht. Ich betrachte das mit dem Karma als eine Art Vorbeugung, so wie man auch Krankheiten vorbeugt. Wenn es nichts nutzt, dann kann es auch nicht schaden. Besonders gute Taten sind nie verkehrt. Warten wir mal ab, was dabei herauskommt.

Privat habe ich schon versucht, zu meditieren. Doch im Alleingang fällt es sehr schwer, die Meditation von gewöhnlichem Nachdenken zu unterscheiden. Sonst informiere ich mich aus jeder Quelle, die ich für glaubwürdig erachte. So eine Quelle kann buddhistisch sein oder auch nicht.

Es gibt einen Punkt in der Lehre, den ich sehr intelligent finde. Der menschliche Egoismus wird nicht geleugnet. Alles, was ich für andere tue, das tue ich auch für mich selbst. Allein - der Lohn kommt erst später. Im Buddhismus ist die menschliche Güte ein sehr langfristiger Egoismus. Dadurch verstärkt sich das Motiv, anderen zu helfen. Wir tun es aus Mitleid. Ein Buddhist tut es aus innerer Überzeugung.

Offiziell gehöre ich keiner Religion an und das wird auch so bleiben. Das öffentliche Bekenntnis bringt mir überhaupt keinen Vorteil. Das ist auch der Grund, warum sich Asiaten selten zu einer Religion bekennen. Sie tun es nur, wenn das Bekenntnis die eigene Karriere fördert. Dazu haben wir in Deutschland keinen Anlaß.

Die Gleichgültigkeit
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Man erlebt es bei einer Einladung zum Essen. Ein Buddhist stellt einfach das Essen auf den Tisch. Es ist ihm völlig egal, was und wieviel ich davon esse. Es ist ja mein Leben und meine Entscheidung. In Asien wird dieser Mangel an Anteilnahme durch ein höfliches Lächeln übertüncht.

Genauso verhält es sich mit der Lehre. Es ist ein Angebot. Nicht mehr und nicht weniger. Jeder muß selbst wissen, was und wieviel er davon nimmt. Es geht ja um mein Karma und nicht um das eines anderen. Diese Art von Gleichgültigkeit beinhaltet ein hohes Maß an persönlicher Freiheit und auch Verantwortung. Deshalb kann man nicht pauschal zum Buddhismus "ja" oder "nein" sagen. Das Karma ist die Summe vieler kleiner Entscheidungen.

Ich vergleiche das mal mit einem Rettungsring. Die Pflicht ist erfüllt, wenn man einem Ertrinkenden den Ring so hinwirft, daß er sich daran festhalten kann. Wenn er sich auf die Weise retten läßt, dann ist das seine Entscheidung und nicht meine.

Das Nirvana
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Das ist ein Raum, unter dem wir uns nichts vorstellen können. Ich zeige das mal im Kontrast. Wenn der Mensch nicht ins Nirvana kommt, dann wird er auf dieser Erde wiedergeboren. Darunter kann er sich etwas vorstellen.

Es wird gesagt, jede Wiedergeburt sei mit Leiden verbunden. Ein gläubiger Buddhist wünscht sich das Nirvana, um mit den Leiden Schluß zu machen. Dabei wird Leidenschaft (ein Ding, das Leiden schafft) mit Leiden gleichgesetzt und deshalb sind Buddhisten so leidenschaftlos.

Bis es zum Nirvana kommt, müßte sich das eigene Karma sehr stark verbessern und somit würden auch zukünftige Leben besser. Wie wir wissen, sind Freud und Leid auf dieser Welt sehr unterschiedlich verteilt. Der Buddhismus vergleicht den materiellen Besitz mit Spielzeug, das nur Kinder brauchen. Ein erwachsener Mensch kann sein Spielzeug getrost verschenken - er braucht es ja nicht selber.

In Asien werden die Klöster einzig und allein durch Spenden finanziert. Man sieht goldene Statuen und goldene Dächer und demnach müßten die Spenden sehr üppig fließen. Nach buddhistischer Logik ist das sehr wohl einleuchtend. Aufgrund früherer Verdienste hat der Mensch ein Vermögen erworben. Nun möchte er noch weiter nach oben. Also gibt er alles wieder her, um dadurch in das Nirvana zu kommen.

Der Gedanke hat für mich schon einen Reiz. Ich möchte einmal so reich wiedergeboren werden, daß ich es mir leisten kann, goldene Pagoden zu bauen.

Kurzfristig gedacht erscheint es nicht gerade sinnvoll, Dächer zu vergolden. Über einen längeren Zeitraum hinweg bekommt alles einen Sinn. Wegen der goldenen Pagoden kommen Touristen ins Land, lassen dort ihr Geld liegen und indirekt helfen sie auch den Armen.

Persönlich kann ich mir unter dem Nirvana nichts vorstellen. Doch gibt es eine Vorstufe zum Nirvana und die muß sehr schön sein. Einmal soviel Geld haben, daß man es für Dinge verschwendet, die nach 500 Jahren einen Sinn ergeben.

Gibt es einen Gott?
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Diese Frage wird im Buddhismus bewußt offen gelassen. Die Wiedergeburt können wir nicht selber bewerkstelligen und das Nirvana ist nicht von dieser Welt. Folglich muß es ein höheres Wesen geben. Dieses Wesen hat keinen Namen. Menschen, welche außerhalb des Buddhismus noch an eine andere Religion glauben, können dieses Wesen je nach Wunsch "Gott", "Allah", "Jahwe" oder auch "Krischna" nennen. Das ist vollkommen egal.

Jedenfalls ist Buddha kein Gott. Er ist ein Mensch, der aufgrund seiner Erleuchtung höhere Weihen erhalten hat. Deshalb darf er je nach Wunsch zwischen dieser und jener Welt wechseln. Er gilt als menschliches Vorbild, wobei er auch aus schlechten Erfahrungen gelernt hat. In Asien gibt es viele Buddha-Statuen, vor denen Rituale abgehalten werden. Diese darf man nicht mit Anbetung oder gar Gebeten verwechseln. Es ist einfach eine Form von Respekt und daran kann man einen gläubigen Buddhisten noch am ehesten erkennen. Jedesmal, wenn er eine Buddha-Statue sieht, dann erweist er auf die eine oder andere Weise Respekt.

Die Gebetsmühle
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Das ist ein häufiger Einwand. Man kann doch nicht mit einem mechanischen Instrument "beten". So ist das nicht gemeint! Das Drehen der Gebetsmühle ist eine besondere Form der Meditation und wird vor allem in Tibet praktiziert. Der gängige Spruch lautet: Om mani padme hum. Die deutsche Übersetzung lautet: Oh du Juwel in der Lotusblüte. Dabei ist das "om" abgeleitet aus Sanskrit "aum" und bedeutet "Ursprung aller Dinge". Die Übersetzung mit dem leichtfertigen "oh" der Anrufung ist sinngemäß falsch. Es geht um den Ursprung aller Dinge und darüber könnte man sehr viel meditieren.

FAZIT

Den Buddhismus als Ganzes kann man nicht bewerten. Diese Religion ist wie ein Supermarkt voller Weisheiten und Erkenntnisse und dort kann sich jeder bedienen wie er will.

Mein Karma kann ich jetzt noch nicht bewerten. Wenn die Lehre stimmt, dann werde ich das mal in einem späteren Leben zu spüren bekommen. Wer weiß, ob es Ciao dann noch gibt und ob ich mich daran erinnern werde??? *ggg*

Bewerten kann ich nur das Verhalten überzeugter Buddhisten. Der Mangel an Anteilnahme wäre ein Einwand, doch Asiaten überspielen das mit einem freundlichen Lächeln. Daher meine ich: das Positive überwiegt. Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft bringen konkret einen Nutzen. Und noch etwas. Der Buddhismus bietet keinerlei Rechtfertigung für einen Krieg. Politische Machtansprüche gibt es natürlich auch in Asien. Doch sind es gerade die Mönche und Weisen, welche entschieden widersprechen und sagen, daß der Krieg nichts mit der Religion zu tun hat. Summa summarum gebe ich dafür fünf Sterne.

Der Buddhismus beschreibt einen Weg und eine Empfehlung kann ich nur für den Einstieg geben. Für uns Europäer besteht der Anfang in einem Buch, in dem der Lebenslauf Buddhas näher beschrieben wird. Weitere Einzelheiten würden hier den Rahmen sprengen.

Das möchte ich deutlich klarstellen. Wer über meinen Bericht hinaus mehr lesen will, der erfährt weitere Dinge, die ich hier gar nicht mehr darstellen kann. Der "Buddhismus für das Abendland" ist ein dreibändiges Werk von mehr als 1.000 Seiten. Einen Bericht von der Länge kann und will ich bei Ciao nicht schreiben. Deshalb bitte nicht abwerten! Außerdem ist das Werk kein Dogma! Unter den Buddhisten selber gelten viele Bücher als gleichberechtigt.   

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