Ein Film, der Lust aufs Kino macht
01.12.2000
Pro:
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Kontra:
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Empfehlenswert:
Ja
 lihang
Über sich:
Mitglied seit:25.12.1999
Erfahrungsberichte:85
Vertrauende:17
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 18 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
"Buena Vista Social Club" ist ein Traum von einem Film. Und Träume sind nun mal in den seltensten Fällen Abbild der Realität. Selbst, wenn es sich um einen Dokumentarfilm handelt. Denn die Wirklichkeit in Havanna sieht anders aus, als Wim Wenders sie uns hier klischeebeladen, verklärend und teilweise mit der Handkamera vorwackelt. Aber darum geht es ja auch gar nicht. Die kritische Kuba-Reportage kann anderwo stattfinden. Dieser Film zeigt und weckt pure Lust, und man muß kein Liebhaber von Son sein, um von den großen Gefühlen der großartigen Menschen und ihrer Musik mitgerissen zu werden. 1998 wollte Ry Cooder, Gitarrist, Wenders-Freund und Komponist von diversen Wendersfilmen, in Kuba ein Projekt realisieren, das dann doch nicht zustande kam, weil die afrikanischen Kollegen nie eintrafen. Cooder wußte sich zu helfen, suchte vor Ort nach Musikern und nahm die CD "Buena Vista Social Club" auf, die inzwischen mehr als drei Millionen Mal verkauft und mit dem Grammy ausgezeichnet wurde.
Cooder erzählte seinem Freund Wim Wenders davon, und spontan entschloß sich der Regisseur, darüber einen Film zu drehen. Aus der mondänen Perspektive jener, die "für eine Handvoll Dollar mehr" auch an ideologisch "indiskutablen" Orten drehen durften, sehen wir ein romantisiertes Havanna, aber wir sehen auch die bescheidenen Musiker im Studio, privat und später auf der Bühne in New York und Amsterdam.
Darunter lebende Legenden wie Ibrahim Ferrer (74), den kubanischen "Nat King Cole", Omara Portuondo (68), auch die "Edith Piaf" von Kuba genannt, und den Sänger und Gitarristen Compay Segundo (91), der stolz erzählt, daß er schon seit 85 Jahren Zigarre raucht. Und nicht zuletzt den Pianisten Rubén Gonzales (80), dessen letztes Klavier dem Kampf gegen eine revolutionäre Termiten-Bewegung zum Opfer fiel. Demnächst ist dieser Teil der rüstigsten aller Rentnerbands in Deutschland auf Tournee. Die Film- und CD-Formation "Buena Vista Social Club" gab insgesamt nur fünf Konzerte, ihr vorletztes, von Wenders nicht mehr dokumentierter Auftritt, fand Ende März in Havanna statt. Ein Ereignis nur für geladene Gäste, aber auch draußen vor der Tür, wo das Konzert auf einer Leinwand übertragen wurde, tanzten die Menschen begeistert auf dem Bürgersteig. "Wir glauben an Träume", steht als Graffiti an einer zerfallenen Hauswand in Havanna. Und wir können daran teilhaben. Falls Sie's noch nicht gemerkt haben: Dies ist eine Aufforderung zum Videotheks-Besuch.
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01.12.2000 01:12
Ich warte eigentlich sehnsüchtig auf die TV-Ausstrahlung... Gruß F.