Brillantes Regiedebüt
28.07.2000
Pro:
realistische Story; gute Darsteller; passend trostlose Atmosphäre
Kontra:
schwer verdaulich
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 Marcolino
Über sich:
Mitglied seit:04.05.2000
Erfahrungsberichte:183
Vertrauende:111
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 26 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
"Buffalo 66" ist eine hervorragend erzählte und gespielte Geschichte, die nicht nur aus dem Leben gegriffen sein könnte, sondern tatsächlich auch durch ein reales Vorbild inspiriert ist: Vincent Gallo selbst, der hier Regie, Drehbuch, Musik und die männliche Hauptrolle übernommen hat, verarbeitete sein eigenes Leben zu diesem bitteren Drama. Diese Geschichte erzählt er sehr intensiv und glaubhaft und der Zuschauer verzweifelt zusammen mit der jungen Layla (Christina Ricci) an der scheinbar undurchdringlichen Mauer, die Billy Brown um sich gebaut hat. Fünf Jahre lang saß Billy Brown unschuldig im Knast. Um vor seinen Eltern nicht als Versager dazustehen, entführt der junge Hitzkopf eine Tänzerin und stellt sie zu Hause als seine Braut vor.
Billy Brown (Vincent Gallo) kommt nach fünf Jahren aus dem Gefängnis, wo er unschuldig die Strafe für ein Verbrechen abgesessen hatte, das er gar nicht beging. Vielmehr war es seine einzige Möglichkeit, seine immensen Spielschulden bei einem kriminellen Buchmacher "abzuarbeiten". Billy ist völlig introvertiert und zu keinem normalen sozialen Verhalten fähig. Später erfährt man, dass sein miserables Elternhaus für sein verkorkstes Leben verantwortlich ist, nur er selbst merkt es als Letzter. Sein ganzes Leben lang versuchte er, Respekt und Anerkennung von seinen Eltern zu bekommen. Doch der Vater zeigt ihm gegenüber nur eine unerklärbare Verachtung, während ihn seine Mutter gleich vollkommen ignoriert und sich nur für Football interessiert. Außerdem hat sie ihm nie "verziehen", dass sie wegen seiner Geburt ein Footballspiel verpasst hat!
Frisch aus dem Knast entlassen, entführt Billy die junge Tänzerin Layla (Christina Ricci) und zwingt sie, ihn zu seinen Eltern zu begleiten, um sie als seine Frau auszugeben. So glaubt er, endlich die Aufmerksamkeit seiner Eltern zu erlangen. Das Mädchen muss allerdings gar nicht sonderlich dazu gezwungen werden, denn sie fühlt sich zu dem verstörten Billy hingezogen. Während Layla versucht, behutsam in Billy's Seele vorzudringen und irgendwie seinen guten Kern freizulegen, behandelt er sie genau so schlecht und abweisend wie sein Vater ihn selbst - eine Abwehrreaktion gegen jeglichen tiefergehenden Kontakt zur Außenwelt.
Billy hat nur noch ein Ziel: Er möchte den Footballspieler töten, wegen dessen verschossenem Fieldgoal Buffalo fünf Jahre zuvor den möglichen SuperBowl-Gewinn verpasste. Damit begann nämlich Billy's Weg in die Verdammnis. Auf diesen Sieg hatte er beim Buchmacher gesetzt - viel mehr Geld als er überhaupt hatte. Und deswegen musste er unschuldig fünf Jahre im Gefängnis verbringen. Er projiziert seinen ganzen Hass auf diesen ehemaligen Footballstar. Er hat nur noch das Ziel, ihn zu töten und sich anschließend selbst zu erschießen, da sein Leben ja ohnehin keinen Sinn und Wert mehr für ihn hat. Der Film ist alles andere als leicht verdaulich, aber wenn man sich darauf einlässt, wird man mit einer brillanten Tragödie belohnt, die nachdenklich stimmt.
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20.04.2003 21:42
Könnte etwas ausführliches sein, aber trotzdem guter Bericht!
07.08.2000 09:02
Hey Marcolino! Du hast nen tollen Stil. Wünschte ich könnte so schreiben!!