Buldern - Landschulheim Schloss Buldern

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Erfahrungsbericht über "Buldern - Landschulheim Schloss Buldern"

veröffentlicht 30.12.2004 | Muellers
Mitglied seit : 01.10.2003
Erfahrungsberichte : 1
Vertrauende : 1
Über sich :
Nichts für mich
Pro Nichts
Kontra Alles
sehr hilfreich
Gesamteindruck der Schule:
Lehrniveau:
Qualität der Lehrkräfte:
Anzahl Schüler pro Klasse:
Betreuung:

"Erfahrungsberichte zum Internat Buldern gelöscht"

Ich möchte hier im Folgenden einen Fall beschreiben, der aus bestimmten Gründen, wie ich finde, nicht nur ein privatimer Einzelfall ist, sondern - weil er auch Fundamente des Internets und auch der Meinungsfreiheit berührt - öffentlich gemacht zu werden verdient.

Zu den bisherigen Diskussionen im Kommentar-Bereich, in welche Rubrik dieser Bericht gehört, eine Bemerkung vorab: Man mag sich zwar zu Recht darüber streiten, ob dies eher ein Fall eines Internats ist, das mißliebige Erfahrungsberichte zu unterdrücken versucht, oder der Fall eines Verbraucherforums, das sich diesem Ansinnen - wie ich finde - allzu willfährig fügt. Dieser Fall hat beide Dimensionen. Aber da es mir persönlich darum geht, das Internachtssuchende etwas über die Internate erfahren, stelle ich ihn in diese Rubrik. Schließlich lehrt die Tatsache, dass das Internat Schloß Buldern die Erfahrungsberichte jetziger und ehemaliger Schüler fürchtet, und deren Veröffentlichung im Internet juristisch zu verhindert versucht, noch mehr über dieses Internat, als es die unterdrückten Erfahrungsberichte selbst tun könnten.

Und nun zum Hergang:

Vor drei Wochen erhielt ich vom Ciao-Management eine E-Mail:

Sehr geehrter Herr Müllers,
wir wollen Ihnen mitteilen, dass wir Ihren Bericht zum Landschulheim Schloss Buldern deaktivieren mußten. Das Landschulheim Schloss Buldern hat den Bericht abgemahnt und gemeint, dass Ihr Bericht unwahre Tatsachen enthielte und verleumderisch wäre.
Wir sehen uns als Meinungsforum an und wollen, dass unsere Mitglieder Ihre Meinungen veröffentlichen. Leider haben wir keine Möglichkeit nachzuprüfen, inwieweit Ihr Bericht auf Tatsachen beruht. Daher haben wir Ihn vorübergehend von unserer Plattform genommen. Wir sahen uns zu diesem Schritt gezwungen, da wir bei einer Rechtswidrigkeit der Inhalte selbst in Haftung genommen würden.
Wir hatten den Bericht bereits am 27.11.2003 deaktiviert und Ihnen damals per E-Mail die Gründe der Deaktivierung mitgeteilt.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Ciao Community Management
Ciao AG

Ciao hat völlig Recht: Schon einmal ist mein Beitrag gelöscht worden. Im Sommer 2003 hatte ich einen Erfahrungsbericht über ein Internat geschrieben, und zwar als Gegenreaktion zu einem anderen, zufällig gefundenen Bericht, der mit "Buldern - mein zweites Zuhause" überschrieben war, und der sich las, als wäre er auf Geheiß der Internatsleitung geschrieben worden. Ich selbst war viereinhalb Jahre Schüler und Bewohner dieses Internats, was zwar 25 Jahre her ist - wie ich auch in meinen Bericht offen legte, aber allein die personelle Kontinuität der maßgeblichen Leute, die heute wie damals dort wirkten, ließ nicht gerade hoffen, dass dieses schon damals von jeglicher pädagogisch Absicht reichlich abstinente Internat sich vom Saulus zu Paulus gewandelt haben sollte. Obwohl ansonsten kein Schreiber von Berichten, hielt ich es für meine Pflicht, meine eigenen Erfahrungen mit diesem Internat darzulegen, und öffentlich zu machen.

Ich überschrieb meinen Bericht mit "Druck erzeugt Leistung", und beschrieb im Folgenden meine Erfahrungen mit diesem Internat: dass es sich um ein regressives wie repressives System handelt, das fern jeden pädagogischen Hintergrunds die Schüler mit einem System aus Strafen und Überwachung zu besseren Noten zu bringen versucht. Ich beschrieb die Folgen dieses Systems, das durch den immerwährenden Druck eben nicht zu einer Hanni-und-Nanni-romantischen Alle-für-einen-Kameradschaft, sondern ganz im Gegenteil zu einem angstvollen Jeder-gegen-Jeden-Klima führt. Als Indikator eines Internats, das rein wirtschaftlich agiert, fügte ich hinzu, dass die meisten Erzieher - sogar eingeschlossen die Internatsleiterin - über keine pädagogische Ausbildung verfügen. Ich zitierte eine Zeile aus einem früheren Buldern-Song "Buldern, Du Grab meiner Jugend", und erläuterte, dass dies durchaus wörtlich zu nehmen sei, weil man allein durch das System der Überwachungen der Privatsphäre an wichtigen Entwicklungen jugendlicher Entwicklung gehindert, bzw. ausgesperrt bliebe. Von Förderung zum Mut zu eigenen Gedanken und Gefühlen, zu Empfinden von Solidarität, so schrieb ich, könnte natürlich in einen solchem repressiven System keine Rede sein.

Kaum, dass der Bericht ein paar Wochen im Netz stand, und an erster Stelle rangierte, da er im Unterschied zu dem Beitrag "Buldern - mein zweites Zuhause" von den Mitgliedern als "hilfreich" bewertet wurde (trotz der Kritik einiger weniger, dass meine Erfahrungen zu lange her seien), entdeckte ich im Dezember, dass mein Beitrag auf einmal verschwunden war - ein für mich völlig mysteriöser Vorgang, weil ich eben keine E-Mail von Ciao über die Deaktivierung und deren Gründe erhalten habe. Erst jetzt, 12 Monate später, deckt Ciao mit der E-Mail ein Geheimnis auf, das ich damals allenfalls ja nur erahnen konnte. Zwar konnte ich vermuten, dass das Internat möglicherweise gegen meinen Beitrag interveniert hatte, - soweit reichte meine Phantasie in Kenntnis der demokratischen Unterentwicklung des Internats durchaus - aber dass sich im Zeitalter des globalen Netzes ein Verbraucherforum GmbH im Internet sich von den provinziellen Bemühungen eines Internats, missliebige Erfahrungsberichte zu löschen, einschüchtern lassen könnte, erschien mir doch allzu unglaubhaft, und geradezu paranoid. Schließlich hatte ich ja nur einen Erfahrungsbericht geschrieben, der lediglich meine eigenen subjektiven Erfahrungen berichtete, ich hatte weder Personen namentlich genannt noch beleidigt, noch zu gesetzwidrigen Taten aufgerufen.

Da ich, wie gesagt, über die Hintergründe nur mutmaßen konnte, stellte ich also meinen Erfahrungsbericht wieder unverändert ins Netz, fügte aber eine längere Anmerkung hinzu, in der ich schrieb, dass dieser Beitrag, mitsamt der Kommentare auf einmal nicht mehr aufzufinden gewesen sei, dass ich über mögliche Gründe nicht informiert worden bin, wohingegen der positive Beitrag "Buldern - mein zweites Zuhause" aber nach wie vor zu lesen stünde. Weiter schrieb ich: "Ich bin bereit zu unterstellen, daß es sich hier nicht um zensorische Absicht, sondern bloß um ein zufälliges Versehen handelt, und stelle den Beitrag nochmals unverändert zur Verfügung. Sollte es anders sein, fordere ich die Verantwortlichen hiermit auf, ihre Gründe öffentlich zu machen, und sich der Diskussion zu stellen, wie es dem Geist der Internet-Foren im Allgemeinen, und der Ciao-Community im Speziellen auch entspricht.

Dieser Beitrag, samt der Anmerkung, blieb 12 Monate von Ciao ohne Reaktion. Zwar bin ich gerne bereit alles zu glauben, auch dass E-Mails verloren gehen können, und dass Ciao mich schon damals, bei der ersten Löschung, über die Gründe informiert hat. Allein, dieser Glaube wird doch stark von der Tatsache erschüttert, dass Ciao meinen Beitrag, samt meinen Appell, mir doch die Gründe - öffentlich -mitzuteilen - 12 lange Monate vollkommen unkommentiert ließ. Hätte mich Ciao informiert, und wäre die E-Mail verlorengegangen, wäre es doch nach diesem Aufruf von mir die natürlichste Reaktion gewesen, mir abermals eine E-Mail zu schicken. Die Tatsache, dass Ciao 12 Monate den Aufruf, mir doch die Gründe mitzuteilen, keine weitere E-Mail wert war, lässt die Behauptung, mich schon damals bei der ersten Löschung über die Gründe informiert zu haben, wie eine nachgeschobene Behauptung wirken, die jetzt einer angekündigten und begründeten Löschung folgen musste, nachdem die unangekündigte, heimliche Löschung an meiner Hartnäckigkeit gescheitert war. Fast scheint es auch so, als ob das Internat, und/oder Ciao die Sache erst auf sich beruhen lassen wollte.

Aber hüllte sich Ciao auch in Schweigen, stellten sich doch Reaktionen von anderer Seite ein. Mittlerweile war nämlich nicht nur mein Beitrag vielgelesen - denn er wurde trotz der zurückliegenden Zeit der Erfahrung mit diesem Internat von der Mehrheit der Mitglieder mit dem Prädikat "sehr hilfreich" versehen, und rangierte daher an erster Stelle - es gab auch weitere Informationen von Schülern, die jetzt noch auf dem Internat waren, oder gerade erst vor kurzem abgegangen waren. Zunächst meldete sich ein Schüler, der gerade sein Abitur in diesem Internat machte, und schrieb in einem Kommentar zu meinen Bericht, meine Überschrift "Druck erzeugt Leistung" sei absolut zutreffend, und er würde nach seinem Abitur mehr über das Internat schreiben. Dabei blieb es aber nicht. Weiter kamen drei, oder vier Erfahrungsberichte hinzu, die meine an sich ja schon ziemlich dunklen Schilderungen vor diesem Internat an Schwärze noch weit übertrafen. Einer war sogar überschrieben mit "Sollte geschlossen werden". Einerseits bestätigten die Berichte mir die Richtigkeit meiner Vermutung, dass die Zeit in diesem Internat ziemlich stehengeblieben sein muss, andererseits war ich doch entsetzt darüber, in welchem Ausmaß diese Vermutung zutraf, und was das für die Schüler bedeutete, die dort auf dem Internat verbringen mussten, zumal es meist auch noch jüngere Schüler sind, die sich innerlich noch nicht von dem Internat und seiner Erzieher zu distanzieren wissen.

Es drängt sich hier natürlich der Verdacht auf, dass es gerade die Bestätigung meiner Erfahrungen mit dem Internat war, der die Internatsleitung abermals dazu veranlasste, Druck auf das Management von Ciao auszuüben, um die Erfahrungsberichte, die in der Tat vor diesem Internat warnten, aus dem Netz zu nehmen - wie man sieht, zunächst mit Erfolg. Der Grund für diesen Verdacht liegt nahe: Als ich nämlich bei Ciao nachschaute, musste ich nicht nur entdecken, dass mein Erfahrungsbericht gelöscht worden ist, sondern ALLE Berichte gelöscht worden sind, die vor dem Besuch auf diesem Internat ausdrücklich warnten. Und gelöscht heißt wirklich: gelöscht! Gelöscht nicht nur mitsamt der oft auch für Internatssuchende informativen Leser-Kommentare, sondern auch ohne jeden Hinweis, dass überhaupt dort mal Berichte gestanden haben. Keine Spur, kein Hinweis verweist mehr auf das vorherige Vorhandensein der kritischen und vor diesem Internat warnenden Berichte, die offensichtlich sämtlich den juristischen Tatbestand der Wahrheitswidrigkeit und Verleudmung erfüllen sollen ? Schaut man unter mein Profil, dann sieht man unter Berichte die Zahl "0". Einzig die Community-Punkte, die ich durch die Bewertungen des Berichtes erhalten habe, zeugen von einem Bericht, der niemals existiert haben soll.

Nun kann man ja, mit einigem guten Willen, für die Unlust des Ciao-Managements, sich in juristische Auseinandersetzungen begeben zu müssen, durchaus Verständnis aufbringen (wobei es mir allerdings noch nicht schlüssig erscheint, warum Ciao für die Inhalte in die Haft genommen werden kann, für die sich doch laut der AGBs allein der Berichterstatter verantwortlich zeichnet?). Aber auch bei allem Verständnis für die Motive, die Praxis ist es, die diesen Fall - der eigentlich doch ein skandalöser Fall eines autoritären Internats ist, das seine Kritiker nun auch nach außen mundtot zu machen sucht - auch zu einem "Fall Ciao" zu machen droht. Mit der erstaunlichen Willfährigkeit, auf bloße juristische Androhung hin mißliebige Erfahrungsberichte vom Netz zu nehmen, und das noch - zumindest für die Öffentlichkeit - auf heimliche Weise, riskiert Ciao seine Glaubwürdigkeit, von der auch kommerzielle Foren leben, und damit auch seine eigene Arbeitsgrundlage.

Glaubwürdigkeit deshalb, weil ja jeder, der diese Seiten betritt, dies in treuen Glauben tut, dass jeder dort Mitglied werden kann, und jedes eingetragene Mitglied seine Erfahrungsberichte veröffentlichen darf (mit der in den AGBs genannten Einschränkungen keine Werbung zu betreiben, keine Rechte Dritter zu verletzen, oder sonstige Straftatbestände zu erfüllen), und dass folglich die Punktebewertung die durchschnittliche Meinung aller Berichterstatter widerspiegelt. Ciao aber hat sämtliche Erfahrungsberichte gelöscht, die vor diesem Internat ausdrücklich warnten.

Durch die spurlose Löschung nunmehr sämtlicher kritischer, von den Mitgliedern von "hilfreich" bis "sehr hilfreich" gewerteten Berichte, die vor dem Internat warnten, und die offensichtlich sämtlich wahrheitswidrig und verleudmerisch waren, und das Stehenlassen der von den Mitgliedern als "nicht hilfreich" gewerteten Berichte, die den Besuch des Internats empfehlen, und offensichtlich den Vorzug haben, weder wahrheitswidrig, noch verleudmerisch zu sein, hat das Landschulheim Schloß Buldern in der Bewertungsskala den Aufstieg eines "schlechten" Internats zu einem "guten" Internat geschafft.

Hätte das Ciao-Management nicht zumindest auf die vorherigen Berichte und deren Wertung hinweisen müssen? Angesichts dieses wundersamen Aufstiegs von einem "schlechten" zu einem "guten" Internat fällt es jedenfalls schwer, nicht von Manipulation zu sprechen, und ich wüsste eigentlich nicht, warum man diesen Vorwurf nicht mit Fug und Recht erheben sollte, und sogar müsste.

Nun ist es nicht Aufgabe eines kommerziellen Verbraucherforums, die Meinungsfreiheit zu verteidigen, und natürlich könnte es sich Ciao sogar noch einfacher machen, und - um den Vorwurf der Manipulation zu entgehen - , im Fall juristischer Drohungen, sämtliche Erfahrungsberichte zu diesem "Produkt" aus dem Netz zu nehmen. Aber natürlich lebt und profitiert auch Ciao von der Faszination und dem Versprechen des Internets, ein demokratisches, transparentes Medium zu sein, dass Kommunikation in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens ermöglicht. Für die Wahl des richtigen I-Pods mag es nicht so entscheidend, und auch lebenswichtig sein, wenn bestimmte Erfahrungsberichte nicht erscheinen könnten, gibt es doch auch außerhalb des Internets genügend Möglichkeiten, sich über dieses Produkt zu informieren.

Aber für gesellschaftliche Bereiche, in die man ansonsten keine Chance hat, sich einen Einblick in die wirklichen Verhältnisse zu verschaffen, ist es schon schwerer wiegend, wenn Erfahrungsberichte im Internet unterdrückt werden.

Für solche gesellschaftliche Bereiche, die im Dunkeln liegen, sind die Internate ein schönes, sogar extremes Beispiel, weil über das romantische Internat-Ideal zwar jeder schon in Hanni-und-Nanni-Bücher gelesen hat (und von dessem Virus die Internate ja nach wie vor leben), aber von der tatsächlichen Realität - außer von denen, die auf Internaten sind und waren - kaum jemand etwas weiß. Was eine "Öffentlichkeit", gar eine "kritische Öffentlichkeit" betrifft, erfreuen sich Internate geradezu einem wilhelminischen Status. Kritik dringt per se nicht nach draußen. Das mag an der autoritären Struktur, aber vielleicht auch an dem "psychischen" inneren Corpsgeist auch der liberaleren Internate liegen. Wer als Schüler nur in den Verdacht geriete, das Internat nach außen schlecht gemacht zu haben, müsste zumindest damit rechnen, für den "Rest" seiner Zeit mit der Position des Außenseiters bezahlen zu müssen - und das nicht nur von acht bis ein Uhr wie in der Schule, nach der man dann in anderen sozialen Gruppen sich begeben kann, sondern Tag und Nacht, Jahr für Jahr, vom Aufwachen bis zum Schlafengehen.

Zudem profitieren Internate in erheblichen Maß von der psychischen Lust an der Verdrängung, oder der Unlust, sich mit den schlimmen Erfahrungen auseinanderzusetzen, was dazu führt, dass man auch von ehemaligen, erwachsen gewordenen Schüler sowenig Kritisches über Internate erfährt. Gab es nicht auch schöne Momente, gab es nicht auch Freundschaften? Es fällt wohl schwer, sich einzugestehen, dass die schönen Momente und die Freundschaften, an die man sich gerne erinnert, sich nicht dem Internat selbst verdankten, sondern dem Internat abgetrotzt sind. Ein System, das hauptsächlich in einer infamen, weil unausweichlichen Mischung aus Repressionen und Überwachung der persönlichen Sphäre besteht, führt eben - wie ich selbst über die Jahre im Internat Schloß Buldern erleben durfte -, nicht zu Freundschaft, Loyalität und Solidarisierung ( und hier trifft sich der Hanni-und-Nanni-Leser mit dem "verklärenden" Gedächtnis des ehemaligen Schülers), sondern ganz im Gegenteil zu einem Klima des Jeder-gegen-Jeden, bis hin zu einer Hierarchisierung unter den Schülerngruppen, bei der jeder darum kämpfen muss, nicht in die unteren Ränge abzufallen. Freundschaften und schöne Momente sind Triumphe über ein System, das Freundschaft und Loyalität nicht vorsieht, und was diese so intensiv und wahrsten Sinn als "schön" und wertvoll erfahren lässt. Dass solche über das System triumphierende Momente über die Zeit der Verklärung dazu beitragen, das System selbst zu "verschönern", ist natürlich nichts weniger als tragisch zu nennen, weil es zum einen dazu führt, dass man von den eigenen Erfahrungen weggeführt wird, und zum anderen verhindert, dass diese Erfahrungen auch späteren Generationen auch zur Verfügung gestellt werden können.

Dennoch, trotz dieser inneren, jegliche Kritik unterminierenden Mechanismen, gäbe es natürlich die Möglichkeit, hinter die Mauer des Internats zu blicken, wenn man Schüler nur nach ihren Erfahrungen befragte, ohne dass diese Repressionen von Mitschülern, oder Erziehern befürchten müsste. Aber, seltsam, auch von seiten der Presse gibt es nicht den mindesten Versuch, einen kritischen Blick hinter die Mauern des Internats zu werfen. Stattdessen lässt sich die mir bekannte Presse zum Verbreitungsorgan der Öffentlichkeitsarbeiter und Schönschminker der Internate machen, sich also im wahrsten Sinn des Wortes als Hofberichterstatter missbrauchen (wer ein besonders widerliches Beispiel unkritischer Hofberichterstattung lesen möchte, der gebe in Google die Wörter "Buldern" und "wams" ein, und er wird dort auf einen Artikel der "Welt am Sonntag" vom Juni dieses Jahres stoßen). Warum das so ist, ist mir im Übrigen selbst ein ziemliches Rätsel. Jeder Journalist, jedes Elternpaar, das in unbeobachteten Momenten auch der "offiziellen" Besichtigung Schüler befragen würde, würde mit Sicherheit deutliche und offene Antworten von den Schülern zu hören bekommen, die einen wahrhaften Einblick hinter die Mauer des Internats geben würden.

Die Veröffentlichung von subjektiven Erfahrungsberichten früherer und heutiger Schüler stellt für das Internat Schloß Buldern eine ähnliche Bedrohung dar, wie es in früheren Zeiten die Meinungsfreiheit ein Bedrohung für feudalistisches Systeme gewesen wäre. Gerade hier, gerade in diesen dunklen, uninformierten Bereichen zeigt sich der erhellende Macht eines Kommunikationsmediums wie das Internet am deutlichsten. Denn Wirklichkeit eines Internats besteht in der Wirkung, die es auf die Seele und Entwicklung der Schüler ausübt.

Nun hat sich dem zunächst (erfolgreichen) Versuch, Kritiker nun auch von außen mit juristischen Konsequenzen zu drohen und kritische Berichte im Internet zu unterdrücken, dieses Landschulheim Schloß Buldern selbst diskreditiert; sein so sorgsam hinter Farbprospekten verborgenes Inneres für einen Moment nach außen gekehrt; und jeder, der sich überlegt, seine Kinder auf dieses Internat zu schicken, sollte sich eine Zeitlang die Muße nehmen, sich vorzustellen, welch Geistes Kind dieses Internat ist, und wie es um das "Innere" ein Internat bestellt sein muss, das sich zur Unterbindung kritischer Erfahrungsberichte heutiger und ehemaliger Schüler genötigt fühlen muss. Denn selbst, wenn alle kritischen Erfahrungsberichte verleudmerisch wären (was sie nicht sind), müsste man sich ja fragen, wodurch sich das Internat die negativen und feindlichen Gefühle jetziger und ehemaliger Schüler "verdient" hat - anders als andere Internate, die sich der Gefühle der Dankbarkeit ihrer Schüler erfreuen können.

Aber wie sollen nun zukünftig subjektive Erfahrungsberichte verbreitet werden können, wenn sie sich an die Maßgabe des Objektiven halten , und jede Erfahrung "beweisen" müssten?

Das ist die Kernfrage, die sich nun auch für Ciao stellt, und der den Fall eines rückschrittlichen Internats zu einem "Fall Ciao" zu machen droht. Ciao schreibt mir ja: "Wir sehen uns als Meinungsforum an und wollen, dass unsere Mitglieder Ihre Meinungen veröffentlichen. Leider haben wir keine Möglichkeit nachzuprüfen, inwieweit Ihr Bericht auf Tatsachen beruht. Hier stellt sich mir die Frage - welche Tatsachen meint Ciao, meint das Landschulheim Schloß Buldern? Im allgemeinen Verständnis handelt es sich bei den Berichten um "Erfahrungsberichte". Erfahrungen lassen sich ja nicht widersprechen, daher können sie schon theoretisch nicht einer objektiven Wahrheit zuwiderlaufen! Was also bedeutet es, wenn Ciao mir schreibt, sie könnten die Tatsachen in meinen Bericht nicht überprüfen? Natürlich könnten sie diese nicht überprüfen, sowenig wie ich Ciao ihre Richtigkeit nachweisen könnte - außer in dem Nachweis, dass ich sie persönlich gemacht habe. Keiner kann nachweisen, dass er vom Autolärm nahe einem beliebten Ferienhotel in Malaga Kopfschmerzen bekommen hat, oder vom Hotelessen Sodbrennen, und ebenso wenig kann ich nachweisen, dass ich in den viereinhalb Jahren, die ich zwischen meinem 13. und 18. Lebensjahr als Schüler und Insasse dieses Internats ein für mich auch im Nachhinein beispielloses Angst - und Repressionsklima erlebt habe. Die Erfahrungsberichte werden als subjektive Erfahrungen geschrieben, und auch so gelesen. Sollten Berichte über persönliche Erfahrungen, in denen Einseitigkeit, Übertriebenheit, subjektive Rückschlüsse die natürlichen, weil lebendigen Parameter von persönlicher Erfahrung sind, künftig auf "objektive" Wahrheitskriterien verpflichtet werden, würde die Veröffentlichung der Erfahrung und der Meinung kaum noch gewährleistet werden können. Entsprechend verpflichtet Ciao in den AGBs die Berichterstatter auch nicht zu einer objektiven Wahrheit, sondern - neben der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen lediglich dazu, die eigenen Erfahrungen" wiederzugeben. Von einer Verpflichtung auf objektive Tatsachen ist gar keine Rede.

Natürlich, das sei zugestanden, und das wird in meinen Fall auch zutreffen, können auch in einem Erfahrungsberichte neben den Erfahrungstatsachen auch objektive Tatsachenbehauptungen enthalten sein , die zwar in der Regel nicht den Kernbestand eines Erfahrungsberichts ausmachen, aber theoretisch den Tatbestand der Wahrheitswidrigkeit enthalten können (das Hotel liegt nicht an der Strasse, sondern in der Einöde, der Koch hat gar nicht gekocht, etc.). Nur - sollte das zutreffen, wieso reagiert dann Ciao auf die bloße Behauptung der Wahrheitswidrigkeit einzelner Sachverhalte mit der Löschung des gesamten Berichts?

An einem "Fall Ciao" bin ich nicht interessiert. Vielmehr ist es mein Interesse, dass auch zukünftig die Möglichkeiten des Internets von jedem genutzt werden können, um sich über Internate über deren Selbstdarstellungen hinaus zu informieren.

Ich möchte daher Ciao einen Vorschlag unterbreiten, der möglicherweise auch ein Modellfall für künftige, ähnlich gelagerte Fälle sein könnte. Anstatt ganze Texte auf Grund der bloßen Behauptung der Wahrheitswidrigkeit einzelner Tatsachenbehauptung zu löschen und in den Orkus der Versenkung verschwinden zu lassen, was ja schon presserechtlich völlig unsinnig ist, könnte Ciao doch bei juristischen Anfechtungen den jeweiligen Berichterstatter von den beanstandeten "Stellen" in Kenntnis setzen, und ihn bitten, innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens seinen Text um die beanstandeten Stellen so abzuändern, dass juristische Nachstellungen nicht mehr zu befürchten sind. So wäre zum einem die Meinungsfreiheit gesichert, denn - wie gesagt - die Natur solcher Berichte sind ja die eigenen Erfahrungen, die durch "Verbesserung" von Tatsachenbehauptungen auch nicht grundlegend verändert werden können, und zum anderem wäre das nachvollziehbare Interesse von Ciao gewahrt, nicht in juristische Auseinandersetzungen gezogen zu werden.

Ich will hier mit gutem Beispiel vorangehen, und erkläre mich bereit, meinen eigenen Erfahrungsbericht so abzuändern, dass der Vorwurf der Wahrheitswidrigkeit nicht mehr erhoben werden kann. Dazu ist allerdings notwendig, dass Ciao mir mitteilt, welche der wenigen Tatsachenbehauptungen, die mein Erfahrungsbericht enthält, den Vorwurf der Wahrheitswidrigkeit und der Verleudmung auf sich gezogen haben, denn gerade dies hat mir Ciao in seiner mangelnden Mitteilungsfreude eben nicht mitgeteilt. Ich vermute zwar, dass das die Juristen des Internats auch nicht getan haben, weil es ihnen vermutlich nicht um die Richtigstellung einzelner Behauptungen geht, sondern wohl um das Unschädlichmachen des gesamten Erfahrungsberichts geht. Aber auch, sollte meine Vermutung zutreffen, müsste das Ciao-Management sich eben die Mühe machen, sich freundlich bei den Anwälten des Internats zu erkundigen, welche der Tatsachenbehaupten als wahrheitswidrig oder verleudmerisch empfunden worden sind, so dass ich in die Lage versetzt werde, die entsprechenden Erläuterungen und Differenzierungen vornehmen zu können

Ich bin der Meinung, dass mit einem solchen Verfahren allen Seiten gerecht wird, außer vielleicht Internaten, die Erfahrungsberichte aus guten Gründen fürchten müssen. Auch würde es die Glaubwürdigkeit von Ciao wieder herstellen, weil mit einer solchen Handhabung sichergestellt wäre, dass nur die Berichte deaktiviert werden, die in der Tat wahrheitswidrige Behauptungen enthalten könnten.

Wenn das Ciao mir diese entsprechenden Informationen gibt, werde ich den Erfahrungsbericht abändern, und statt diesen hier wieder ins Netz stellen, und ich würde es für fair und angebracht halten, auch die Berichterstatter der ebenfalls gelöschten Erfahrungsberichte zu dem Internat Schloß Buldern in dieses Verfahren mit einzubeziehen, und ihnen ebenfalls die Chance zu geben, ihre Berichte von möglichen Unsachlichkeiten, Übertriebenheiten u.ä. bereinigen zu können, damit sie ihre Erfahrungen auch weiterhin in diesem Forum veröffentlichen und dem Internatsinteressierten zur Verfügung stellen können.

Ausgenommen davon sind selbstredend die Erfahrungstatsachen selbst, denn diese lasse ich mir nun mal nicht Abrede stellen, weder vom Internat, noch von Ciao. Sollte in Zweifel stehen, dass ich selbst diese dunklen Erfahrungen mit diesem Internat zwischen meinem 13. und 18. Lebensjahr gemacht habe, bin ich gerne bereit, Ciao eine diesbezügliche eidesstattliche Erklärung meinerseits zukommen zu lassen, um das Management vor weiteren juristischen Nachstellungen des Internats Schloß Buldern zu bewahren.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • feida veröffentlicht 24.04.2008
    Sehr gute Auseinandersetzung mit den Fragen der Meinungs- und Pressefreiheit im Zusammenhang mit dem Internat Buldern. Angesicht der Themendualität würde ich hier sogar ein ansonsten untersagtes sogenanntes Doppelposting unter den Rubriken "Internat" und "Ciao" befürworten. Chapeau!!!
  • Veridanus veröffentlicht 09.08.2006
    Ich hätte zu gerne diesen Bericht gelesen, leider wurde er vor meiner Ciaozeit gelöscht. Sehr sehr Schade :-(
  • normeier veröffentlicht 21.04.2006
    Ich finde den Anfang überflüssig, und der Rest ist völlig überaltert.
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Auf Ciao gelistet seit: 22/05/2003