Bundeswehreinsätze im Inneren?

3  23.03.2004 (24.03.2004)

Pro:
Die Bundeswehr  * kann *

Kontra:
* Soll *  sie auch?

Empfehlenswert: Ja 

marm

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Bundeswehreinsätze im Inneren?

Im Grundgesetz heißt es unter Artikel 87a (Aufstellung und Einsatz der Streitkräfte):

(1) Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf. Ihre zahlenmäßige Stärke und die Grundzüge ihrer Organisation müssen sich aus dem Haushaltsplan ergeben.
(2) Außer zur Verteidigung dürfen die Streitkräfte nur eingesetzt werden, soweit dieses Grundgesetz es ausdrücklich zuläßt.
(3) Die Streitkräfte haben im Verteidigungsfalle und im Spannungsfalle die Befugnis, zivile Objekte zu schützen und Aufgaben der Verkehrsregelung wahrzunehmen, soweit dies zur Erfüllung ihres Verteidigungsauftrages erforderlich ist. Außerdem kann den Streitkräften im Verteidigungsfalle und im Spannungsfalle der Schutz ziviler Objekte auch zur Unterstützung polizeilicher Maßnahmen übertragen werden; die Streitkräfte wirken dabei mit den zuständigen Behörden zusammen.
(4) Zur Abwehr einer drohenden Gefahr für den Bestand oder die freiheitliche demokratische Grundordnung des Bundes oder eines Landes kann die Bundesregierung, wenn die Voraussetzungen des Artikels 91 Abs. 2 vorliegen und die Polizeikräfte sowie der Bundesgrenzschutz nicht ausreichen, Streitkräfte zur Unterstützung der Polizei und des Bundesgrenzschutzes beim Schutze von zivilen Objekten und bei der Bekämpfung organisierter und militärisch bewaffneter Aufständischer einsetzen. Der Einsatz von Streitkräften ist einzustellen, wenn der Bundestag oder der Bundesrat es verlangen.

Um diese Zeilen ist im Zuge der weltweiten und europäischen Entwicklungen nach 9/11 ein Streit entbrannt:
konservative Kreise fordern, die Bundeswehr auch zu Schutzzwecken im Inneren einzusetzen. Bei SPD und Grünen führen diese Forderungen zu Unmutsäußerungen. Liberale befürchten eine Einschränkung der staatsbürgerlichen Rechte.

Wir alle haben zu derlei Themen oft Meinungen, die vielfach auf politischer Gesinnung beruhen. Das kann für eine sinnvolle Diskussion nicht immer ausreichend sein. Ich hoffe, in dieser Sache andere, trotzdem sinnvolle Informationen beisteuern zu können.

Von der eher abstrakten Diskussion losgelöst, möchte ich daher an dieser Stelle ein paar konkretere Überlegungen anbieten, die allesamt auf eigenen Erfahrungen beruhen. Dabei stelle ich die Frage in den Vordergrund, ob die Bundeswehr nach dem Ausbildungsstand ihrer Soldaten überhaupt in der Lage ist, die ihr zugedachten neuen Aufgaben wahrzunehmen.


Aus dem Inhalt
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0. -- Grundlegendes (Für alle, denen die Bundeswehr ein "Buch mit sieben Siegeln" ist)
1. -- Wie die Bundeswehr eigene Sicherheit betreibt (Selbst- und Kameradensicherung; Sicherung von Gebäuden und Objekten; Sicherung von Personen; Militärpolizei; Counter intelligence)
2. -- "Verhältnismäßigkeit" in der Bundeswehr
3. -- Erfüllung von Sicherungssaufgaben im Einsatz (Ein Erfahrungsbericht über: Kontingentbezogene Vorausbildung; Im Einsatz; Spezialeinsätze; Spionageabwehr)
4. -- Fazit


0. -- Grundlegendes
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Anhand der bisherigen Kommentare habe ich erfahren, daß die Bundeswehr vielen noch immer ein unbekanntes Wesen ist. Daher hier ein paar grundlegende Informationen:

was als "Bundeswehr" zusammengefaßt wird, lernt der Soldat als streng unterteilt in verschiedene Teilstreitkräfte kennen: Heer, Luftwafffe, Marine. Da ich im Heer gedient habe, beschränke ich mich auf meine dortigen Erfahrungen.

Im Groben unterteilt man die Bundeswehr weiter in Kräfte, die zur Heimatverteidigung (HVK) vorgehalten werden und solche, die als Krisenreaktionskräfte (KRK) eingesetzt werden können.
Soldaten aus ersteren haben mir berichtet, daß der dortige Dienst von Materialmangel und Langeweile bestimmt wird (Panzerputzen). Krisenreaktionskräfte sind materiell und finanziell oft besser ausgestattet. Ihre ständige Verlegefähigkeit ins Einsatzland (theoretisch zumeist innerhalb 72 Stunden) verlangt einen hohen Ausbildungsstand und die mentale Vorbereitung auf jederzeitige Einsätze.

Zu den vorgenannten Einheiten exisitieren reine Reserveeinheiten ("Geisterbataillone"), die im sogenannten "V-Fall" - dem Verteidigungsfall - mit Reservisten angefüllt werden.

Im folgenden eine Zusammenfassung der Sicherungsfähigkeiten, bei den regulären Streitkräften der Bundeswehr, also sowohl bei HVK als auch KRK gelehrt werden.


1. -- Wie die Bundeswehr eigene Sicherheit betreibt
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*** Selbst- und Kameradensicherung ***

Das Gefecht als Aufgabenbereich jedes Soldaten kennt Angriff, Verzögerung und Verteidigung. Entsprechend wird jeder Soldat während der Grundausbildung auch mit Verteidigungsaufgaben vertraut gemacht, die wir innerhalb der Bundeswehr kurz unter dem Punkt "Sicherung" zusammenfassen. Oberste Priorität hat bei der Ausbildung von Soldaten die Vermittlung der "Selbst- und Kameradensicherung": jedem Rekruten wird beigebracht, immer, also auch ohne ausdrücklichen Auftrag für seine eigene Sicherheit und die seiner Kameraden zu sorgen.

Beispiel 1: eine Gruppe befindet sich im Feld. Der Gruppenführer befiehlt der Gruppe, sich zur Befehlsausgabe zu sammeln. Während der Gruppenführer über die Lage und die zu treffenden Maßnahmen unterrichtet, sichern die zuhörenden Soldaten automatisch in einem Kreis in verschiedene Richtungen. Dies wird auch als "Rundumsicherung" bezeichnet und geschieht ohne weiteres Einwirken des Führers.

Beispiel 2: eine Gruppe marschiert in Schützenreihe von Punkt A nach B. An der Spitze der Gruppenführer, in sicherem Abstand folgt der stellvertretende Gruppenführer. Zwischen diesem und dem letzten Mann folgen die Gruppenmitglieder ohne besonderen Aufgabenbereich während des Marsches. Dabei sichern die Soldaten mit ungerader Nummer in der Reihe hauptsächlich nach links, die anderen nach rechts. Zusätzlich gilt ein individueller Sicherungsbereich innerhalb eines bestimmten Winkels. Der letzte Soldat, zumeist mit Maschinengewehr bewaffnet, übernimmt die Sicherung nach hinten sowie die Fliegerabwehr. Jeder Soldat versichert sich ausreichend häufig seines Hintermanns.

Beispiel 3: die klassische "Verteidigung aus einer befestigten Stellung heraus". Je zwei Soldaten pro "Fuchsbau", also eingegraben, wehren angreifende feindliche Kräfte ab. Jeder Soldat erhält einen bestimmten Sicherungsbereich zugewiesen und hält selbsttätig den Kontakt zu seinem linken und rechten Nachbar aufrecht.

--> Die drei genannten Beispiele sind Handwerkszeug für das "Leben im Felde". Kriegsbezogenes Basiswissen jedes Soldaten kann bei evtl. präventiven Sicherungsaufgaben innerhalb Deutschlands kaum als "besondere Fähigkeit" angewendet werden.

*** Sicherung von Gebäuden und Objekten ***

Ein besonderer Abschnitt innerhalb der Allgemeinen Grundausbildung jedes Soldaten widmet sich dem Wachdienst.
Hier werden sehr umfassend die rahmengebenden rechtlichen Aspekte erörtert. Weiter werden die Aufgaben von Streifen (Patrouille) und Posten (ortsfest) intensiv geübt. Das bedeutet: Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle. Außerdem werden bewaffnete und unbewaffnete Kampftechniken zum wirksamen Anhalten von Flüchtigen vermittelt.
Die obersten Grundsätze der Wachausbildung sind "Verhältnismäßigkeit der Mittel" (siehe weiter unten) und "Mensch vor Material". Je nach Sicherungsobjekt kann der letzte Punkt abgeschwächt sein.

Die Bundeswehr sichert viele ihrer Liegenschaften selbst. In Fällen, in denen dies nicht so ist, sind private Sicherheitsunternehmen mit der Besetzung von Wachstube und Schlagbaum am (Kasernen-) Eingang betraut. Privat geschützte militärische Sicherheitsbereiche liegen zumeist in stark zivil bewohnten Gegenden, also innerorts.

--> Das in der Wachdienstausbildung der Rekruten vermittelte Wissen ist vorausschauend und verläßlich. Es kann zu 100 % bei evtl. präventiven Sicherungsaufgaben innerhalb Deutschlands angewendet werden. Leider vernachlässigen viele Einheiten die Wachausbildung, wenn ziviles Personal mit Sicherheitsaufgaben betraut wird.

Die Bundeswehr ist ein großer und komplexer Organismus. Da jede Einheit für die Selbstsicherung zuständig ist, verwundert es nicht, daß häufig ganze Züge innerhalb von Kompanien oder ganze Kompanien innerhalb von Bataillonen für Sicherungsaufgaben vorgehalten werden.
Zusätzlich zu diesen Sicherungstruppen gibt es Truppengattungen, die besonders für Sicherungsaufgaben geeignet sind. Diese werden dann eingesetzt, wenn in großem Rahmen gesichert werden soll. Als Beispiele seien "Jäger" (klassische, nichtmotorisierte Infanterie) und "Fallschirmjäger" genannt.

*** Sicherung von Personen ***

Auf diesen Punkt kann ich leider nicht genau eingehen. Die hier vermittelten Taktiken der Bundeswehr reichen je nach Bedeutung der zu sichernden Person von "von jedem Wehrdienstpflichtigen wahrnehmbar" bis hin zu weltweit renommierten Sonderausbildungen. In letzteren werden nicht nur Prävention, sondern auch spezielle Kenntnisse modifizierter Kampfsportarten drillmäßig gelehrt.
(Drill: Bildung von Engrammen durch Wiederholung von körperlichen Handlungsabläufen, besonders unter Ausnahmebedingungen. Ziel ist, Tätigkeiten verläßlich zu automatisieren - Intelligenz und Gewissen des Soldaten sollen hierbei ausdrücklich nicht ausgeschaltet oder umgangen werden.)

--> Das Personenschutzwissen der Bundeswehr kann zu 100 % bei evtl. präventiven Sicherungsaufgaben innerhalb Deutschlands angewendet werden.
Interessant ist, daß hunderttausende aktive Soldaten und Rekruten Personenschutzaufgaben auf niedrige Niveau durchführen können. Hochschutzobjekte hingegen erfahren keinen zusätzlichen Schutz durch speziell ausgebildete Soldaten: sie können ebenso und dabei weniger auffällig durch verläßlich ausgebildete private und spezielle Polizeikräfte geschützt werden.

*** Militärpolizei ***

Auf die Aufgaben der Militärpolizei möchte ich hier nicht eingehen. Sie ist zuständig, wenn Sicherheit und Ordnung bereits verletzt wurden. Aufgaben der SicherheitsWAHRUNG werden hingegen von regulären Truppenteilen ausgeführt.

*** Counter intelligence ***

Siehe Punkt 3 ("Erfüllung von Sicherungssaufgaben im Einsatz"), dort: "Spionageabwehr".


2. -- "Verhältnismäßigkeit" in der Bundeswehr
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Diese Wort zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Armee. Es zeigt in seiner Bedeutung für Ausbildung und tägliches Leben des Soldaten, daß die Bundeswehr aus den Fehlern der Wehrmacht gelernt hat. "Verhältnismäßigkeit (der Mittel)" bedeutet kurz gesagt, das jede Aktion, die ein Soldat unternimmt, in ihren Mitteln dem Ziel angemessen sein muß.

Gewaltanwendung ist nur erlaubt, wenn ein Angriff bevorsteht oder abgewehrt wird. Ist der Angriff beendet, darf kein weiteres Zwangsmittel mit Gewalt angewendet werden.

--> "Verhältnismäßigkeit" verpflichtet außerdem jeden Soldaten, einen erhaltenen Befehl bzw. Auftrag daraufhin zu überprüfen, ob er die geltenden Menschenrechte oder auch die Haager Landkriegsordnung berücksichtigt. Befehle, die dies nicht tun bzw. die der Soldat nicht mit reinem Gewissen ausführen kann, MUß er verweigern. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, daß kein Soldat völkerrechtswidrige Befehle a) ausführt b) sich auf "Befehlsnotstand" beruft, wie oft nach dem zweiten Weltkrieg geschehen. <--

Ein weiterer Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit ist, daß "Mensch vor Material" geht. Ein Wachdienstsoldat wird eher eine (einfache) Sachbeschädigung geschehen lassen, als den Täter zu deren Abwehr zu verletzen.

Deutliche Beispiele für die Verhältnismäßigkeit sind:
- die Ächtung von Anti-Personen-Minen
- kein Panzerkommandant wird seinen Richtschützen anweisen wird, mit Spreng-Brand-Geschossen bzw. "High Explosives" auf Infanterie zu feuern
- in der teils rauhen Ausbildung von Rekruten ist es den Ausbildern prinzipiell untersagt, Untergebene ohne deren Einwilligung anzufassen
- bei einer regulären Personenkontrolle beispielsweise wird kein Soldat dem zu Kontrollierenden "die Waffe unter die Nase halten"; auch wird er diesen nicht anfassen

--> Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit bietet bei evtl. präventiven Sicherungsaufgaben innerhalb Deutschlands die verläßliche Gewähr, daß Soldaten ihre Aufgaben in (auch für Zivilisten) wahrnehmbar fairer Form übernehmen.


3. -- Erfüllung von Sicherungssaufgaben im Einsatz
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Da ich noch keinen Krieg miterlebt habe, kann ich nicht beurteilen, wie und ob die Sicherungsfähigkeiten der Bundeswehr im Ernstfall zu bewerten sind. Allerdings würde ich den von mir ausgebildeten Soldaten ohne zu Zögern im Kriegsfall mein Leben anvertrauen.

Um trotzdem einen Eindruck zu vermitteln, wie die Bundeswehr im Einsatzfall Sicherheitsaufgaben wahrnimmt, schildere ich an dieser Stelle ein paar Erlebnisse aus meinem Einsatz mit dem 1. Heereskontingent SFOR in Sarajevo (Bosnien- und Herzegovina) und Umgebung. Auch hierbei werde ich mich auf allgemein zugängliche Fakten beschränken.

Die folgenden Fähigkeiten betreffen nur ausgewählte Teile der Bundeswehr (KRK). Sie stehen also nicht flächendeckend innerhalb aller Streitkräfte zur Verfügung.

*** Kontingentbezogene Vorausbildung ***

Wenn im Fernsehen Einsatzsoldaten interviewt werden, hört man, egal, wie die Frage lautete, als erstes den Satz "Wir wurden gut auf unseren Einsatz vorbereitet und verfügen über verläßliches Material".
Das hat zwei Gründe: in der Vorausbildung zum Einsatz werden zum einen bestimmte Soldaten ausgesucht und speziell gebrieft. Das sind diejenigen Soldaten, die später im Einsatz vorzugsweise für Interviews vermittelt werden. Zum anderen erfährt jeder spätere Einsatzsoldat in der Vorausbildung, daß dieser Satz wahr ist.

Die Ausbildung erfolgt immer kontingentbezogen. Je nach Aufgabe dauert ein Kontingent drei, sechs, oder, wie derzeit für die Zukunft beschlossen, regulär vier Monate. Die Lage vor Ort ändert sich. Entsprechend der Entwicklung im Einsatzland werden die Kontingente ausgebildet. So wird gewährleistet, daß der Soldat in zu erwartenden und (vordergründig) unerwarteten Ausnahmesituationen handlungsfähig und dabei effektiv bleibt.

Jedes Kontingent kennt sogenannte "Rules of Engagement (ROE)", zu deutsch "Einsatzgrundsätze". Dies sind die goldenen Regeln, die jeder Soldat beachten muß. Verstöße gegen die ROE ziehen Disziplinarmaßnahmen nach sich.
Um den Soldaten in die Lage zu versetzen, den ROE zu folgen, sind manchmal seltsame Maßnahmen notwendig. So beinhalteten die ROE für das 1. Kontingent SFOR, die Konfliktparteien in Bosnien und Herzegovina zu entwaffnen und für die sichere Rahmenbedingungen bei der ethnischen und politischen Stabilisierung des Landes zu sorgen.

Wie kann ein Soldat, der gelernt hat, sich dort zu bewegen, "wo das Wasser fließt", also sich immer und überall zu zu verstecken, mit einem Mal in ostentativer, sichtbar auftretender Art für Sicherheit sorgen? Und das, ohne gleich in den nächsten Busch springen zu wollen und sich dort einzugraben?
Die Antwort auf diese Frage ist eine Vorausbildung, die zumeist so lange wie der eigentliche Einsatz dauert. Dort wird er, gelinde gesagt, umerzogen, eher noch einer extrem herausfordernden Gehirnwäsche unterzogen:

zu Beginn steht die Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Während bei der Bundeswehr der reguläre Sport noch immer so gestaltet ist, daß kaum gedehnt wird und dann eine Belastung bis zum Umkippen erfolgt, wird hier nach modernen sportmedizinischen Gesichtpunkten trainiert. Selbst untrainierte, möglicherweise unförmige Küchensoldaten erleben hier Leistungshöhepunkte.

Anschließend erfolgt die Ausbildung an nahezu jeder verfügbaren Waffe. Viele Soldaten gehen an diesem Punkt zum ersten Mal mit Granatpistolen um, legen zum ersten Mal echte Handgranaten oder feuern zum ersten Mal "scharfe" Panzerfäuste. Diese Ausbildung erfolgt im Gruppenrahmen (meist unter 10 Soldaten).

Der Soldat ist zum Ende der beiden Abschnitte - entgegen landläufiger Meinung - erst jetzt ein vollwertiger Soldat: er ist mit nahezu beliebigem Gerät voll einsatzfähig. Die meisten Wehrdienstleistenden werden dies nie erleben, da diese standortbezogene Ausbildungsabschnitte aus Kostengründen oft Einsatzsoldaten vorbehalten sind.

Der eigentliche "Spaß" beginnt mit der Verlegung an ein Ausbildungszentrum. Bei uns war es der Truppenübungsplatz Hammelburg. Hier waren entweder mal bei Rekord-Minustemperaturen ein paar Stunden Infusionen zu legen. Oder wird wurden aus nächster Nähe an die Wirkung von 9 Kilogramm TNT (Panzermine) gewöhnt. Das, um anschließend unter Beschuß genommen zu werden und durch einen engen Korridor zu extrahieren. Kaum in Sicherheit vor der scharfen Munition, erwartete uns ein Orts- und Häuserkampf. Das hilft, an realen Gefechtslärm und -streß gewöhnt zu werden.

Der Umgang mit Minen stand genauso auf dem Ausbildungsplan wie Vorträge über Historie und aktuelle Entwicklung des Balkankonflikts. Dazu bis zur Erschöpfung und darüber hinaus: Check Points, Patrouillen, deeskalierendes Verhalten in Konfliktsituationen. Die Bundeswehr setzte zur Simulation dieser Konfliktfälle vom Balkan stammendes Personal ein, das unseren Bus entführte, an illegalen Check Points seine Entwaffnung verweigerte, gegen uns demonstrierte, unser Lager zu besetzen suchte und alles durch Sprachbarrieren erschwerte.
Wochenlange Kälte, Schlafentzug und ständiges Lernen waren so fordernd, daß uns der Einsatz später leichter vorkam als die Vorausbildung.

Egal ob Mechaniker, Küchenpersonal oder MG-Schütze - jeder Einsatzsoldat mußte diese Ausbildung durchlaufen und stand dabei unter ständiger Beobachtung sehr kritischer Ausbilder. Deren einziges Ziel ist, jeden einzelnen so gut wie möglich auf alle Eventualitäten vorzubereiten; wie oft dafür eine Station wiederholt wurde, war egal - es ging so lange, bis das Wissen saß und verläßlich angewendet werden konnte.

Kurz vor dem Einsatz wird das Gelernte noch einmal einer besonderen Härtprobe unterzogen: auf mehrwöchigen Übungsplatzaufenthalten wird rund um die Uhr ein komplettes Feldlager im Einsatzland simuliert. Alle Soldaten nehmen möglichst exakt die Aufgaben wahr, die ihnen auch im Einsatzland zugedacht sind. Hier zeigt sich, ob der Drill erfolgreich war - und vor allem, ob die Soldaten dem psychischen Druck von wochenlangen 24-Stunden-Diensten gewachsen sind. Diese letzte Phase der gemeinsamen Vorausbildung ist der Feinschliff mit sehr individuellem Lehrplan.

Vor und nach der kontignentbezogenen Vorausbildung werden einzelne Einsatzsoldaten häufig auf (Sonder-) Lehrgänge geschickt, um sich dort zusätzliches Wissen anzueignen. Aufgrund der Verschiedenheit, Komplexität und Inhalt dieser Lehrgänge kann ich hierzu keine weiteren Aussagen machen.

Alle Soldaten, die die Vorausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, sind mit ihren individuellen Grenzen vertraut. Sie können mit diesen haushalten, sich an sie heranbewegen und sie manipulieren. Sie wissen, wann und wie lange sie unter welchen Umständen zu was in der Lage sind.

*** Im Einsatz ***

Im Einsatzland kommen nach dieser Ausbildung Soldaten an, die kaum noch dem klassischen Bild der Verteidigungsarmee entsprechen: weithin sichtbar auftretend, auf De-Eskalation bedacht.
Nur im Falle eines Feuergefechts fällt ein Einsatzsoldat auf seinen bisherigen Kenntnisstand zurück: Deckung suchen, minimale Angriffsfläche bieten und zwar innerhalb der ROE begrenzten, aber effektiven Schaden verursachend.

Meine Einheit gehörte zum Gepanzerten Einsatzverband. Dessen rund 800 Soldaten waren die Kerntruppe des deutschen Anteils SFOR und hatten den Auftrag, die Patrouillen, Check Points und vor allem Entwaffnung der Kriegsparteien zu betreiben. Das hieß gerade zu Beginn: Kasernen der Konfliktparteien aufsuchen, entwaffnen, größtenteils auch auflösen. Verständlich, daß wir Konflikte erwarten durften.

Zur Erhöhung unserer Mobilität konnten wir auf gepanzerte Radfahrzeuge vom Typ Luchs und Fuchs zurückgreifen. Der Gepanzerte Einsatzverband (GepEVbd bzw. GepEBtl) setzte sich im ersten Kontingent zu gleichen Teilen aus Panzeraufklärern und Panzergrenadieren zusammen.
Panzeraufklärer entstanden wie jede Panzertruppe aus der Kavallerie. Sie werden nahe bei oder hinter feindlichen Linien eingesetzt, um möglichst unentdeckt mit ihrem schwimmfähigen, hochwendigen Radpanzer Luchs aufzuklären.
Panzergrenadiere sind Kampftruppen, die einen hohen Anteil an Infanterie (Grenadiere) aufweisen. Grenadiere sind Infanteristen, die vor allem im Kampf mit (Hand-)Granaten geschult sind. Sie werden im abgesessenen Kampf in mittelschwerem Gelände normalerweise vom Schützenpanzer Marder unterstützt. Panzergrenadiere kämpfen im Ernstfall stets an der Seite der Panzertruppe und unterstützen diese durch hohe Beweglichkeit und infanteristische Panzerabwehr.
Der Balkan ist ein schwer zugängliches Gebiet - der Einsatz von Kettenpanzern kam aus verschiedenen Gründen nicht in Frage. Daher wurde statt des Schützen- und Kettenpanzers Mader der ebenfalls schwimmfähige Radpanzer Fuchs eingesetzt. Nichtsdestotrotz standen für den "worst case" diverse Kettenpanzer in erreichbarer Nähe.

Vom Ansehen innerhalb der Truppe gelten Panzeraufklärer aufgrund ihrer Betonung des Kavalleriehintergrundes als "Snobs", Panzergrenadiere jedoch als "dummes Bauernvolk", da sie in den Augen anderer meist als Kanonenfutter eingesetzt werden. Dennoch haben wir gemeinsam ohne Streitigkeit und Moralverlust das erfolgreichste SFOR-Kontingent gebildet.

Die Panzergrenadiere des GepEVbd wurden meines Wissens aufgrund der sich entspannenden Lage in Bosnien und Herzegovina mittlerweile durch weniger aggressive Infanterie (Fallschirmjäger) ersetzt. Fallschirmjäger haben im Einsatz eher (den Feind) bindenden/verzögernden Charakter.

Die im GepEVbd eingesetzten Panzergrenadiere kamen aus dem bayerischen Wald, einem zu Zeiten des kalten Krieges hochgefährdeten, unzugänglichen Gebiet - und hatten eine lange Tradition als (Gebirgs-)Jägerbataillon. Bis heute hat das Krisenreaktionskräfte-Bataillon zu ausnahmslos jedem Einsatz der Bundeswehr entscheidend beigetragen.

Entsprechend stolz und selbstsicher, aber dennoch zurückhaltend war unser Auftreten. Die Zivilbevölkerung begrüßte uns auf jeder Patrouille mit Winken und Klatschen. Wir gingen fair, dabei aber entschieden vor. Es gelang uns tatsächlich trotz der einseitigen Berichterstattung der Medien keine der Konfliktparteien wissentlich zu benachteiligen.

Von den Bildern, die sich uns in manchen ungeräumten Gebieten zeigten abgesehen, ist besonders der Papstbesuch in Sarajevo als kritisch zu nennen. Bereits im Vorfeld erhielten wir Aufklärungsberichte, die eine besondere Gefährdungslage aufzeigten.
Unsere Reaktion bestand darin, den deutschen Anteil SFOR eng innerhalb der Deutsch-Französischen Brigade mit den französischen Fremdenlegionären zu verzahnen und flächendeckend präsent zu sein.
Während des Papstbesuchs bestand meine Aufgabe darin, die deutsch-französische Kommunikation eines gemischten Bataillons zu koordinieren. Innerhalb der drei Tage "Ausnahmezustand" hockte ich permanent in einem Kompaniegefechtsstand (Rück) und schlief gar nicht.

Die Anspannung war hoch. Auf den die Route des Papamobil begrenzenden Hochhäusern waren unsere hervorragenden Scharfschützen positioniert. Unsere Züge durchforsteten jeden Winkel des geplanten Weges, sicherten die Einflugschneisen des Flughafens, Brücken, Anhöhen. Fanden ein Dutzend Panzerminen unter einer Brücke, nahmen diverse Personen fest. Schritten immer wieder ein, wo eine Ethnie der anderen Wegezoll auf dem Weg zum Papst abverlangen wollte. Hielt den Atem an, als eine Staffel US-amerikanischer Apaches beinahe einen bis dahin unbekannten italienischen Artillerie-Beobachterposten präventiv einebnen wollte. Oft genug war damals eine halbe Minute entscheidend zwischen Erfolg und Mißerfolg. Wie auch immer, bekannt ist, daß Johannes Paul II. seinen Besuch in Sarajevo überlebt hat.

Danach kehrte für einige Zeit das ein, was im Militärjargon als "ruhige und stabile Lage" bezeichnet wird.
Das hieß für uns trotzdem, nach den erlebten Strapazen am nächsten Tag erneut um 6:00 dienstbereit zu sein, oft genug, um nicht früher als gegen 23:00 recht müde ins Bett zu fallen. Zur Verdeutlichung: außer Schlafen hatte ich während des gesamten Einsatzes 3 Stunden dienstfrei. Die habe ich auf dem Dach unseres Stabsgebäudes dennoch in der Sonne verschlafen.

In meiner Bewerberakte bei der Offiziersbewerberprüfzentrale hatte man zuletzt notiert, daß ich einen extrem ausgeprägten und gefestigten Charakter hätte. Man prognostizierte mir Probleme mit weniger gebildeten Untergebenen und Vorgesetzten. Meine Ansprüche an mich selbst und andere seien teils zu hoch, man empfahl mir, weil ich "nicht mehr formbar" sei, nicht Berufsoffizier werden zu wollen und mich als Reserveoffizier/sonstige Einsätze verwenden zu lassen.

Die sonstigen Einsätze kamen in den folgenden Wochen: ich begleitete als Personenschutz Militärpfarrer und zivile Besucher (Politiker, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen) auf ihren Touren durch unser Einsatzgebiet. In dessen Randgebieten und auf Wochenmärkten habe ich oft haarsträubende Situationen erlebt.
Wahrscheinlich deswegen verbrachte ich drei Tage, an die ich mich nicht erinnern kann, im Feldlazarett: körperlich und psychisch ausgebrannt war ich einfach zusammengebrochen.

Danach ging es noch ein wenig ruhiger für mich zur Sache. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte mein Vorgesetzter mir dies ermöglicht, was ich damals gar nicht richtig wahrgenommen habe. Ein letzter Höhepunkt sollte aber doch noch auf uns zurollen:

*** Spezialeinsätze ***

Zum Ende unsere Kontingents kam es in Albanien zu einem Aufstand, bei dem die Bevölkerung die Waffenlager der dortigen Armee plünderte. Mehrere Dutzend Europäer und Japaner saßen auf dem Flughafen von Tirana fest und wurden immer enger eingekreist.

Da das zwischenzeitlich berühmte "Kommando Spezialkräfte (KSK)" zu diesem Zeitpunkt noch nicht einsatzbereit war, entschied die Führung, unseren GepEVbd mit der Extraktion der Zivilisten zu beauftragen.
Ich wurde mitten in der Nacht geweckt und sollte die Vorbereitungen/Auswahl der teilnehmenden Soldaten unterstützen - die wir bis kurz vor ihrem Einsatz lieber noch ein wenig weiterschlummern ließen.

Die Führerdichte war enorm und wohlüberlegt: im Zuge der "Operation Libelle" kam es zum ersten Gefecht der Bundeswehr mit feindlichen Kräften seit ihrem Bestehen. Alle Zivilisten, alle Soldaten kamen gesund zurück.
Mit einer Reaktionszeit von rund 6 Stunden hatten wir unseren außergewöhnlichen Auftrag vorbereitet und anschließend erfolgreich ausgeführt. Der Dank, der den teilnehmenden Soldaten für ihre Tapferkeit zuteil wurde, waren eine gemeinsame Belobigung und je eine Urkunde.

Als die Transporthubschrauber zurückkehrten, erwartete sie das halbe Feldlager - erst da wurde mir vollauf bewußt, daß zu unseren 800 Soldaten noch mehrere Tausend Unterstützungskräfte kamen, die allesamt nur damit beschäftigt waren, unseren Einsatz optimal zu ermöglichen.

*** Spionageabwehr ***

Ausnahmeslos überall, wo die Bundeswehr tätig wird, holt man sich einen Gast in's Haus, der nicht vielen vertraut sein dürfte. Es handelt um den "Militärischen Abschirmdienst (MAD)", einen von drei bekannten Geheimdiensten der Bundesrepublik Deutschland.

Die Arbeit MAD ist wichtig und richtig. Beispielsweise kam es während unseres Einsatzes vor, daß Eltern und andere Familienangehörige in Deutschland Anrufe erhielten - in diesen erfuhren sie, daß ihr Sohn, Mann, Bruder ums Leben gekommen sei. Tatsächlich aber versah der betroffene Soldat noch immer quicklebendig seinen Dienst.
Das ist eine Form der psychologischen Kriegsführung, die keinen Soldaten erschrecken kann. Aber sie beruht auf Sicherheitslöchern, die besonders der MAD schließen kann.

Besonders beliebt war dieser Telefonterror zu einer Zeit, als das Mobilfunknetz in Bosnien ausfiel, wodurch wir für unsere Angehörigen nicht erreichbaren waren.

Die Kehrseite der "Medaille MAD" läßt sich an Folgendem erkennen: der MAD ist auch für die Sicherheitsüberprüfung von Soldaten zuständig, denen klassifizierte Informationen zugänglich gemacht werden sollen (weil ihr Dienstposten dies erfordert) - was bei dieser Sicherheitsprüfung angesprochen wird, ist teilweise frappierend. Von Kontoständen über sexuelle Vorlieben und politische Gesinnung bleibt diesem Dienst bei Bedarf nichts verborgen.

Ich habe nichts dagegen, wenn der Schutz meiner Daten hinter Sicherheitsinteressen - im Endeffekt - unseres Volkes zurücksteht. Nur werden diese Daten gewiß auch irgendwo festgehalten. Und bis heute habe ich keinerlei Weg ausfindig machen können, diese gespeicherten Daten einzusehen oder deren Verwendung zu widersprechen.
Allerdings ist dies kein spezifisches MAD-Problem. Es fängt bereits beim "Führungszeugnis für Behörden" an.


4. - Fazit
==========

Die Bundeswehr ist eine Verteidigungsarmee, die sich im Übergang zu einer Einsatzarmee befindet. Die herkömmlichen Strukturen sind nicht geeignet, um sie 1:1 für den Einsatzfall - egal ob im Ausland oder im Innern - zu übernehmen. Dies läßt sich daran erkennen, daß unser Gepanzerter Einsatzverband sich aus verschiedenen Truppengattungen zusammensetzte. Auch habe wir unser Stammgerät gegen für den Einsatz modifiziertes Gerät eintauschen müssen.

Im Ernstfall steht der Bundeswehr Ausrüstung zur Verfügung, wie sie der "gemeine Soldat", also Wehrdienstleistende, nie zu Gesicht bekommen wird. Trotzdem konnten wir unseren Einsatz nur mit Erfindungsgeist, Mut, Intelligenz und Improvisation bewerkstelligen.

Bemerkenswert ist, daß es der Führung gelang, uns innerhalb weniger Monate von präzise arbeitenden, auf Schaden ausgerichteten Soldaten "umzuprogrammieren" - hin zu einer Stabilisierungstruppe mit freundlichem Auftreten gegenüber der Zivilbevölkerung:
wir haben vom Bau von Bäckereien über Wasserversorgung bis hin zur Jagd auf Kriegsverbrecher und Rettung von Zivilisten aus Krisenherden jede Aufgabe wahrnehmen können.
Wir waren das erste und damit am meisten gefährdete Kontingent - trotzdem hatten wir keinen Verlust zu beklagen. Alle psychisch ausnehmenden Situationen konnten der bewundernswert hohen Moral unserer Soldaten nichts anhaben.

Diese Punkte lassen mich vermuten, daß die Bundeswehr auf jede Lage innerhalb kürzester Zeit angemessen reagieren könnte - entsprechend auch auf Einsätze im Inneren.

Negativ vermerken muß ich, daß wir zwar bei unserer Heimkehr als "die Elite der deutschen Soldaten" bezeichnet wurden, viele von uns aber dennoch einige Jahre des zivilen Versagens vor uns hatten. Es traf viele von uns schwer, nach Hause zu kommen und unsere Freunde und Bekannten im Biergarten anzutreffen - unberührt vom Leid der Zivilbevölkerung, desinteressiert an unseren Erfahrungen.

Hinzu kommt das mäßige bis schlechte Ansehen, daß den Soldaten in unserem Land trotz ihrer extremen Fähigkeiten, trotz ihrer extremen Aufgaben zuteil wird.

Letzten Endes jedoch ist jeder Soldat auch Staatsbürger (in Uniform). In diesem Zusammenahng ist die Frage berechtigt, welcher Bürger sich nicht irritiert zeigen würden, Soldaten in seinem vertrauten Umfeld wahrzunehmen.
Aufgrund der Fremdheit bzw. Neuartigkeit solcher Eindrücke dürfte das dadurch entstehende Unbehagen groß sein. Vielleicht sogar größer als die Angst vor dem Terror an sich, die schließlich der Grund für einen Bundeswehreinsatz im Inneren wäre.

Nicht vergessen werden darf außerdem, daß man sich bei Einsätzen im Heimatland nicht nur die mit der Sicherung betrauten Soldaten "ins Haus holen" würde - sondern noch gute 300 bis 500 % mehr an Unterstützungstruppen innerhalb Deutschlands aktivieren würde.
Auch sollte im Hinterkopf behalten werden, daß zusätzliche (schützenswerte) Daten wenn nicht erhoben, dann in Umlauf gebracht werden würden und damit einem erweiterten Publikum zur Verfügung stünden.

Nach den bisherigen Konzepten gibt es nicht nur "ein bißchen" Bundeswehr. Der Wahl lautet auf "ganz oder gar nicht". Das erscheint mir beinahe so, als sei man vor die Wahl gestellt, die Büchse der Pandora zu öffnen - oder es doch besser bleiben zu lassen.
Möglich aber, daß weder wir Bürger, noch unsere Politiker diese Wahl de facto treffen werden - vielleicht werden Terroristen uns dazu zwingen, alle verfügbaren Sicherheitskräfte einzusetzen.

Selbst am Ende dieser längeren Erörterung kann und will ich keine Einschätzung abgeben, ob die Bundeswehr Einsätze im Inneren durchführen *soll*. Meine Antwort lautet: sie *kann*. Sogar gewissenhaft.

Ich hoffe, mit meinem Bericht dem ein oder anderen dennoch zusätzliches Wissen vermittelt zu haben.

Mit Grüßen
Christian
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
hayk

hayk

16.01.2006 17:09

ein wirklich ausgezeichneter Bericht über die Aufgaben der Bundeswehr. Es werden keine Fragen offen gelassen. Da ich auch Soldat bin, weiss ich, dass das vollkommen mit der Wahrheit übereinstimmt. Also Respekt für einen solchen Bericht, dafür gebe ich gerne ein "besinders hilfreich" mkg hayk

L-U-C-I-F-E-R

L-U-C-I-F-E-R

08.01.2005 16:04

Respekt Kamerad. Mit verlaub einer der besten Themenberichte die ich darüber gelesen hab. LG L-U-C-I-F-E-R

Grafi

Grafi

02.09.2004 16:23

Sehr ausführlich und unwahrscheinlich informativ. Ich war auch bei der Bundeswehr und kann sagen das die Dinge die du beschreibst alle samt stimmen. Vor allem das mit der Ausrüstung. Die Soldaten die ins Ausland gehen bekommen wirklich Ausrüstung von der ich noch nichtmal wusste das sie existiert. Aber das Problem ist das die Bundeswehr immernoch zuviel Geld zum fenster rauswirft. In meiner AGA haben wir mit der Panzerfaust geschossen(scharf) ein Schuss kostet etwa 1000€ und wir waren 160 Mann. Die Bundeswehr könnte viel Geld durch die Abschaffung der Wehrpflicht sparen. Die Umwandlung zur Berufsarmee muss sich bald vollziehen. Auch unsere hochgelobten EuroFigther sind meistens Schrott. Ich habe gesehen wie einer dieser tollen Flieger nicht mal aus dem Hanger fahren konnte weil sein Motor kaputt war, wie bei einem die Steuerungssysteme ausfallen nur weil er über eine Stadt fliegt und die Funkwelle die Geräte im Jet deaktivieren. Die Bundeswehr ist teilweise unorganisiert und schlecht vorbereitet,was auch teilweise an der Motivation vieler Soldaten(VOR allem bei den Dienstgraden) liegt. Wenn man ins Ausland geht sollte das Geld der letzte Bewegrund sein,nicht der erste. LG Grafi

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