DARKY ALS SOLDAT!
03.12.2004
Pro:
Kameradschaft und Disziplin werden vermittelt
Kontra:
mitunter schwachsinnige Befehle, anstrengend, übles Essen und med . Versorgung
Empfehlenswert:
Ja
 Darkhound
Über sich:
So, bin endlich mal wieder öfter hier und versuche, so halbwegs meinen alten Schreibstil beim Verfas...
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…und darum soll es auch in meinem heutigen Bericht über die zehnmonatige Bundeswehrzeit gehen. Meinen Wehrdienst habe ich 1997 beim Heer geleistet, genauer gesagt als PzGren (Panzergrenadier) beim 3./PzLBtl92 in Munster, Niedersachsen. Doch mit Details möchte ich mich eigentlich nicht unbedingt aufhalten, sondern eher mein "Leben" als Bundi beschreiben… Tag "X" rückt näher: ---------------------------- Nach bestandenem Abitur hieß es erst Mal, noch zwei Monate Ferien hinter sich zu bringen und in dieser Zeit mit ein paar Nebenjobs noch die eine oder andere DM zu verdienen - schließlich wusste ich von einigen Kameraden, die zwei Monate vor mir eingezogen wurden, dass man beim Bund nicht unbedingt reich wird. Diese Zeit habe ich richtig genossen, denn die Schulferien waren ja vorher nie so lang. Also Partys, Videoabende und Konzerte, doch diese Zeit verging wie im Flug. Mit jedem Tag, der näher an Tag "X" heranrückte, wurde mir mulmiger. "Was willst Du eigentlich beim Bund? Du hast doch eh keinen Bock drauf, Sandkastenkrieger zu spielen." Ich erinnerte mich aber an die Worte meines Vaters, der unbedingt von mir verlangte, zur Bundeswehr zu gehen - anderenfalls hätte er mich vor die Tür gesetzt…Tag "X" - der erste Tag im neuen Leben: ------------------------------------------------------ Dann war es plötzlich soweit. Mit einigen Schulkollegen, die an diesem Tag ebenfalls eingezogen wurden, traf ich mich am nächstgrößeren Bahnhof, weil wir zusammen in die Kaserne fahren wollten. Und dort standen auch schon alle…schwerst bepackt mit Rucksäcken und Reisetaschen voller Privatklamotten. Auf dem Einberufungsbescheid stand nämlich, dass man genügend Wechselkleidung für die nächsten drei Wochen mitnehmen sollte. Die nächsten drei Wochen würde ich mein schönes Dörfchen, meine Familie, Freunde und Bekannte nicht wieder sehen…tolle Vorstellung! Als wir einstiegen, warfen wir noch einen Blick zurück. Zurück auf all die Schulkinder, die gerade Unterrichtsschluss hatten und nun anschließend Freizeit. Für uns sollte das ja die nächste Zeit eher weniger gelten… Nach etwa 40 Minuten Fahrzeit trafen wir dann in unserer Kaserne ein. Ich weiß noch genau, dass ich dachte "Hier wirst Du Deines Lebens nicht mehr froh!", als ich die zahlreichen Stacheldrahtzäune, riesigen Gebäudekomplexe und Wache haltenden Soldaten am Haupttor sah. Das Eintreffen: --------------------- Wir übergaben ihnen unter Zögern unsere Einberufungsbescheide. Die Wachen sahen sich nur an und fingen nur an zu grinsen. "Gewöhnt euch schon mal an das Hundefutter!", meinte einer der beiden hämisch - und sollte damit auch Recht behalten, wie sich später herausstellte. In einer riesigen Sporthalle (so eine große hatte ich zuvor noch nie gesehen) sollten wir uns "in Reih und Glied" aufstellen, dann wurden wir namentlich aufgerufen (oder angeschrieen?) und durften unsere Ausrüstung, unseren besten Freund für die nächsten zehn Monate, in Empfang nehmen. Nachdem jeder seinen Krempel hatte (einen riesigen Seesack und zwei Rucksäcke voll), ging es im Eiltempo in die einzelnen Blocks, wo die Stubenvergabe vorgenommen wurde. Vor dem Zugführerzimmer warteten dann auch schon zwei übel und fies aussehende Herren, die sich bereits Feldwebel und Fähnrich nennen durften. Oh nein, was war denn das? "Den Fähnrich kennst Du doch! Der war doch auch auf Deiner Schule und konnte Dich noch nie ab!", waren meine ersten Gedanken. Als ich dann hereingerufen wurde, um alle Personalien zu vergleichen, bemerkte ich, dass der Fähnrich einen Rechtschreibfehler in meinem Nachnamen verursacht hatte. "Ist das richtig so?", fragte er mich. Ich beugte mich ein wenig über seinen Schreibtisch, um ihm den Fehler zu zeigen, da brüllte er mich schon an: "Ist das hier mein Schreibtisch oder Ihrer? Ham'se Lust, hier alle Schreibtische zu putzen?" "Entschuldigung", stammelte ich erschrocken. "Bei der Bundeswehr wird sich nicht entschuldigt", brüllte er erneut. "Fängt ja echt toll an", dachte ich mir… Erste militärische Aktionen: ------------------------------------- Dann ging es auf die Stube, wo schon fünf andere Opfer auf ihre Verurteilung warteten. Bis dahin vertrieben sie sich die Zeit mit dem militärisch 150 % korrekten Bettenbau bzw. räumten ihre Spinde ein. Zu Demonstrationszwecken war auf dem Flur ein "ordentlich militärischer" Spind aufgestellt. Ich stellte mich kurz vor und fing an, mein Bett zu beziehen… dauerte wirklich schon ewig, denn nirgends darf auch nur eine Falte sein, außerdem muss die Überdecke so und so in diesem Abstand zum Kissen… all so Zeug halt, welches echt nur Schikane darstellt. Genau wie der Aufbau des Spinds… für die eigenen Habseligkeiten hatte man so gut wie überhaupt keinen Platz, der militärische Teil hingegen war erheblich größer angeordnet. Dennoch fragten wir uns, wie das ganze Zeug da auch nur irgendwie hereinpassen sollte. "Wenn man die Hemden auf DIN A4 faltet und die Anzüge militärisch korrekt hereinlegt, passt alles!", brüllte ein Unteroffizier. Wie oft hatte ich die Worte "militärisch korrekt" heute schon gehört? Schon jetzt bekam ich einen regelrechten Hass auf die Ausbilder, die uns bis gegen 17:00 Uhr anstachelten, den Spind endlich mal fertig zu stellen. Ist ja aber auch wirklich nur zu dämlich, dass selbst das Essbesteck in Reih und Glied angeordnet sein musste… Danach ging es, im Trainingsanzug bekleidet, fast im Laufschritt zur Truppenküche. Dort halb schnaufend angekommen, hatten wir ganze fünfzehn Minuten Zeit, um etwas zu essen. Schnell eine Stulle geschmiert und mehr heruntergewürgt als gekaut, ging es zurück in den Block: Das Anprobieren der verschiedenen Dienstanzüge wurde geprobt: "Feldanzug mit langer Feldbluse anziehen. Zeit: 3 Minuten. Marsch!". Es sollten noch so einige Stylings getestet werden, so dass abschließend jeder Rekrut seinen gesamten Spind eh noch einmal neu bestücken durfte. War eine der Stuben fertig und die Kontrolle wies keine gravierenden Fehler auf, durfte sie sich in der verbleibenden Zeit fortbilden und die Dienstgrade bzw. deren Abzeichen lernen… Irgendwann gegen Mitternacht fielen wir nur tot in unsere Betten und sehnten uns nach Hause zurück. Ich hatte in der Vergangenheit zwar immer viel Sport getrieben, aber an diesem Tag war ich überzeugt davon, dass ich nie wieder aufwachen werde…Die nächsten Tage: -------------------------- Die nächsten Tage vergingen nur sehr langsam…nach dem Wecken um fünf Uhr in der Früh zuerst die rasche Morgentoilette, dann Stuben- und Revierreinigung, hinterher im Laufschritt zum Frühstück. Zeitbedarf dazu für einen "korrekten" Soldaten: 15 Minuten. Es drehte sich eigentlich alles immer nur darum, den Zeitplan einzuhalten, denn neben dem stupiden Auswendiglernen der Dienstgrade fehlten noch allerhand Untersuchungen (Arzt, Zahnarzt, Augenarzt, Ohrenarzt), die auch ihre Zeit in Anspruch nahmen. Mitunter hatten einige Kameraden noch immer nicht ihre vollständigen Uniformen, da deren Körperbau entweder zu groß oder klein, zu dick oder zu dünn war. Das stresste unsere vermeintlichen Ausbilder und sie ließen es an uns aus. Ansonsten wurden wir mit sehr lehrreichen *lol* Filmen belohnt, die zeigten, wie z.B. die Rechte und Pflichten eines Soldaten aussehen. "Grundsätzlich erst mal (fast) alles machen, was einem befohlen wird und erst hinterher die Fresse aufmachen", war quasi einer der Leitsätze. Des Weiteren fällt mir auf, dass wir in den ersten Wochen extrem viel Unterricht und Sport hatten. Filmtechnisch habe ich mittlerweile eigentlich schon so gut wie fast alles wieder vergessen bzw. verdrängt. Mich interessiert und interessierte das eh irgendwie nicht. Klar, es gab auch spannendere Vorträge über einige Kampfpanzer, aber der Rest waren zum Großteil politische Themen oder militärisches Grundverständnis.Formaldienst: ------------------- Einmal die Woche (meist am Freitag) gab es den so genannten "Formaldienst", der dem Rekruten das richtige Grüßen, sowie das Marschieren im Gleichschritt nahe bringen sollte. Eigentlich sollte man annehmen, dass dieses Thema einfach nur langweilig gewesen wäre, aber so ziemlich jeder war eigentlich froh, nach einigen überaus anstrengenden Tagen nur auf dem Exerzierplatz im Gleichschritt marschieren zu müssen. Der Fitness-Test: ------------------------ Dann kam der Tag des PFT's, des "Physical Fitness Tests". Sportliche Höchstleistungen zu zeigen hieß die Devise…also auf Zeit Liegestütze, Sit-Ups, Läufe oder Weitsprung stand auf dem Programm. Nun gut, bis auf wenige Ausnahmen (die dann aber vom Zugführer so richtig heruntergemacht wurden) bestanden fast alle diesen Test. Wirklich hoch waren die Mindestanforderungen auch nicht und ich war das erste Mal seit ein paar Tagen mal wieder so richtig stolz auf mich, denn ich gehörte zu den Besten. Hab dafür aber auch echt alles geben müssen, daher klangen die Worte des Ausbilders "Es kommen noch mehr dieser Tests und die Leistungen müssen sich jedes Mal steigern" wie ein Todesurteil. Wenigstens bekamen wir an diesem Abend das erste Mal in unserer bisherigen zweiwöchentlichen Bw-Zeit vor 21:30 Uhr "Dienstschluss". Also der erste Weg: Ab ins Mannschaftsheim, mal wieder eine Currywurst mit Pommes essen und dazu ein kühles Bier trinken!Der Fitness-Test 2: 1.Marsch! --------------------------------------- Unser erster Marsch mit vollem Gepäck nannte sich liebevoll "Eingewöhnungsmarsch" und sollte nur 12 km andauern. So als kleiner Ansporn wurde uns Rekruten gesagt, dass man diesen Marsch mitgemacht haben muss, um überhaupt befördert werden zu können. Also nix mit Krankschreibungen und Drückebergern! Irgendwann gegen Spätnachmittag ging es dann los…auf ins Gelände. Per Bus wurden wir jungen, hochmotivierten *lol* Soldaten auf den nahe gelegenen Truppenübungsplatz gefahren, dann ging es im Halbdunklen auf, um 12 km zu bestreiten. Die ersten paar Kilometer waren einfach zu meistern, doch nach einer Weile merkte man schon die ersten Blasen an den Füßen; auch das Gewicht des Rucksacks wurde zunehmend spürbar. Am Schlimmsten fand ich neben der Inkompetenz unseres Gruppenführers (ein Gefreiter, allerdings Offiziersanwärter) die Tatsache, dass man nicht dann Trinken durfte, wenn einem danach war. Irgendwann nach einigen Kilometern mit voller Montur läuft einem der Schweiß nämlich nur so über das Gesicht… Zwischenzeitlich änderte sich das Wetter - es begann heftigst zu regnen. Auch nicht gerade schön, die Regensachen nicht anziehen zu dürfen und mitten im Dunklen im Morast zu waten. Nach knappen 20 km ereichten wir unseren Markierungspunkt auf der Karte - der gute Gruppenführer hatte sich ganz einfach verirrt und uns nur immer mit den Worten "es sind nur noch 400 Meter" oder "Um die Kurve noch, dann haben wir's geschafft" vertröstet. Volldepp! Wie auch immer…irgendwann am Spätabend kamen wir dann wieder in der Kaserne an und durften logischerweise neben der Reinigung des eigenen Körpers noch die der matschverkrusteten Gewehre auf uns nehmen. Hinterher wurde "befohlener Schlaf" angeordnet… Darky und Knarre? Ist nicht! -------------------------------------- Es vergingen noch zwei Wochen, dann wurde uns neben der theoretischen Waffentechnik auch die praktische Nutzung derselben beigebracht: Es ging auf den Schießstand. Alle waren ganz wild und aufgeregt, endlich konnten sie mal "ballern, was das Zeug hält", doch ich freute mich eigentlich weniger darauf. Ich kam irgendwie nicht damit klar, dass ich hier nun auf irgendwelche menschlich aussehenden Pappkameraden schießen sollte - daher waren meine Ergebnisse recht dürftig und ich bestand nur knapp. Aber nachts konnte ich nicht mehr einschlafen, weil ich andauernd vom Krieg und irgendwelchen Panzern träumte.So meldete ich mich tags darauf beim "Spieß", dem Kompaniefeldwebel und erzählte, dass ich aus der Bundeswehr austreten wolle, da ich mit diesem ganzen militärischen Anschreigehabe und der Waffe einfach nicht klar kommen würde. Das ganze nennt sich dann "KDV"-Antrag (Kriegsdienstverweigerer-Antrag) und kann auch bis zuletzt immer noch nachgereicht werden. Der gute Mann war sehr freundlich und ging auf meine Sorgen ein, dennoch bat er mich, den Antrag nochmals zu überdenken und er könnte schon nach der Allgemeinen Grundausbildung dafür sorgen, dass ich einen "gewaltfreieren" Arbeitsplatz bekommen würde. Klang doch schon gar nicht mal so schlecht. Ich beredete dies mit meinen Stubenkameraden, die in der Tat nun echt schon wie gute Kumpel für mich waren. Auch sie waren der Meinung, dass ich erst mal noch versuchen sollte, aber wenn es denn gar nicht ginge, mir zu dem Antrag raten würden. Mein Spieß sorgte zudem dafür, dass ich keine Waffe mehr anfassen brauchte. Wenn die anderen zur Schießübung waren, hatte ich eben (manchmal echt nur als Beschäftigungstherapie) Innendienst. Von den Kameraden wurde ich deshalb aber nicht als Versager oder so angesehen. Ganz im Gegenteil fanden sie meine Bemühungen gut, dass ich es wenigstens weiterhin bei der Bundeswehr versuchte. Das Ende der AGA: ---------------------------- Die Grundausbildung ging zu Ende und spätestens nach dem feierlichen Gelöbnis wusste auch jeder, wo denn nun im Anschluss sein Platz im Heer sein würde. Der Oberleutnant kam also bei uns auf die Stube und verkündete, dass ich nach meiner speziellen Grundausbildung Richtschütze werden sollte. Ich, der keine Waffe oder so mehr anfassen wollte! Ich sagte ihm, dass der Spieß aber schon eine andere Aufgabe für mich im Auge hätte, worauf er wutschnaubend abzog. Tags darauf wurde ich zum Spieß gerufen und er verkündete, dass er evtl. einen ganz interessanten Job für mich hätte. Wenn ich meinen KDV-Antrag nicht doch noch ausfüllen würde, könnte er sich mich gut als Schreibstubensoldat im Status der Kompanieführung vorstellen. Eingesetzt würde ich beim katholischen Standortpfarrer, der sich eine Kaserne weiter befand. Beim Bund für einen Wehrdienstleistenden echt ein geniales Angebot. Diese Jobs waren immer Mangelware und demnach heiß begehrt. Und dann noch im Status der Kompanieführung, also kleinere Stuben, kein Wecken, kein Morgenappell, keine Stubenkontrolle und geregelte Dienstzeiten. Natürlich sagte ich sofort zu und nur einen Tag später bekam ich eine neue Stube. Im Geschäftszimmer hing auf einmal nun sogar mein Bild, dass ich zur Kompanieführung gehöre - das ist beim Bund echter Luxus!Die neue Dienststelle: ----------------------------- Ich machte mich nun also auf zu meiner neuen Dienststelle und stellte mich dort militärisch grüßend vor. Der Pfarrer, ein gut gekleideter, älterer Herr mit dem Herz am rechten Fleck, lachte, als ich ihn so militärisch grüßte: "Kommen Sie doch erstmal rein und lassen Sie das Grüßen, das brauchen Sie hier nicht! Ein einfaches Guten Morgen reicht!" Dann zeigte er mir meinen künftigen Arbeitsplatz: Einen Schreibtisch mit einem PC darauf. "Geil, ich darf an den Rechner!", war wohl mein erster Gedanke. Er führte mich weiter umher und zeigte mir meinen zweiten Arbeitsraum, in dem ein riesiger Kopierer stand. "Sie müssten für mich allerdings auch hin und wieder mal Kopien machen. Außerdem benötigen Sie hier noch einen Bundeswehrführerschein für unseren Dienstwagen!" Wieder freute ich mich, denn von Kameraden habe ich gehört, dass auch der Erwerb des Führerscheins hier echter Luxus ist, Spaß macht und man sich geehrt fühlen kann. Nämlich nur dann kommt man in eine andere Kaserne mit einer 5-Sterne Küche und sehr kurzen täglichen Unterrichtszeiten, sodass öfter schon früher als 16:30 Uhr Dienstschluss ausgerufen wird. Also klare Sache, dass ich da bleibe! "Außerdem müssten Sie noch einen Computerkurs besuchen", grinste der ältere Herr, "Ihre Aufgabe wird es sein, dem Herrn <Name bleibt geheim> den PC im Grundkurs beizubringen. Der schafft das nicht so!" Also da dachte ich ja nun echt, dass ich garantiert keine falsche Entscheidung getroffen habe, bei der Bundeswehr zu bleiben. Nette Ausbildungen: ---------------------------- Demnach ging ich kurz darauf auf einen einwöchigen Fahrschullehrgang, der sogar mir (als Anti-Autofahrer) eine Menge Spaß und Freizeit einbrachte, kurze Zeit später auf meinen PC-Lehrgang. Den brauchte ich zwar keinesfalls mehr, aber was soll's, Computer ist und bleibt nun mal mein Hobby, daher habe ich ihn mitgemacht :o) Eines Tages kam ein Anruf, das ich mich wieder beim Spieß melden sollte. Nun gut, Augen zu und durch. Der gute Mann beglückwünschte mich zu meiner getroffenen Wahl und ferner zu den beiden bestandenen Lehrgängen, das war's dann auch schon wieder. Von meinen Kameraden, die gerade mal wieder ein BIWAK (ein militärisches Zeltlager…) hinter sich hatten und total ausgepowert waren, kamen nur hin und wieder mal neidische Sprüche wie: "Na so gut wie Du will ich es auch mal haben". Aber sie hatten ja Recht - besser hätte es niemanden treffen können.Anfallende Aufgaben: ----------------------------- Meine Aufgaben beim Pfarrer verstand ich recht schnell…alles, was irgendwie dienstlich ist und dieses Gebäude betrifft, bleibt außen vor und geht niemanden etwas an. Logisch, Diskretion sollte nicht gerade ein Problem darstellen. Außerdem sollte immer genug Kaffee im Haus sein *g*. Okay, Kaffeekochen ist auch nicht so schwierig, denn gerade WEIL immer genügend Kaffee im Haus war, zog sich unsere Frühstückspause beinahe ins Unermessliche. "Können Sie für mich mal ins Mannschaftsheim gehen und mir ein paar Brötchen besorgen?", war eine der Standardfragen des Pfarrers - und wenn er schon so fragte, wusste ich genau, dass er mich ebenfalls einlud. Tat er dauernd, sei es beim Frühstück oder beim Mittagessen in der Pizzeria oder beim Chinesen. Ich brauchte nie etwas selber zu zahlen, ich musste ihn im Gegenzug eben nur ins Restaurant fahren, was ich logischerweise auch gerne tat. Pizza oder Truppenküchenfraß? Ich glaube, da fällt die Antwort nicht schwer *g* Ansonsten…das bisschen Kaffekochen, Briefe schreiben, faxen oder kopieren fielen echt nicht ins Gewicht. Wenn mal gar nichts zu tun war oder der Pfarrer mit seinem Helfer auf einer der zahlreichen Geschäftsreisen war, konnte ich dort also nach Lust und Laune mit meinen Kameraden telefonieren, zeichnen, ein paar Bücher lesen und mich auf mein Studium vorbereiten, welches ja direkt danach gleich beginnen sollte. Es gab (bis auf die Grusskartenaktion kurz vor Weihnachten) nie wirklich viel zu tun. Die meiste Zeit verbrachte ich mit dem Schreiben von Bewerbungen an die Unis, oder ein paar PC-Spielchen, die mein "Vorgänger" scheinbar auf dem Rechner vergessen hatte.Sonstige "Trips" bzw. Vorzüge: ----------------------------------------- Des Weiteren war ich auch mit meinem "Chef" auf dem Weltkirchentag in Hildesheim, welcher echt schön war. Gar eine einwöchige Wallfahrt wollte der Pfarrer mir bezahlen, die mich eigentlich um die 300 DM gekostet hätte. Es wäre allerdings in meiner Urlaubszeit gewesen, daher lehnte ich dankend ab. Klar, eine Woche Frankreich für lau ist schon verlockend, aber da es ja eine "Bundeswehr-Fahrt" war, hätte ich den ganzen Tag über in Dienstkleidung verbringen müssen - auch keine besonders leckere Vorstellung. Na und wie eben schon gesagt, hatte ich zu diesem Zeitpunkt Urlaub eingereicht, den ich echt zum Relaxen und Freunde treffen nutzen wollte. Das Ende: --------------- Schneller als erwartet neigte sich die Zeit dann dem Ende zu, und obwohl ich dort ja echt nichts auszustehen hatte, war ich nach einiger Überlegung doch ganz froh, bald wieder Zivilist zu sein. Man hat ja selbst bei einem Stabsdienst wie diesem hier dauernd mit militärischem Gehabe und vermeintlich hohen Bw-Tieren zu tun, die manchmal echt noch eine Meldung beim Eintreten von mir verlangen wollten :o) Hab den Herren Major und Co. aber auf nette Art und Weise erklärt, dass ich in diesen Räumen keine Meldung machen brauche. Manche haben ganz schon blöd geguckt danach *g*Kurz vor Abschluss meiner Wehrpflicht gab es ja noch das leidige Thema des Dienstzeugnisses, welches ein jeder Soldat ausgestellt bekommt. Hier werden Leistung und Führung bewertet. Das Problem stellte sich bei mir aber ebenfalls nicht, da ich mein Dienstzeugnis einfach mal selber geschrieben habe und es nur noch unterschrieben werden brauchte :o) Alles reibungslos und Bestnoten *g* Zum Schluss wurde noch ein Abschiedsfrühstück für mich im Offizierskasino (da durfte ich eigentlich ja gar nicht erst hinein) gegeben und ich erhielt als kleines Dankeschön ein geschmiedetes Kreuz der Seelsorge, sowie ein Buch überreicht. Die Verpflegung: ------------------------ So, jetzt um noch mal kurz auf solch "lapidare" Punkte wie Gesundheit und Essen einzugehen: Das Essen in der Truppenküche war zumindest in meiner Kaserne echt grottenschlecht, bzw. kaum essbar. Kaum essbar alleine schon deswegen, weil man mitunter in nur 20 Minuten alles hinunterschlingen musste und es geschmacklich beim besten Willen nicht mit einer normalen Kantine verglichen werden kann. Nicht umsonst steht auf den Kartoffelsäcken (wenn es denn mal Kartoffeln gab…meist waren es nur Eintopf bzw. verkochte Nudeln) "Klasse B - nur für die Schweinemästung und für Bundeswehrsoldaten geeignet" (KEIN WITZ!). Aber gerade während meiner Fahrschulausbildung in einer anderen Kaserne habe ich mitgekriegt, dass vieles einfach auch nur am Personal bzw. den Köchen liegt. In der Fahrschulkaserne war alles immer wirklich lecker und durchaus mit einem Restaurant vergleichbar. Dort würde ich heute hin und wieder gerne noch mal essen wollen… es war einfach köstlich und während des Essens habe ich mitunter an meine Kameraden gedacht, die in dieser Zeit ihren Einheitsbrei verschlungen haben!Ansonsten gab es zum Frühstück für jeden Soldaten zwei Brötchen bzw. drei Scheiben Brot. Mehr durfte man sich nicht nehmen, darauf achteten die Küchenhilfen penibel. Das Brot bzw. die Brötchen konnten zumindest bei uns nur mit Salami bzw. Käse oder Marmelade essbar gemacht werden. Nun gut, hatte auch den Vorteil, dass ich seit meiner Bw-Zeit gerne Käse esse, was ich vorher nie gemacht hatte. Wenn halt nichts mehr da ist und man eh kaum Zeit hat, wird man genügsam :o) Medizinische Versorgung: ----------------------------------- Zum Thema "Gesundheit" möchte ich sagen, dass es gerade während der AGA generell kein Ausbilder gerne sieht, wenn einer seiner Rekruten dauernd und wegen jedem Wehwehchen zum Doc. rennt. Immerhin sind "wir" Soldaten und keine Memmen *g* Der Stabsarzt hat ebenfalls einen militärischen Dienstgrad und geht daher genau wie die Vorgesetzten sicher nicht immer zimperlich mit seinen Patienten um. Medikamente werden ungern verordnet, aber lieber als eine Krankschreibung. Diese kann darauf hinauslaufen, dass man in das BwK (Bundeswehrkrankenhaus) überwiesen wird, oder ein "KzH" ("Krank zu Hause") bekommt. Gerade letzteres kam bei uns jedoch nicht ein einziges Mal vor. Krank nach Hause gelassen wurde niemand, wozu gibt es ein paar Bundeswehrkrankenhäuser? Ferner verfügt ja jedes Bataillon noch über zahlreiche Krankenstationen, die man eher belegt, als den Soldaten krank nach Hause zu schicken. Die medizinische Versorgung finde ich alles andere als gelungen. Oftmals kommt man sich wie Vieh Nr. 435 vor, welches nur auf die Schlachtbank soll…Mein Fazit: ----------------- Meine Zeit bei der Bundeswehr war eigentlich mehr als erträglich, denn nach der Grundausbildung hatte ich alle nur erdenklichen Vorzüge: Schreibstube, Kompanieführung…daher geregelte Arbeitszeiten, Fahrschullehrgang, Computerkurs und eigentlich kaum mehr zu tun, als menschlicher Anrufbeantworter fürs Telefon zu sein. Das bisschen Kaffeekochen, Briefe schreiben und Kraftfahrer spielen war ja letztlich auch zu meinen Gunsten :o) Natürlich habe ich hier nur meine persönliche "Laufbahn" bei der Bundeswehr geschildert und sicher gibt es weitaus schlimmere Dinge zu tun, als Stabsdienstsoldat zu spielen. Zahlreiche Schikanen gerade während der Grundausbildung sind einfach nur grausam und nicht nur einmal fragt man sich, wozu man diesen ganzen Sch**ß eigentlich mitmacht. Dazu kommen Märsche und BIWAKS mit absolut grottigen Essens-, Schlaf-, und Wachezeiten. Aber irgendwie WILL man es schaffen und geht deswegen sicher nicht nur einmal über seine körperliche Leistungsfähigkeit.Gelungen fand ich dennoch, dass irgendwie alle Kameraden füreinander da waren und das nicht nur bei körperlichen Problemen, sondern auch bei seelischen Dingen. Wenn der eine z.B. mal Liebeskummer oder Stress mit Vorgesetzten hatte, so waren zumindest seine eigenen Stubenkameraden immer zur Stelle. Ansonsten war die Grundausbildung sicher nicht unbedingt einfach, aber für die meisten halt zu schaffen: Wenn der eine seinen Rucksack nicht mehr tragen konnte, übernahm ein anderer das. Diese Kameradschaft, die gerade während der Grundausbildung entsteht (und sichtlich auch von den Ausbildern gewollt ist), ist echt einzigartig. Nur zusammen haben wir die Ausbildung geschafft, einzeln wäre der Großteil bestimmt durchgefallen. "Sinn" der Wehrpflicht: Eigentlich würde ich heutzutage den Wehrdienst für nicht mehr wirklich wichtig erachten, denn dank der gesamten Friedenspläne wäre eine Berufsarmee (wie es sie z.B. in Frankreich und den USA gibt), bestehend aus Zeit- und Berufssoldaten meiner Meinung nach ausreichend. Also einen rechten Sinn sehe ich in dem immer kürzer werdenden Wehrdienst nicht mehr. Aber okay, der eine oder andere Wehrpflichtige stellt während der paar Monate fest, dass ihm die Institution Bundeswehr großen Spaß bereitet und entscheidet sich vielleicht für eine Unteroffiziers- oder Offizierslaufbahn. Soll ja auch alles so sein! Zum "Erlernen" der militärischen Hierarchie ist der Grundwehrdienst bestimmt geeignet, denn gerade in der ersten Zeit lernt man eigentlich nur, Befehle wie ein Roboter schnellstmöglich und nach bestem Wissen und Gewissen auszuführen… irgendwie wird der eigene Wille teilweise gebrochen, weil man sich persönlich mitunter die Frage stellt, wie hirnlos ein einfacher Befehl eigentlich noch sein kann. Vieles ist reine Schikane, um die Truppe zusammenzuführen und "stärker" zu machen. Eben um seine Grenzen kennen zu lernen und diese bis ans Maximum zu erweitern.Wenn ich heute noch mal gefragt werden würde, so würde ich gerade der Kameradschaft halber wieder zur Bundeswehr gehen, denn das ist eine echte Erfahrung. Diese nimmt man ins spätere Zivilleben mit und lernt so, sich im Team zu arrangieren und für begangene Fehler grade zu stehen. Ich sage abschließend: Es ist eine Erfahrung, die zeitweise sehr schmerzlich, zeitweise aber auch echt toll war. Da ich mich hier jedoch entscheiden muss, vergebe ich drei Sterne und eine Empfehlung. Obergefreite Grüße, euer Darky.
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27.08.2005 20:48
Interessanter Bericht. Ich bin gerade im 2 Monat meiner Grundausbildung, hab nächsten Donnerstag Gelöbnis. Ende September komme ich zur Panzertruppe. Mit 1,90 Meter Körpergröße. :-) Aber bisher gehts so, die ersten Tage dachte ich aber auch, dass wird nie was, aber mittlerweile hab ich relativ dran gewöhnt. Du hattest es aber auch um einiges schwerer als ich. Den 12 KM Marsch durften wir einmal kurz was trinken, das Wetter war gut und nach 2 Stunden waren wir zurück. Die Ausbilder sind auch lockerer geworden und Wochenende durfte ich bisher immer nach Hause. Also kein Vergleich zu deiner AgA, aber immer noch recht fordernd.
18.08.2005 19:19
das war ja mal eine ganz andere Seite der BW. Und: mich hat das nicht die Bohne interessiert, was die Vorgesetzten sagten, wenn ich alle zwei Tage zum Doc marschiert bin
04.07.2005 01:54
ganz nett formulierter Bericht, aber erstens - ich will Dir nicht zu Nahe treten - finde ich Deine Alptraumstory wegen des bißchen Geballers auf pappscheiben reichlich albern und zweitens - auch wenn ich den militärischen Kappes ebenfalls albern fand - kann ich nicht so recht erkennen, wie jemand, der es sich beim Pfarrer in der Schreibstube bequem gemacht hat, allen Ernstes über Kameradschaft fabulieren kann. Wir sind uns alle auf den Sack gegangen, weil wir 24 Stunden dauerdruck bekommen haben und sobald die uniform ausgezoigen war, hatten wir nichts, aber rein gar nichts mehr gemeinsam- Offenbar gibt es gewaltige Unterschiede in der Einsatzart, aber Wehrgerechtigkeit gibt es auch nicht mehr. Wie gesagt, soll kein persönlicher Angriff sein, aber ein richtiger Wehrdienstleistender, nein, das warst Du sicher nicht. Ungeachtet dessen guter Bericht.