Raus aus Afghanistan!

1  02.03.2010

Pro:
Nichts !

Kontra:
Alles .

Empfehlenswert: Nein 

prinzheinrich

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Unvergessen ist eine Epsiode in dem Film Rambo I, in dem Sylvester Stallone alias Rambo seinem Ausbilder vorheult, dass ihm im Vietnamkrieg millionenteure Geräte anvertraut waren und die Soldaten ihre Leben riskierten. Bei ihrer Heimkehr in die USA wurden sie von Kriegsgegnern als Mörder beschimpft; den Exsoldaten wurde mit Mißtrauen begegnet und sie bekamen keine ordentlichen Jobs. Wenn ich mich richtig erinnere, wies Rambo darauf hin, dass er im Krieg einen Panzer fahren durfte und anschließend Probleme hatte, einen Gabelstaplerjob zu bekommen. Obwohl dieses eine Filmfiktion war, empfanden viele Vietnamveteranen ähnlich.

Die Dolchstosslegende war eine unter den aus dem 1. Weltkrieg heimkehrenden Soldaten verbreitete Meinung, die besagte, dass das Deutsche Militär bis zum Ende des Krieges im Feld unbesiegt geblieben war und durch oppositionelle Kräfte in der Heimat geschwächt wurde, was zum ‘Verlieren’ des Krieges geführt habe.

Seit 2009 liegt eine ähnliche Stimmung in der Luft. In Deutschland wird/wurde über den Luftwaffenschlag vom 4. September 2009 in Afghanistan debattiert. Sehr schnell wurde Kritik daran geäußert, auch seitens der Regierung. Oberst Georg Klein musste sich deswegen vor diversen Gremien verantworten. Der Regisseur Claus Peymann hat ihn in einer TV-Sendung von Anne Will als ‘durchgeknallten Obristen’ bezeichnet. (Quelle: Berliner Morgenpost vom 16.9.2009) Später berichteten die Medien etwas ausgeglichener über den Vorfall. Die Bild am Sonntag zitierte Abdul Wahid Omarkhel, Distrikt-Chef der Region Chardara, folgendermaßen: „Der Luftangriff war eine erfolgreiche Operation, weil Aufständische getötet wurden, die eine Gefahr darstellten. Die internationale Empörung darüber ist vollkommen unverständlich. Dass manche in Deutschland bereits einen Abzug der deutschen Truppen fordern, erfüllt uns mit Sorge, denn die Region Kunduz braucht den Einsatz der Deutschen, auch für die wichtige Aufbauarbeit.“

Das Unschöne an allen Kriegen besteht darin, dass geschossen, zerstört, gekämpft und getötet wird. Das kann kein fairer und vernünftiger Mensch wirklich wollen. Andererseits ist es nachvollziehbar, dass Nationen Armeen haben, um sich verteidigen zu können. Ihre ersatzlose Abschaffung würde man nicht ohne arge Bedenken akzeptieren. Wenn eine moderne demokratische Gesellschaft ihre Armee für kriegerische Zwecke einsetzt wird, muss sie das klar und nachvollziehbar begründen. Die Bürger müssen verstehen, warum die Soldaten eingesetzt werden und dieses mit starker Mehrheit befürworten. Damit nehmen sie in Kauf, dass hieraus als falsch und ungerechtfertigt bewertbare Handlungen resultieren, die im Gesamtverlauf eines Krieges unvermeidlich sind. Die den Krieg befürwortenden Bürger müssen Gegenschläge des Gegners, einkalkulieren. Sie müssen nicht nur dazu stehen, dass Leichen produziert werden sondern auch, dass viele Soldaten und Zivilisten durch die Kriegsereignisse für den Rest ihres Lebens traumatisiert sein werden. Bedenkt man die schwere moralische Last, unter der Deutschland seit dem 2. Weltkriegs leidet, sollte gerade diese Nation sehr hohe Hürden hinsichtlich ihrer Beteiligung an vermeidbaren kriegerischen Auseinandersetzungen setzen.

Die Begründung von Einsätzen der Marine zum Schutz von Frachtschiffen vor Angriffen seitens der somalischen Piraten ist einfach. Die Bürger können nachvollziehen, dass eine internationale Marinegruppe Schiffe, ihre Besatzungen und Ladungen gegen bewaffnete Raubüberfälle in internationalen Gewässern verteidigt. Aber Aghanistan? Ist der Hinweis, die Frauen von der 'Pflicht' zum Tragen der blauen Schleiers (Burka) befreien zu wollen, tatsächlich ein Argument für kriegerische Auseinandersetzungen?

Die Debatte um den oben genannten Luftangriff warf erneut die Frage auf, was deutsche Soldaten in Afghanistan zu suchen haben. Die Regierung muss begründen, warum unsere Soldaten dort sind und sich ein Meinungsbild über die Akzeptanz dieser Erklärung verschaffen. Wenn eine deutliche Mehrheit der Bürger den Einsatz nicht versteht und befürwortet, muss er umgehend abgebrochen werden. Die jüngsten Ereignisse zeigen, dass die Deutschen sich scheinbar an die Präsenz ihrer Soldaten als Bestandteil einer internationalen Polizei in Afghanistan gewöhnt, bzw. resigniert haben. Die Beseitigung von Minenfeldern oder Hilfe beim Aufbau einer einheimischen Polizei sind hinnehmbar, obwohl vielen unklar ist, inwiefern uns das wirklich etwas angeht. An einem Krieg in Afghanistan wollen die Deutschen nicht beteiligt sein. Das hätte man aber anläßlich eines Luftwaffenschlags nicht an den Soldaten auslassen dürfen, sondern an der Regierung. Sie hat die Soldaten mit Waffen dorthin geschickt. Und wer sowas tut, muss damit rechnen, dass es knallt.

Die Medienberichte der letzten Monate machten deutlich, dass die deutsche Bevölkerung über die tatsächlichen Zustände vor Ort im Unklaren gelassen wurde. Die Soldaten erleben täglich Gefechte. Der Begriff Krieg wurde diesem Zusammenhang von den Politikern vermieden, doch setzte er sich allmählich durch. Oberst Klein gehört nicht vor ein Gericht sondern die für den Afghanistan-Einsatz-Verantwortlichen. Sie sollen die deutsche Beteiligung am Afghanistan-Konflikt endlich abbrechen oder überzeugende Gründe für unsere Beteiligung am Töten und Getötetwerden darlegen.


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
EMALOVIC

EMALOVIC

26.02.2011 12:36

es ging doch einzig und allein um die Rohstoffe machen wir uns doch da nichts vor. Die Politik und die Politiker sind ganz schön verlogen. Die Medien und Konzerne haben mehr Macht und Einfluss als ihr zu glauben scheint

Magistix

Magistix

03.03.2010 10:34

Die Frage ist doch, was mit Afghanistan nach dem kompletten Abzug passieren wird?!

E-pro

E-pro

03.03.2010 10:16

So etwas kommt, wenn man praktisch am Tag danach und im größtem Chaos großspurig "uneingeschränkte Solidarität" verspricht - http://www.netzeitung.de/kultur/160845.html - ein Krieg ist es nicht, weil man da seinem Gegner Rechte zugestehen müsste und man selbst Pflichten hat.

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