Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
ein Kick der besonderen Art, Freiheitsgefühl |
| Kontra: |
ziemlich teuer, kann süchtig machen, wenig Möglichkeiten |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Es ist ein ziemlich warmer Spätsommertag. Ich bin knapp 1000 Kilometer von daheim entfernt und stehe auf einer Gitterplattform unter einer Autobahnbrücke. Wenige Meter über mir rasen PKW, LKW und andere Fahrzeuge über die Europabrücke. Dementsprechend laut ist es. Dafür ist die Aussicht sehr schön. Man kann sehr weit schauen. Überall Berge und alles ist grün. Wenn ich direkt nach unten schaue, sehe ich 192 Meter unter mir eine Wiese, darauf in einer anderen Farbnuance ein grüner Punkt. Unser Zelt. Von hier oben ist es schwerlich als solches zu erkennen. Um meinen Oberkörper trage ich ein Gurtzeug, ähnlich wie beim Klettern. An meinen Füssen ist jeweils eine Schlaufe befestigt. Ein wenig spüre ich das Gewicht des daran befestigten Gummiseils. Keine Ahnung, wie lang und wie schwer es ist, mir ist es in dem Moment auch ziemlich egal. Dem Mitarbeiter neben mir der eine Schlaufe in der Mitte festhält, wird es allerdings langsam zu schwer. Für mich bedeutet das, dass ich mich langsam hinunter begeben sollte. Also kopfüber nach unten fallen lassen. „Und bei „bungee“ lässt du dich einfach fallen….“. Klingt eigentlich ganz einfach und doch rebelliert irgendwas in meinem Kopf in dem Moment. Irgendetwas in mir ist der Meinung, dass es gefährlich sein könnte sich in die Tiefe zu stürzen. Doch Zweifel kann ich in dem Moment nicht brauchen. Ich bin doppelt gesichert (an den Füßen und zur Sicherheit noch am Oberkörper), die Fußschlaufen sitzen fest, fast zu fest, alles wurde mehrmals kontrolliert und so gibt es keinen Grund sich Sorgen zu machen. Außerdem bin ich selbst bereits öfters gesprungen und so langsam sollte mein Kopf (oder was auch immer in mir noch zweifelt) wissen, dass es gar nicht „schlimm“ ist. Also schiebe ich alle Gedanken beiseite und die Team-Mitarbeiter beginnen zu zählen „5-4-3-2-1-Bungee“. Dabei lasse ich die Stangen, die ich zuvor umklammerte los, breite meine Arme seitlich nach oben aus und springe dann leicht nach vorne weg, ähnlich dem Kopfsprung im Schwimmbad. Auf einmal höre ich nichts mehr von dem Motorenlärm der Fahrzeuge, es ist alles still. Es waren nur wenige Sekunden in denen ich weit mehr als 100 Meter in die Tiefe gefallen bin. Das Seil bremste den Freifall langsam ab und zog mich dann ein Stück wieder raus. Das Gefühl bei diesem Rebound ist ähnlich den modernen Fahrgeschäften auf der Kirmes oder im Freizeitpark, nur nicht so mechanisch. Und man kann sich frei bewegen, wird nicht in einen Sitz gedrückt. Wow., was ein Gefühl. Noch einmal falle ich ein Stück hinab. Der zweite Rebound ist schon etwas weniger stark…
Die Absprunghöhe von 192 Meter auf der Europabrücke bei Innsbruck war bisher mein höchster Bungee-Sprung. Noch Stunden später tobte das Adrenalin in meinem Körper. Was ein Erlebnis.
In diesem Bericht geht es um eine meiner Leidenschaft, das Bungee-Springen. Unter Einbringung persönlicher Erfahrungen möchte ich einiges über Sicherheit, Unterschiede bei verschiedenen Locations und Veranstaltern, Hintergründe berichten und allgemeine Informationen geben.
***** Bungee oder Bungy-Jumping ?
In Deutschland scheint sich Bungee als Schreibweise durchgesetzt zu haben, in manch anderen Ländern dominiert Bungy, es sind aber eigentlich überall beide Schreibweisen bekannt. Woher die Unterschiede kommen, könnte ich nur vermuten..
***** Funsport oder Extremsport?
Für mich ist es eher eine Funsportart. Es gibt sehr viele extremere Sportarten. Ich finde eigentlich auch den Begriff Sportart unpassend, leider ist mir kein passenderes Wort bekannt.
Ich sehe es mittlerweile als Leidenschaft,
Bilder von Bungee-Jumping
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Absprung
für manch anderen ist es ein einmaliger Kick. Kaum jemand praktiziert es als regelmäßigen Sport, zumindest nicht in Deutschland. In Österreich findet man einige Vielspringer, in England, Australien und den USA gibt es sogar Bungee-Clubs. Genauere Einzelheiten dazu sind mir aber nicht bekannt. Clubkarten deutschsprachiger Veranstalter sind eher mit Rabattkarten zu vergleichen.***** 50 Meter oder 200 Meter? Ist die Höhe entscheidend?
Ich habe früher oft gehört, dass die Höhe keine große Rolle spielt. Spätestens seit meinem Jump von der Europabrücke sehe ich das anders. Wenn man von oben herunter schaut, sieht man die Unterschiede ganz klar. Auf dem Stadtfest in 50 Meter Höhe kann man sogar einzelne Personen am Boden unterscheiden, aus 190 Metern Höhe erkennt man Menschen kaum noch. Und der freie Fall ist etwa dreimal so lang. Zudem merkte ich auch am Sprungverlauf Unterschiede.
***** Gibt es preisliche Unterschiede?
Ja! Von kostenlos (z.B. auf Festivals, dann aber mit mehrstündiger Wartezeit) bis zu 150€ ist alles möglich (im deutschsprachigem Raum und dem angrenzenden Ausland). Natürlich kostet ein Sprung aus 200 Metern mehr als aus 50 Metern, zumal die Kosten für den Veranstalter auch höher sind. Beim Seil bestimmt u.a. die Länge den Preis und Sprünge an Brücken oder Staumauern sind auch schwieriger und kostenintensiver in ihrer Durchführung.
***** Wer kann springen? Voraussetzungen…
Das Mindestalter liegt meist zwischen 14 und 16 Jahren. Ein Höchstalter gibt es eigentlich nicht, es haben sich schon über 70jährige in die Tiefe gestürzt.
Entscheidender als das Alter ist ein Mindestgewicht von 45 bis 50 Kilo. Dort wo auch Tandemsprünge angeboten werden, können Schwergewichte an diesem Tandemseil springen, ansonsten muss man weniger als 100-110 Kilo wiegen (variiert je nach Veranstalter/Art des Seiles).
Die gesundheitlichen Einschränkungen sind ähnlich wie bei den größeren Karussells, also darf in der Schwangerschaft, mit Epilepsie, Bluthochdruck, Herzschrittmacher, grünem Star und anderen Augendruckproblemen nicht gesprungen werden.
Bei anderen gesundheitlichen Problemen sollte man zuvor eventuelle Probleme abklären. Eine ärztliche Meinung kann nicht schaden, jedoch musste ich leider die Erfahrung machen, dass einige Ärzte am liebsten Bungee ganz verbieten würden und andere sich eigentlich gar nicht auskennen.
Weitere Ausschlussgründe sind Alkohol und Drogen.
Die benötigte Ausrüstung bekommt man zum Sprung vom Veranstalter, spezielle Kleidung ist nicht erforderlich. Es empfiehlt sich jedoch feste Schuhe zu tragen, die den Knöchel freilassen (denn dort werden die Fußschlaufen angebracht), wenn man mit Schuhen springen möchte.
***** Aber das ist doch gefährlich…
Das schwierigste Thema dieses Berichts. Ich werde versuchen auf alle Eventualitäten einzugehen. Doch zuerst möchte ich erwähnen, wie sehr es mich manchmal nervt, immer wieder von Leuten, die von der Materie keine Ahnung haben, belehrt zu werden. Es gibt ungefährlichere Freizeitaktivitäten, das stimmt wohl. Allerdings passieren sehr viele Unfälle im Haushalt und mit Verkehrsmitteln. Prozentual berechnet sogar mehr als beim Bungee. Die Ausrede, dass Haushalt und Auto fahren notwendig sind, Bungee jedoch nicht, lasse ich nicht gelten. Es ist genauso lebensnotwenig irgendwelche Dekogegenstände an der Decke oder am Fenster anzubringen, wie Bungee-Springen.
Dann gibt es noch das Argument (sogar in einem anderen Bungee-Bericht hier gelesen), dass der menschliche Körper nicht dazu gemacht sei, sich an einem Seil in die Tiefe zu stürzen. Das mag vielleicht stimmen. Vermutlich sind unsere Lungen auch nicht dazu gemacht, um mit Teer verklebt zu werden, unser Körper nicht dazu gedacht ihn mit genmanipuliertem Zeug zu mästen und unser Rücken nicht dazu geschaffen, ihn für Dumping-Löhne zu überfordern. Auch unsere Augen und unser Gehirn sollen wahrscheinlich einen anderen Zweck erfüllen als bis zu 10 Stunden täglich in den Glotze zu gucken.
Kommen wir zu den Fakten:
- zu lange Seile
Dies ist meiner Meinung nach das, was als häufigstes Gegenargument fungiert. Mir ist kein einziger Fall bekannt, bei dem ein Seil zu lang war. Außerdem gibt es in unseren Breitengraden einen Mindestabstand zum Boden. Ich weiß nicht genau, wie hier die gesetzlichen Bestimmungen in den Ländern sind und wie weit der Abstand bei welcher Höhe ist, jedoch sind es weit mehr als 10 Meter, bei höheren Sprüngen oft 30 Meter und mehr. Man ist niemals der erste der an dem Seil springt.
- das gerissene Bungee-Seil
Wenn ein Bungeeseil stark überlastet wird, kann es theoretisch zu einer Überdehnung kommen und das Seil kann reißen. Lange Zeit wurde diese Möglichkeit ausgeschlossen, bis es vor einigen Jahren doch zum Seilriss am Dortmunder Fernsehturm kam. Zum Warum, Wieso, Weshalb ist soweit ich weiß bis heute nichts genaues bekannt (oder man möchte nicht, dass etwas bekannt wird). Durch Überdehnungsbegrenzer am Seil kann es nicht zum Seilriss kommen. Das Unternehmen bei dem es damals zu diesem Unfall kam, verwendet heute diese Seile.
- falsches Seil verwendet
Es ist richtig, dass es meist zwei oder drei verschiedene Seile gibt. Für leichte Menschen, für schwere und eines für Tandemsprünge. Auch, wenn Menschen mal Fehler machen, unaufmerksam sind, halte ich es für ausgeschlossen, dass jemand so verpeilt ist, zwei Springer an das Seil für Einzelpersonen unter 70 Kilo zu hängen. Vor allem sind immer mehrere Mitarbeiter dabei und ein solch grober Fehler würde wahrscheinlich sogar den Springern selbst oder Zuschauern auffallen.
Wenn man scharf nachdenkt, fallen einem bestimmt noch viele andere Dinge ein, die passieren könnten (die Autobahnbrücke von der man springt könnte einstürzen), jedoch gibt es solche Risiken bei allem, was Mensch macht.
Um sich vor kleineren Kratzern zu schützen, sollte man keinesfalls ins Seil greifen beim Sprung und längere Kleidung schützt vor ungewolltem Seil-Kontakt. Wenn man beim Eintauchen ins Wasser die Augen schließt und Kopf und Arme wie beim Kopfsprung hält, kann auch dabei nichts passieren. Diese, sowie weitere Sicherheitshinweise werden einem vor dem Sprung genaustens erklärt.
***** sonstige Vorurteile
Man wird weder auseinandergerissen, noch wird man so gedehnt, dass man danach ein paar Zentimenter grösser ist, das Herz schlägt normal weiter und man muss sich auch nicht übergeben.
Ich leide öfter unter Reisekrankheit, Seekrankheit und kenne auch Schwindelgefühle und habe beim Bungee keinerlei Probleme.
Der Ruck beim Rebound (dem Wiederhochziehen, wenn sich das Seil zusammenzieht) ist auch absolut nicht schmerzhaft und ich hatte noch bei keinem Sprung das Gefühl, dass irgendwelche Sehnen oder Knochen an mir auseinander gezogen werden.
***** Der Sprungablauf
Mein Einleitungstext beschrieb bereits wie die Minuten vor dem Sprung ablaufen könnten. Wie sich im Einzelnen das Davor und Danach gestaltet ist von vielen Faktoren abhängig: Veranstalter (jedes Team arbeitet etwas anders), Sprungort (mal wird man vom Kran nach oben gezogen, woanders muss man „klettern“, ebenfalls location-abhängig ist es, wann man das Sprunggeschirr angezogen bekommt) und auch von einem selbst.
Entweder hat man bereits im Voraus gebucht (meist bei festen Locations) oder man entschließt sich vor Ort (meist auf Festivals, in Discotheken,….) spontan zum Sprung. Am Sprungort füllt man normalerweise bei der Anmeldung eine Einverständniserklärung aus (man bestätigt, dass man gesund ist, aus freien Stücken springt, usw) und dort wird auch meist der grobe Ablauf erklärt und man wird gewogen. Meist gibt es die Möglichkeit Videos oder Fotos anfertigen zu lassen, diese bestellt man dann hier. Eventuell bekommt man hier auch sein Sprunggeschirr bereits angelegt (Gurtzeugs und Fußschlaufen). Je nach Wartezeit geht es dann früher oder später zum Absprungpunkt (mit dem Kran, hinauf auf den Turm, die Brücke oder Staumauer entlang). Ab hier wird es dann ernst. Die Ausrüstung wird angelegt, bzw. noch mal überprüft (ebenso das Gewicht). Man bekommt eine kurze Einweisung (Arm-/Körperhaltung, Sprungablauf) und dann geht’s auch schon los. 3-2-1-Bungee.
***** Sprunglocations / Infoseiten
In Deutschland gibt es vor allem Kranspringen auf Veranstaltungen und in Discotheken. Auf www.bungeejunkee www.bungeejumping.de www.bungee-jumping.de www.skybungee.de und www.bungee.de finden sich aktuelle Termine (und zusätzliche Informationen). Österreichische Veranstalter sind u.a. unter www.europabruecke.at und www.bungy.at zu finden. Wer James Bond „Goldeneye“ gesehen hat, kennt vielleicht auch diese Sprunglocation: http://www.trekking.ch in der Schweiz.
Letzte gehört zu meiner persönlichen Wunschsprungorten. Weiterhin plane ich irgendwann einen Sprung vom Fernsehturm in Vilnius und in Griechenland am Corinth-Kanal (www.zulubungy.com)
Gesprungen wird hauptsächlich im Sommer, vereinzelt im Frühjahr und Herbst (oft wetterabhängig) und sehr selten gibt es im Winter Sondertermine (Nikolausspringen, Silvester, o.ä.).
***** Sprungvariationen
Beim ersten Sprung springt man entweder allein (vorwärts) oder zu zweit als Tandem.
Beim Tandem ist man zu zweit an einem Seil befestigt und hält sich aneinander fest. Sofern man über Wasser springt, bietet sich auch die Möglichkeit des Eintauchens ins Wasser. Wer öfter oder gar regelmäßig springt, verspürt oft irgendwann den Wunsch nach Abwechslung. Es bieten sich folgende Variationsmöglichkeiten: rückwärts, verschiedenste Saltovariationen (ähnlich wie beim Turmspringen) oder andere Befestigungsmöglichkeiten (z.B. Hüftgurt, am Rücken). Außerdem gab es auch schon Sprünge mit allen (un)möglichen Gegenständen, z.B. Motorrad, Fahrrad, Schlauchboot, Schaukelpferd, usw.
Außerdem gibt es noch HotRocket, das ist quasi Bungee von unten nach oben. Die Bungee-Kugeln, welche man auf Volksfesten finden, haben meiner Meinung nach nicht viel mit Bungee zu tun, es ist ein völlig anderes System und auch das Gefühl dabei ist nicht zu vergleichen.
***** Sonstiges
Zur Herkunft und Entstehung vom Bungee-Jumping habe ich bereits verschiedene Ausführungen gelesen. Es ist schwer zu sagen, welche Naturvölker damit begonnen haben. Auch gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, wer das Bungee-Springen in Deutschland populär gemacht hat.
Meine Ausführungen bezogen sich auf das System was im deutschsprachigen Raum verwendet wird. In den USA und einigen anderen Ländern gibt es manchmal andere Bungeesysteme, dazu kann ich jedoch nichts genaues sagen.
***** Trisa& Bungee
Mein erster Sprung war Anfang 2001, seitdem zieht es mich immer wieder zu verschiedenen Bungeelocations. Die meisten Sprünge habe ich in Deutschland und Österreich absolviert. Wenn genügend Zeit und Geld vorhanden ist, können es auch schonmal dreißig Sprünge oder mehr im Jahr werden. Es ist kein (regelmäßiger) Sport, sondern eher ein gelegentlicher Kick. Außerdem interessiere ich mich für Neuigkeiten, Hintergründe und anderes was mit Bungy zu tun hat. Und wenn ich mal wieder das Bedürfnis habe zu springen, dann nehme ich auch größere Entfernungen gerne in Kauf (wobei ich sie gerne mit Kurzreisen oder Aufenthalten in der jeweiligen Gegend verbinde).
Mir geht es um den besonderen Kick, das Adrenalin und das Freiheitsgefühl. Schwer zu erklären, am besten ihr versucht es selbst einmal *lächel*
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Ein Eindruck?
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