Burgenland

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Erfahrungsbericht über "Burgenland"

veröffentlicht 28.06.2005 | SabineG1959
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Ihr Lieben, ich wünsche Euch allen eine scholne Adventszeit frohe Weihnachten und einen guten Rutsch :)
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"~~~ Eisenstadt im Burgenland ~~~"

Den gestrigen Nachmittag verbrachte ich zum Teil alleine, zum Teil mit einer Wiener Brieffreundin in Eisenstadt. Wir fuhren mit dem PKW von Wien aus dort hin. Ich bin jedes Mal wieder begeistert, wie schön die Landschaft ist, wie so plötzlich alles ländlich wird, sobald man ein paar Meter aus der Stadt heraus ist.

Eisenstadt ist die Hauptstadt des Burgenlandes. Nach dem Ersten Weltkrieg entstand die Republik Österreich 1918 in den heutigen Grenzen - mit einer Ausnahme: das Burgenland kam erst 1921 dazu. Durch die Teilung der k.u.k. Monarchie Österreich-Ungarn in Österreich und Ungarn, fiel die frühere Hauptstadt, das heutige Sopron, an Ungarn. Laut Gesetz o.ä. muss eine Landeshauptstadt mindestens 10.000 Einwohner haben, um Landeshauptstadt zu werden. Die einzi8ge Stadt im Burgenland, die diese Vorausssetzung erfüllte, war nun nicht mehr da, und so wurde aus der nächst größeren Stadt, also Eisenstadt, durch Eingemeindung der umliegenden Dörfer eine flächenmäßig relativ große Stadt mit gerade mal etwas über 10.500 Einwohnern laut Informationstafel in Eisenstadt, die nahe Schloss Esterhazy zu finden ist.

Eisenstadt liegt am Fuße des Leithagebirges und nur ca. 15 Autominuten vom Neusiedler See entfernt. Von Wien aus kommt man aus einer riesigen Ebene auf Eisenstadt zu und erkennt schon von weitem, dass man in die Hauptstadt kommt: direkt hinter dem Kreisverkehr ragt das einzige Hochhaus der Stadt auf.

Ziemlich bald taucht dann auch das gelbe Gebäude Schloss Esterhazy auf, das ursprünglich eine Burg war, Anfang des 15. Jahrhunderts von der ungarischen adligen Familie Esterhazy gekauft und zu einem Schloss umgebaut wurde. Der burgähnliche Grundriss ist noch heute gut zu erkennen, aber ansonsten strahlt das Schloss eher eine anheimelnde Atmosphäre aus.

Am Schloss vorbei etwas den berg hinauf fanden wir einen Parkplatz direkt am Schlosspark, den wir leider nicht mehr besuchen konnten, obwohl der Blick dort hin vielversprechend war. Vom Hinsehen muss es ein sehr schöner Park sein. Aber da wir zum Schloss wollten und mehrere Schilder darauf hinwiesen, dass es hier keinen Durchgang zum Schloss gäbe, gingen wir also notgedrungen außen herum - über die Straße. Von da aus fanden wir doch noch einen Weg Richtung Schloss, der aber leider auch eine Sackgasse war und durch den Garten eines Weinhandels führte, der sich hinter dem Schloss befindet. Zum Glück war gerade jemand am Tor und öffnete uns dieses - sogar ohne sich darüber aufzuregen,d ass wir da unbefugterweise herum liefen … ich war ganz platt!

Ein paar Schritte weiter befanden wir uns dann am Ziel unserer Träume: am Schloss. Gleich am Eingang befindet sich die Touristeninformation, wo wir ein wenig Infomaterial über die Stadt und den deren berühmtesten ehemaligen Bewohner Josef Haydn mitnahmen.

Ein Stück weiter Richtung Innenhof befindet sich die Kasse und der Museumsshop, wo wir erfuhren, dass es jede Stunde eine ca. 50minütige Schlossführung gibt, die letzte um 17.00h. Der Shop hat bis 18.00 Uhr geöffnet.

Da es bis zur nächsten noch ziemlich lange dauern sollte und die letzte auch noch lange hin war, gingen wir zunächst einmal in die Fußgängerzone, deren Anfang man vom Schlossplatz aus schon sehen kann. Wir kamen dabei auch beim Café Esterhazy vorbei, das sich direkt gegenüber vom Schloss befindet.

Eisenstadt ist eine wunderschöne, gepflegte Kleinstadt mit Charme, so gemütlich und beschaulich - ich war ganz hin und weg …

Eisenstadt ist nicht nur Landeshauptstadt sondern auch Bischofssitz und besitzt somit einen Dom. Von außen wirkt der schlichte romanische Bau wie eine etwas zu groß geratene Kapelle und wird auf Hinweisschildern auch nie Dom sondern immer nur Domkirche genannt.

Von außen ist die Kirche von schlichtem Weiß. Der Eingang unter dem Turm ist eine Eisentüre mit - bei Holz würde ich sagen geschnitzten - Bildern darauf. Diese Türe ist sehr modern: es gibt draußen eine Anleitung, dass sie sich selbsttätig öffnet, sobald man den Türgriff oder einen metallenen Stab, der neben der Tür angebracht ist, drückt. Es dauerte etwas, bis wir den Trick mit dem Stab verstanden, aber dann funktionierte der Sesam-öffne-dich auch mit Stab, und die schwere Türe ging wie von Geisterhand auf.

Trotz der ebenfalls rein weißen Wände, war es in der Kirche erstmal sehr dunkel. Die bunten Kirchenfenster waren in eher dunklen Farben gehalten, vor allem rote und blaue kleine Scheiben, die zu abstrakten Mosaiken zusammengesetzt waren.

Es dauerte eine Weile, bis meine Augen sich an die relative Dunkelheit gewöhnt hatten und ich Einzelheiten erkennen konnte. Die Kirche wirkt sehr schlicht, enthält aber eine sehr alte Kanzel in - anscheinend - sehr dunklem Grün, fast schwarz, mit goldenen Ornamenten und auf der Treppe ein Schild, dass man sie wegen der Statik nicht - mehr - besteigen darf.

Außerdem gab es eine wunderschöne Orgel aus pechschwarzem Holz und mit Gold verziert. Die Empore ruhte auf zwei schwarzen Säulen mit goldener Verzierung am oberen Ende, die wie antike Säulen aussahen.

Der Boden der Kirche war mit Teppichfliesen ausgelegt in den Farben des Regenbogens. In der hinteren Ecke war ein kleiner Altar der Kommunionkinder, die das Regenbogenthema wieder aufnahmen und darin die Verbindung zwischen Himmel und Erde, also Gott und den Menschen sahen.

Auffallend war die Verbindung zwischen sehr Alt und Moderne. Sehr viel Wert wird in der Kirche auf Glas gelegt. So gab es ein gläsernes Taufbecken, einen gläsernen Altar und ein gläsernes Rednerpult, aber alles auf eine Weise, dass es nicht sofort auffällt und die bunten Fliesen durch das Glas besonders zur Geltung kommen. Ich finde es schwer zu beschreiben - man muss es einfach gesehen haben …

Man konnte die Kirche durch einen Nebeneingang hindurch verlassen und landete dann wohl in einem Teil des Gemeindehauses, dessen Außen"mauern" aus riesigen Glasscheiben bestanden, durch die man in einen Garten blicken konnte, was wohl früher einmal ein Friedhof gewesen sein musste. An einer Mauer gab es noch einige Grabsteine.

Durch eines der Fenster konnte man in einer Art Miniinnenhof eine moderne Skulptur erkennen, die neben einem Baum stand. Diese Skulptur glänzte leicht silbern und stellte ein Pärchen dar. Im Baum ringelte sich eine aus schwarzem Schlauch gebastelte Schlange, die Richtung Pärchen züngelte. Das Ganze sollte dann wohl die Bibelstelle von Adam, Eva und der Schlange darstellen.

Durch den ganzen Garten zog sich ein glänzender und funkelnder Weg, der aus lauter Glasscherben bestand. Zu seinen Seiten befanden sich diverse ganz schlichte Kreuze, jeweils aus zwei mit einem Strick zusammen gebundenen Stöcken bestehend, wie Kinder sie herstellen könnten. Dies sollte wohl der Kreuzweg sein, der mir in der Kirche als fehlend aufgefallen war.

Ich fand die Verbindung von uralt und Superneu einfach gelungen, da die Kirche von einer solchen ursprünglichen Schlichtheit ist, dass es einfach zusammen passt und keinen Stilbruch ergibt.

Von der Kirche aus gingen wir wieder zurück über die kleine Straße und durch eine enge Gasse, über die Fußgängerzone, noch eine Gasse und wieder über die Straße zur Franziskanerkirche. Dies ist eine hübsche Barockkirche mit den "üblichen" Verzierungen, Engeln etc. Diese Kirche wirkte gleich sehr hell und freundlich. Durch eine Seitentüre gelangt man hier direkt in das Franziskanerkloster, das gleich nebenan ist und wohl auch ein Diözesanmuseum enthält.

Von hier aus kehrten wir um, gingen wieder über die Straße - Haydngasse - durch die andere Gasse zurück, wo es an der Ecke eine Eisdiele gibt mit sehr leckerem Eis zu den üblichen Preisen. Ein Becher kostete ca. 4,50 Euro.

Hier trennten wir uns, da meine Freundin noch einen Termin hatte. Ich wollte noch die letzte Schlossführung erwischen und bummelte die Haydngasse hinunter. Da Haydn bei den Esterhazys angestellter Musiker war, ging ich davon aus, dass alles Wissenswerte über Haydn im Schloss zu finden sei, und rechnete eigentlich nicht mit einem eigenen Haydnmuseum. Das Wohnhaus von Haydn steht aber heute noch in der Haydngasse und beherbergt ein kleines Haydnmuseum. Dieses hat montags bis 17 Uhr geöffnet, an anderen Tagen auch bis 18 Uhr. Gestern war Montag, und um 17 Uhr wollte ich ja eh bei der Schlossführung sein …

Als ich also gegen 16.30 Uhr dort ankam, dachte man bereits an Feierabend und Einpacken. Da ich aber nur den einen Tag hier war, durfte ich dann im Eilverfahren umsonst die kleinen Ausstellungsräume mit Informationen über Josef Haydn und seine berühmten Schüler Mozart und Beethoven angucken.

Es gab Möbel- und Kleidungsstücke, Bilder, Dokumente, handschriftliche Noten, Musikinstrumente etc. aus der Zeit bzw. direkt von Haydn, der am 31.3.1732 in Rohrau bei Carnuntum geboren wurde und 1809 in Wien starb. Beerdigt wurde er zunächst in Wien und dann im Haydnmausoleum in Eisenstadt. Der Begründer der Wiener Klassik wurde liebevoll "Papa Haydn" genannt.

In einem der Räume wurde erläutert, welche Neuerungen er in der Musik im Zusammenhang mit Sinfonie, Sonate und Streichquartett er einleitete, die dann von Beethoven und Mozart zu größter Vollendung weiter entwickelt wurden.

In einem Raum mit Möbeln befand sich ein sogar ein schlichtes Bett mit Nachttopf darunter. Leider konnte ich keine Erläuterung dazu finden.

In einem Raum mit Porträts von ihm und einigen seiner Zeitgenossen befand sich auch seine Totenmaske.

Erwähnen möchte ich noch, dass man in diversen Räumen Haydn-Musik hören konnte. Die dazu gehörenden CD's wurden unten im Museumsshop verkauft, wo man auch andere Andenken und Ansichtskarten bekam. Des weiteren gibt es wohl auch die Möglichkeit, im Hof des Hauses einen Kaffee zu trinken. Ich sah dort Gartenstühel und Tische und eine Kaffeemaschine. Da ich so spät erst kam, war ja schon alles fertig und abgeräumt, und ich habe auch nicht danach gefragt, habe mich wirklich beeilt und wollte um 17 Uhr ein paar "Meter" weiter beim Schloss sein.

Punkt 17.03 Uhr auf deren Uhr war ich da, und auch hier glaubte man an Feierabend, weil überhaupt niemand zur Führung erschienen war. Da ich ja nun nicht am nächsten Tag zur Führung kommen konnte, weil ich da ja längst im Zug sitzen muss(te), schlug man mir einen Kompromiss vor: für 3 statt 5 Euro würde man mir den berühmten Haydnsaal mit Erläuterungen zeigen aber von der kompletten Schlossführung absehen. Ich willigte ein, da es mir ja hauptsächlich um Haydn ging und nicht so sehr um die Familie Esterhazy.

Der Saal hat sich wirklich gelohnt. Es ist ein barockes Kunstwerk mit wunderschönen Wand- und Deckengemälden. Seit Haydn wurde der ursprüngliche Ball- und mehr oder weniger Allzwecksaal immer mehr zum Konzertsaal, der eine der besten Akustiken Europas haben soll.

Die Führerin erzählte mir einiges zur Schloss- und Familiengeschichte der Esterhazys und die Rolle von Haydn, der ja bei ihnen als Hofmusiker im Rang eines Offiziers dort angestellt war und auch entsprechende Offiziersuniform zu tragen hatte.

Nach Verlassen des Schlosses bummelte ich noch ein wenig durch die Gassen von Eisenstadt und war begeistert von den vielen gut erhaltenen alten Häusern, der Sauberkeit und der Idylle der Stadt.

Im Esterhazycafé trafen meine Freundin und ich uns dann wieder bei einem Kaffee. Das Esterhazyrestaurant ist genau so nobel wie der Name es schon andeutet. Während das Äußere so wirkt wie ein Teil des Schlosses, allerdings mit nicht solch strahlendem Geld sondern eher alter Farbe, wirkt das Innere sehr edel - ebenso die Preise … Aber einen Kaffee auf der Terrasse mit Blick auf's Schloss war es uns dann doch wert.

Zurück fuhren wir dann erstmal am Schloss und dem schönen Schlosspark vorbei den Berg hinauf und genossen von dort oben den wunderschönen Blick über die Stadt und weit in die Ebene bis zum Neusiedler See. Ein wenig merkwürdig wirkte das einsame Hochhaus am Stadtrand auch von hier oben ….

Durch ein paar malerische Gassen fuhren wir wieder hinunter in die Stadt und aus der Stadt hinaus nach Wien.

Ich denke mal, dass ich wenn irgend möglich wieder nach Eisenstadt fahren werde. Es gibt noch so vieles dort zu sehen und zu entdecken, u.a. auch die Schlosskonzerte und Haydnfestspiele im September 2005, den Schlosspark und alles, wofür ich dieses Mal keine Zeit hatte.

Mir hat die Atmosphäre der Stadt sehr gut gefallen, ich habe mich dort einfach wohl gefühlt.

Alles Liebe von Sabine :)


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • Zilina veröffentlicht 30.09.2014
    Ganz liebe Grüße von mir
  • galeria veröffentlicht 30.10.2005
    Wow, da muss ich auch mal hin.
  • reya veröffentlicht 23.07.2005
    Man merkt das es dir die Stadt wirklich angetan hat. Ein schöner Bericht der neugierig macht. Mal sehen, wenn ich mal in die Nähe komme... Lieben Gruß und lass doch mal wieder was von dir hören. reya
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