Burger King - allgemein

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Brennen für die Marke - Burger King Vorgeschichte Im Zuge einer Studie über Unternehmensstrukturen hatte ich verschiedene Filialtests bei Burger King durchzuführen. Neben den üblichen Testkäufen und Filialdokumentationen war auch ein Arbeitstag (getarnt als Probearbeitstag) bei Burger King ... Bericht lesen





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Brennen für die Marke - Burger King
Erfahrungsbericht von fredbaer über Burger King - allgemein
23.04.2009


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Deutschlandweit stets das gleiche Restaurantkonzept
Kontra: Arbeitsbedingungen, Einkommen, immer das gleiche Sortiment

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Brennen für die Marke - Burger King

Vorgeschichte

Im Zuge einer Studie über Unternehmensstrukturen hatte ich verschiedene Filialtests bei Burger King durchzuführen. Neben den üblichen Testkäufen und Filialdokumentationen war auch ein Arbeitstag (getarnt als Probearbeitstag) bei Burger King vorgesehen, so dass ich interessante Einblicke in dass Unternehmen werfen konnte. Diese möchte ich hier publizieren.

Unternehmensüberblick

Burger King eröffnete 1954 in Miami das erste Restaurant. In Deutschland ist Burger King seit 1976 vertreten. Im Moment gibt es weltweit etwa 12.000 Restaurants, mit ca, 370.000 Mitarbeitern, davon etwa 660 Restaurants in Deutschland. Über 90% der Restaurants werden von Franchisenehmern betrieben, der Rest untersteht direkt der Burger King Geschäftsführung.
Der Vorstandschef ist seit September 2006 John Chidsey.

Die Mitarbeiter

Die Umsatzsteigerungsverkäuferin

"Einen Whopper bitte" nannte ich am Tresen meinen Wunsch. "Mit Chesse und Bacon?" fragte mich die Mitarbeiterin zurück. "Kosten denn Speck und Käse extra" fragte ich wiederum zurück. "Ja, jeweils 50 Cent" erwiderte die Mitarbeiterin. "Nein, das ist mir zu teuer. Der Whopper kostet dann ja 4,39 Euro. Das kann ich mir von meinem schmalen Gehalt gar nicht leisten. Ich möchte lieber einen Whopper, so wie er hier in der Preisliste aufgeführt ist" entgegnete ich grinsend.

Die Mitarbeiterin blieb beharrlich.

"Soll es ein Menü sein?" stellte meine Gegenüber eine weitere Gegenfrage. "Nein. Einen Whopper, so wie er hier in der Preisliste aufgeführt ist" wiederholte ich mit stoischem Gleichmut. "Möchten Sie etwas zu trinken" fuhr die Mitarbeiterin zu fragen fort. "Nein. Ich möchte nur einen Whopper" wiederholte ich nun wie ein Automat. "Solls noch eine Portion Pommes sein?" entgegnete fragend die Mitarbeiterin. "Ich kann nicht mehr" ächzte ich. "Ich möchte doch bloß einen Whopper. Ohne Käse, Speck, Pommes und Getränke.
So wie er hier in der Preisliste aufgeführt ist. Ist denn das so schwer?". Meine Fragespielpartnerin nickte, ich bezahlte und erhielt den Whopper.

Endlich geschafft!

Die "Schnippi-Frau"

"Einen Whopper bitte" nannte ich am Tresen meinen Wunsch. " Cheese, Bacon dazu?" fragte mich die Mitarbeiterin, eine dunkelhaarige Frau deren Deutsch ich kaum verstand. "Nein, einen Whopper ohne Käse und Speck" entgegnete ich mürrisch, weil ich das Spiel schon kannte.
"Möchten Sie mit Menü, gibt so was wie Schnippi" radebrechte meine Gegenüber. Sie stellte ihren Zeigefinger aufrecht und schwenkte ihn vor meiner Nase hin- und her. "Was ist denn ein Schnippi?" fragte ich. "Kann hinten und vorn reinstecken, so wie Schnippi eben. Gibt mit dazu, bei dem" meine Gegenüber wies in die Luft und schwenkte wieder ihren hochaufgerichteten Zeigefinger hin- und her. "Ich möchte lieber einen Whopper, so wie er auf der Preisliste steht" antwortete ich.

Die Neugier ließ mir aber keine Ruhe. "Was hat denn das mit dem Schnippi auf sich" fragte ich, machte einen steifen Zeigefinger und schwenkte ihn vor der Mitarbeiterin hin- und her. "Ich nicht wissen was das ist, gibt mit dazu, vierfunzig" meine Gegenüber wies hilflos auf ein Plakat. Dort war ein Menü abgebildet, beim Erwerb desselbigen gab es einen 2 Gbyte USB-Stick gratis dazu. Diesen meinte wahrscheinlich die Mitarbeiterin. Da viele PCs an der Rück- und Vorderseite USB-Anschlüsse besitzen, empfand ich ihre Aussage "Kann hinten und vorn reinstecken" völlig korrekt.

Die Versalzer

"Eine Portion Pommes bitte" nannte ich meinen Verzehrwunsch. "Solls ein Menü sein" fragte mich die Mitarbeiterin. "Nein, ich möchte eine Portion Pommes, ohne Menü" antwortete ich. Die Portion Pommes erhielt ich nicht, stattdessen fragte die Mitarbeiterin: "Solls noch etwas zu trinken sein?" "Nein" erwiderte ich. "Möchten Sie wirklich nichts trinken?" wiederholte die Mitarbeiterin ihre Frage. "Nein, ich möchte nichts trinken" bestätigte ich. "Ich möchte eine Portion Pommes". Ich bezahlte und die Mitarbeiterin gab mir die Portion Pommes.

Diese war derart versalzen, dass ich die Portion im Mülleimer entsorgte. Wahrscheinlich die Rache der Mitarbeiter, weil ich nichts zu trinken bestellte, so meine Gedanken dazu.

Diese letzte, vergebliche nonverbale Aufforderung, (versalzene Pommes zur Aktivierung des Durstgefühls)um doch endlich etwas zu trinken zu bestellen, ignorierte ich und verließ dass Restaurant.

Da es sich um einen Test handelte, bei dem der Verzehr bezahlt wurde, reklamierte ich den Fraß nicht.

Die Ursachen dieser "Überrumpelungsfragetechnik" liegen in den Umsatzvorgaben. Pro Kunde soll ein höchstmöglicher Umsatz erzielt werden. Die Mitarbeiter sind angehalten, beim Kundenerstkontakt ein so genanntes "Wording" anzuwenden, welches aus offenen Fragen besteht. "Soll es ein Menü sein?" Dem Kunden soll damit ein umsatzsteigerndes "JA" entlockt werden.

Einen Tag in der Filiale

Wie vereinbart führte ich zum vereinbarten Termin einen Probearbeitstag durch. Als Bewerberlegende wählte ich einen Mitarbeiter der kurz vor der Arbeitslosigkeit steht und bei Burger King als Restaurantleiter einsteigen möchte.

Bevor ich im Restaurant aufkreuzte, sondierte ich zuerst den Außenbereich. Ein junger Mann, Mitte Zwanzig, umkreiste hurtig, mit wehenden Schlips, das Restaurant.
Ich betrat das Restaurant und stellte mich vor. "Ich nischt gud sprechenn Deutsch" sagte mein erster Gesprächspartner. "Da warten. Chef kommt". In diesem Moment kam der junge Mann, welcher seinen Rundgang außen beendet hatte, mit wehendem Schlips durch den Eingang hereingestürmt.

Das war der stellvertretende Restaurantleiter, welcher an diesem Tag Frühschicht hatte. Er lud mich auf Kosten des Hauses zu einem Kaffee ein und zeigte mir im Anschluss das Restaurant, die Küche, die Lagerräume und das Restaurantumfeld. "Ich mache jeden Tag zweimal einen Rundgang um das Restaurant" erklärte mir der stellvertretende Restaurantleiter. "Dabei achte ich auf Fassadenschmierereien und Erbrochenes. Manchmal kotzen Gäste hinters Restaurant, pinkeln an die Außenwände oder werfen Müll ins Gebüsch. Dann muss ich eine Reinigung veranlassen" ergänzte er.

Ich wanderte mit dem stellvertretenden Restaurantleiter durch das Restaurant, welches er mir genau erklärte. "Im Restaurant arbeiten und sprechen heißt Burger King sprechen" so mein Gesprächspartner. "Hier herrscht eine Art Neusprech (Einheitssprache aus Orwells Buch 1984) welches jeder Mitarbeiter beherrschen und sprechen muss". Er zeigte mir den Gastraum welcher sich Lobby nannte, die Chute (die Verbindungsrutsche zwischen Küche und Kassenraum) und die gefrorenen Rinderhackscheiben welche sich Patties nannten. Der stellvertretende Restaurantleiter nannte diese aber Pads. "Die Sesambrötchen, in welche die Pads eingebettet werden, heißen Buns" so mein Begleiter. Wir gingen weiter durch das Restaurant, ich sah etwa sechs Mitarbeiter in der Küche und am Kassentresen wirken.

"Mit dem Colagrundstoff, da machen wir einen richtig fetten Gewinn" äußerte sich mein Gesprächspartner. "Über 300 % Gewinnspanne. Da wird einfach die Pampe mit Sprudel versetzt und die Gäste denken da kommt eine leckere Cola aus dem Automaten. Ha, Ha". Lachend rieb er sich die Hände.

"Das hier ist das Herzstück des Restaurants, der Broiler, eine Art Feuergrill" er zeigte auf eine Maschine, in welche die gefrorenen Pads (Rinderhackscheiben) eingelegt, fließbandartig durchgefahren, gegrillt und am anderen Ende verzehrfertig ausgegeben werden.
"Wenn diese Anlage, der Broiler, einmal ausfällt, dann können wir die Bude schließen" bekräftigte mein Gesprächspartner.

"Die Reinigung des gesamten Restaurant erfolgt nachts" sprach der stellvertretende Restaurantleiter. "Dann wird eine Gruppe Reinigungsmitarbeiter vom Schlüsselmeister nach Feierabend hier eingesperrt und eine Stunde vor Eröffnung am Morgen wieder herausgelassen. Damit sie im Laufschritt die ganze Bude putzen und keine Pads klauen". Der stellvertretende Restaurantleiter grinste.

Im Pausenraum schaute ich mir einige Schulungsvideos an. Eines enthielt den sinngemäßen Titel: "Mitarbeiter die für die Marke, also Burger King, brennen".

Der Inhalt des Videos stellte höchstmotivierte Mitarbeiter vor, welche unter Einsatz ihrer gesamten Persönlichkeit, freundlich lächelnd, jeden Tag olympische Höchstleistungen für Burger King absolvieren. Ich fragte den stellvertretenden Restaurantleiter leicht verschmitzt: "Bedeutet das Brennen für die Marke, dass die Mitarbeiter mit lodernden Flammenschweif durch dass Restaurant laufen sollen? Das ist doch viel zu gefährlich"
"Nein, Nein" erklärte dieser "damit ist die Motivationsgrundhaltung einer absoluten Serviceorientierung und einer Ausreizung des Leistungsprinzips gemeint. Brennen für die Marke hat somit nur symbolische Bedeutung".

"Haben Sie keine Angst, dass die Mitarbeiter ausbrennen oder diverse Schäden erleiden?" fragte ich meinen Gesprächspartner. "Ja" bestätigte er "das ist nicht weiter schlimm, dann werden sie eben ausgewechselt. Entsprechend den amerikanischen Personalführungsgrundsätzen des Heuerns und Feuerns".

Die Begriffe des "Feuerns", "ausbrennen" und "Brennen für die Marke" beunruhigten mich.

Inzwischen war es Mittag geworden. Der stellvertretende Restaurantleiter sprang durch die Küche. "Es brennt" rief lauthals und stürmte auf mich zu. "Schnell, schnell". "Wo brennt es denn?" fragte ich. "Dort" erwiderte er und zeige auf die Kassentresen, wo sich lange Schlangen von Gästen gebildet hatten. "Die sind wie Tiere. Fressen, fressen nochmals fressen. Das ist unser Umsatz. Schnell, schnell". Er riss die Tür zum Kühllager auf und überreichte mir eine eingeschweißte Packung Pads. "Los, los, die müssen durch den Broiler". Ich zückte mein Taschenmesser, schnitt die Verpackung auf und bestückte den Broiler, welcher knarrend die gefrorenen Pads in seinen Schlund einzog.

Als fertig gegrillte Rinderhackscheiben fielen diese am anderen Ende des Broilers heraus. Dort komplettierten Mitarbeiter auf einer Art Werkbank oder Arbeitstisch (Whopper- oder Burgerboard) diese mit den Burger-Brötchen (Buns) und den Zutaten, wie Tomaten, Gurken, Zwiebeln, etc. Der Herstellprozess der Burger verlief wie an einem Fließband, so mein Eindruck.
Nach ca. 40 Minuten schweißtreibender Broilerbestückung schwoll der Gästestrom ab.

Der stellvertretende Restaurantleiter wanderte durch die Küche, griff in den Gurkenbehälter und steckte sich eine Gurkenscheibe in den Mund. Dann angelte er sich einen Hühnchenflügel (Chickenwings), welchen er ebenfalls in der Futterluke versenkte. "Hmmmm, schmeckt" bestätigte er. Darauf verschwanden Tomatenscheiben, gebratener Speck und eine Käsescheiben in seinem Futterschlund. Hier einen Happen fischend, dort einen Bissen angelnd, da ein Kostprobchen greifend, frohgelaunt kauend schritt er durch die Küche.
"Jetzt ist für Sie Mittag und vielen Dank für die Unterstützung am Broiler" wandte sich der stellvertretende Restaurantleiter an mich. Er fragte mich nach meinem Wunschmenü, welchen ich mit Whoppermenü artikulierte und bereitete exklusiv für mich selbiges zu.

Dieses verzehrte ich dann in der Lobby, dem Gastraum.

Die Mitarbeiter im Restaurant verstanden nur sehr rudimentär deutsch.
Ich befand mich in einen global team, die Mitarbeiter entstammten Ländern wie Sri Lanka, Pakistan, Libanon, Türkei, Albanien, Guatemala und Deutschland. Als deutsche Mitarbeiter fungierten der stellvertretende Restaurantleiter, der Restaurantleiter und eine Auszubildende zur Restaurantkauffrau für Systemgastronomie im dritten Ausbildungsjahr. Die Auszubildende eine neunzehnjährige Rubensfrau, ca. zwei Meter groß und einen Meter breit, thronte vorwiegend im Büro und überprüfte die Kassenabrechnungen der vergangenen Tage. Die Auszubildende schien nicht für die Marke Burger King zu brennen, sie hatte eher Speck angesetzt, so mein Eindruck. Sie erklärte mir dass sie nach der Ausbildung nicht von Burger King übernommen wurde, genauso wie ihre anderen Mitauszubildenden in den anderen Restaurants der Umgebung. Das würde sie motivationstechnisch lähmen.

Die Auszubildenden konnte ich die Information entlocken, das der Tagesumsatz dieses Restaurants bei 3000 - 4000 Euro lag. Zwischen den einzelnen Restaurants im Bezirk gäbe es einen stetigen Umsatzwettbewerb.

Der Zeitpunkt für den Schichtwechsel zu Spätschicht nahte.
Das Telefon klingelte. Ein Mitarbeiter frage, ob er einige Tage zu Hause bleiben könne, Onkel Yussuf sei aus dem Libanon wegen wichtiger Erbschaftsahngelegenheiten zu Besuch gekommen. Das sei wichtiger als Burger King. Er würde sich dann wieder melden, wenn er für Burger King Zeit hätte.

Ein anderer Mitarbeiter fragte an, ob er die Spätschicht mal ausfallen lassen könne, er müsse dringend zur Bank Geld abheben.
Als der stellvertretende Restaurantchef fragte, warum er nicht den Vormittag dafür genutzt habe, legte der Mitarbeiter auf.

Ein weiterer Mitarbeiter rief an, er müsse zu Hause bleiben, seine Frau erwarte ein Kind. Er wolle bei der Geburt helfen. Der stellvertretende Restaurantchef erwiderte: "Sie waren doch schon vor zwei Monaten bei der Geburt ihres Kindes zu Hause". Dann schaltete er das Telefon auf Lauthören.
Damals vor zwei Monaten habe eine seiner anderen Frauen ein Kind entbunden, das sei richtig, jetzt stünde seine momentane Lieblingsfrau, kurz vor der Geburt, so der Mitarbeiter.
Diese sei noch sehr jung und es wäre ihre erste Geburt. Da er aber seine anderen Frauen, sowie seine Hauptfrau, zugunsten dieser Lieblingsfrau vernachlässigt habe, gäbe es zu Hause viele Konflikte, welche er schlichten müsse.
Da habe er für Burger King keine Zeit, so der Polygamist.

"Das sei ein echtes Problem" sagte der stellvertretende Restaurantchef "Gerade die Mitarbeiter aus dem östlichen und südlichen Mittelmeeranrainerstaaten, sowie aus Mittelamerika haben große Probleme sich den strukturierten, zeitplanerischen Abläufen im Restaurant zu unterwerfen. Manchmal kommen sie zur Arbeit manchmal nicht. So wie sie eben gerade Lust haben" erklärte er weiter.
"Wie hoch sind denn hier die Stundenlöhne?" fragte ich dazwischen. "Hier liegen sie bei etwa sechs Euro pro Stunde" antwortete mein Gesprächspartner.
Er fügte hinzu: "Die Mitarbeiter sollen ja für die Marke Burger King brennen, leider zünden viele noch nicht einmal. Dann gehen sie wieder, es kommen die Nächsten, aber diese sind auch nicht anders. So dreht sich dass Personalkarussell immer wieder".

Zur Spätschicht tauchten dennoch einige Mitarbeiter auf, welche sogleich Gurken, Tomaten und Zwiebeln in Scheiben schnitten.

"Wie verhalten Sie sich denn bei einem Überfall?" fragte ich meinen Gesprächspartner. Dieser überlegte kurz: "Ruhe bewahren ist die oberste Pflicht. Dazu muss ich noch einmal Gott fragen" ergänzte er.
"Meinen Sie damit JAHWE den altisraelischen Schöpfergott der Bibel?" ich war ganz erstaunt. "Nein, der Restaurantleiter, das ist mein und unser Gott. Er weiß und kann alles. Er kommt in einer halben Stunde, zur Spätschicht" antwortete der stellvertretende Restaurantleiter.

Eine halbe Stunde später betrat "Gott" das Büro. Er war Mitte 20, groß, schlank und trug ein aufgesetztes Lächeln zur Schau. Ich hatte den Eindruck dass er eine Art Mundschiene trug, welches die Mundwinkel nach oben presste bzw. dass er seine Mundwinkel mit unsichtbaren Fäden an den Ohren eingehangen hatte. Als ich seine Hand zur Begrüßung drückte, hatte ich den Eindruck in einen feuchten Lappen zu greifen.

Ich stellte mich vor, "Gott" beäugte mich misstrauisch. Anscheinend gefiel es ihm nicht, dass ein Fremdling in sein Reich eingedrungen war.

Als "Gott" mit seinen "Engeln", den Mitarbeitern sprach, bemerkte ich dass er die Augen nach innen verdrehte und tranceartig Lehrbuchseiten wortwörtlich zitierte. Wie ein Leseautomat.

Die zumeist ausländischen Mitarbeiter gingen "Gott" aus dem Weg, wahrscheinlich beteten diese andere Götter an.
Den stellvertretenden Restaurantleiter maßregelte "Gott" weil er vergessen hatte die Außenbeleuchtung des Restaurants einzuschalten. "Konzentrieren Sie sich auf Ihre primären Führungsaufgaben" ermahnte ihn "Gott". Dann ergoss er, tranceartig sprechend, eine Seite aus einem Fachbuch über Personalführung über diesen. Dabei konnte ich ein Grinsen nicht unterdrücken und gab meinen Senf dazu: "Der Führungskreislauf besteht aus Planen, Delegieren, Motivieren und Kontrollieren. Wir unterscheiden zwischen autoritären, patriacharchischen, bürokratischen, lassifairen und situativen Führungsstilen". "Gott" schaute mich bitterböse an. Seine Augen funkelten: "Woher wissen Sie das?
"Das hab ich mal gelesen" entgegnete ich grinsend.

Ich beschloss den Feierabend einzuläuten und signalisierte "Gott" dass ich nun meinen "Probearbeitstag" beenden wollte.
"Eigentlich bestimme ich, wer hier wann und wie Feierabend macht" entgegneten "Gott". "Ich habe noch eine längere Fahrt nach Hause und ich kann mir den Tag relativ frei einteilen. Das habe ich mit Herrn N., dem Regionalleiter, so vereinbart" gab ich zurück.
"Wenn Sie meinen, dass Sie gehen müssen, dann gehen Sie eben" sprach "Gott". Sein aufgesetztes Lächeln war in eisige Züge gefroren.

"Wie sieht es denn mit einer Vergütung für den Probearbeitstag aus und Fahrtkosten?" fragte ich "Gott". Dessen Gesichtszüge gefroren auf dem absoluten Gefrierpunkt. "Klären Sie dass mit Herrn N." erwiderte "Gott". "Von mir gibt's kein Geld" bekräftigte er.

Ich verabschiedete mich und war froh dass der "Probearbeitstag" endlich vorbei war.

Anmerkungen zu "Probearbeitstagen ohne Bezahlung"

Die Unsitte der unbezahlten "Probearbeitstage" hat in der deutschen Unternehmenslandschaft stark zugenommen. Ich finde es zur Eignungsfeststellung sehr gut, wenn Mitarbeiter sich einige Tage in Unternehmen "ausprobieren". Allerdings sollten sie dafür auch einen finanziellen Obolus bzw. die Aufwendungen erstattet bekommen. Das schafft Vertrauen und fördert Motivation.

Ich war einmal mit einem Fall konfrontiert, wo ein Arbeitssuchender als Koch zwei Tage umsonst zur Probe gearbeitet hat. Als er nach einem finanziellen Salär fragte, erhielt er abschätzige Antworten und wurde beschimpft. Einige Wochen später ging er mehrmals in das gleiche Restaurant und speiste dort "zur Probe". Er aß und trank nach Herzenslust a la carte und verschwand dann ohne zu bezahlen.
Der Inhaber bekam einen Brüllanfall und verständigte die Polizei wegen Zechprellerei. Der "Zechpreller" kommunizierte: "Ich habe doch bloß auf Probe gegessen und getrunken, genau so wie ich hier auf Probe gearbeitet habe. Nach dem Probeverzehr hätte ich mir dann ein Lieblingsgericht ausgesucht, gegessen und auch bezahlt. Ich wollte doch bloß vorher mal ausprobieren, welches mir am Besten schmeckt"

Nachwirkungen

Meine gesamte Kleidung roch noch tagelang nach Frittenfett. Den Geruch empfand aber aromatisch und angenehm.

Die Gäste

Der Gesättigte

Ein langezogener Rülpslaut durchzog wie ein Donnergrollen das Restaurant. Ein Mann, Mitte Zwanzig, vor sich einen Berg Verpackungsmaterial aufgetürmt, lehnte sich behaglich zurück. Er streckte sich, strich sich über den Bauch, blähte die Wangen auf und öffnete leicht den Mund. "RÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜLPS" fuhr zum zweiten Mal es aus diesem heraus. "Eine Sau ist satt" kommentierte eine Frau am Nebentisch das Geschehen. Die meisten Gäste schienen den Rülpser zu ignorieren. In Rennfahrerhaltung über die Tische gebeugt, verzehrten sie hastig ihre Speisen.

"Ich empfinde das ist eine Sauerei in öffentlichen Restaurants zu rülpsen." Ein Mann, Anfang Vierzig, sprang auf. "Einen Rülpser in Ehren, kann niemand verwehren. Das gehört dazu. Mach ich immer so." entgegnete der Rülpser. "Dafür haue ich Dir eine aufs Maul". Der Vierzigjährige drang auf den Mittzwanziger ein und zielte mit der Faust auf diesen. Der Rülpser wich aus und bekam den Faustarm des Vierzigjährigen zu fassen. Beide rangen miteinander.

Lass mich in Ruhe. Sonst fahre ich Dich mit dem Auto um, dann biste platt" keuchte der Mittzwanziger. Der Vierzigjährige: "Rülpser kriegen was in die Fresse. Ich werde Dir Benehmen beibringen". Er entwand seinen Faustarm aus dem Griff seines Gegners, holte erneut aus und schlug zu. Er holte noch einmal aus und schlug wieder zu. Der Rülpser wankte und hielt sich die Hände vor das Gesicht.
Dann wandte sich der Schläger um und eilte aus dem Restaurant.

Die Mitarbeiter hatte inzwischen die Polizei informiert, welche etwas später eintraf.
Dieser Vorfall war der örtlichen Presse sogar eine Meldung wert.

Fazit

Die Produkte haben sind für gelegentlichen Verzehr gut geeignet und entsprechend meinem Geschmacksempfinden empfand ich diese einigermaßen wohlschmeckend.

Die Tätigkeit selber hat mir dort nicht gefallen. Die Arbeitsaufgaben sind einfachster Art (Getränke zapfen, Brötchen belegen, Broiler bestücken, etc.), übersichtlich strukturiert und gering bezahlt. Unter Umständen müssen Burger King Mitarbeiter noch aufstockende Sozialleistungen bei der örtlichen ARGE beantragen.
Die Herausforderung besteht darin, bei der Arbeit nicht in Hektik zu verfallen und bei Hochdruckphasen keine Fehler zuzulassen. Wer gern einfachste Tätigkeiten im Laufschritt, sich mit angewinkelten Armen bewegen und eine hektische Arbeitsatmosphäre, gepaart mit einem geringen Einkommen, mag, der ist bei Burger King gut aufgehoben. So meine Ansicht dazu.
   

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