Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Kostenlos verfügbar, Genialer Film, Erschreckend realistisch |
| Kontra: |
Kaum im Handel zu finden |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Denkt man an die Schweiz fallen einem gleich einige Dinge ein: Teure Uhren, Banken, Schokolade und Käse. Jedoch an Filme denkt man nicht. Zu unrecht, wie CH7, eine schweizer Actionkomödie, zeigt.
Worum geht es?
Tina, eine junge Schweizerin, möchte Filme drehen. Doch ihre Versuche eine Filmkarriere über Universitäts-Workshops zu starten, schlagen fehl. Also nimmt sie einen Job als Videojournalistin beim schweizer Fernsehsender CH7 an.
Dieser Job läuft nicht wie erwartet: Tina muß dumme Kandidaten für eine Quizshow aussuchen und Videobänder mit den "Dümmsten Hausfrauen der Schweiz" sortieren. Schnell wächst der Frust und der Wille einen eigenen Film zu drehen. Ihre beiden Freunde Diego und Sebastian helfen ihr dabei, einen Film mit dem Titel "Der Aufstand" zu realisieren..
Aber wer einen Film drehen will, braucht Geld für Schauspieler und Ausrüstung. Ein Banküberfall geht mächtig in die Hose und Bekannte, die als Schauspieler in Frage kommen, verlieren die Nerven. Da ändern die Drei ihre Taktik und zwingen fremde Leute mit der Waffe zur Schauspielerei.
Diese Vorgehensweise endet mit der Entführung eines Quizmasters für den die Drei Lösegeld verlangen. Damit wollen sie Diegos Schulden bei der Mafia tilgen und Ihren Film finanzieren. Doch nicht alles läuft wie geplant…
Was steckt dahinter?
CH7 ist der erste Film, der unter der Creative Common License steht. Dies bedeutet, daß der Film frei und völlig legal aus dem Internet heruntergeladen und weiterverteilt werden darf.
Allerdings kostet nicht nur die Produktion des fiktiven Films "Der Aufstand" Geld, sondern natürlich auch CH7 selbst. Deshalb kamen, bis auf die Hauptdarstellerin Denise Meili, nur Laiendarsteller zum Einsatz. Vom Webmaster bis zum Manager ist alles dabei. Der Rest finanzierte sich aus Spendengeldern großer schweizer Unternehmen.
Damit setzt CH7 inhaltlich und vom Konzept her ein Zeichen gegen die übermächtige Kommerzialisierung der Film- und Musikwelt. CH7 ist eben etwas anderes. "Nieder mit dem kommerziellen Einheitsbrei!", heißt es mehrfach im Film. Und so wird der Auftritt einer Teenyband, mit einem ach so typischen blöden sinnlosen Lied, nachhaltig gestört. Zitat von Tina: "Ein paar Tussis, die nicht singen können!"
Ebenfalls wirf CH7 einen sehr kritischen Blick auf die Fernsehwelt: Für eine Quizshow werden nur Kandidaten ausgewählt, die in den Augen des Senderchefs nicht viel wissen. Für Schlagzeilen tut der Sender alles, so auch ein gefaketer Bericht über ein angebliches Verhältnis eines Schweizer Politikers mit einer portugiesischen Putzfrau. Und das inklusive gefälschter Bilder und gefälschten Live-Bericht aus Portugal!
Klar, das alles wird nur im Film gespielt. Aber mal ehrlich: Ist es nicht wirklich so? Immer wenn ich eine Quizshow im Fernsehen sehe, frage ich mich: Ist der Kandidat wirklich so unwissend? Bei jeder Nachrichtensendung auf RTL & Co. frage ich mich: Ob das wohl alles so stimmt?
Low Cost = Low Quality?
Nein! Trotzdem CH7 nur mit Sponsorengeldern und Laienschauspielern ausgestattet ist, merkt man das nicht. Die Story ist einprägsam und gut nachvollziehbar.
Kameraführung und Schnitt wirken sehr professionell. Die Filmmusik, eine Art elektronische Stilrichtung, paßt gut. Der Hit der Teenyband "Off Limits" ist sogar ein richtiger Ohrwurm!
Auch die schauspielerischen Leistungen der Laien sind phänomenal. Gerade der Uniprofessor ist mit seiner theatralischen Art umwerfend und sehr nachahmenswert. Der Senderchef spielt mit Bravour den fiesen Typ, den man sich in der Rolle vorstellt.
Und dennoch: In meinem Freundeskreis sorgt CH7 für Gelächter. "So ein Mist", "Voll billig", heißt es da. Grund ist der Prolog des Films: Eine wirklich gnadenlos schlechte Kopie von James Bond in der Gestalt von Charles Boltz. Doch das ist gewollt, wie hätte denn eine zig tausend Euro teuere Special Effect durchsetzte Szene in diesem Film gewirkt? Sie hätte die Botschaft des Films zerstört.
Sprechen Sie Schweizerisch?
Einen Tip möchte ich noch geben: Hören Sie gut zu! Denn in CH7 wird überwiegend schweizer Deutsch gesprochen. Wenn man ein bißchen nipp zuhört, stellt dies jedoch kein Problem dar. So schlimm ist das nicht. Wer den Film aus DVD hat, kann sich über deutsche Untertitel freuen.
Der Prolog ist in einfachem Englisch verfaßt, in ein paar Szenen wird italienisch gesprochen. Alles kein Problem, der Film bleibt stets nachvollziehbar und verständlich.
Download oder DVD?
Das muß jeder sicher selbst entscheiden. Der eigentliche Film läuft rund 90 Minuten. Die DVD bietet zusätzlich Untertitel in Deutsch, Französisch und Englisch, sowie entfallende Szenen und Pannen am Filmdreh. Leider sucht man die DVD im deutschen Einzelhandel bisher vergebens.
Beim Download von der Filmwebsite oder über Tauschbörsen hat man die Wahl zwischen einer DivX-kodierten AVI-Datei oder dem Apple QuickTime-Format. Beide Dateien sind rund 700 MB groß. Ein DSL-Zugang für den Download ist also unabdingbar. Die QuickTime-Version bieten den Vorteil, daß sich Untertitel aus einer Textdatei (ebenfalls Download möglich) einbinden lassen.
Mein Fazit:
CH7 ist ein absolut sehenswerter Film. Ohne Special Effects und viel Schnickschnack hebt er sich wohltuend vom "kommerziellen Einheitsbrei" anderer Filmproduktionen ab. Die kostenlose Verfügbarkeit von CH7 im Internet ist ein Novum, das hoffentlich Nachahmer findet.
Ich wünsche mir den Film auch hier endlich auf DVD erwerben oder einmal im Kino sehen zu können.