Cadillac Records (2008)

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... Allerdings scheint die Amerikanerin Darnell Martin („Law & Order“, „Grey´s Anatomy“) da eine andere Meinung zu haben, anders ist es nicht zu erklären warum sie für ihren ersten großen Film „Cadillac Records“, über das Label Chess Records aus Chicago, die Tatsachen oftmals vollkommen verdreht ... Bericht lesen





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Ungeneaues Biopic
Erfahrungsbericht von atrachte über Cadillac Records (2008)
24.04.2009


Produktbewertung des Autors:   


Pro: fantastische Musik, durchweg guter Cast,
Kontra: hält sich kaum an Fakten,

Empfehlenswert? nein 

Kompletter Erfahrungsbericht

Von filmischen Biopics erwartet man in der Regel das sie sich sehr nah an die Begebenheiten halten und eventuell nur etwas für den Spannungsbogen dazu erfinden. Warum auch nicht, haben doch vor allem die großen Musiker-Biopics der letzten Jahre wie „Ray“ und „Walk the Line“ gezeigt dass das Leben immer noch die besten Geschichten selbst schreibt. Allerdings scheint die Amerikanerin Darnell Martin („Law & Order“, „Grey´s Anatomy“) da eine andere Meinung zu haben, anders ist es nicht zu erklären warum sie für ihren ersten großen Film „Cadillac Records“, über das Label Chess Records aus Chicago, die Tatsachen oftmals vollkommen verdreht hat um die Geschichte des stilprägenden Blueslabels und seiner Künstler knackiger für das Publikum zu gestalten. Denn eine spannende Geschichte hätte sich aus dem Stoff sicherlich auch ohne große Verdrehungen der Tatsachen ergeben.

Chicago, Ende der 1940er Jahre: Leonard Chess (Adrien Brody) ist Besitzer eines kleinen Clubs, in welchem ausschließlich farbige Musiker auftreten. Ein Konzept das sich schnell rentiert, nicht zuletzt da die Situation für Farbige in den Vereinigten Staaten noch immer mehr als unwürdig ist. Eines Tages tritt bei ihm in Club der leicht arrogante aber doch sehr charismatisch erscheinende Muddy Waters (Jeffrey Wright) sowie dessen Kollege, der schnell aufbrausende Mundharmonika-Spieler Little Walter (Columbus Short) auf. Sofort ist Chess bewusst das aus den beiden Männern mehr als nur einfache Straßenmusikanten zu machen ist, weshalb er schließlich das Label Chess Records gründet, spezialisiert auf schwarze Musik für Schwarze und Weiße. Schnell hat das Geschäftsmodell einen einschlagenden Erfolg sodass immer mehr talentierte Musiker dem Label beiwohnen, wie zum Beispiel Chuck Berry (Mos Def), Etta James (Beyoncé Knowles) und Willie Dixon (Cedric the Entertainer). Doch je größer der Erfolg wird der einzelnen Künstler und des Labels wird, desto größer werden auch die Probleme für das revolutionäre Musikunternehmen.

„Cadillac Records“ hat zwei große Probleme. Das erste wäre die Tatsache das die verantwortliche Regisseurin und Drehbuchautorin Darnell Martin (hauptsächlich für ihre Arbeiten bei diversen US-Serien bekannt) es mit den geschichtlichen Kontext nur Grob genau nimmt, und sehr viele Aspekte dazu dichtet um die Geschichte für für das Medium Film Interessanter zu gestalten. So werden viele Hintergründe verdreht oder gar nicht erst aufgegriffen (zum Beispiel erwähnt der Film in keinem Satz das Leonard Chess´ Bruder an der Gründung des Labels beteiligt war) und an anderer Stelle vieles dazu gedichtet. Dies fällt vor allem sehr Stark in jenen Szenen auf, in welchen der Film seine ungeheure Menge an Musiker beleuchtet und deren Privatleben dabei nicht selten extrem dramatisiert, so dominiert etwa die fiktive, und natürlich traurige, Liebesgeschichte zwischen Etta James und ihrem Chef Leonard Chess einen Großteil des Filmes und lässt diesen sehr stark stocken. Nun stellt sich die Frage nach dem warum, denn der Film hat es sich ja sowieso mehr zum Ziel gesetzt das Label und die Musik hinter diesem zu beleuchten, anstatt jeden einzelnen Künstler genau nachzeichnen zu wollen und einen Einblick in sein Privatleben zu geben. Dafür sind dann sicherlich Biopics zu den einzelnen Künstlern besser geeignet, als ein Film wie „Caddillac Records“, der so viele große Musiker auftauchen lässt. Und da man sowieso keinen der Musiker wirklich näher beleuchtet, hätten es sicherlich auch die realen Fakten getan. Sicherlich, jemand der mit der Thematik zuvor nichts zu tun hatte, könnte über dieses, in meinen Augen, doch sehr störendes Manko hinwegsehen, allerdings schaut man sich ja gerade als Jemand, der zuvor von der Geschichte nichts wusste, einen solchen Film an um hinterher etwas zu wissen. Und da der Film größtenteils eben nur aus groben Fakten und vielen, fiktiven Neuinterpretationen stört, ist dies ein sehr gewichtiger Kritikpunkt.

Der zweite große Kritikpunkt ist das der Film kaum einen wirklichen Einblick in die Umstände für farbige Musiker der 50er und 60er Jahre gibt. Zwar wird Chuck Berry in einer Szene von einem Konzert abgewiesen, nachdem die Betreiber feststellen das der Musiker schwarz ist, und auch das Problem das viele Radio-DJs zu der Zeit keine Black Music spielen konnten oder wollten wird kurz angeschnitten, unter dem Strich behandelt „Cadillac Records“, über das Label das ja eben nicht zuletzt gegründet wurde um farbigen Musikern eine Chance zu geben ihre Musik zu verbreiten, aber auch dies nur in sehr groben Zügen. Allerdings ist an Martin´s Film nicht alles schlecht. Vor allem in Sachen Musik kann der Film sehr punkten, nicht zuletzt dadurch das viele der Schauspieler, welche ja teilweise auch im Musikgeschäft beheimatet sind, selbst einige Titel ihrer Charaktere singen. Interessanterweise handelt es sich dabei aber oftmals um eigene Interpretationen der jeweiligen Schauspieler, die nicht so Dicht an den originalen Stücken sind. Nun lässt sich sicherlich auch wieder um diesen Umstand streiten, trotzdem schafft es der Film das die Musik bei dem Zuschauer sehr stark hängen bleibt, was sicherlich nicht ganz Falsch ist.

Ebenfalls recht gelungen ist die Auswahl der Schauspieler. Allen voran steht natürlich Adrien Brody als Leonard Chess, einem jüdischen Clubbesitzer und späteren Labelchef. Und auch wenn die Leistung von Brody gewohnt gut ist, so schafft er es erstaunlicherweise kaum einen Charakter zu porträtieren der wirklich in Erinnerung bleibt, was vor allem an der Machart des Filme liegen mag, seine Figuren nur Oberflächlich zu beleuchten. Während dies bei den einzelnen Musikern vielleicht noch halbwegs Verständlich ist aufgrund der großen Masse, fällt das ganze bei dem wohl wichtigsten Charakter eher negativ aus. Ebenfalls relativ Fad ist die Leistung von Beyoncé Knowles als Etta James. Es stellt sich sicherlich die Frage ob man Knowles nicht wegen den Marketing-Faktor geählt hat, denn wirkliche Ähnlichkeit hat die hübsche Sängerin mit Ms. James nun eher weniger. Und auch ein wirklich großes Talent zum Schauspiel ist Knowles eher verwährt, trotzdem ist ihre Leistung durchaus als Solide einzustufen. Sehr viel besser schneidet da schon Jeffrey Wright als Muddy Waters ab, welcher es als einziger wirklich schafft seinem Charakter mehrere Seiten abzugewinnen ohne allzu Oberflächlich zu wirken. Auch Mos Def als charismatischer Chuck Berry, Cedric the Entertainer als sich zurückhaltender Willie Dixon sowie Columbus Short als tragischer Little Waters liefern ein sehr gelungenes Schauspiel ab.

\\\\ Daten zum Film ////

Original Filmtitel:
Cadillac Records (2008)

Länge des Filmes:
Ca. 99 Minuten

Darsteller:
Adrien Brody...Leonard Chess
Jeffrey Wright...Muddy Waters
Beyoncé Knowles...Etta James
Columbus Short...Little Walter
Gabrielle Union...Geneva Wade
Mos Def...Chuck Berry
Cedric the Entertainer...Willie Dixon
Emmanuelle Chriqui...Revetta Chess
...

Regisseur:
Darnell Martin

FSK:
Ab 12 Jahren

\\\\ Fazit ////
Sieht man einmal darüber hinweg das es „Cadillac Records“ nicht sehr genau mit der Vergangenheit des Labels und seiner Künstler nimmt und vieles nur sehr Oberflächlich abhandelt, so liefert der Film durchaus gute Unterhaltung, was vor allem den in weiten Teilen sehr guten Schauspiel-Ensemble sowie der fantastischen Musik zu verdanken ist. Alle jene, die Black Music interessiert und die schon mit „Dreamgirls“ und „Ray“ ihre Freude hatten, werden hier sicherlich ebenfalls gut bedient werden. Allerdings sollte man nicht mit allzu hohen Erwartungen an „Cadillac Records“ heran gehen, andernfalls könnte man eine Enttäuschung riskieren.

5,5/10 Punkten für den Film „Cadillac Records“ und somit drei Sterne als Wertung.


   

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