Dankbares Monster
20.09.2011 (22.09.2011)
Pro:
Perfekte Fotos, Robustheit, Vielseitigkeit im Einsatz
Kontra:
Gewicht, Akkutechnik
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Verarbeitung
Ausstattung
Bildqualität
Akkulaufzeit
Bedienung
mehr
 newcustomer
Über sich:
Mitglied seit:07.09.2011
Erfahrungsberichte:13
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 15 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Auf die rein technische Beschreibung der Kamera möchte ich verzichten, da diese ja gut bekannt sein dürfte. Ich erwarb die Kamera als Ersatz für eine verkaufte Mittelformatkamera, da ich für einige Aufnahmesituationen eine Topqualität brauche. Ich bin nur gelegentlich professionell unterwegs, so dass die Anschaffung dieser schweren Kamera gut überlegt sein musste.
BILDQUALITÄT: Das war der Hauptgrund für den Kauf und ich bin positiv überrascht worden. Bei niedrigen ISO's bis 200 und guter Optik wie dem EF 1,8/85 kann die Kamera gefühlt locker mit Mittelformat-Kameras mithalten. Ich ließ mehrere 40x60 Poster und auch einige A1-Plakate drucken. Auf dem 40x60 Poster ist bei Portraits noch jedes Haar fein erkennbar. Auch für die Plakate reichte die Auflösung locker aus.
Bis ISO 800 ist die Qualität für normale Ansprüche auch noch sehr schwer in Ordnung. Für 1.600 und darüber sind modernere Modelle besser. Ein wichtiger Punkt ist die Verwendung alter Objektive mit EF-Anschluss oder mit Adapter-Lösungen. Die Vignettierung (dunkle Bildecken) - in Testzeitschriften häufig ein besonders gewichteter Punkt - fand ich nicht so schlimm wie befürchtet. Es ist klar, dass ein 17-40 L bei Offenblende und 17mm eher im Notfall benutzt werden sollte. Mit f8 erzielte ich aber sehr schöne Ergebnisse bei dieser gestalterisch äußerst reizvollen Brennweite. Das Canoneigene DPP-Bildbearbeitungsprogramm rechnet die Vignettierung zuverlässig weg, so dass man diese Einschränkung in der Praxis vergessen kann. So manche Optik läuft an dieser Kamera zu Hochform auf. Ich war z.B. überrascht wie gut ein für 10 Euro erworbenes Yashica-Weitwinkel (2,8/35) in Schärfe, Kontrast und Tiefenwirkung aussieht. Mein Optik-Juwel aus den 80ern, das Carl Zeiss Sonnar 2,8/135, lieferte fantastische Ergebnisse, die ich zu Analogzeiten noch nicht kannte. Wie die Profis habe ich auch den Eindruck, dass die L-Serie im Telebereich am besten mit der Kamera harmonieren. Ich wollte mir nur das kleine L-Zoom 4/70-200 leisten. Aber der Fokus sitzt immer perfekt und die Bilder sind super scharf. Es ist schade, dass Canon kein festbrennweitiges bezahlbares Weitwinkel im Angebot hat, welches haptisch halbwegs zu dieser Kamera passt. Die Plastikvarianten/Non-L's sehen einfach schäbig an dieser Kamera aus oder sie reizen das Potenzial dieser Kamera nicht aus.
AUTOFOCUS: Im Vergleich zu vorher benutzten Kameras der absolute Hammer. Hier passt alles. Für Still-Leben den One Shot ÁF nutzen. Die Punkte die der AF findet leuchten auf und das Bild ist 100 % scharf. Noch faszinierender ist der AL SERVO Modus in wirklich komplexen Bewegungssituationen, z.B. in der Tierfotografie, bei tanzenden Menschen, unregelmäßigen Bewegungen. Absolut zuverlässig. Nur bei sehr schwachem Licht gibt es manchmal Probleme. Dennoch. Die Kamera findet auch dann den Fokus-Punkt, wenn meine Augen längst ausgestiegen sind. Die Bildfolge reicht, wenn man gute CF-Karten nutzt locker auch für die Sportfotographie aus.
Voraussetzung für die AF-Tauglichkeit ist aber auch die Optik. Am besten geht der AF mit Objektiven bis f 2,8, da dann die Kreuzsensoren alle angesprochen werden. Vorteil der 1er: Im Gegensatz zu den Amateurmodellen, kann man auch noch ein Objektiv mit f/8 (z.b. bei angeschlossenem Telekonverter) mit AF betreiben (nur das zentrale Feld). Bekanntes Problem ist die Verwendung von älteren Fremdhersteller-Objektiven. Der AF geht häufig entweder gar nicht oder er ist zu langsam oder unzuverlässig. Die in ebay erhältlichen AF-Confirm-Adapter funktionieren bis zur Blende 8 (Amateurmodelle nur bis f 5,6), was die Verwendung z.B. hochwertiger Leica und Zeiss-Optiken (insbesondere der Weitwinkel) lukrativ macht. Es gibt auch weniger Kollisionen mit dem Spiegel oder Bajonett als z.B. bei der 5er.
BEDIENUNG: Was mir sofort als Besitzer einer alten analogen 1er auffiel ist das vertraute Handling. Der helle 100% Sucher, Das Daumenrad sowie die Knöpfe für ISO und Betriebsart. Noch ein Tick besser ist das Fotografieren im Hochformat. Kein störender angesetzter Motor. Die wichtigsten Funktionen erschließen sich sofort oder nach geringer Zeitdauer von selbst. Das ist natürlich bei vielen anderen Cams auch so. Aber besser ist der direkte Zugriff auf Funktionen wie die Imagequalität, die Farbtemperatur.
Andere Features wie das Display, Liveview oder Sensorreinigung sind entweder nicht vorhanden oder nicht mehr auf dem Stand der Technik. Mir (gewohnt völlig ohne diesen Schnickschnack Fotos zu machen) war das aber völlig egal. Hiobsbotschaften wegen verschmutzten Sensoren halte ich für einen Marketinggag. Ich fotografieren viel und wechsele die Optik oft. Man sollte Letzteres natürlich nicht im staubigen Umfeld tun, ab und zu auf Sensorreinigung stellen und mit einem Blasebalg drüberpusten - fertig. Ich hatte nie Staubprobleme. Die Menüsteuerung ist aus heutiger Sicht umständlich. Für viele Funktionen sind zwei Hände erforderlich. Aber dies hat auch den Vorteil, dass nichts versehentlich verstellt werden kann. Dennoch vermisse ich z.B. den praktischen Joy-Stick zur Auswahl von Bildpartien zur Vergrößerung und Beurteilung, ob das Bild scharf ist. Dennoch ist die Menüsteuerung aller Funktionen, die direkt Einfluss auf die Bildgestaltung haben wie Belichtungskorrektur beim Blitzen, AF-Modus, Motormodus, sehr direkt ansteuerbar. Die etwas umständlich zu bedienenden Features wie erster und zweiter Verschlussvorhang beim Blitzen, die Wahl bestimmter AF-Felder, die angesprochen werden sollen oder die Profile für Kontrast, Farbsättigung, Schärfe braucht man ja nicht ständig zu ändern. Die Benutzer von Amateurkameras müssen sich aber daran gewöhnen, dass es den gewohnten grünen Button für vollen Automatikbetrieb wie sogar bei der 5er nicht gibt. Es gibt natürlich auch keine Motivprogramme. Für mich als Umsteiger von analogen Kameras ohne AF im KB- und MF-Format war dies kein Thema. Ich denke aber, dass InteressentInnen an dieser Kamera zuvor schon mit der einen oder anderen SLR aus früheren Tagen fotografiert haben. Wer tatsächlich nur Full-Service Automatiken gewohnt ist, der wird mit der Bedienung dieser Kamera schon am Anfang Probleme haben.
Ein wichtiger Punkt für die erste Benutzung ist die Tatsache, dass die Standardeinstellungen der Farb-/Kontrast/Schärfe-Werte der Kamera anders als bei Amateurmodellen auf den professionellen Bereich abgestimmt sind. Dies bedeutet, dass die Bilder mit der Werkseinstellung im Vergleich zu Amateurkameras weniger farbgesättigt, brilliant wirken. Wer das gewohnte Profil auf diese Kamera übertragen will, sollte die Tonkurve auf Standard, die Schärfe auf 5 und den Kontrast auf +1 sowie die Farbsättigung auf mittelhoch einstellen. Profis belassen die Kameraeinstellungen, da dies mehr Möglichkeiten bei dem weiteren Workflow der Bildbearbeitung offen lässt. Für mich auf jeden Fall gewöhnungsbedürftig war das Gewicht der Kamera. Sie ist - wenn überhaupt kaum leichter als meine alte Rollei 6002 (MF-Kamera). Deswegen die Überschrift Monster. Im Urlaub nehme ich doch lieber die erheblich leichtere alte 5er mit. Dennoch hat das Gewicht auch viele Vorteile: Selten ein verwackeltes Bild auch bei langer Verschlusszeit unter dem Kehrwert der Objektivbrennweite. Das habe ich noch mit keiner Kamera hinbekommen.
SOFTWARE/FIRMWARE: Hier verdient Canon in den letzten 2 Jahren ein dickes Lob. Die mit der Kamera mitgelieferte Software (DPP) war bei weitem nicht so gut wie die im Internet verfügbaren Updates. Die Möglichkeiten feine Veränderungen und Optikfehler zu korrigieren sind kontinuierlich besser geworden. Die neueste englische Version brachte ich sogar mit einer 64-bit-Linux Distribution ohne Funktionseinschränkung zum Laufen. Eigene Software wie Photoshop braucht man eigentlich nicht. Der RAW-Converter der canoneigenen Software ist mindestens genauso gut. Die verfügbaren Tools sind - wenn Bilder nicht durch Spezialeffekte verändert werden sollen - alle von Haus aus da. Man kann Bildausschnitte wählen, das bild drehen, alle möglichen Farbeinstellungen wählen. Für die Korrektur von Verzerrungen (Shift-Funktion) im Weitwinkel ist das Programm nicht ausgelegt. Dafür nehme ich das kostenlose GIMP aus der Linux-Welt.
Jedem, der die Kamera gebraucht kauft, sei das neue Firmware-Update empfohlen, da die alte Version nur Speicherkarten bis 2 GB erkennt. Wer im RAW-Modus fotografiert (bei dieser Kamera unbedingt zu empfehlen) sollte schnelle und große ! Speicherkarten wie Sandisk Extreme III mit 4 oder besser 8 GB nutzen. Sonst kann man den Motorbetrieb bei der Größe der Dateien, die das Monster auf die Karte ablegt, die Zahl der verfügbaren Aufnahmen vergessen. Ich hatte mit 2 Stück a 4GB als CF und SD und 45MB/s Schreibgeschwindigkeit sehr gute Erfahrungen gemacht. Man kann auch von einem Foto eine Sicherheitskopie auf die andere Karte während der gleichen Aufnahme machen, was sehr praktisch ist, da man Freunden direkt die Fotos dann mitgeben kann. VERARBEITUNG:
Ich würde sagen perfekt. Sehr robust und höchster Wertigkeitseindruck bis ins letzte Detail. Da sieht die 5er schon blass dagegen aus. Der schwarze Blitzschuh ist natürlich unschön, da schnell abgekratzt. Aber damit kann ich sehr gut leben. Sonst gab es nie Verschleißerscheinungen. Für einige wichtig ist sicher, dass die Kamera gegen Spritzwasser, Schnee etc. geschützt ist. Darauf kann man sich auch verlassen. Ich nutzte sie schon bei starkem Schneefall.
AKKU-Laufzeit: Gut ist, dass Nachbauakkus (nutze den von Duracell) wirklich günstig sind. Die Leistung ist wenn überhaupt minimal schlechter als die des Originals. Dennoch ist die Akku-Technik NI-MH aus heutiger Sicht antiquiert. Für mich als Amateur sind die 350 Bilder natürlich in Ordnung. Einen zweiten Akku mitnehmen ist aber in der Praxis schon heftig, da das Gewicht von fast 400g die Sache unangenehm macht. Das Ladegerät ist ebenfalls groß.
Obgleich nur Betriebstemperaturen ab 0 Grad empfohlen werden, konnte ich auch bei knapp -10 Grad ordentlich belichtete Fotos machen. Bei der Akkulaufzeit muss man dann weitere Abstriche machen.
Würde ich die Kamera wieder kaufen? Ja jederzeit gebraucht. Für den Neupreis muss man als Normalsterblicher ja im Lotto gewinnen. Gebraucht ist sie m.E. für den Gegenwert immer noch kaum zu schlagen
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04.10.2011 10:15
Lieber Sebastian-XXL, es gibt seit Wine 1.3 dankenswerterweise zwei Installationen, die unter Linux (Ubuntu) bei mir ootb funktionierten. Unter alten Wine-Versionen habe ich es nur mit Hinweisen aus den Foren geschafft. Dort muss man diverse Files manuell in .wine Verzeichnisse kopieren. Entweder die deutschen DPP-Vollversionen vor 3.4 (auch die originale 2.x aus der EOS-CD läuft) oder die auf der US-Page von Canon. Die neuen US-Versionen laufen merkwüdigerweise. Meine amerikanisches DPP 3.10 ist wunderbar. Ich musste nur die .exe - Datei als ausführbare Datei umwandeln und in der Konsole mit wine dpp...exe starten. Der Rest lief von selbst. Warum es bei der deutschen Version nicht funktionierte, ist schwer zu sagen. Die gute Nachricht. Die Bilder sind sogar schneller geladen als mit dem ebenfalls nicht schlechten Linux DigiKam und alle Programmfunktionen laufen.
03.10.2011 20:48
Schöner Bericht, danke. Wenn Du verraten würdest, wie Du DPP unter Linux zum Rennen bekamst: Spitze. Schönen Gruß!
22.09.2011 10:45
Vielen lieben Dank für die netten Worte und Anregungen. Habe den Bericht jetzt auch technisch etwas ausgebaut. Mehr fällt mir jetzt nicht mehr ein. Ich räume aber ein, sicher noch nicht alle Funktionen der Kamera genutzt zu haben.