Preiswerte digitale Spiegelreflex mit Schwächen
29.10.2004
Pro:
günstigster Preis in dieser Klasse
Kontra:
Ausstattung, Bildqualität
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Verarbeitung
Ausstattung
Bildqualität
Akkulaufzeit
Bedienung
mehr
 Peter_NRW
Über sich:
Mitglied seit:14.08.2004
Erfahrungsberichte:11
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 54 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vorwort: Als Amateurfotograf mit langjähriger Erfahrung im Bereich People- und Landschaftsaufnahmen fotografierte ich stets mit meiner analogen NIKON F 90 X. Seit gut einem Jahr musste ich feststellen, dass auf Workshops der Großteil aller Teilnehmer digital fotografierte. Grund genug mich mit der Anschaffung einer Digitalkamera zu beschäftigen. Mitlerweile habe ich die 300 D erworben. Warum Canon 300 D? Ein engagierter Fotograf, der stets mit einer analogen Spiegelreflex fotografiert hat, wird auch digital zu einer Spiegelreflex greifen wollen. Ist die Canon 300 D doch eine normale Spiegelreflex (Volksspiegelreflex), eben nur mit Chip. Betrachtet man nun den Markt im Bereich digitaler Spiegelreflexkameras, so fällt sofort auf, dass die Canon 300 D neben der NIKON D 70 die preiswerteste digitale Spiegelreflexkamera am Markt ist! So kostet die 300 D im sogenannten Kit (also Gehäuse einschl. Objektiv EF-S 3,5-5,6/18-55 si) rund 900 EUR und die D 70 mit Objektiv AF3,5-4,5/18-70 rund 1250 EUR (Stand Oktober 2004). Da die Canon 300 D in vielen Tests sehr gut abschnitt (Stiftung Warentest Gesamtnote 1,6 (!)) war für mich klar, dass ich diese Kamera kaufe.
TIPP: Preise vergleichen lohnt sich! Der Markt ist in Bewegung und gerade im Versandhandel fallen die Preise von Monat zu Monat! Beschreibung der Kamera kurz und knapp ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
- digitale Spiegelreflexkamera mit automatisch ausklappendem E-TTL-Blitz (Leitzahl 13 bei ISO 100) - Aufnahmemedium: CF-Karte Typ I bzw. II - Pixel: Effektiv ca. 6,30 Mio (3088 x 2056) - Verschlusszeit: 1/4000 – 30 Sekunden und B - Aufnahmeformat: JPEG und RAW - Weißabgleich: Automatisch und man. Einstellbar - Autofokusmessfelder: 7 (automatische Auswahl oder man., jedes Feld ist einzeln einschaltbar), statischer Autofukus und kontinuierlicher Autofokus. - Messsystem: TTL-Offenblendmessung (Mehrfeldmessung ist stets voreingestellt) - LCD-Display zur Betrachtung der Fotos - LCD-Display (beleuchtbar) zur Mitteilung der wichtigsten Werte wie z. B. Blende, Verschlusszeit - Funktionen Wahlrad auf der Kameraoberseite:
grünes Rechteck: Die Kamera macht alles vollautomatisch (sehr gut für Anfänger ohne Kenntnisse) Empfindlichkeit, Weißabgleich, Wahl der Autofokusfunktion, Mehrfeldmessung und Blitz werden automatisch geregelt. Einfach durchgucken, Motiv anvisieren und auslösen – fertig. - 6 Normal-Programme (wenn Sie z. B. Porträts machen wollen, stellen Sie den Drehschalter auf das Porträt-Symbol und die Kamera liefert optimale Ergebnisse):
Porträt Landschaft Nahaufnahme Sport Nachtaufnahme Blitz aus - 5 Kreativ-Programme:
P = Programmautomatik Tv= Blendenautomatik Av= Zeitautomatik M = Manuelle Belichtungssteuerung A-DEP = Schärfenautomatik Sonstiges:
Selbstauslöser, Belichtungskorrektur, Belichtungsreihen, (Mehrfachbelichtung ist nicht möglich) Lieferumfang:
- Gehäuse - Objektiv (falls als Kit gekauft) - Ladegerät - Akku - Software - USB-Kabel - Umhängegurt TIPP: Speicherkarte kaufen! Sie ist nicht im Lieferumfang enthalten!
Der erste Eindruck: Die Kamera macht einen sauber verarbeiteten Eindruck. Sie ist relativ leicht (Kunststoffgehäuse 560 g). Das Objektiv wirkt nicht ganz so hochwertig. Der Objektivtubus ist etwas wackelig. Wenn man aber den Mehrpreis zum Gehäuse von nur ca. 100 EUR sieht, ist das sicherlich in Ordnung.
Ergonomie: Die Kamera liegt etwas klobig in der Hand. Alle Tast lassen sich jedoch gut erreichen. Der Blick durch den Sucher ist gut.
Die Bedienung: Ist relativ einfach – vorausgesetzt man hat schon einmal mit einer Spiegelreflex gearbeitet. Alle wichtigen Funktionen besitzen eine eigene Taste: Wählrad für die Programme, Tast für Selbstauslöser/Einzel-/Serienbildschaltung, Tast für Mittenbetonte Messung, Tast zur Belichtungskorrektur, Tast zur Wahl des Autofocusmessfeld in Verbindung mit Wahlrad, Menütaste, Bildinfotaste, Bildvorschautaste, Bildlöschtaste, Abblendtaste.
Die Praxistauglichkeit: Trotz einfacher Bedienung ist die Kamera eher für den Einsteiger als für den Profi gemacht. Das soll nicht heißen, das eine Profikamera eine komplizierte Bedienung haben muss. Aber allein die Tatsache, dass die Mehrfeldmessung immer present ist (sie lässt sich nicht abschalten, auch nicht im Menü) ist ein Manko und mir einfach unverständlich. Normalerweise bin ich kein Freund von der Mehrfledmessung. Sie wird oft als Allheilmittel angesehen aber das ist ein Trugschluss. Bestest Beispiel: Mein Outdoorshooting mit einem Model. Das Model stand vor einem etwas dunklen Hintergrund. Was machte die super Mehrfeldmessung der Kamera? Sie wollte es allen Bildteilen recht machen, also dem Hintergrund und dem Model. Das Ergebnis: Hintergrund super belichtet, die Haut des Model war viel zu hell. Hier hätte ich die Mittenbetonte Messung einsetzen müssen. Sie hätte zu einer knapperen Belichtung geführt und die Haut des Models wäre nicht überbelichtet worden. Eine Mittenbetonte Messung gibt es – allerdings nur, wenn man vorher die Sterntaste drückt. Nach dem Foto schaltet die Kamera wieder auf Mehrfeldmessung um. Für mich ist das sehr ärgerlich. Scheinbar traut die Firma Canon den Käufern dieser Kamera nicht viel zu. Die Kamera nimmt den Fotografen sehr stark an die Hand - zu stark!
Ein weiteres Ärgernis ist die Verzögerung bei der Einschaltung der Kamera. Nach Umlegen des ON-Schalters dauert es fast drei Sekunden, bis man auslösen kann. Für Sportfotografen ist das nicht tragbar! Thema Akku! Ich war überrascht, wie schnell der Akku lädt. In einer guten Stunden ist er geladen und man verfügt über genug power für 150 bis 200 Fotos (immer Abhängig vom Fotografierverhalten und von der Umgebungstemperatur)
Das wichtigste schlechthin – die Bildqualität: Erfüllt meine Erwartungen leider nicht. Ich machte unter anderem Landschaftsaufnahmen vom Stativ aus um Verwacklungsunschärfe zu vermeiden. Außerdem fotografierte ich mit Selbstauslöser mit 10 Sec. Vorlaufzeit. Das Objektiv wurde auf Weitwinkel gestellt und mittel und stark abgeblendet, es war die bestmögliche Bildqualtät eingestellt, gespeichert wurde im JPEG-Format. Das Ergebnis waren Bilder, die einen insgesamt leichten unscharfen milchigen Eindruck hinterließen. Bei genauer Betrachtung waren sogar an einigen Stellen farbige Säume zu erkennen. Soweit die Fotos für das Internet gemacht werden ist das sicher nicht so dramatisch, denn die Bildgröße sollte auf jeden Fall per Programm verkleinert werden. Außerdem gibt es Bildbearbeitungsprogramme von preiswert bis teuer um die Bilder nachzubearbeiten (ein einfaches wird ja bereits auf CD mitgeliefert). Diese Programme besitzen auch für Neueinsteiger Automatikfunktionen wie z. B. für Schärfe, Kontrast und Farbbalance. Trotzdem: Es kann nicht der Sinn dieser Kamera sein, jedes Foto am PC nachzubearbeiten.
TIPP: Ich vermute, dass durch den Einsatz eines teureren hochwertigeren Objektivs die Bildqualität verbessert wird. Schauen Sie doch mal nach dem SIGMA AF 2,8/18-50 DC EX E 67. Dieses Objektiv ist am Markt für durchschnittlich 500 EUR zu bekommen (Stand Oktober 2004)
Fazit: Die Canon 300 D ist eine digitale Spiegelreflexkamera im untersten Preissegment bezogen auf diese Klasse. Im Hinblick auf den sensationell günstigen Preis gehen die (Bild)Qualität und Ausstattung in Ordnung. Wer mehr Bildqualität möchte, sollte sich für diese Kamera ein höherwertiges Objektiv anschaffen wie z. B. das SIGMA AF 2,8/18-50 DC oder gleich die NIKON D 70 kaufen. Dieser Body ist zwar teurer, bietet aber auch wesentlich mehr Einstellmöglichkeiten.
TiPP: Es gibt eine sehr gute Infoseite über die Canon 300 D die sehr hilfreich ist: http://www.traumflieger.de/desktop/fototech.htm Diese Seite enthält Tricks und Test.
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28.12.2005 23:30
Es wir schön alles erklärt super
17.01.2005 16:41
das mit der zurückstellung auf mehrfeldmessung wäre für mich auch ein ko-kriterium - warum bist du nicht bei nikon geblieben - die D70 macht das nicht. und deine objektive könntest du weiter nutzen... das war für mich auch ein entscheidender grund, bei nikon zu bleiben.
08.01.2005 11:28
interessanter Bericht, Gruß