Erfahrungsbericht über

Canon EOS 300D

Gesamtbewertung (52): Gesamtbewertung Canon EOS 300D

 

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Prämierter Erfahrungsbericht

EOS 300D: Der Rebell mit angezogener Handbremse

5  03.05.2005 (06.05.2005)

Pro:
Exzellente Bildqualität, sehr niedriges Bildrauschen, unbeschwertes Fotografieren

Kontra:
Blitz und Autofocus bei schwachem Licht nicht optimal, Sensor reinigungsbedürftig

Empfehlenswert: Ja  Der Autor besitzt das Produkt

Details:

Verarbeitung

Ausstattung

Bildqualität

Akkulaufzeit

Bedienung

mehr


Joshx

Über sich:

Mitglied seit:02.08.2002

Erfahrungsberichte:13

Vertrauende:4

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 64 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ihr Erscheinen auf dem Markt Ende 2003 war eine Sensation und löste einen unbeschreiblichen Hype aus. Die digitale Kamera-Fraktion hatte ja schon der analogen weitgehend das Wasser abgegraben. Doch waren es fast ausnahmslos digitale Kompaktkameras, die den Siegeszug angetreten hatten. So mancher Spiegelreflex-Fotograf ließ seine Kamera liegen und versuchte sich digital. So auch ich, als ich etwas skeptisch eine gebrauchte HP-618 kaufte. Die Vorteile der Digitalfotografie überzeugten mich dann auch (dazu mein Testbericht zur HP-618) - doch die gegenüber der Spiegelreflex stark eingeschränkten fotografischen Möglichkeiten und die nervenzerreißend langsame Arbeitsweise der digitalen Kompaktkamera empfand ich als echten Rückschritt. Wenn sich doch beides kombinieren ließe…

Digitale Spiegelreflexkameras fristeten jedoch ein Nischendasein auf dem Markt - sie waren für Otto Normalknipser schlicht unbezahlbar, richteten sich fast ausnahmslos an die Profis. Dennoch bestand Hoffnung für ambitionierte Amateure. Die Preise fielen allmählich, standen bei unter 3000 Euro - dennoch, immerhin noch 6000 Mark. Daß Canon Ende 2003 mit einer digitalen Spiegelreflex (abgekürzt DSLR - Digital Single Lens Reflex) unter 1000 Euro herauskam, war ein absoluter Knaller. Da meine analoge SLR eine Canon ist, und ich eine Reihe Wechselobjektive besaß, die auch an die digitale SLR passen würden, und die Tester sich geradezu überschlugen, was die Bildqualität betraf, stand für mich sofort fest: Will haben!


Geschwisterpaar

Die EOS 300D kam gemeinsam mit einer weiteren, teureren DSLR auf den Markt, mit der EOS 10D. Das gemeinsame Entwickeln beider Kameras machte es Canon wohl erst möglich, diesen Preisknüller zu landen. Die EOS 300D ist praktisch die kleine Schwester der EOS 10D, hat fast die gleiche Technik wie die Große, allerdings an einigen Stellen deutlich beschnitten. Und das augenscheinlich nicht nur aus Kostengründen, sondern auch, um sie von der Großen abzusetzen - um mit anderen Worten die Daseinsberechtigung und den höheren Preis der Großen zu rechtfertigen. So kam es zu der kuriosen Situation, daß die Canon-Ingenieure mit der EOS 300D einerseits die Aufmerksamkeit des gesamten Marktes auf sich zogen, aber andererseits nicht wirklich zeigten, was sie konnten.

So fährt die Kleine gewissermaßen mit angezogener Handbremse. Ihr Gehäuse wirkt nicht so edel, wie das der Großen, sondern plastikartig. Das wurde ihr oft vorgeworfen, doch es ist nun mal Plastik. Und ihr fehlen ein paar Einstellmöglichkeiten, die man als ambitionierter SLR-Fotograf schon gerne hätte - vielleicht gerade deswegen, weil sie sie nicht hat. Vieles davon, was der Kleinen fehlt, ist übrigens Softwaresache - könnte also mit künftigen Firmware-Updates vielleicht doch noch kommen. Es gibt inzwischen ein inoffizielles Firmware-Update eines russischen Hackers, das so manche Funktion freischaltet - aber damit ist natürlich die Garantie weg, und man weiß nicht, wie zuverlässig dieses "Russenhack" läuft.

Doch das alles ist kein Grund, auf die EOS 300D zu verzichten. Denn gute Bilder macht sie allemal. Und leichter als die EOS 10D ist sie auch - für mich ein wichtiges Kriterium. Dazu wird sie noch mit einem speziell auf sie zugeschnittenen Objektiv geliefert. Dieses sogenannte Kit-Objektiv ist nicht separat erhältlich, macht aber das Kamera-Kit lediglich um 100 Euro teurer - ein lohnendes Schnäppchen. Warum dieses Kit-Objektiv so wichtig ist?


Kleine Objektivkunde

Nun, der Bildsensor der EOS 300D ist mit etwa 15 x 23 Millimeter kleiner als ein normales Kleinbildnegativ (dennoch wesentlich größer als einer in den kompakten Digitalkameras). Das macht Objektive mit kürzerer Brennweite erforderlich, um den gleichen Bildeindruck wie bei normalen Kleinbildkameras zu erzielen. Man spricht von einer "Brennweitenverlängerung" um den Faktor 1,6. An der EOS 300D multiplizieren sich die Brennweiten der Objektive mit 1,6 - ein herkömmliches 28-80 mm wird also zu einem 45-128 mm. Damit ist man im Telebereich besser bedient, verliert aber im Weitwinkelbereich. Die benötigten extremen Weitwinkelobjektive sind nun freilich recht teuer.

Doch der kleinere Bildsensor erlaubt einen kleineren Klappspiegel, der weniger Platz im Innern der Kamera braucht, und das ermöglicht die Konstruktion von Objektiven, die tiefer in die Kamera ragen - also näher am Bildsensor dran sind. Und das wiederum verringert den konstruktiven Aufwand weitwinkliger

Bilder von Canon EOS 300D
  • Canon EOS 300D Bild 2385261 tb
  • Canon EOS 300D Bild 2385262 tb
  • Canon EOS 300D Bild 2385263 tb
Canon EOS 300D Bild 2385261 tb
Unbearbeitetes Originalfoto: Im Magdalenenfjord auf Spitzbergen
Objektive. So konnte Canon der EOS 300D für nur 100 Euro das extrem weitwinklinge 18-55-mm-Kit-Objektiv spendieren, das einen Kleinbild-Äquivalent von klassischen 29-88 mm entspricht.

Das Kit-Objektiv ist das erste Mitglied einer speziell für digitale EOS-Kameras entwickelten Familie, die - anders als die herkömmlichen EF-Objektive - den Familiennamen EF-S tragen. Das S steht dabei für "short back focus", also eben die kürzere Entfernung vom hinteren Ende des Objektivs zum Bildsensor. Da sie tiefer in die Kamera hineinragen, passen die EF-S-Objektive jedoch nicht an die analogen EOS-Kameras - und merkwürdigerweise auch nicht an die EOS 10D! Fetter Punktsieg für die EOS 300D. Sie wird denn auch von Canon weiter gepflegt, ist jetzt sogar als edle "Black Edition" im schwarzen Gehäuse herausgekommen - während die große EOS 10D bei Canon weg vom Fenster ist und durch deren EF-S-kompatiblen Nachfolger EOS 20D ersetzt worden ist.

Seinerzeit war das Kit-Objektiv noch das einzige seiner Art. Inzwischen hat Canon die EF-S-Familie um recht interessante Objektive erweitert, was die Attraktivität der EOS 300D als digitales SLR-Einsteigermodell zum günstigen (und fortwährend fallenden) Preis weiter steigern dürfte. Weitere EF-S-Objektive werden sicher folgen.


Das Gehäuse

Aber jetzt endlich zu meinem persönlichen Erfahrungsbericht: Es dauerte einige nervenzehrende Monate, bis der Internet-Shop die bestellte und heißersehnte Canon endlich liefern konnte. Die Kunden rannten damals Canon die Bude ein - Canon hatte massive Lieferschwierigkeiten. Doch dann war sie endlich da. Größer als erwartet, silbriges Design. Satt lag sie mit ihrem großen Griff in der Hand, ich würde sie auch mit langem Tele schön ruhig halten können. Der Griff beherbergt einen gewaltigen Lithium-Ionen-Akku, der endlich, endlich genug Strom für lange Fotopirschen liefern würde. Meine alte HP war in dieser Hinsicht unangenehm kurzatmig.

Als ich sie mir so rundherum besah, entdeckte ich viel Vertrautes. Schön, daß Canon sich selbst treu bleibt und Bewährtes beibehält. Die Anordnung der wichtigsten Bedienelemente entspricht der, die ich auch von meiner Analogen her kenne. Das LCD-Display, das die Anzahl der Bilder und die eingestellten fotografischen Parameter anzeigt, ist allerdings von der gewohnten Oberseite auf die Rückseite gewandert. Darunter der Farbmonitor. Links und rechts davon eine Reihe von mit kryptischen Symbolen bezeicheten Knöpfen. Also, dafür mußte ich dann doch erst mal in die Bedienungsanleitung sehen. Doch so verwirrend das anfangs erschien, so schnell hatte ich es "drauf". Die Knöpfe holen die Aufnahmen auf den Monitor, vergrößern sie, zeigen das Histogramm (ein Diagramm der Helligkeitsverteilung) samt blinkender Markierung überbelichteter Bildbereiche an, und navigieren in den Menüs.

Die Abblend- und Blitzauslöse-Taste sind an die Objektiveinfassung gewandert - etwas ungewohnt. Im Griff etwas, das wie ein Sensor für eine Fernbedienung aussieht. Ich hatte es mit meiner alten Fernbedienung von der analogen EOS 100 ausprobiert - und sie funktioniert. Genial!

Das Funktionswahlrad auf der Oberseite stellt den Aufnahmemodus ein - wie üblich unterteilt in den automatischen und den kreativen Teil, so daß die Kamera für Spiegelreflex-Anfänger wie -Fortgeschrittene gleichermaßen nützlich ist. Ich persönlich arbeite fast ausschließlich im kreativen Teil.

Rechts - von hinten, also von der dem Fotografen zugewandten Rückseite der Kamera her gesehen - eine stabile Klappe, hinter der die (nicht mitgelieferte) Compact Flash (CF)-Karte steckt. Platz ist nicht nur für die schmalen CF-I-Karten, sondern auch für die dickeren CF-II-Karten, also auch für das Microdrive. Bis zu 2 Gigabyte funktionieren einwandfrei und bieten genügend Speicherplatz für lange Fototouren. Von der Unterseite der Kamera aus ist das Akkufach zugänglich. Und links - immer noch von hinten gesehen - steckt hinter einer kleinen gummiartigen Abdeckung Anschlüsse für USB 1.1, Kabelauslöser, Videoausgang und (ebenfalls nicht mitgeliefertes) Netzteil. Der USB-Anschluß ist für die Datenmengen, die der 6,3 Megapixel-Chip liefert, vielleicht zu langsam, doch ich habe ihn noch nie benutzt, da ich die Speicherkarte immer direkt per Kartenleser auf den PC kopiere.

Die Klappen zum Speicherkarten- und zum Akkufach sind übrigens mit elektrischen Kontakten ausgestattet. Öffnet man sie, dann schaltet sich die Kamera aus. Gnadenlos. Bilder, die eventuell noch wegzuspeichern sind, gehen dabei verloren. Schlimmstenfalls werden dabei noch die Daten auf der Speicherkarte zerknallt, so daß auch bereits gespeicherte Aufnahmen nicht mehr zugänglich sind. Deshalb unbedingt die Regel beachten: Erst die Kamera ausschalten (sie bleibt automatisch noch so lange an, bis alle gerade geschossenen Fotos weggespeichert sind), warten, bis die rote Speicheranzeige aus ist (also alle Fotos gespeichert sind), und dann erst die Karte oder den Akku wechseln.

Der Blick durch den angenehm hellen Sucher mit dem vertrauten grünen Display zeigt ein kleineres Bild, als von der analogen SLR gewohnt - Folge des kleineren Bildformates -, aber ein größeres, als von meiner digitalen Kompakten gewohnt. Und ein genaueres, was den Bildausschnitt betrifft. Da man beim Blick in den Sucher durch das Objektiv sieht, erkennt man genau, was auf der Aufnahme landet. Das erspart den Monitor, der allerdings bei DSLR-Kameras systembedingt ohnehin nicht als Sucherersatz verwendet werden kann. Er zeigt nur nach dem "Schuß" das "Geschossene". Vorteil: Der Akku reicht enorm lange, weil der Monitor nur nach dem Schuß kurz an ist.


Digital fotografieren

Nun aber genug der Theorie - jetzt kommt die Praxis. Das Fotografieren geht angenehm schnell und genau so, wie man es von den Canon-SLR-Kameras kennt. Digital fotografieren mit absolut klassischem Spiegelreflex-Gefühl - aber einer ganz neuen Leichtigkeit, denn man verschwendet keinen Film. Sieben Autofocus-Sensoren stellen blitzschnell scharf, und schon ist das Foto "im Kasten". Praktisch sofort im Moment des Abdrückens. So macht Fotografieren Spaß - ganz anders als bei den kleinen digitalen Knipsen, die sich sekundenlang mit dem Auslösen ausmehren und den Moment verpassen, den man eigentlich aufnehmen wollte. Auch mehrere Fotos sind schnell hintereinander gemacht, wenn es der Augenblick verlangt. Die Begrenzung auf maximal vier Serienbilder in Folge - Stichwort: angezogene Handbremse - habe ich nie störend bemerkt.

Auf dem vielleicht etwas zu hellen Kameramonitor die eben gemachten Fotos betrachtet und bis zu zehnfach vergrößert - genug, um auch auf dem kleinen Monitor die Schärfe beurteilen zu können. Dann die Bilder in den PC geladen und "in groß" auf den 17-Zoll-Monitor geholt: Auf den ersten Blick wirken sie enttäuschend. Meine kompakte 2-Megapixel-Digitale hat schärfere und farbigere Bilder geliefert. Die Canon-Bilder wirken in jeder Hinsicht weniger beeindruckend - in der Schärfe und in der Farbigkeit. Was erst mal enttäuschend erscheint, ist eigentlich ein Qualitätsmerkmal. Die Bilder werden nicht künstlich nachgeschärft und farbgesättigt. Sie sind natürlicher, so wie man es in der Natur sieht - nicht, wie man es bisher auf Digitalfotos zu sehen gewohnt war. Gerade das Fehlen künstlicher Nachschärfung macht die Canon-Fotos hervorragend geeignet für weitere kreative Bildbearbeitung. Geschärft (oder auch farbgesättigt) werden können sie ja nachträglich noch am Computer, wenn man das wünscht.

Beim zweiten Blick, beim starken Vergrößern der Fotos, änderte sich der Eindruck denn auch: Unglaublich, wie scharf Digitalfotos sein können. Es ist nicht die künstliche, "knackige" Schärfe mit übersteigerten Objektkanten, sondern ein feine, natürliche. Winzige Bilddetails und Objekte in weiter Ferne sind bei stark vergrößertem Bild sogar bis in den Pixelbereich hinein deutlich zu auszumachen. Der Detailreichtum ist ausgesprochen befriedigend für die Augen…

Übrigens kann man in der Kamera einstellen, wie sehr die Bilder nachgeschärft und nachgefärbt werden sollen. Standardmäßig war der geringste (natürlichste) Wert eingestellt. Ich habe dann wenigstens die Farbsättigung nach einigen Versuchen doch leicht erhöht. Sehr praktisch: Ob bei der Bildwiedergabe oder irgendwo im Menü - was immer man an der Kamera gerade macht, sie läßt sich stets im Nu schußbereit machen, indem man den Auslöser leicht andrückt. So verpaßt man nie mehr ein Motiv.

Ach ja, eines der erfreulichsten Merkmale der Fotos hätte ich ja fast vergessen: Das Bildrauschen - diese vor allem auf glatten Flächen, wie z.B. dem Himmel, störende digitale Körnung - ist angenehm gering. Bei ISO 100 extrem gering, bei ISO 400 so, wie viele Kompakte bei ISO 100, und selbst bei ISO 1600 noch erträglich. Da hat der große Bildsensor der EOS 300D die Nase weit vorn, verglichen mit den winzigen Minisensoren der Kompaktkameras. Fotografieren mit der EOS 300D geht also noch in Situationen, wo man mit anderen Kameras schon gar nicht mehr ans Fotografieren denkt.


Der Blitz

Den Blitz benutze ich sehr selten. Meist nur als Aufhellblitz bei viel Licht, damit die Schatten nicht zu dunkel werden. Und manchmal zum Aufhellen bei "Makro"-Aufnahmen (richtig Makro geht mit dem Kit-Objektiv nicht, aber man kann schon recht nahe ran ans Motiv). Viele EOS 300D-Besitzer klagen über einen zu hellen Blitz auf kurzen Distanzen - die Blitzstärke läßt sich an der EOS 300D leider nicht regulieren. Ich hatte allerdings nie Probleme damit. Ich blitze allerdings auch nicht gern, weil der Blitz die vorhandene Lichtstimmung mit seinem harten, kalten, schattenlosen Licht einfach wegknallt. Ich besitze jedoch einen Aufsteckblitz Speedlite 420EX, dessen Reflektor sich gegen die Decke oder gegen eine Wand richten läßt, so daß man weiches, indirektes Licht bekommt. Damit werden die Bilder nicht so künstlich. Weiterer Vorteil: Der Aufsteckblitz "leiht" der Kamera seinen unauffälligen, roten Peilstrahl, mit dessen Hilfe der Autofocus auch bei schlechtem Licht noch sicher scharfstellen kann. Mit eingebautem Blitz gibt es statt dessen eine kurze Blitzsalve zum Scharfstellen - eine störende, wenig elegante Lösung, aber leider bei allen aktuellen Canon-SLR-Kameras üblich. Meine alte EOS 100 hat noch den roten Peilstrahl eingebaut.


Neue Erfahrungen

Inzwischen hat mich die Kamera über ein Jahr lang treu begleitet und war auch auf einer großen Reise in subpolare Regionen mit dabei. Nie hat sie versagt, immer hat sie Bestleistungen geliefert. Die neue Leichtigkeit des Fotografierens hat mich manchmal zu fotografischem Leichtsinn verführt - weder die optischen, noch die ästhetischen Gesetzmäßigkeiten vermag sie zu überwinden. Klar. Und: Die Reisefotos sind derartig viele geworden, daß es mich unerwarteterweise eine Menge Zeit gekostet hat, sie zu ordnen und zu sortieren. Man glaubt es kaum, aber Bilder sind leichter geschossen als gelöscht. Fotografische Disziplin muß man gerade angesichts des leichten, unbeschwerten Spiegelreflex-Fotografierens neu lernen.

Eines sei noch erwähnt. Der Bildsensor ist nicht hermetisch abgeschlossen. Eine DSLR ist ein offenes System. Dadurch kommt z.B. beim Objektivwechsel unweigerlich Staub in die Kamera, der auch den Sensor verschmutzen kann. Irgendwann bemerkte ich einen, später mehrere leichte, mehr oder weniger unscharfe Flecken auf manchen Bildern, immer an den gleichen Stellen. Es waren Bilder, die mit kleiner Blende geschossen wurden. Bei sehr kleiner Blende wird alles sehr scharf - auch die Staubkörnchen auf dem Sensor. Ich konnte damit eine Weile leben, indem ich zu kleine Blenden vermied, doch irgendwann ließ sich eine Sensorreinigung nicht mehr umgehen.

Da ich keinen Fotoladen fand, der das professionell machen würde (alle wollten den Staub einfach nur mit Druckluft wegblasen, doch bläst man damit nur neuen Staub in die Kamera und beschädigt womöglich den Sensor), mußte ich es selber tun. Eine etwas diffizile Arbeit, da der Sensor, das wahrlich sensible Herz der Kamera, sehr leicht beschädigt werden kann. Kratzer oder auch nur Reinigungsmittelrückstände auf dem Sensor wären das teure Aus für die Kamera. Mit Hilfe spezieller Reinigungsmittel aus dem Internet (SensorSwab, über 70 Euro für 12 Reinigungen) und einer Anleitung ebenfalls aus dem Internet tat ich es dann, anfangs noch etwas nervös. Doch der erforderliche zweite und dritte Reinigungsgang waren schon entspannter, und nach dem Erfolg sehe ich heute der nächsten Reinigung getrost entgegen. Dennoch: Minuspunkt für Canon. Sie lassen die Kunden mit dem Problem allein.


Fazit

Auch wenn sie nach Plastik aussieht und sich wie Plastik anfühlt, auch wenn ihr manche Einstellmöglichkeiten und Rafinessen fehlen, auch wenn manche von digitalen Kameras gewohnte Gimmicks (z.B. Videoclips) systembedingt nicht drin sind, auch wenn ab und zu sogar der Sensor gereinigt werden muß - das Fotografieren mit der EOS 300D macht riesig Spaß, und die Bilder werden wunderschön. Und das alles unvergleichlich preisgünstig. Dafür hat sie trotz mancher Abstriche und trotz angezogener Handbremse ein Sehr gut und eine dicke Empfehlung von mir verdient. Ein Rebell (so ihr Name in den USA) ist sie allemal.


Nachtrag

Für Interessierte noch ein paar zusätzliche Details: Die 6,3 Megapixel-Kamera kann auf die Empfindlichkeiten ISO 100, 200, 400, 800 und 1600 eingestellt werden und speichert JPEG oder RAW auf CF oder Microdrive bis 2 GB. Passend sind die EF- und EF-S-Objektive von Canon und viele Fremdhersteller-Objektive mit kompatiblem Bajonett. Nicht jedes Analog-Objektiv liefert optimale Ergebnisse an der digitalen EOS 300D, und von Fremdhersteller-Objektiven hört man gelegentlich, daß die Kamerasoftware Fehlermeldungen bringt. Vor dem Objektivkauf deshalb am besten Testberichte in Fotozeitschriften oder auch einschlägige Internet-Foren konsultieren. Ich persönlich habe nur Canon-Objektive und mit allen gute Erfahrungen gemacht. Lediglich mein 75-300 mm (= 120-480 mm) ist doch recht lang, was mir bei schlechten Lichtverhältnissen für Freihandaufnahmen zu viel ist. Auf meiner Wunschliste steht deshalb das 75-300 mm IS mit Bildstabilisator.

Die Kamera gibt es entweder nur als Gehäuse (wenn man schon Objektive hat) oder für etwa 100 Euro mehr gemeinsam mit dem separat nicht erhältlichen Kit-Objektiv EF-S 18-55 (= 29-99) mm, 1:3,5-5,6, Filtergewinde 58 mm. Mein Tip: Unbedingt mitkaufen - günstiger geht es nicht. Wer gern Tele fotografiert, sollte schauen, ob er ein Kit auch gleich günstig mit zusätzlichem, angenehm leichtem EF 55-200 (= 88-320 mm), 1:4,5-5,6, Filtergewinde 52 mm, bekommt. Eine CF-Speicherkarte liegt dem Kit - wie auch anderen DSLR - nicht bei. Es empfiehlt sich, gemeinsam mit der/den Speicherkarte/n auch gleich einen Zweitakku (Typ BP-511/512) zu besorgen - dann steht man unterwegs nicht mit leerem Akku da. Das mitgelieferte Ladegerät funktioniert übrigens mit Spannungen von 110 bis 240 Volt und ist damit (einen entsprechenden Steckeradapter vorausgesetzt) auch im Ausland stets betriebsbereit. Ein leerer Akku ist in nur eineinviertel Stunden voll aufgeladen.

Mit in der Packung: Ein umfangreiches Softwarepaket u.a. mit Programmen für die Kommunikation zwischen Kamera und Computer, das "Entwickeln" von RAW-Bilddateien und dem recht umfangreichen Photoshop Elements 2.0 zur Bildbearbeitung. Ich benutze keines davon, da ich nur JPEG speichere, die Bilddaten über Kartenleser auf den Computer kopiere und mit einem kleinen Programm namens Digipix bearbeite.

Die Fotos der EOS 300D (wie auch der meisten anderen DSLR) haben nicht das bei vielen kompakten Digitalkameras übliche bildschirmgerechte 4:3-Format, sondern - sehr angenehm - das fotopapiergerechte 3:2-Format. Damit bekommt man ohne zusätzlich erforderlichen manuellen Beschnitt automatisch die klasssischen 10x15-Abzüge (statt der im Album oft etwas verloren wirkenden 10x13). Auf einem normalen Monitor hat man dafür bei Vollbildanzeige oben und unten einen ungenutzten, schwarzen Streifen, der aber nicht besonders stört. Immerhin ist man damit auf den breiteren Bildschirmen der neuen Multimedia-Notebooks wieder im Vorteil.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
YetiChris

YetiChris

25.03.2007 00:36

Dieser Bericht ist tatsächlich eine echte Entscheidungshilfe, weil ich grade eine gebrauchte DSLR suche und die 300D in die engere Wahl ziehe. Zur Belohnung gibt es meine 13. "bes. hilfreich"-Bewertung!

Alpentoni

Alpentoni

14.09.2005 21:03

Dein Bericht ist super. ich habe diese kamera als black kit für 2 akkus...allerdings nicht mit dem 7 linsigen billigobjektiv von canon, wert 50 € ....da stimmt die relation nicht. aber die bedienbarkeit und die qualität der fotos sind gut und für den preis für hobbyfotografen bestens geeignet.... ich bevorzuge allerdings meine olympus....aber das ist geschmacksache und eine preisfrage....

hotandsweet

hotandsweet

11.08.2005 11:48

Wow... die macht es geile Fotos! ;o) hotandsweet

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