Erfahrungsbericht über

Canon PowerShot S2 IS

Gesamtbewertung (19): Gesamtbewertung Canon PowerShot S2 IS

 

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weicheierlegender Wollmilchsaurier

3  10.07.2005 (17.06.2006)

Pro:
Ausstattung, Akkulaufzeit, Videoqualität

Kontra:
Größe, Blitzladezeit, Bildqualität

Empfehlenswert: Nein 

Details:

Verarbeitung

Ausstattung

Bildqualität

Akkulaufzeit

Bedienung

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thaimer

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:10

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 43 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Dieser Bericht ist ein Update meines Berichts "vielleicht die letzte" vom letzten Jahr. Aber eigentlich ist er auch kein Update, denn:

Nach einem Jahr intensiver Benutzung habe ich mich soeben von der Canon PowerShot S2 IS getrennt. Zwar ist die nicht mehr ganz aktuell (es gibt den Nachfolger S3 IS), aber einiges trifft auch auf den, manches wahrscheinlich auch auf viele andere Canon-Kameras zu. Dieses eine Jahr hat mich jedenfalls viel von meiner Freude am Fotografieren gekostet.


Kaufentscheidung

Nach einem Jahr sollte es im Juni 2005, nach meiner hochgeschätzten Pentax Optio 555, doch wieder eine neue Kamera sein. Nicht, weil ich mit der Optio unzufrieden gewesen wäre (im Gegenteil, ich trennte mich schweren Herzens), sondern weil sich die Kriterien verschoben hatten. "Die" ideale Kamera gibt es halt nicht, dafür widersprechen sich einzelne Kriterien zu direkt (z. B. Zoomstärke und Kompaktheit), sondern es gibt immer nur den besten Kompromiß für einen in einer Situation. Vorzüge gegenüber der Optio sollten sein:
  • Schwenkdisplay
  • AF-Hilfslicht
  • Bildstabilisator
  • besserer Videomodus
  • größerer Zoom
    Insbesondere der Videomodus war mir bei der Optio völlig egal gewesen, aber mittlerweile wollte ich halt die ersten Schritte meiner kleinen Tochter auch mal bewegt festhalten.
    Ein besonders kompaktes Gehäuse war mir hingegen nicht mehr so wichtig, deshalb habe ich den Superzoom gerne "mitgenommen". Heute weiß ich: das war ein Fehler. Die Canon blieb zuletzt immer öfter zu Hause, weil sie einfach zu umständlich mitzunehmen war. Als Superzoomkamera hätte ich mit einer Panasonic FZ5 geliebäugelt, doch die schied wegen ihrer QVGA-Videos aus. Als Hybridkamera wäre mir die Pentax Optio MX-Reihe sympathisch gewesen, aber wenn man sich deren Videoqualität ansieht, kann man es auch gleich bei QVGA lassen. Ausstattung und Leistungsvermögen der Canon PowerShot S2 IS ließen diese einzig dastehen.

Ausstattung

Diese Kamera bringt so ziemlich alles mit, was des Hobbyfotografen Herz begehrt. Die wichtigsten Merkmale:
  • 12-fach-Zoom mit 36-432mm KB-äquivalenter Brennweite und Bildstabilisator
  • 5-Megapixel-Sensor
  • voll- und teilautomatische und manuelle Belichtung
  • Autofokus und manueller Fokus
  • 9 Motivprogramme
  • Supermakromodus bis hinunter zu 0(!) cm Abstand
  • Videomodus mit Bildstabilisator, Stereoton und Zoomfähigkeit, VGA mit 30 Bildern/Sekunde
  • Schwenkdisplay

Was fehlt:
  • die Möglichkeit, Bilder im tiff- und/oder RAW-Format aufzunehmen
  • Blitzschuh
  • Filtergewinde
    Die beiden letzten Punkte werden durch proprietäre Lösungen aufgefangen: Statt eines Filtergewindes hat die Powershot einen Bajonettring, an dem man Canon-eigene Vorsätze oder einen Adapter für handelsübliche anbringen kann. Ebenso ist ein Zubehör-Blitzgerät erhältlich, das man über eine Schiene ansetzen kann.

Verarbeitung

Obwohl das Gehäuse durchgehend aus Plastik ist, macht es einen soliden Eindruck. Alle Tasten sprechen präzise an, und mit dem Zoomring läßt es sich angenehm umgehen. Der bullige Gummivorsatz vor dem EVF (elektronischer Sucher) schont Brillengläser (wenn man denn mit der Brille überhaupt drankäme, siehe Bedienung), und der ausgefahrene Objektivtubus wackelt überhaupt nicht. Das Batteriefach hingegen schon, wenn auch nur ganz leicht. Das Schwenkdisplay rastet satt ein, erweckt keine Abbrech-Ängste und kann zum Transportschutz auch zur Kamera hin geklappt werden, so daß die Rückseite nach außen zeigt.

Erfreulich (und bei Superzoomkameras üblich) ist die Linsenabdeckung. Keine windigen Lamellen, sonderen ein ordentlicher Deckel. Der sitzt allerdings nicht gerade fest, auf keinen Fall jackentaschentauglich. Das muß auch so sein, damit die Zoom-Mechanik nicht beschädigt wird, wenn man die Kamera einschaltet, ohne vorher den Deckel abgenommen zu haben. Trotzdem wäre ein fest sitzender Deckel mit irgendeiner Art von Einschaltsicherung praktischer (die Abdeckung für das Kartenfach hat z.B. einen Sperrkontakt).


Bedienung

Die Kamera liegt gut in der (großen) Hand. Wie bei den meisten Kameras, die mit Standardakkus betrieben werden, ist auch hier das Batteriefach gleichzeitig Handgriff. Mit kleineren Händen betätigt man mit dem Ballen schon mal aus Versehen die "Menu"-Taste.

Der Zoom läßt sich sehr feinfühlig regeln; so feinfühlig, daß ich mir nicht einmal die Mühe gemacht habe, die Stufen zu zählen. Braucht mans schneller, gibt es den "Turbo", mit dem man sehr schnell den gesamten Zoombereich durchfährt.

Die Aufteilung von Funktionen auf ein (leichter zu erreichendes) "Func"-Menü und ein "richtiges" Menü ist gewöhnungsbedürftig, aber an sich nicht schlecht. Man fragt sich allerdings, ob man z.B. wirklich jederzeit Bildkompression und -Auflösung ändern können muß, und ob man nicht stattdessen etwas schneller an die Langzeitsynchronisation gelangen sollte, aber wer schon immer Canon-Kameras hatte, kommt wahrscheinlich sofort zurecht. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig, aber praktisch ist jedenfalls, daß man die meisten Funktionen nicht bestätigen muß; auch muß man die Menüs nicht einmal verlassen, um den Auslöser betätigen zu können.

Die eingesetzten Standardakkus haben die bekannten Vor- und Nachteile (für mich überwiegen die Nachteile): man kann, wenn man von den Akkus verlassen wird, auch mit Alkali-Batterien weiterfotografieren (leider legt Canon auch nur solche bei), und das sogar beachtlich lange. Andererseits gibt es halt keine Li-Ion-Akkus in Standardgrößen und NiMH-Akkus verlangen mehr Aufmerksamkeit und Pflege. Canon gibt für 2300-mAh-Akkus 550 Bilder an, was schon sagenhaft wäre; mit 2000er-Akkus (mehr kann mein olles Ladegerät nicht) erreichte ich mit Glück 500 Bilder, aber manchmal auch sehr viel weniger - sie leiden unter hoher Selbstentladung und offenbar geringer Spannungsstabilität.

Die Position des EVF ist zu weit rechts: Man drückt sich am LCD bzw. dessen Rückseite immer die Nase platt.

Belichtungszeiten > 1 Sekunde stehen in der Programmautomatik nicht zur Verfügung, und in der Blendenpriorität auch nicht. D.h. Nachtaufnamen in diesen Modi sind nicht möglich, sondern nur in der Verschlußzeitprioriät oder mit voll manueller Belichtung. Sollte das irgendeinen Sinn haben, bin ich offenbar zu blöd, ihn zu kapieren; tatsächlich habe ich mit meiner Pentax häufiger Nachtaufnamen mit Blendenpriorität gemacht, bei denen sie sich schon mal Belichtungszeiten von 8 Sekunden und mehr genehmigte.

Licht und Schatten (buchstäblich) gibt es auch vom Blitz zu melden: Der hat eine automatische und eine manuelle Leistungsanpassung, was toll ist; die Auflade- bzw. Refresh-Zeiten werden bei voller Leistung (bei der der Blitz dann schon ziemlich leistungsstark ist) aber sehr lang, so daß man schon mal 6 bis 8 sec auf das erste bzw. nächste Bild warten muß.

Für Videos gibt es einen eigenen Auslöser, der nicht gedrückt gehalten werden muß. Allerdings sollte man den Daumen trotzdem dran lassen, um das Video beim Beenden nicht zu verreißen.

Sauber trimmen oder auch zusammenfügen kann man die Videos mit der beigfügten Software, dem "ZoomBrowser".
Mit ihm kann man auch Panorama-Bilder zusamenfügen, die Kamera vom Rechner aus fernauslösen (ganz nett, mehr nicht) und die Bilder von der Kamera holen (mit dem normalen Explorer geht das erst ab Windows XP, da sie unter früheren Windows-Versionen nicht als Massenspeicher, sondern als TWAIN-Gerät erkannt wird). Für Verwaltungsaufgaben eignet sich der ZoomBrowser nicht, da er keine Dateisystem-unabhängigen Sortiermöglichkeiten hat. Da er auch keine Thumbnails speichert, sondern diese jedesmal neu anlegt, ist er außerdem sehr langsam. Ich hole mir daher die Bilder via Kartenleser in den Rechner und bleibe FotoAlbum treu.


Bildqualität

Um es vorweg zusammenzufassen: Die Bildqualität der Canon PowerShot S2 IS ist eine Enttäuschung. Fast alle qualitativen Einschränkungen haben mit Schärfe zu tun. Doch der Reihe nach:

Das 12fach-Zoomobjektiv der Kamera verzeichnet am Weitwinkelende deutlich tonnenförmig, bei mittleren und langen Brennweiten dagegen gar nicht. Lila Farbsäume bei hohen Kontrasten treten kaum auf.
Die Schärfentiefe dieses Objektivs ist jedoch extrem gering, natürlich abhängig von Brennweite, Blende und Entfernung vom Motiv. Da die Canon meine erste Superzoomkamera war, dachte ich, das sei vielleicht ein generelles Problem von Superzoomobjektiven. Seit wenigen Tagen habe ich eine Panasonic und weiß jetzt: Leica kanns, Canon nicht.
Das ist leider noch nicht das einzige Problem. Zu der geringen Schärfentiefe kommen auch noch erhebliche Ecken- und Randunschärfen, die sich bei genauerem Hinsehen (1:1 Vergrößerung) in Wahrheit als rote und grüne Farbsäume herausstellen. Die sind aber so fein, daß sie bei normaler Betrachtung nicht als Farbsäume, sondern eben als Unschärfe wahrgenommen werden.
Die Verwacklungswarnung der Kamera ist, ob mit Stabilisator oder ohne, zu optimistisch; man hat öfter mit verwackelten Bildern zu tun, auch wenn die Kamera nicht gewarnt hat.
Bei schwachem Umgebungslicht ist das AF-Hilfslicht meist völlig nutzlos, weil es wegen der Parallaxe meist am Fokusmeßfeld vorbeizielt. Es gibt zwei umständliche Möglichkeiten: Meßfeld manuell verschieben oder manuell fokussieren (letzteres kann man vergessen, da weder Display noch EVF für eine Schärfebeurteilung fein genug auflösen).

Zu den Schwächen der Optik und des Autofokus kommen dann noch die der Elektronik:
Es mangelt der Kamera an Durchzeichnung in kontrastarmen Bereichen, wie z.B. Dachziegel, Haare, Putz, Laub. Vom CCD her kommen solche Bereiche schon sehr weich an, dann matscht auch noch die Rauschunterdrückung drin rum, so daß man bei 1:1-Vergrößerung eher den Eindruck eines Aquarells als den eines Digitalfotos hat. Die starke Kantenschärfung hilft auch nicht, denn die behandelt nur ohnehin starke Kontraste, zeichnet das Aquarell also sozusagen mit Bleistift nach.

Die Farben sind nach meinem Empfinden zu gesättigt und zu warm. Gegen die Übersättigung kann man im Menü was tun, aber was dabei rauskommt, ist dann so fahl, daß ich lieber die Übersättigung in Kauf nahm.

Videos werden grundsätzlich mit Automatikeinstellungen gedreht und sind von hervorragender Qualität. Allerdings sind die Dateien riesig (pro Sekunde 2 MB bei VGA@30fps), und so ist die maximale Länge eines Videos auf ca. 8min begrenzt, da eine Datei nicht größer als 1GB sein darf. Einzigartig ist der Ton: Stereo mit 44,1 kHz@16 bit.


Fazit

Ich werde den Eindruck nicht los, die PowerShot ist auf gute Labortests und einen knalligen Ersteindruck hin getrimmt.
Das alles, vor allem die elektronischen Mängel, scheint Canon-typisch zu sein, und vor allem ist es eines: Geschmackssache. Daher hatte ich auch keine Hemmungen, die PowerShot bei ebay für gutes Geld zu verkaufen, denn die Wahrscheinlichkeit ist hoch, daß der neue Besitzer damit sehr viel glücklicher werden wird als ich. Ich versuche es derweil mit einer Panasonic TZ1; die ist der Canon in fast allen Ausstattungsdetails unterlegen, aber erste Tests in Sachen Bildqualität waren schon mal vielversprechend...

Und ganz ehrlich: mir das von der Seele zu schreiben, hat auch ein wenig gutgetan.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
MichaelRa

MichaelRa

02.10.2006 17:45

Einige kritische Bemerkungen treffen leider zu, die enttäuschende Bildqualität der S2 IS entspricht alles in allem ihrem Preissegment. Aber was soll´s? Die große Masse der Kunden fragt billige Megapixler nach und ist nachher mit den Bildergebnissen durchaus zufrieden. Die Schärfetiefe ist natürlich von Entfernung, Brennweite und Blende abhängig und damit wählbar. Übrigens bringt eine Aktualisierung der Software möglicherweise gewisse Verbesserungen.

cherubim5

cherubim5

17.09.2006 21:00

Hallo, toller Bericht! Besitze die Kamera seit sie neu auf den Markt kam, und kann sagen, sie liegt auch in der kleinen Hand gut! Nur was Deine Probleme mit der Schärfe betrifft kann ich nicht zustimmen! Es gibt allgemein viele Möglichkeiten etwas gegen Unschärfe zu tun, und ich kenne bei dieser Kamera dieses Problem gar nicht! Dennoch.. Du scheinst Dich extrem gut auszukennen, da ist gegen eine neue, noch vielseitigere Kamera beizeiten ja nichts einzuwenden! LG, Sandra

b.jupiter

b.jupiter

07.07.2006 23:49

Toller Bericht, war schon nahe dran mir eine zu kaufen. Am Ende des Berichtes habe ich mich auf Fotos gefreut, die ich dann leider nicht fand. Von mir ein sh. LG Birgit

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  1. cherubim5

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