Carriers

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Nachdem Filme wie „28 days (weeks) later“, Rec“ oder auch „The signal“ vorrangig dahingehend zu schocken versuchen, dass die infizierten Menschen sich gegenseitig abschlachten, sollte der 82minütige Film Carriers zu der ruhigeren Variante, vergleichbar mit „Right at your door“, gehören. ... Bericht lesen





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Manchmal wählt man mit dem Leben nur einen viel qualvolleren Tod.
Erfahrungsbericht von Cosmay über Carriers
22.03.2011


Produktbewertung des Autors:   


Pro: Thematik, Schwerpunkt auf der ZwischenMenschlichkeit
Kontra: hin und wieder eher mau, verliert scheinbar vereinzelt das eigentliche Ziel aus den Augen

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Nachdem Filme wie „28 days (weeks) later“, Rec“ oder auch „The signal“ vorrangig dahingehend zu schocken versuchen, dass die infizierten Menschen sich gegenseitig abschlachten, sollte der 82minütige Film

Carriers
zu der ruhigeren Variante, vergleichbar mit „Right at your door“, gehören. Der Zuschauer befindet sich von der ersten Szene an mitten in der bereits erfolgten Virus-Ausbruchssituation, in der jeder Beteiligte – sprich: Überlebende – bereits Bescheid weiß, was Sache ist. Raffinierter Schachzug zweifellos, dass in eben jener Szenerie alles herrlich normal wirkt; man gar nicht so recht weiß, wo das Problem aufgrund der Frage „bist du tot?“ innerhalb des „wer bin ich“ Spiels liegt.

Weder Drehbuchautor noch Regisseure Àlex und David Pastor machten sich die Mühe, den Zuschauer behutsam an die Virus-Epidimie heranzuführen. „Carriers“ hält sich nicht mit dem Ausbruch oder gar der Verbreitung der nicht näher vorgestellten Seuche auf; vielmehr konzentriert sich die Geschichte beinahe einzig und allein auf die 4 Personen, die man bereits in der ersten Szenen kennenlernte.

Im weiteren Verlauf stellt sich heraus, dass die Brüder Danniel (Lou Taylor Pucci) und Brian (Chris Pine) einen Ort aus ihrer Kindheit als vermeintlich sicheren Zufluchtsort auserkoren haben. Kate (Emily VanCamp) und sowie Brians Freundin Bobby (Piper Perabo) machen das Quartett komplett ~ bis sie auf ein infiziertes Mädchen (Kiernan Shipka) mitsamt ihrem gesund erscheinenden Vater Frank (Christopher Meloni) treffen.

Für den Filmgucker ist klar, dass man die beiden nicht einfach zurücklassen kann ~ oder doch?
Die Umsetzung
sagte mir anfänglich sehr zu. Meines Erachtens nach muss nicht immer die große Erklärung, was genau die Epidemie ausgelöst hat, mitgeliefert werden ~ nicht zuletzt aus dem Grund, weil sich die Endzeit-Filme sonstig beinahe 1:1 ähneln würden und sich somit eine gewisse Abstumpfungserscheiung bemerkbar macht. Erfreulich ebenso, dass die Suche nach dem Gegenmittel lediglich am Rande abgehandelt wird.

Das vorgetragene Regelwerk, welches der durch die Bank egozentrische Brian erschaffen hat, weist stoisch auf den Verhaltenskodex hin, der die Vier bislang hat überleben lassen. Das unbequeme Gefühl, welches sich innerhalb „Carriers“ auf den Zuschauer ablegt, ist durchaus vorbildlicher Machart; verzichtet der Film durchweg auf übertriebene Schockeffekte und schauerliche Bilder.
Natürlich ist hier und dort eine Leiche oder gar ein Mensch inmitten des Sterbeprozesses zu sehen ~ doch keineswegs darf man hier den themenspezifischen Schwerpunkt erwarten.

„Carriers“ befasst sich vielmehr mit der Zwischen- oder gar lediglich verbliebenen Menschlichkeit; die Frage des Zusammenhaltes in direkter Antithese mit dem eigenen Überlebenswillen. Während sich die vier Protagonisten anfänglich noch recht schubladenmäßig charakterisieren lassen, verändern sich diese stetig und sorgen zum Großteil für eine handvoll Überraschungen. Vereinzelt darf man die Frage nach der Glaubwürdigkeit kurzzeitig antasten; während die einzig wirklich banale Szene jene ist, in der Brian beinahe in einen Pool fällt und sich mit einer (einzigen!) Hand an dem Sprungbrett festhält. Die Technik, mit der er – ebenfalls einhändig – von Daniel gen sicherem Boden gehievt wird, hätte ich allzu gerne in Großaufnahme und Zeitlupe bestaunen wollen.

Generell stolpert „Carriers“ bisweilen über die verschiedenen atmosphärischen Darstellungsversuche ~ altbewährt und immer wieder gelungen unabstreitbar jene Kameraeinstellungen, durch die eine leergefegte, respektive ausgestorbene Stadt zu sehen sind. Der Aspekt, ein 8jähriges Mädchen, welches ohne ihren Vater selbstredend völlig hilflos wäre, dem Zuschauer intensiver darzubieten, sorgt auch hier für eine eindringlichere Wirkung als ein Film, der sich „nur“ um erwachsene Opfer dreht. Bedauerlicherweise ~ oder doch wohlüberlegter Natur? ~ spielt jenes Duo eine mindere Rolle, als ich es mir schon allein anhand des DVD-Covers vorgestellt hatte.

Nichtsdestominder schafft „Carriers“ es stetig an den genau richtigen Stellen, die kurzzeitige Leichtigkeit der Beteiligten aus den Angeln zu heben. Entscheidungen oder gar Entwicklungen, an die der ein oder andere im Virenkontext eher weniger gedacht hätte, schockieren völlig anderer Natur, als es sonstig bei einer Vielzahl der „I will survive“ Darbietungen der Fall ist.

Weniger meinerseitigen Zuspruch erhält das Gesamturteil jedoch dadurch, dass die eigentliche Dramatik schlussendlich fast schon zu kurz kommt. Es bleibt nicht aus, dass man sich vereinzelt davon befremdet fühlt, dass die Überlebenden zwar stetig mit Mundschutz herumlaufen, wenn sie einem anderen Menschen begegnen, sonstig hingegen frohen Mutes mitunter durch offene Fenster vermeintlich leerstehender Häuser krackseln.
Die Erklärung, ob es der Fall sein sollte, dass sich das Virus lediglich durch die Übertragung von Körperflüssigkeiten ausbreiten kann, muss man sich somit selbst zusammenreimen. Interessant hätte überdies sein können, warum Tiere scheinbar immun blieben. Zugegeben ~ hätte man all jene Details versucht, mit in den Horrorthriller zu packen, wäre ein völlig anderer Filmtyp entstanden, der mich vermutlich (noch) weniger begeistert hätte. Dementgegen fehlt es „Carriers“ vereinzelt an Ernsthaftigkeit; die Protagonisten wirken gleichermaßen stellenweise zu abgebrüht und desinteressiert.

Dadurch, dass dem Zuschauer obendrein sämtliche Information, wie lange die Pandemie bereits gastiert, vorenthalten bleibt, kann man über mancherlei Situations-Patzer möglicherweise hinwegsehen.
Dialoge wie

~ "Solange, bis die Seuche ausgerottet wurde."
~ „Die Seuche oder die Menschheit?“
~ „Kommt das nicht aufs selbe raus?“

gehen ansatzweise unter die Haut; verlieren tragischerweise jedoch durch jene Momente an Wirkung, in der manches eher banal oder gar unfreiwillig-komisch wirkt. Die eigentliche Bedrohung der Katastrophe will oftmals nicht so wirklich über den zuschauerlichen Bildschirm hinaus; auch wirken manche Momente so, als ginge es lediglich um eine lustig-abenteuerliche Fahrt ans Meer. Das Ausmaß der Pandemie wirkt stellenweise beinahe zwangsweise ins Gesamtbild eingewoben ~ mir persönlich erschien es, als würden manche Begegnungen lediglich dem Zwecke dienen, den Zuschauer noch mal daran zu erinnern, dass in der Tat „etwas Schlimmes“ passiert ist.

In diesem Zusammenhang muss ich ferner an dem Begriff „etwas Schlimmes“ festhalten: die absolute Panik-Stimmung, die totalitäre Beklemmung oder gar Schockstarre, die ich persönlich bei „Right at your door“ erlebte, bleibt beinahe völlig aus. Die Gewichtung, die die filmische Thematik verdient hätte oder gar in der eigenen Natur tragen sollte, leidet kurioserweise beinahe völlig an Magersucht ~ man weiß zwar, dass jedes Leben bedroht wird; fühlt andererseits schlicht und ergreifend jenen Umstand im vollumfänglichen Ausmaß nicht.

Die potentielle Rettung, die die jungen Erwachsenen sich von dem Ziel ihrer Reise erhoffen, geht meiner Ansicht nach genauso unter wie manche psychologischen Interaktionen, die „Carriers“ einen filigraneren Schliff hätten geben können.
Summa summarum
ahnt man bereits, dass ich mir von doch etwas mehr von dem Ganzen versprochen hatte. Die Bezeichnung „gelungen“ mag ich hier nur bedingt verwenden; eben weil „Carriers“ insgesamt betrachtet zu ruhig und undramatisch abläuft. Die Trostlosigkeit, die solcherlei Werke an für sich involvieren, bezieht sich hier eher auf die zum Teil bleierne Umsetzung, die das zu erschaffen versuchte Spannungsfeld hin und wieder beinahe gen Null tendieren lässt.

Stellenweise scheinen sich die Macher nicht so recht entscheiden gekonnt zu haben, ob sie nicht vielleicht doch etwas mehr Wert auf die Konfrontation mit den Infizierten (bzw. am Virus dahingerafften) hätten legen sollen. Was somit entstand, wirkt von Zeit zu Zeit eher zusammengestückelt denn fließend.

Die definitive Schlusszene trötet mich persönlich etwas über das Umsetzungs-Dilemma hinweg; bleibt hier doch eine Art bitterer Nachgeschmack über, den ich für meinen Teil immer wieder gerne begrüße.

Empfehlen kann, will und werde ich „Carriers“ somit durchaus; wenngleich auch mit einem Punkt Abzug Dank der Unstimmigkeiten inmitten des Gesamtwerkes.


   
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