New Jersey-Trilogie, Teil 3
12.03.2002
Pro:
frech, frivol, ungezogen, kein Happy - End mit der Brechstange, Jason Lee
Kontra:
Lasst den Film bloß nicht im Vatikan laufen !
Empfehlenswert:
Ja
 HansGruber
Über sich:
"Eng!" (Mehmet Scholl auf die Frage, wie es nach dem Gewinn der Europameisterschaft 1996 w...
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Nein, bei meinem Titel geht es nicht um einen Abschlussfilm von Studenten der Film- und Fachhochschule, sondern um den dritten und schönsten Film von Kevin Smith, der abermals in RedBank, New Jersey ansiedelt ist (nicht Kevin Smith, der Film!). °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° STORY: Banky (Joson Lee) und Holden (Ben Affleck mit Zuhälter-Bärtchen) sind zwei – für ihre Verhältnisse – recht erfolgreiche Comiczeichner, die sich auf diversen Conventions (Promotion-Veranstaltungen für Comic- und Filmfans) herumtreiben, versuchen, ihre Hefte zu verkaufen, sich mit bekloppten Fans anlegen und an den Pressekonferenzen teilnehmen. Auf einer solchen Convention lernt Holden die süße Alyssa Jones kennen (gespielt von Joey Lauren Adams, die ist aber auch zum anbeißen!) und verknallt sich ein bisschen in sie. Allerdings bekommt er bald einen ziemlichen Tiefschlag versetzt: Alyssa ist lesbisch! Nachdem er kurzzeitig Frust schiebt, werden er und Alyssa dicke Kumpels, unternehmen viel zusammen, haben Spaß und reden offen über Alyssas Liebesleben. Als Banky aber für ein Wochenende wegfahren muss, und Holden sturmfrei hat (er wohnt mit Banky zusammen), platzt die Bombe: Er gesteht Alyssa seine unendliche Liebe. Die ist zunächst geschockt, würde ihn am liebsten auf den Mond schießen, aber plötzlich fällt sie ihm um den Hals und schließlich schläft sie bei und mit ihm.
Als Banky bei seiner Rückkehr am nächsten Morgen die beiden auf seiner Couch erwischt, ist er stocksauer, denn er kann Alyssa nicht leiden (warum, erfährt der Zuschauer später noch!!). In der Folgezeit haben die zwei Verliebten jede Menge Zeit füreinander: Holden und Banky haben fast nur noch Streit, Alyssa wird von ihren ehemaligen Lesben-Freundinnen gemieden. Schließlich kommt es zur Eskalation, als Banky ein uraltes Jahrbuch von Alyssa (und einiges über ihre Vergangenheit) ausgräbt, und das Holden natürlich brühwarm auftischt. Jetzt muss sich Holden entscheiden: Bleibt er mit Alyssa zusammen und verkracht sich dafür mit Banky? Wie geht er mit Alyssas Vergangenheit um? Und hört er auf den Rat seines Kumpels Silent Bob (Regisseur Kevin Smith)? °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° Nach dem Misserfolg mit „Mallrats“ wurde Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und Darsteller Smith eine Spur ernster mit seinem Stoff und erzählt uns hier ein wirklich schöne Liebes- und Lesben-Geschichte. Seiner Ehefrau Joey Lauren Adams gab er die Hauptrolle, die ebenso wie Lee und Affleck schon in Smith’s zweitem Film mitspielten. Außerdem schraubte Smith das Budget wieder herunter. „Chasing Amy“ kostete gerade mal 750.000 $, spielte fast zwölf Millionen ein und ließ Smith wieder Selbstvertrauen tanken.
Aufmerksame Zuschauer werden den 30-Sekunden-Auftritt von Matt Damon und Brian O’Halloran (er spielte auch in Smith’s ersten beiden Filmen mit) als TV-Produzenten bemerken. Außerdem erzählt Alyssa in einem Nachtklub, wie es ihre beste Freundin in einem gewissen „Quick Groceries Shop“ mal mit einem Toten auf dem Klo getrieben hat – ein kleiner Verweis auf „Clerks“. °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° MEINE MEINUNG: Endlich gelingt Smith die perfekte Symbiose aus frechem Wortwitz und tragischer Liebesgeschichte – bei „Mallrats“ hatte er ja nicht so recht die Kurve gekriegt. Dabei ist „Chasing Amy“ nicht weniger witzig als seine Vorgänger, aber die Art des Humors ist ein anderer und auf seine Weise subtiler.
Der Regisseur nimmt diesmal das Thema Liebe sehr ernst und behandelt es nicht nur oberflächlich wie in seinem vorhergehenden Film. Die Darsteller sind allesamt genial, besonders Jason Lee möchte ich hier herausstellen. Joey Lauren Adams beweist, dass frau auch trotz Kieks-Stimme eine sehr gute Schauspielerin sein kann. Und Ben Affleck darf mehr zeigen als in solch filmischem Abfall wie „Armageddon“ oder „Pearl Harbour“, in denen er leider wirklich schlecht war. Richtig gut gefällt mir das Ende des Films: nichts wirkt gestelzt oder künstlich, eben wie das wahre Leben, einfach nur menschlich und angenehm und Hollywood-untypisch. °°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°° FAZIT: Nicht allen gefällt die Art, wie Smith seine Filme inszeniert und erzählt; mache finden diese dialoglastigen Filme sehr gut, für andere ist es nichts als doofes Laberkino und sie können nichts damit anfangen. Deshalb kann ich den Film nur unter Vorbehalt empfehlen, weil es sehr vom jeweiligen Geschmack abhängt, ob man ihn mag oder nicht. Wer „Dogma“ gut fand, kann ihn sich getrost ansehen, wer eher auf Kaliber wie Steven Segal oder Dolph Lundgren steht – für den ist das wahrscheinlich nichts, denn es gibt keine Action, keine Schießereien, sondern nur Wortgefechte und bissige Dialoge. Natürlich ist so etwas auch nicht sonderlich spannend im Vergleich zu, sagen wir, „Crimson Tide“, nein, es ist eher ein ruhiger Film.
Die Freigabe ab 16 ist in Ordnung (in den USA mal wieder ab 18). Zwar ist den ganzen Film über keine einzige nackte Person zu sehen, aber die Sprüche sind teilweise doch recht derb. Tipp (wie immer bei mir): Unbedingt im Original ansehen, da ist der Film noch eine Spur frivoler und frecher, und Afflecks Synchronstimme ist irgendwie unpassend. Außerdem hört sich dann Lee noch einmal so gut an. Übrigens hat man Smith’s Alter Ego Silent Bob noch nie so viel reden hören und sehen wie hier. In einem Café erzählt er Holden seine halbe Liebes- und Lebensgeschichte. Von daher also ein Film mit Seltenheitswert für Smith-Freunde.
Wie alle Filme des Independent-Königs ist auch dieser sehr schwer zu bekommen; habe die Originalversion für damals noch 20 DM bei HMV erstanden. Bis jetzt lief er ein einziges Mal auf Vox, ansonsten muss man auf sein Glück hoffen. PS: Banky und Holden verfassen in dem Film eine Comic-Serie mit Namen „Bluntman & Chronic“; ebendiese Comicreihe ist der Aufhänger für die Story in „Jay ans Silent Bob strike back“ (diesen Sommer in den deutschen Kinos), in dem die zwei Titelhelden verhindern wollen, dass sie in der Verfilmung von zwei Hanswürsten verkörpert werden – denn schließlich basieren die Charaktere Bluntman und Chronik auf ihnen.
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31.07.2002 11:40
Ist irgendwie völlig an mir vorbeigegangen. Wenn er mal im Fernsehen kommt, werde ich dran denken. carmen
03.04.2002 22:29
Hab' mir den damals extra aufgenommen, als der auf Vox lief und ich warte noch immer sehnsüchtig auf die deutsche DVD, wenn überhaupt mal eine irgendwann kommt. Gruß André
13.03.2002 23:48
Mal wieder ein sehr ausführlicher Bericht von Dir. Bisher hab ich den Film noch nicht gesehn. Gruß, Psychodelic2