Chasing Amy

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Everybody loves Amy, some hate Kevin!

4  27.04.2002

Pro:
Dialoge, Figuren, Story, Gags, Drama

Kontra:
nicht nur für Smith - Fans (ist ja kein Kontra ! )

Empfehlenswert: Ja 

MarsellusWallace14

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:255

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 62 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es soll ja Leute geben, die hassen Kevin Smith. Dem bebrillten, bärtigen Pfundskerl, der sich mit seinen kultigen New-Jersey-Filmen „Clerks“ (1994), „Mallrats“ (1995), „Chasing Amy“ (1997), „Dogma“ (1999) und zuletzt „Jay and Silent Bob Strike Back“ (2001) eine loyale, wie exklusive Fangemeinde aufgebaut hat, die er durch durch seine kultige Website unter dem Namen seiner Produktionsfirma „View Askew“ mit Informationen und Trivia füttert, werfen vorwiegend Kritiker vor, er sei ein einfallsloser Regisseur, besonders ungelenk im Umgang mit Schauspielern, sei in Bezug auf den Humor oftmals geschmacklos und thematisch so Ich-fixiert, daß nur Leute, die ähnlich gestrickt sind und die gleichen Vorlieben teilen (alles was an „Star Wars“, der Comic-, der TV- und Filmwelt als „cool“ einzustufen ist) seine Filme zu schätzen wüßten. Lediglich clevere Dialoge seien seine Stärke, aber selbst diese sind zu lang.

Es soll ja Leute geben, die lieben „Chasing Amy“ trotz Kevin Smith. Die 1997 von Smith in der gewohnten Funktion als Autor und Regisseur gefertige Beziehungskomödie überraschte sowohl Anhänger als auch Zweifler mit einer intelligenten, amüsanten wie dramatischen Geschichte, die zwar in Smiths bevorzugter Welt der ziellos abhängenden Loser spielt, aber die schrägen Figuren und ihre vieldeutigen Kommentare zur Popkultur Amerikas lediglich am Rand vorkommen ließ. So kam Smiths erzählerisch wie charakterlich bislang stärkster Film in die Kinos, was einfürallemal aufzeigte, daß der Mann Talent hat, selbst wenn er’s selten nutzt.


Who’s Amy?

Kevin Smiths einstige Ex-Freundin Joey Lauren Adams, die als Adam Sandlers Freundin aus dem Hit „Big Daddy“ (1999) den meisten wohl ein Begriff sein sollte, spielt charmant und süß die Titelfigur Amy, nein, Alyssa Jones, eine blonde Comicbuch-Zeichnerin und –Autorin mit schriller Stimme, Redegewalt und ausgeprägtem Selbstbewußtsein. Wer Amy ist lasse ich offen, um eine der schönsten Geschichten des Films nicht zu verderben, taktvoll und sinnvoll von dem sonst so gesprächsfaulen Silent Bob (Kevin Smith) vorgetragen. Zurück zu Alyssa...


Who’s Chasing Amy, no, Alyssa?

Die Freunde Holden McNeil (Ben Affleck) und Banky Edwards (Jason Lee) sind ebenfalls Comicbuch-Fabrikanten, die mit ihrem Comic „Bluntman and Chronic“, die sie auf die lokalen Stoner und Drogendealer Jay (Jason Mewes) und Silent Bob gefußt haben. Auf einer Comic-Messe in New York begegnen sich die Comic-Profis Holden und Alyssa, die sich gleich toll verstehen und miteinander einen trinken gehen. Wo Banky es nicht fassen kann, daß Holden Alyssa nachläuft und er als Anhängsel mitläuft, hat Holden nur noch Augen für das Aufsehen erregende Mädchen, das ihm nach seiner Meinung zweideutige Blicke gegeben hat. Doch diese Vermutung läuft ins Leere, als die Süße ihre Freundin abknutscht...


She’s a lesbian? Get outta here!

Wo sich Banky nur köstlich amüsieren kann und mit Alyssa sexuelle Erfahrungen mit Frauen austauscht, ist Holden gebrochen. Er macht es sich zur Aufgabe, Alyssa zu verführen, auch wenn sie vorab nur schlechte Erfahrungen mit Männern gemacht hat. Letztlich vermag er diesen Kraftakt zu vollbringen und macht sie zu seiner Freundin. Doch bald kommen ihm Zweifel, als er von ihren einstigen sexuellen Eskapaden in seinem Bekanntenkreis hört...

Die Lösung seines Problems ist ein besonderer Akt, den er seinem Freund Banky und seiner Freundin Alyssa unterbreitet. Diese Minuten aufreibenden Dialogs und aberwitziger Sprüche sind das Beste, was Smith als Regisseur und Autor bislang zustande gebracht hat. Nicht nur, daß man von der Liebesgeschichte zwischen Holden und Alyssa wirklich mitgerissen ist, man lacht sich auch bei jedem Wort von Banky zeitgleich Löcher ins Zwerchfell...


Should YOU chase Amy?

Ein klares JA! Sicherlich hat der Film keine epische Geschichte á la „Dogma“ und auch vergleichsweise wenig Figuren, aber gerade diese erzählerische Ökonomie schafft Smith den Freiraum, seine Figuren zu entwickeln, die dieses Mal lebensechter, glaubwürdiger und sympathischer sind als je zuvor, noch danach. So sind Alyssa und Holden wie aus dem Leben gegriffen komplex, voller Schwächen und Stärken und stets clever genug um ihr Handeln zu durchschauen und ironisch zu kommentieren. Dabei ist es sehr hilfreich, daß Joey Lauren Adams, die man bereits bei „Mallrats“ als sich ständig umziehende Mädel (nackt) zu sehen bekam, mit Gefühl und Humor ihre Rolle zur Perfektion meistert. Der bärtige Ben Affleck, damals noch kurz vor seinem Durchbruch mit „Good Will Hunting“, glänzt ebenfalls mit einer guten Vorstellung. Selbst „Will Hunting“ Matt Damon ist einmal kurz zu sehen als beknackter Assistent eines Comic-Tycoons, der einfach nur penetrant grinst und nervt.

In den nicht stark ausgeprägten Nebenrollen sticht besonders Jason Lee hervor, der ebenfalls mit Bart und Kappe einfach zum wegschmeißen komisch ist, vor allem wenn er vor Wut anläuft, wenn man ihm kreativen Einfluß auf sein Comic abspricht. Seine erste Reaktion im intimen Finale ist sagenhaft. Jay und Silent Bob halten sich vorwieged zurück, tauchen in einer Szene auf und lassen ein paar Weisheiten vom Stapel, die überraschend tiefgründig sind.

Die gewohnt spritzigen Dialoge sind diesmal lediglich ein weiteres Element, daß Smiths Film auszeichnet, anders als bei seinem famosen Debüt „Clerks“, wo der Film um die Segmente gebaut wurde, die nichts anderes als endlose, aber sehr witzige Konversationen waren. Mit „Chasing Amy“, seinem reifsten und auch für Smith-Novizen zugänglichsten Film, bringt es Smith fertig, seine Vorlieben um eine solide Geschichte zu packen, so daß nicht der sonst so übliche episodenhafte Charakter seiner Filme zum Tragen kommt. Absolut empfehlenswert!

Post Scriptum:
Der cineastisch wertvollste Bericht zu diesem Film auf dieser Plattform ist "New Jersey-Trilogie, Teil 3" von HansGruber! Ebenfalls lesen!
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
SportfreundEmma

SportfreundEmma

19.08.2002 01:58

Habe den Film soeben gesehen. Gefiel mir ganz gut, aber ich mache den Fehler das ich das Smith-Werk in verkehrter Reihenfolge sehe. Aber ich bekomme nirgends "Clerks". Zu diesem Film bleibt mir zu sagen das die Stimme von Alyssa wirklich verdammt schrill war. Für mich schon störend schrill. Ansonsten hast du einen grandiosen Bericht geschrieben!

Veedra

Veedra

03.05.2002 03:21

*jedenjawirklichjedenabsolutjedenkevinsmithfilmsorichtiggutfindet*

alpacino

alpacino

01.05.2002 16:10

Super Bericht, außergewöhnliche Strukturierung. HansGruber ist ein guter Freund von mir. Hat mich auf dich Aufmerksam gemacht. Weiter so Gruß al

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