Krebs - Infos, Gedanken, Schmerzen und Gefühle

1  14.06.2002

Pro:
Gibt es ein Pro bei der Volkskrankheit Nr . 1?

Kontra:
Einfach alles

Empfehlenswert: Nein 

Sizilien

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:103

Diesen Bericht teilen auf Google+
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 293 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo liebe Leserinnen und Leser,


aus aktuellem Anlass möchte ich heute meinen Bericht einem sehr wichtigem Thema widmen, das uns alle angeht, über das ich mir bis heute aber keine allzu großen Gedanken gemacht habe. Es betrifft die Volkskrankheit Krebs und ich schreibe diesen Bericht mit dem Gedanken an meine Mutter, die von dieser Krankheit betroffen ist, so wie unsere gesamte Familie. Möge das Glück uns zur Seite stehen.

Die Vorgeschichte
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Im November letzten Jahres wurde meine Mutter an der Galle operiert. Eigentlich eine durchaus harmlose Operation. Leider hat da irgend jemand gepfuscht und so hat sich die Wunde fürchterlich entzündet. Anschließend wurde sie auf dem Kopf gestellt, wie man so schön sagt, und seit diesem Tage ist sie ständig unterwegs gewesen, um Ärzte aufzusuchen, die feststellen würden, warum etwas eintrat, das sich keiner erklären konnte: Ihre Knochen brachen und das, obwohl sie noch nicht einmal gefallen war oder ein ähnlicher Umstand dies zur Folge gehabt hätte. Also entnahm man nach Monaten ärztlicher Torturen in Ungewissheit eine Knochenprobe. Nach 8 Wochen dann die Diagnose: Knochenkrebs!

Ich war fest entschlossen zu erfahren, was diese Diagnose für meine Mama und uns alle bedeuten würde, was Krebs eigentlich ist, wie ich meiner Mama helfen kann und, und, und...Jeden Tag habe ich versucht, neue Erkenntnisse auszuwerten. Davon möchte ich euch nun berichten, da es vielleicht den einen oder anderen unter euch gibt, dem dieser Bericht helfen könnte oder der auch uns helfen könnte.

Nun einige Dinge, die ich über diese Krankheit in Erfahrung bringen konnte.

Wie entsteht Krebs?
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Wir alle besitzen bestimmten Erbanlagen, deren Veränderung in den Zellen zu einem nicht mehr zu kontrollierendem Wachstum des Gewebes führt. Das ist eine einfache Erklärung dieser Krankheit. Die Ursachen dieser Genveränderungen sind sehr vielschichtig und zum größten Teil noch nicht erforscht. Als Gründe dafür werde unter anderem auch folgende Faktoren genannt:

.Aktives und passives Rauchen
·Eine ballaststoff- und vitaminarme Ernährung
·Alkoholmissbrauch
·Genetische Veranlagung
·Infektionen
·Schadstoffe in der Luft

Zu oben genannte Punkten konnte ich bei meiner Mutter allerdings nur die genetische Veranlagung in Verbindung bringen und vielleicht die Schadstoffe in der Luft. Alles andere ist bei ihr nicht zutreffend.

Was gibt es allgemein über Krebs zu sagen?
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Die Wissenschaft forscht schon Jahre, um die Sterblichkeitsrate bei Krebs in den Griff zu bekommen und Hilfe für die betroffenen Menschen zu finden. Allerdings ist die Krankheit noch immer eine der häufigsten Erkrankung mit Todesfolge in den westlichen Industrieländern.

Lt. Statistik sterben jedes Jahr etwa 215.000 Menschen an dieser Krankheit, daher wird sie auch die Volkskrankheit Nr. 1 genannt. Als häufigste Erkrankung wird bei Frauen der Brustkrebs festgestellt, während bei Männern der Lungenkrebs zu einer traurigen Berühmtheit gelangt ist. Diese Zahlen haben mich zutiefst erschreckt, da ich mich bis heute eigentlich noch nie so richtig mit dieser Krankheit befasst habe.

Gibt es einen Schutz vor Krebs?
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Nein, obwohl man natürlich die Risikofaktoren wie z.B. das Rauchen meiden kann. Da der Krebs jedoch auch, wie bereits von mir erwähnt, aufgrund der Erbanlagen ausbrechen kann, gibt es nur sehr wenig Möglichkeiten, dieser Krankheit zu entgehen. Den wichtigsten Selbstschutz den man aktivieren kann, ist das regelmäßige Aufsuchen des Arztes zur Früherkennung. Je eher der Krebs erkannt wird, umso größer sind die Heilungschancen. Ich persönlich habe immer jede Krebsvorsorgeuntersuchung wahr genommen und bitte euch alle: diese Untersuchung ist kostenlos, glaubt nicht, es könnte euch nicht treffen. Nehmt diese Untersuchung in Anspruch, bitte!

Man ist betroffen, was nun?
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Ich habe mehrere Arten der Krebsbekämpfung ausfindig machen können und mich so weit ich es gefühlsmäßig konnte, damit auseinander gesetzt. Dies sind meine Erkenntnisse zu den Behandlungsmethoden:

DIE CHEMOTHERAPIE
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Der Begriff allein bedeutet zuerst einmal, dass die Erkrankung mit chemischen Arzneimitteln vorgenommen wird. Der betroffene Mensch bekommt eine Lösung zugeführt, die bevorzugt die Tumorzellen abtöten soll und gesunde Körperzellen weitgehend nicht schädigen soll. Leider ist aber die Schädigung von gesundem Gewebe nicht immer zu vermeiden.

Bei der Chemotherapie setzt man Arzneimittel ein, die einerseits das Wachstum der Zellen hemmen, und andererseits Zellen direkt schädigen. Durch vorzeitiges Erreichen des natürlich vorgegebenen Absterbezeitpunktes jeder Zelle ist es möglich, dass sich die kranken Zellen verkleinern oder auch vollständig zurückbilden. Aber wie gesagt, es ist möglich aber nicht garantiert.

Meine Erfahrungen in Hinsicht auf meine Mutter:
Bei ihr wurde die Chemotherapie eingesetzt, ihre erste Infusion bekam sie am Freitag, den 07.06.02. Wenig später ging es ihr furchtbar schlecht, sie musste sich ununterbrochen übergeben und was das schlimmste war, ihre Psyche ging regelrecht in den Keller. Laut Aussage der Ärzte äußern sich die Nebenwirkungen aber bei jedem Menschen anders. Fakt ist für mich jedoch: die Chemotherapie ist nicht einfach wegzustecken und Nebenwirkungen gibt es in jedem Fall. Das schlimmste für mich war in dieser Situation, dass ich ihr nicht helfen konnte. Ich saß machtlos daneben und musste hilflos mit ansehen, wie sehr sie sich quälte. Ich beschloß stark zu sein, versuchte ihr Mut zu machen. Kaum aus dem Krankenzimmer hinausgegangen, ließ ich meinen Tränen freien Lauf, da die Anspannung einfach zu groß war. Nein, ich möchte hier nicht euer Mitleid erzielen sonder aufklären, daher weiter zu den Fakten. Sorry.

Wann sollte eine Chemotherapie erfolgen?
Das ist abhängig von der Krebsart und dem Stadium der Krebserkrankung. Die Ergebnisse dieser Therapie können hierbei sein:

.Heilung
.Verzögerung des Tumorwachstums
.Verminderung oder Beseitigung von Symptomen oder Beschwerden

Begleitend bekommt meine Mutter.....

DIE STRAHLENTHERAPIE
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Diese Therapie wird auch die Radiotherapie genannt. Energiereiche Strahlen werden auf die betreffenden zellgeschädigten Gewebepunkte ausgerichtet und können so vorhandene Krebszellen bekämpfen. Diese Therapie ermöglicht jedoch nur lokale Behandlung, da die Strahlen sich nicht wie die Chemotherapie im gesamten Körper verteilt.

Meine Erfahrungen in Hinsicht auf meine Mutter
Auch nach dieser Form der Therapie hat meine Mama sich ständig übergeben müssen, sie ist mittlerweile sehr geschwächt, hat rapide an Gewicht verloren und bekommt nun zusätzlich Infusionen mit einer Nährstofflösung.


WEITERE THERAPIEFORMEN
^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^
Nennen möchte ich noch die Hormontherapie, die sehr häufig bei Brustkrebs eingesetzt wird und bei der bestimmte Arzneimittel die Wirkungsweise der Hormone verändern, so dass das Wachstum der Krebszellen vermindert wird.

Des weiteren gibt es noch die operative Entfernung des Gewebes, welches vom Krebs befallen ist.

WIE GEHE ICH NUN MIT DER SITUATION UM?
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°
Gerade auch für die Angehörigen ist dies alles keine leichte Situation. Sicher, der Krebspatient ist selbstverständlich am meisten betroffen, erträgt er doch die Schmerzen, die sich immer wieder von vorn einstellen. Nach jeder Anwendung, nach jeder OP, Bestrahlung oder Hormongabe. Doch ich möchte euch die Sicht, Gefühle und das Leiden der Angehörigen auch einmal schildern, vielleicht hilft es dem einen oder anderen irgendwann einmal weiter, auch wenn ich euch allen wünsche, dass ihr diese Situation niemals durchleben müsst.

Mein Vater
Er steht der Situation sehr hilflos gegenüber, die Stimmungsschwankungen meiner Mama machen ihm sehr zu schaffen. Da meine Mutter bis November eine sehr aktive Ehefrau und liebevolle Mutter und Oma gewesen ist, begreift er nun nicht, dass sie auf einmal so hilflos ist. Ich versuche mit ihm oft über alles zu sprechen, da er meist alles in sich hineinfrisst. Ich glaube, wir beiden haben jetzt den Punkt erreicht, an dem er sich öffnet.

Junior
Der Kleine macht mir auch Sorgen, da er sehr oft bei Oma war und ein sehr inniges Verhältnis zu ihr hat. Er spricht kaum über die neue Situation und da Krebs für ihn eine ganz schlimme Sache ist (für ihn ist dies gleichbedeutend mit dem Tod), fragt er mich ständig, ob seine Oma nun noch lebt. Ich versuche auch ihm eine positive Einstellung zu der Situation zu vermitteln, allerdings gerate ich dann ebenfalls an meine Grenzen. Manchmal glaube ich, ich schaffe das alles nicht mehr aber wer soll denn hier die Familie stärken, wenn nicht ich?

Ich selbst
Tja, was soll ich sagen? Ich bin ein Einzelkind, habe keine Geschwister und versuche so stark wie möglich zu sein. Meine Angst ist, dass ich irgendwann selbst keine Kraft mehr haben werde. Ich habe eine sehr innige Beziehung zu meinen Eltern, Junior ist das einzige Enkelkind. Ich habe eine sehr schöne Kindheit gehabt, meine Mutter hat mich liebevoll erzogen und zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Sie hat mich zur Toleranz, zum Optimisten und zu einem starken Menschen erzogen. Sie ist immer für alle da gewesen, hat nie an sich selbst gedacht. Daher kann ich nun versuchen, dies alles zurück zu geben. Und ich habe mir geschworen: Ich schaffe es! Trotz meiner Neurodermitis, trotz meiner schlaflosen Nächte, trotz meiner immer wieder aufkeimenden Hilflosigkeit. Oder gerade deswegen....ich weiß es nicht.

„ Wenn ich etwas zum Heulen finde, heule ich mich leer. Kummer schlucken macht wütend und das Herz mir schwer. Wenn ich etwas zum Freuen finde, freue ich mich satt. Und ich teile meine Freude mit dem, der keine hat“ Dieser Spruch wurde von Junior aus der Schule mit nach Hause gebracht. Das bin ich!

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal für alle lieben Wünsche und tröstenden Worte bedanken, die ich von euch erhalten habe. Jeder einzelne Eintrag hat mir wieder ein wenig Kraft gegeben.
Danke auch an diejenigen von euch, die mir zusätzlich Tipps für meinen sehr kranken Kater Mäxchen gegeben haben. Es geht ihm augenblicklich etwas besser und ich hoffe, dass er das Futter nun wieder bei sich behält. Die Tierärztin hat die Infusionen eingestellt und wenn er jetzt nicht selbstständig frisst.....bitte drückt mir auch hier die Daumen.

Ein ganz besonderes Dankeschön möchte ich Julia (Neunfinger) aussprechen, die mir mit Rat und Tat zur Seite gestanden hat, ebenso wie meine übrigen Vertrauten und nochmals an alle: Danke!!!

Falls jemand unter euch sein sollte, der Erfahrungen zum Thema gemacht hat , insbesondere über Heilungschancen, würde ich mich freuen.

Ich wünsche euch und euren Familien Gesundheit und ein schönes Wochenende,

eure Christiane

Diesen Bericht teilen auf Google+
Sponsoren-Links
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Libelle_70

Libelle_70

21.08.2008 10:32

Toller Bericht! BH - Bin seit 2 Monaten in einer ähnlichen Situation wie du, auch meine Mutter mit einer Bauchinnenwand voller Metastasen (kann auch nur genetisch sein). Mich würde interessieren wie es weiterging. Sie hat letzte Woche mit der Chemo begonnen, aber ich bin nicht überzeugt von dieser Behandlung. Melde dich doch mal.

TheesC4

TheesC4

03.11.2005 19:04

Ich wünsche dir und auch deiner Familie alles Glück dieser Welt um mit dieser Situation fertig zu werden. Ich bin auch nur durch die "Vererbung" gefähret , meine oma, uroma, opa, uropa alle, meine ganze familie hatte krebs - und das schlimmste : meine mutter lässt sich nicht mal untersuchen :-/ OBwohl wundert mich auhc, dass die Untersuchungen heute noch umsonst ist!

Angela1

Angela1

10.05.2005 17:13

Dein Bericht liegt nun schon einige Jahre zurück und in diesen Jahren ist die Forschung Gott sei Dank auch voran geschritten. Da ich selbst betroffen bin, kann ich Deine Gefühle voll nachvollziehen. Ich wünsche Dir und Deiner Familie alles Gute! lg angela

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 2406 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"besonders hilfreich" von (1%):
  1. Libelle_70
  2. TheesC4

"sehr hilfreich" von (99%):
  1. Tweety-88
  2. Angela1
  3. pablo10
und weiteren 288 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.