Sex, Mord & "All That Jazz"
21.01.2003
Pro:
Gute Musik, Schauspieler, Aufmachung
Kontra:
- -
Empfehlenswert:
Ja
 firefly257
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Also zugegeben, der Broadway in New York ist schon ne feine Sache; jedoch hat die Musical-Meile einen entscheidenden Nachteil: sie ist nicht jedem zugaenglich! Und was macht man da dagegen? Richtig: man bringt die Musicals einfach auf die Leinwand und somit via Kino den Zuschauern auf der ganzen Welt naeher. Selten jedoch gelingt das genauso wie sich die Macher das gerne vorgestellt haetten. Das es allerdings auch Ausnahmen gibt, in denen wirklich alles stimmt, beweist die neueste Adaption, „Chicago“ aus dem Hause Miramax. Der Inhalt des Streifens ist technisch gesehen so kurz wie sein Titel: zwei junge Damen – die eine Cabaretsaengerin die vergeblich an altem Ruhm zehrt, die andere eine unscheinbare Hausfrau, die von der Showbiz-Karriere traeumt – haben sich beide eines Liebhabers entledigt und landen in Chicagos Frauengefaengnis, wo „Mama“ Morton die Zuegel - und die Telefonnummer des begehrtesten Anwalts der Stadt – in der Hand haelt. Beiden gelingt es auf ihre jeweils eigene Art und Weise eben jenen Anwalt, Billy Flynn, fuer ihren Fall zu gewinnen. Doch wie so oft: zwei Damen und ein Herr – das kann ja nicht gut gehen. Roxanne „Roxie“ Hart, die Hausfrau, gewinnt schliesslich das knast-interne Duell und wird als erste mit ihrem Prozess zu Gericht geladen. In diesem Medienspektakel im wilden Chicago der 20er schliesslich spielen beide Damen all ihre Truempfe aus, und auch der siegesgewohnte Anwalt ist wohl sprichwoertlich mehr Marionettenspieler als Marionette. Am Ende scheint jedoch nur eines wirklich sicher zu sein: fuer 2 Minuten Ruhm und das eigene Profil auf dem Titelblatt einer Zeitung wuerde manch einer sogar ueber Leichen gehen...
Was uns hier fuer knapp zwei Stunden in den Kinosesseln haelt, ist nicht einfach nur eine simple Adaption eines erfolgreichen Broadwaymusicals auf die Leinwand. Im Gegenteil, mit „Chicago“ hat Regisseur Rob Marshall einen Klassiker mit Liebe zum Detail neu aufbearbeitet, mit den richtigen Stars versehen, und mit Hilfe von Kameramann Dion Beebe schwungvoll in Szene gesetzt.
Und besagte Stars koennen sich selbst nach mehreren Gesangs- und Tanzauftritten noch unbeschaemt in der Oeffentlichkeit blicken lassen. Catherine Zeta-Jones, in der Rolle der nach neuem Ruhm hechelnden Velma Kelly, hatte es dabei noch am leichtesten. Konnte sie doch bereits in jungen Jahren wertvolle Musical-Erfahrungen in der englischen Auflage des Broadwayklassikers „42nd Street“ sammeln. Diese kommen ihr hier eindeutig zu Gute. Souveraen spielt sie die alternde Diva, legt ein paar elegante Hueftschwuenge aufs Parkett und versagt auch stimmlich in keinster Weise. Etwas neuer in diesem Gebiet war dagegen Renee Zellweger, die zuletzt abgesehen von „White Oleander“ vor allem mit „Bridget Jones’ Tagebuch“ als schuechternes Komoedientalent ueberzeugte. Hier gibt ihr die Rolle der „Roxie“ Hart anfangs zwar auch Gelegenheit fuer schuechternes Kopfsenken, jedoch spielt sie ab der Mitte des Films ueberzeugend die publicity-gierige Moechte-gern-Schauspielerin, taenzelt im typischen 20er-Jahre-Stil ueber die Buehne, und kann es gesangstechnisch locker mit Kollegin Zeta-Jones aufnehmen. Die fuer mich groesste Ueberraschung war jedoch Richard Gere. Dass er die Charmeur-Rolle und den Anwalt drauf hat, wussten wir ja spaetestens seit „Pretty Woman“ oder „Zwielicht“. Dafuer aber dass er sich hier auch nicht zu schade ist, gesanglich mitzueifern, oder besser noch, sogar einen astreinen Stepptanz aufs Parkett legt, muss man ihm wirklich Respekt zollen (und das hat Hollywood’s Auslandspresse ja bereits mit der Golden Globe-Auszeichnung am vergangenen Sonntag getan). Vom Rest der Besetzung, angefangen bei „Charlie’s Engel“ Lucy Liu, ueber den „Eiskalten Engel“ Christine Baranski bis hin zu Colm Feore aus der „Stadt der Engel“ (das ist jetzt aber verdaechtig mit den ganzen Engeln hier.. da steckt wohl ein System dahinter..) findet jeder den richtigen Ton bzw. die choreographische Position. Herausragend sind aber vor allem noch Queen Latifah, als Gefaengnisoberaufseherin „Mama“ Morton, sowie John C. Reilly (zur Zeit ebenfalls in „Gangs of New York“ und vor einer Weile ueberzeugend in „Magnolia“) als gehoernter Ehemann von Roxie.
Doch was den Film vor allem so mitreissend macht ist natuerlich und vor allem seine Musik. Die ganzen Kostueme, Kamerafahrten, und Tanzeinlagen waeren alle nichts wert ohne den jazzigen 20er-Jahre-Sound des Original-Musicals plus ein paar extra-Kompositionen von Danny Elfman und John Kander. Ob der ultimative anti-Maenner-Song „Cell Block Tango (They had it comin’)“ (frei uebersetzt: sie haben es nich anders verdient) oder das ohrwurmverdaechtige Intro „All that Jazz“, jeder Song erzaehlt einen Teil der Handlung und bildet gleichzeitig Bindeglied zwischen dem Geschehen auf der Leinwand und dem Zuschauer. Wer da nicht wenigstens ein klein wenig ins Schwaermen kommt, ist entweder im Kino in den falschen Film abgebogen, oder taub! Alles in allem bietet der 8-fache Golden Globe – Nominee, sowie 3 fache Globe – Gewinner (und bald auch garantiert Oscar-Nominee) die perfekte Mischung fuer einen Broadwayabend jenseits von New York. Die Handlung ist amuesant und auf ihre eigene Art auch tiefsinning, die Darsteller ueberzeugend, und die Musik bietet einfach „All That Jazz“... was will man mehr?!
Kinostart in Deutschland ist der 20.2.2003. P.S.: Ich habe den Film gluecklicherweise im englischen Original gesehen und kann nur hoffen dass die deutsche Synchronisation vor den Liedern Halt macht und lediglich Untertitel einfuegt. Alles andere duerfte den Film ruinieren.
P.P.S.: Es moege bitte niemand mit Hoffnung auf einen „Dialogfilm“ die Kinokarte fuer „Chicago“ kaufen. Hier handelt es sich um einen Musical-Film bei dem maximal ein Drittel des Film einfach gesprochener Text ist. Alles andere ist musikalisch unterlegt!
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06.04.2003 03:08
Ich weiss nicht so recht, die Art gefällt mir nicht so sonderlich. Da mich die Vorschau schon abgeschreckt hat lass ich es lieber sein darein zu gehen. Schönes Wochenende noch
05.03.2003 13:15
kaum zu glauben,dass der film in deutschland erst jetzt im kino ist.habe mir den anfang januar als original angesehen.da war der okay, aber es gibt meiner meinung auch noch bessere filme.MFG Kathi_Elfi
27.02.2003 21:34
Guter Bericht, gratuliere. Bleibt vielleicht noch nachzutragen, dass Chicago für 13 Oscars nominiert ist, so viel, wie kein anderer Film in diesem Jahr. Gruss, Georg