Everywhere It's Show Business
28.02.2003
Pro:
Inszenierung, Musik, Darsteller, Ausstattung
Kontra:
Film kommt erst langsam in Fahrt, Score geht ein wenig unter
Empfehlenswert:
Ja
 Jean-Luc_Picard
Über sich:
What we do in Life, echoes in Eternity! BvB: 2-0 in Nürnberg, in der Liga am 11/02/2012, 15:30: BvB ...
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Ich habe jetzt drei Musicals auf Leinwand gesehen und alle drei haben mich begeistert, so unterschiedlich sie doch sind. Das erste war "Evita" mit Madonna in der Hauptrolle. Das habe ich damals nur sehen wollen, weil es so einen Skandal um Madonnas Rolle gab und ich war echt begeistert von Alan Parkers Film. Das zweite war "Moulin Rouge" von Baz Luhrmann. Das war ein echt berauschendes und farbenfrohes Feuerwerk, das mich ebenfalls absolut begeistert hat. Na ja, gestern durfte ich mich dann vom dritten Leinwand Musical begeistern lassen. "Chicago" von Rob Marshall ist auch einfach nur klasse und doch kaum mit den beiden übrigen zu vergleichen. Vielleicht versuche ich im Laufe des Berichts noch einige Vergleiche anzustellen, mal sehen, ob das möglich ist. Chicago, Ende der 1920er Jahre. Man kennt die Zeit. Verbrechen, Alkohol und Jazz regieren die Stadt und alle Frauen möchten irgendwie ins Show Business. So auch die leicht naive Hausfrau Roxie Hart (Renée Zellweger), die eine ähnlich steile Karriere anstrebt, wie ihr Idol Velma Kelly (Cathrine Zeta-Jones). Allerdings gibt es da ein Problem: Roxie wird einfach nicht entdeckt und ihr Agent (und Lover) Fred (Dominic West) tut auch nicht wirklich was für die Entdeckung von Roxie. Irgendwann erkennt Roxie, dass Fred sie schändlich hintergangen hat und schießt den Kerl aus Wut über den Haufen.
Roxie landet im Knast, die Todesstrafe wartet auf sie. Im Knast trifft sie ausgerechnet auf Velma, die ebenfalls die Schießwut gepackt und Mann und Schwester umgebracht hat. Roxie wird schnell klar, dass sie kaum eine Chance hat, wenn sie nicht irgendwie berühmt ist. Velma hat den besten Anwalt der Stadt. Billy Flinn (Richard Gere) hätte sogar einen Freispruch für Jesus erwirkt, wenn dieser zu seiner Zeit leben würde und 5000 Dollar übrig gehabt hätte. Und im Knast läuft auch alles nach Bekanntheitsgrad. Oberaufseherin "Mama" (Queen Latifah) kann schon einiges in die Gänge bringen, wenn sie will und wenn sie ordentlich bezahlt wird. Eigentlich scheint alles verloren, doch Roxies hintergangener Ehemann Amos (John C. Reilly) engagiert Flinn für die Verteidigung seiner Frau. Und der veranstaltet einen Medienzirkus um die süße Blondine, der ihren Stern höher und höher steigen lässt, während Velma links liegen gelassen wird. Und so werden Gefängnis und Gerichtssaal mehr und mehr zur Showbühne für den Staranwalt...
"Chicago" ist ein Musical der etwas anderen Art. Man muss sich auf den Film einlassen. Bei mir hat das etwa eine halbe Stunde gedauert. Und man darf nicht so ein Feuerwerk wie bei "Moulin Rouge" erwarten. "Chicago" kommt eher konservativer daher, auf leisen Sohlen und wird im Laufe des Films immer pompöser und gewaltiger. Rob Marshall ist diese Inszenierung des langsamen In-Fahrt-kommen sehr gut gelungen. Denn der Film wirkt nicht langweilig zu Beginn, er ist wohl eher anders als erwartet. Die Songs sind zu Beginn eher ruhiger, die Story hat eigentlich noch nicht so die Fahrt (und das obwohl Roxie Fred erschießt). In gewissen Sinne werden in den ersten 30 Minuten die drei weiblichen Hauptcharaktere Roxie, Velma und Mama eingeführt. Und so scheint es, als ob der Film mit dem ersten Auftritt von Billy Flinn an Fahrt gewinnt. Das ist wahrscheinlich auch so, den Richard Gere liefert eine 1a-Vorstellung ab! Swingend, singend und steppend bewegt sich Gere durch den Streifen als hätte er nie etwas anderes gemacht. Alles passt perfekt. Ich habe es ja kaum für möglich gehalten, aber Gere hat den Dreh voll raus. Erinnert mich ein wenig an "Alle sagen: I Love You!" von Woody Allen, wo die Schauspieler ja auch zwischenzeitlich singen durften und dort auch einige (nicht alle...) positiv überraschten. Gere stiehlt in meinen Augen den beiden Damen die Show.
Allerdings passen Renée Zellweger und Cathrine Zeta-Jones auch optimal in ihre Rollen. Zellweger spielt die Blondine, die einerseits absolut naiv und unerfahren, andererseits ein gerissenes Luder ist, mit einer Leichtigkeit und einem Können, dass nach dem Golden Globe auch wohl der Oscar in diesem Jahr in ihre Hände fällt. Und auch anfängliche Unsicherheiten bei Gesang und Tanz (die vielleicht ja sogar gewollt sind) fallen dabei nicht wirklich ins Gewicht. Zeta-Jones ist da das genau Gegenteil von Zellweger. Sie kann auf jahrelange Bühnenerfahrung zurückgreifen und das sieht man auch bei jeder Bewegung, hört es bei jedem Ton. Mit ihrer verrauchten Stimme bringt sie den Zuschauer sehr nahe an die Welt der 20er, an das Chicago der 20er. So bringen alle drei Hauptdarsteller eine famose Leistung und überzeugen auf der ganzen Linie.
John C. Reilly hat zwar keine so große Rolle, allerdings hat er einen wirklich genialen Part, als er seinen Song singen darf. Das ist eine der stärksten Szenen des Films. Und so gewinnt "Chicago" auch von Minute zu Minute an Tempo. Das liegt natürlich auch an der Inszenierung, wobei hierbei drei Sachen besonders hervorzuheben sind: Zum einen der Erzählstil des Musicals. Vor (fast) jedem Lied gibt es eine Ansage, die dem Zuschauer direkt verdeutlicht, was Marshall mit diesem Song jetzt erreichen will. Dann natürlich die Choreographie. Gesang- und Tanzeinlagen, wo auch immer sie stattfinden (ob im Gefängnis oder im Gerichtssaal), passen einfach perfekt und die jeweiligen "Räume" verwandeln sich ohne Bruch in glitzernde Showbühnen, glamouröse Welten. Womit ich beim dritten Punkt wäre: Die Kulissen. Wahnsinn! Mehr fällt mir dazu nicht ein. War bei "Moulin Rouge" die Ausstattung schon absolut pompös und gewaltig, so sind sie das bei "Chicago" auch, allerdings auf eine etwas andere Art und Weise. Die Welt des "Moulin Rouge" war ein glitzernder, glamouröser Aufguss, gemacht für die Reichen der Reichen und fürs reine Vergnügen, die Welt des "Chicago" ist eigentlich eine triste Welt. Schließlich spielt der Großteil im Gefängnis und die Welt wird nur dann glitzernd, wenn die Hauptdarsteller daraus entfliehen (wollen), wenn sie träumen und ihren Phantasien freien Lauf lassen.
Natürlich darf man die Musik nicht außer Acht lassen. Ich bin kein Jazz-Fan, aber die Songs haben mir durchweg gefallen. John Kander, verantwortlich für die Songs, findet einen Mittelweg zwischen Ruhe und Ausgelassenheit, zwischen Tristesse und Glamour. Viele der Songs werden mit Sprechgesangspassagen vermischt, was bei der Weiterführung der Geschichte sehr dienlich ist. So werden Inhalte des Films mit den Ideen der Charaktere vermischt. Wenn Roxie zum Beispiel ihr erstes Interview vor der Presse gibt und das Ganze dann schließlich in eine Billy Flinn Ein-Mann-Show umschlägt, weil Roxie sich vor der Presse wie eine Puppe benehmen soll, die nur das zu sagen hat, was der Anwalt ihr eingetrichtert hat, dann zeigt das auch das ganze Wesen der damaligen Welt. Auch so prägen sich die Songs recht schnell ein. Leider bleibt da der Score von Danny Elfman ein wenig auf der Strecke. Der Film schafft auf jeden Fall eines. Man verlässt swingend den Saal und ist wirklich bester Laune. Kann ich nur empfehlen. Auf jeden Fall ein heißer Kandidat für diverse Oscars!!!
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06.04.2003 03:07
Ich weiss nicht so recht, die Art gefällt mir nicht so sonderlich. Da mich die Vorschau schon abgeschreckt hat lass ich es lieber sein darein zu gehen. Schönes Wochenende noch
04.03.2003 19:25
Evita ist gut, Moulin Rouge meiner Meinung nach nicht zu toppen - mal sehen, was Chicago für Erkenntnisse mit sich bringt.
28.02.2003 12:21
Danke für Deinen super Tip.