Überbewertet
23.03.2003 (24.03.2003)
Pro:
Erstaunlicher Schnitt
Kontra:
Aufdringlich
Empfehlenswert:
Nein
 Raileigh
Über sich:
Hier erwarten Euch Texte ersonnen aus subjektivem Verbraucherempfinden. Auch für das Lesen benötigt ...
Mitglied seit:10.01.2000
Erfahrungsberichte:419
Vertrauende:87
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 47 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Amerikas Hang zur Selbstüberschätzung manifestiert sich - abgesehen von seiner Regierung - häufig in seiner Filmindustrie. Jüngstes Beispiel: Chicago. Es war schon ein bisschen peinlich für die amerikanische Unterhaltungsbranche, als im letzten Jahr ein Australier den USA - also dem Land, das das Showbizz erfunden hat - vorführte, wie man ein spritziges Musical inszeniert. Nach "Moulin Rouge" wähnte sich Hollywood im Zugzwang. Es trompetete laut, als es mit der Präsentation von "Chicago" angab und begann ein Wettrüsten im Showtanz: schriller, lauter, aufdringlicher. Was bei "Moulin Rouge" einfallsreich erzählt wird, holpert bei "Chicago" durch eine Nummern-Revue. Gut, es ist dem Vorbild von Bob Fosse's berühmten Bühnenmusical getreu nachinszeniert. Bob Fosse's Seele blickt deutlich hinter dem ganzen Stück hervor. Regisseur Rob Marshall brauchte nur noch abschreiben. Bühnendramaturgie und Filmdramaturgie unterliegen nun mal unterschiedlichen Gesetzen. Selten gelingt es ein Bühnenstück attraktiv mit der Kamera einfangen, wenn es nicht geschickt umgestrickt wurde. Die wenigen Ausnahmen gehören zu den spärlich gesäten Kunstwerken.
Die Tänzerin und Nachtclubsirene Velma (Catherine Zeta-Johnes) erschießt ihre Schwester, die sie mit ihrem Freund betrügt. Sie tanzten als gefeiertes Nachtclub-Duo, bis der Betrug zu einer Kurzschlusshandlung führte. Peng. Die naive blonde Roxie (Renée Zellweger) möchte unbedingt auf die Showbühne. Ihr Geliebter, mit dem sie ihren Mann betrügt, verspricht ihr eine Riesenkarriere. Er gesteht, dass er alles nur versprochen hat, um sie ins Bett zu bekommen, worauf sie ihn erschießt. Peng. Trotzdem der gehörnte Ehemann alle Schuld auf sich nimmt. Um Roxie vor dem Knast zu bewahren landet die junge Frau im Gefängnis. Nächste Haltestelle: Galgen. Im selben Knast sitzt bereits Velma ein. Ihre Aussichten sähen genauso erbaulich, wäre da nicht die Knastaufseherin Mama Morton (Queen Latifah). Für ein recht großzügiges Honorar, vermittelt sie erst Velma und dann Roxie einen Anwalt, den eitlen, erfolgsverwöhnten Billy Flynn (Richard Gere). Gere spielt diese durchtriebenen Schweinehunde immer wieder mit großer Eleganz. Flynn vertritt jedoch immer nur sich selbst. Sein Glanz ist das einzige, das zählt. So inszeniert er die armselige Roxie als Opfer, bis es von der Presse geliebt wird. Während Roxie noch glaubt, alles drehe sich nur um sie, schaut sich der windige Anwalt bereits nach dem nächsten prestigeträchtigen Objekt um. Flynn hat noch nie einen Fall verloren, also gewinnt er auch diesen, unser Blondchen kommt frei und tanzt schließlich als Velmas Schwesternersatz auf der Bühne.
Das Hauptthema von Bob Fosse war immer die menschliche Eitelkeit, die gepaart mit dem naiven Glauben auftritt, alles drehe sich nur um einen selbst. So verwundert es wenig, das in der Geschichte, die "Chicago" erzählt nicht eine einzige sympathische Figur zu erkennen ist.. Alle sind sie entweder karrieregeil, hinterhältig, verlogen oder egoistisch. In den meisten Fällen gehören diese Eigenschaften zu einem Komplettpaket. Das gilt für den windigen Anwalt genauso, wie für die Roxie und auch für den naiven Ehemann, der zumindest auf naive Art egoistisch ist.
Renée Zellweger zickt dürr und klapprig vor sich hin. Vom Schokoladenfrühstückspummelchen ist nichts übrig. Lediglich ihre angenehme Singstimme ist der einziger erwähnenswerte Pluspunkt. Catherine Zeta-Johnes sieht zwar schön aus. Als Tänzerin wirkt sie aber zu stämmig. Man nimmt ihr das jahrelange disziplinierte Training einer Tänzerin nicht ab. Sobald Richard Gere die Szene betritt bekommt der Film Glanz und Glamour. Ein Souverän auf dem Terrain des schmierigen Anwalts. Man kann ihn bestimmt nicht als brillanten Sänger und Tänzer verkaufen. Doch ist er ein Profi als Darsteller und das Manko im stimmlichen Volumen macht er mit seinem Spiel und seiner Mimik wett. John C. Reilly spielt den gehörnten Ehemann - bescheiden und bedauernswert. Er erreicht damit als einziger eine gerechtfertigte Oscarnominierung, abgesehen vom Schnitt, der ebenfalls hervorragend ist. Queen Latifa als Gefängnisaufseherin besitzt zwar eine füllige Stimme, die mit ihrem unübersehbaren Körper harmoniert, aber die Gefängnisaufseherin, vor der alle kuschen sollten, bringt sie nicht autoritär genug rüber. Stattdessen sitzt sie in ihrem Büro und lässt sich von den jeweiligen Stars unter den Häftlingen herumdirigieren. Auch eine nicht nachvollziehbare Oscarnominierung. Der Film "Chicago" wirkt aufdringlich, prätentiös und bemüht. Er hat mich über weite Strecken gelangweilt und verärgert. In diesem "berauschenden Cocktail aus Erotik, Musik, Tanz und Schauspiel der Spitzenklasse..." wie ich es kürzlich in einem Kinomagazin las, wurde solange rumgerührt, bis er nach nichts mehr schmeckte. Ich habe am Oscarabend vor der Glotze gesessen und mich geärgert über all die Oscars, die er unverdient bekam.
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02.07.2006 10:00
mies würde ich jetzt nicht unbedingt sagen.die musik war ganz gut,sie gaben sich mühe,die kostüme waren klasse (bin grosser fan der 20er und 30er) und es gab wohl eine nette,sympathische person: die einzig wahre unschuldige in diesem frauenknast,diese russin,die man unschuldig hingerichtet hat.überbewertet fand ich ihn allerdings auch,zumal ich renee zellweger so furchtbar finde: die stakst da 2 stunden rum wie ein skelett in unterwäsche und strümpfen.....halt ! nein,jedes skelett würde fett neben ihr wirken und wohl auch deutlich weiblichere formen haben.an zeta-jones' stelle hätte ich wohl arge komplexe bekommen.
07.06.2003 15:08
genau meine Meinung, der FIlm ist absolut mies. Vemrutlich bekam er die Oscars aus Prestige, um Moulin Rouge entgegenzuwirken und die Amis als nicht ganz so unfähig darzustellen. Fehlschuss.
06.04.2003 03:08
Ich weiss nicht so recht, die Art gefällt mir nicht so sonderlich. Da mich die Vorschau schon abgeschreckt hat lass ich es lieber sein darein zu gehen. Schönes Wochenende noch