Erfahrungsbericht über

Children of Men [SE] [2 DVDs] (DVD)

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Wie es niemals sein sollte...

5  27.04.2011

Pro:
Darsteller, Atmosphäre, Schauort

Kontra:
-

Empfehlenswert: Ja 

Isolation

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:23

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 39 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

„Children of Men“ - Wie es niemals sein sollte...

Tag liebe Leser und Filmfreunde,

heute geht’s um einen meiner absoluten Lieblinge, den ich euch gerne etwas näher und genauer vorstellen will. „Children of Men“ ist wohl in seiner Form einer der beeindruckendsten und deutlichsten Eindzeitfilme, die es in diesem Genre gibt. Für mich ist er sogar das beste filmische Erlebnis aus dem Themengebiet. Regisseur Alfonso Cuaròn schaffte ein Meisterwerk, welches zugleich ein Spiegelbild der Gesellschaft ist.
Es ist absolut unverständlich, dass der Film damals im Kino unterging. Mit einem Einspielergebnis von ca. 70 Millionen $ hatte man schon Mühe die eigentlichen Produktionskosten (ca. 76 Millionen $) wieder einzuspielen. Warum der Film mehr Aufmerksamkeit verdient hat, erfahrt ihr in diesem Bericht.

„Children of Men“ - Die Handlung


Die Nachrichten:
Seattle. Heute tausend Tage im Belagerungszustand.
Die islamische Gemeinde fordert ein Ende der Besetzung von Moscheen durch die Armee.
Das Heimatschutzgesetz wurde heute ratifiziert. Nach acht Jahren bleiben die Grenzen Grobritanniens geschlossen. Die Deportation illegaler Einwanderer wird fortgesetzt.
Aber die Meldung des Tages ist eine andere. Diego Ricardo, der jüngste Mensch auf der Welt, wurde heute von einem wütenden Fan getötet. Es ist ein Tag, den wohl alle Menschen in Trauer verbringen werden. Baby Diego wurde 18 Jahre, 4 Monate, 20 Tage, 16 Stunden und 8 Minuten alt.

Willkommen im Jahr 2027. Unsere Welt hat sich verändert. Bereits seit über 18 Jahren wurde kein Kind mehr geboren. Woher die Unfruchtbarkeit der Frauen kommt, weiß keiner genau. Manche vermuten, dass die Ursache genetische Experimente waren oder die Umweltverschmutzung eine Rolle spielt.

Eines ist jedoch Gewiss: Keine Kinder, bedeuten keine Zukunft. So herrscht die Hoffnungslosigkeit auf der Welt. Kriege haben den Planeten verwüstet, in den Straßen verbreiten sich Seuchen, religiöse Gruppen ziehen durch die Städte und der Terrorismus erreicht neue Ebenen. Überall trifft man das Chaos an. Paris, Moskau, Washington, Brüssel, Hong Kong, Berlin, Shanghai, New York und andere große Städte zerfallen. Nur ein Land kämpft dagegen an.

Großbritannien – der Schauort von „Children of Men“ - hat seine Grenzen geschlossen und sich vom Rest der Welt getrennt. In dem Land gibt es strengste Polizeikontrollen und illegale Einwanderer werden verfolgt und in abgeriegelte Gebiete gesteckt. Die Regierung will kein Risiko auf Anschläge eingehen.

Der desillusionierte Regierungsagent und ehemalige Aktivist Theo (Clive Owen) lebt mitten in diesem Wahnsinn. Er hat das Ende der Welt hingenommen, ertränkt seinen Kummer in Alkohol. Doch dann bittet ihn seine Ex-Frau Julian (Julianne Moore) um einen Gefallen. Die ist Anführerin in einer Widerstandsbewegung und in dieser befindet sich auch die illegale Immigrantin Kee (Claire-Hope Ashitey). Die wird natürlich vom Staat gesucht und verfolgt. Das Besondere an ihr: Sie ist schwanger. Gemeinsam mit seiner
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Verzweiflung, Terror und Kälte ...
Ex-Frau und einigen anderen Widerstandskämpfern, soll Theo die Frau in Sicherheit bringen. Ziel ist das „Human Project“. Eine angeblich geheime Einrichtung, die für den Erhalt der Menschheit kämpft...

„Children of Men“ - Kritik


Der Film ist keine leichte Kost und behandelt ein ernstes Thema. Im Mittelpunkt der Handlung steht natürlich, dass die Menschheit unfruchtbar ist und das Theo die einzige Hoffnung beschützen muss. Doch gleichzeitig zeigt man hier verstörende Bilder, die wir alle zu kennen scheinen und uns demnach nicht fremd sind.
Ob es nun die Kriege in den Straßen sind, die an die Konflikte im Nahen Osten angelehnt sind oder die abgeriegelten Gebiete der illegalen Einwanderer, die an Zustände der Konzentrationslager erinnern. Das ist alles von Alfonso Cuaròn beabsichtigt und so trägt der Film eine deutliche Gesellschaftskritik mit sich. Der Zuschauer bekommt Einblicke, wie Menschen ohne Grund erschossen oder wie unschuldige Immigranten von Soldaten gefoltert werden. Diese Bilder sind erschreckend und doch hält man sie nicht für völlig unmöglich. Dass der Mensch zu solchen Sachen fähig ist, hat die Geschichte oft bewiesen und die Gegenwart tut es immer noch.

Während des ganzen Filmes herrscht eine bedrückende Atmosphäre. Auch hierfür sind die Szenen des Films verantwortlich, die einfach nur perfekt und optisch überragend designt sind. Überall auf den Straßen liegen Müllsäcke, die Luft ist sichtbar verschmutzt und ständig gibt es scheinbar ziellos Anschläge auf Gebäude oder Menschengruppen. Der Zuschauer bekommt auch immer wieder Rückblenden in die früheren Tage der Menschheit. So werden im Film kaputte und schmutzige Spielplätze oder alte Schulen gezeigt. Einblicke aus längst vergessenen Tagen.
Außerdem sind die Bilder in eher grauen Farbtönen festgehalten und sorgen für die entsprechende „Das-Ende-ist-nah-Atmosphäre“. Und dieser kann man sich als Zuschauer nur noch sehr schwer entziehen.
Auffallend ist auch, dass die Haltung von Haustieren zugenommen hat. In fast jedem Haushalt kann man Hunde oder Katzen antreffen – ein Ersatz für die Kinder.

Besonders spannend fand ich auch, dass der Film sehr vielschichtig ist und nicht nur eine Zuschauergruppe ansprechen will. Zwar gibt es nicht durchweg schnelle und actiongeladene Passagen, aber gegen Ende nehmen sie sichtlich zu – ohne deplatziert zu wirken. Doch gleichzeitig werden auch anspruchsvolle Besucher angesprochen und mit tollen Dialogen und fantastischen Charakteren unterhalten.
Jede einzelne Person wirkt für sich glaubhaft und abgeschlossen. Es gibt keine Einbrüche und selbst Nebenfiguren versprühen eine überraschend tiefe Persönlichkeit. Die einzelnen Gespräche und Unterhaltungen sind auch ganz wunderbar geschrieben. So philosophiert man zum einen über die Gründe der Unfruchtbarkeit und über die allgemeine Lage der Welt und gleichzeitig sind auch die Dialoge in Bezug auf die schwangere Kee klasse geschrieben. „Children of Men“ verfügt demnach über ein erstklassiges Drehbuch und deshalb ein großes Lob an Alfonso Cuaròn und Timothy J. Sexton. In erster Linie muss man aber wohl P. D. James danken, denn der Film basiert auf ihrem Roman und sie hat somit die meiste Arbeit schon im Vorfeld geliefert.

Der Streifen ist mit Clive Owen, Julianne Moore und Michael Caine perfekt besetzt und das merkt man ihm in jeder einzelne Sekunde an. Die Schauspieler laufen hier zur absoluten Höchstform auf und Clive Owen hat wohl hier einen seiner besten Auftritte überhaupt. Er verkörpert seine Figur derart glaubhaft, dass er hierfür eigentlich eine Oscar-Nominierung verdient hätte. Er wirkt auf den Zuschauer ausgebrannt, von der Hoffnung verlassen und sein Leben ist nur noch ein Wrack – wie die Welt selbst. Ein deutliches Zitat von ihm aus den Film:

„Human Project? Warum glauben die Leute diesen Scheiß? Selbst wenn es diese Leute gäbe und ihre geheimen Einrichtungen, die sie da haben sollen. Selbst wenn sie ein Mittel gegen die Unfruchtbarkeit entdeckt hätten, es spielt keine Rolle. Zu spät. Die Welt ist sowieso im Arsch. Und weiß Du was? Es war schon zu spät, bevor das mit der Unfruchtbarkeit passiert ist, verflucht nochmal.“

Na, merkt ihr sie? Ein deutliches Zitat, bei dem man die Kritik an der heutigen Gesellschaft spürt.
Obwohl Julianne Moore nur einen relativ kurzen Auftritt hat, gehört sie doch auch hier zu den besten Darstellern dazu. Sie haucht ihrer Person das Leben ein und gibt ihr die nötige Tiefe, die sie braucht. Auch Michael Caine legt hier eine klasse Vorstellung hin. Er spielt einen aufgeblühten und sympathischen Hippie. Er gibt dem Zuschauer mit seiner Art auch Hoffnung, während wir von den anderen Figuren eher den Schmerz und das Leid erfahren müssen. Die anderen Nebendarsteller, wie etwa Claire-Hope Ashitey oder Chiwetel Ejiofor, liefern auch eine starke Vorstellung ab. Natürlich zählen sie nicht zu den ganz großen Namen dazu, aber dies merkt man ihnen überhaupt nicht an. Man kann also festhalten, dass die schauspielerischen Leistungen durchweg perfekt sind.
Ich kann's nur noch einmal sagen: „Children of Men“ hat durchweg interessante Charaktere in der Handlung und hat ein außerordentlich gutes adaptiertes Drehbuch zu bieten.

Außerdem verfügt der Film über eine erstklassige Kameraarbeit und einen sehr guten Schnitt – zurecht waren sie auch Oscar nominiert. Wobei ich nicht verstehen kann, wie „Children of Men“ nicht einen davon gewinnen konnte. Besonders die Kamera hätte diesen Preis verdient. So fühlt man sich doch die ganze Zeit mitten im Geschehen und das Werk wirkt stellenweise schon fast wie ein Dokumentarfilm. Auch die Schnitte sind sehr gelungen, weil es nämlich fast keine gibt. Der Film schafft es stellenweise fast 15 Minuten ohne eine Unterbrechung auszukommen. Da steckt viel Arbeit dahinter und ist eine Seltenheit. Bleibt mir absolut unverständlich, warum man diese Mühe nicht belohnt hat. Auch das adaptierte Drehbuch war im Jahre 2007 für den Oscar nominiert – doch auch hier kein Erfolg. Den hat dann doch – mir auch unverständlich - „Departed“ gewonnen.

Was ich an „Children of Men“ noch sehr gelungen fand, war das Ende selbst. Es schenkt dem Zuschauer zwar Hoffnung, aber es ist gleichzeitig verstörend und traurig. Der Film beweist eindrucksvoll, dass sich niemals alle Menschen die Hand reichen und vielleicht sind wir uns in der Hinsicht auch einfach zu „stolz“. Jedenfalls rundet die letzte Sequenz dieses meisterliche Filmerlebnis ab.

„Children of Men“ - Bild- und Tonqualität


Der Punkt steht heute mal für sich alleine, weil das Bonusmaterial recht umfangreich ist.

Bei dem Bild muss man natürlich bei der Bewertung aufpassen, denn hier gibt es ganz klar gewollte Einbrüche, die den Realitätsgrad steigern sollen. So landet in einigen Fällen Schmutz oder Blut auf der Kamera. Dies ist jedoch Absicht und ist ein eindeutiges Stilmittel des Filmes. Dabei ist es aber beeindruckend, dass das Bild nicht unscharf wirkt. Man liefert hier saubere Arbeit ab. Deswegen kann ich gerne über kleinere Unschärfen hinwegsehen, die manchmal in der Entfernung auftreten.
Die Tonqualiät ist ebenso sehr gelungen und besonders Explosionen oder sonstige Ereignisse im Film haben einen gewaltigen und sehr guten Sound. Den Soundtrack selbst – also die Musik – würde ich als gelungen bezeichnen. So setzen stellenweise Klavier- oder Opernstücke, die absolut passend zum Szenario sind. Der ganze Film wurde natürlich entsprechend deutsch und – in meinen Augen auch – gelungen synchronisiert. Da hat man schon viel schlechteres gehört. Doch auch hier rate ich wieder zum Originalton, da beispielsweise Clive Owen eine vollkommen andere Stimme hat als sein deutscher Synchronsprecher.

Bonusmaterial


Die 2 Disc Special-Edition - um welche es hier geht - bietet noch eine zusätzliche DVD mit Bonusmaterial. Man bietet dem Zuschauer somit viele Gelegenheiten, um die Hintergründe des Filmes oder andere Sachen zu erfahren.
Auf der ersten DVD – auf welcher sich auch der Film befindet – gibt’s zusätzlich auch noch eine Art „Making Of“, in welchem man sieht, wie bestimmte Szenen gedreht wurden und wie schwierig es auch war, den Film mit derart wenig Schnitten herzustellen.
Bonus-Disc

Insgesamt findet man hier sechs Punkte vor, die alle etwa um die 5 bis 10 Minuten gehen. Den Umfang und die Anzahl der Extras würde ich als gelungen und durchweg informativ bezeichnen. Vorweg: Ich nenne euch hier nur fünf Punkte, da der andere euch spoilern könnte und sowas versuche ich immer zu vermeiden.

“Children of Men“ - Kommentar von Slavoj Zizek
Mag man sich nun sicherlich streiten, ob man dieses Extras braucht, aber ich fand es interessant und mag sowas recht gerne – von daher, gefiel es mir sehr gut. Der Philosoph und Kunstkritiker Slavoj Zizek berichtet hier über seine Meinung zu dem Film und versucht einzelne Botschaften zu entdecken.

Unveröffentlichte Szenen
Hier könnt ihr euch 4 rausgeschnittene Szenen anschauen. Nichts neues, altbekannt.

Theo und Julian
In diesem Punkt wird die Beziehung zwischen Julian und Theo angeschnitten. Außerdem gibt’s Informationen und Aussagen zu den beiden Charakteren. Auch Schauspieler Clive Owen und Schauspielerin Julianne Moore berichten über ihre Meinung.

Futuristisches Design
Wie hat man die Kulisse erschaffen? Darum geht es hier zum größten Teil. Da ich das Setting ja grandios fand, war dies bei den Extras mein Favorit.

Es bleibt Hoffnung
Und zum Abschluss gibt es noch einmal Philosophie von Herrn Zizek. Eigentlich unnötig, aber sicher nicht uninteressant oder langweilig dargestellt.


An den Extras habe ich sonst nichts auszusetzen. Regisseur, Producer und auch Schauspieler haben hier ihre Meinungen vertreten und sie gut dargestellt. So sollte es doch sein.

„Children of Men“ - Daten


Originaltitel: Children of Men
Deutscher Titel: Children of Men
Entstehungsland: Großbritannien, USA
Entstehungsjahr: 2006
Laufzeit: ca. 106 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Regisseur: Alfonso Cuaròn
Musik: John Tavener
Drehbuch: Alfonso Cuaròn, Timothy J. Sexton – nach einem Roman von P. D. James
Produzenten: Eric Newman, Hilary Shor, Marc Abraham, Iain Smith, Tony Smith
Kamera: Emmanuel Lubezki (Vielen Dank für diese Arbeit!)
Schnitt: Alex Rodriquez

Theo: Clive Owen
Kee: Claire-Hope Ashitey
Luke: Chiwetel Ejifor
Jasper: Michael Caine
Julian: Julianne Moore
Patric: Charlie Hunnam
Miriam: Pam Ferris
Sid: Peter Mullan

„Children of Men“ - Fazit


Eine Welt ohne Kinder? Unmöglich. Wenn die Menschheit weiß, dass bald ihr Ende kommt, dann ist alles vollkommen egal. Kriege, Umwelt oder der langsame Zerfall der Kultur. Es spielt keine Rolle mehr, weil in hundert Jahren sowieso niemand mehr da ist. Die Welt stirbt, jedes Jahr ein bisschen mehr. Und diese – für uns vollkommen fremde – Situation, stellt der Film ganz gewaltig und doch auch vertraut dar. „Children of Men“ hat ein wunderbares Drehbuch, hat fantastische Schauspieler, eine tolle Musikunterlegung und eine starke Kulisse zu bieten. Ich habe bisher in keinem einzigen Film eine so starke und verstörende Zukunfts-Vision gesehen.
Und der Film ist nicht zuletzt wegen seiner Gesellschaftskritik so wichtig und einprägsam. Er zeigt uns Menschen und den Wahnsinn ins uns. Und diesen zeigt er ehrlich und ohne Angst. Ein Meisterwerk!

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
esp1

esp1

02.05.2011 14:32

hört sich wirklich interessant an. lg

Oberlisbler

Oberlisbler

30.04.2011 07:59

Dank Gen-Technik in manchen Nahrungsmitteln - evtl. zusammen gemixt mit einem Schuss aktueller nur in Kurzzeit getesteter Chemie in Medikamenten - wäre auch dieses Szenario für die Zukunft durchaus denkbar. Die zunehmende Radioaktivität wäre nicht die einzige Diskussionsgrundlage für eine Ethik-Kommission in Germany! Die Kakerlaken könnten dann endlich die Weltherrschaft übernehmen ... upsss ... haben sie das nicht schon getan? Toller Bericht! BH & LG Günter ;-)

BioGefaerdung

BioGefaerdung

29.04.2011 21:10

Mal ausleihen...und wehe der ist net gut!!!! :D

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