Chinchilla, Heimtier und Patient / Guido Schweigart

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Was fehlt meinem Chinchilla?

5  10.08.2002

Pro:
man findet alle Krankheiten, ihre Sympthome und Uraschen in einem Buch

Kontra:
kann keinen Tierarzt ersetzten !  !  !

Empfehlenswert: Ja 

Gaby2907

Über sich: Männerfeindlich, zickig und stur, manchmal aber auch ganz lieb *g*

Mitglied seit:01.10.2001

Erfahrungsberichte:63

Vertrauende:49

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 188 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet


Fast jeder Tierbesitzer steht irgendwann in seiner Rolle als „Tiermutter oder Tiervater“ vor seinem Tier, welches sich so anders als sonst verhält und weiß nicht, ob und was ihm fehlt. Es liegt schlapp in der Ecke und mag nicht fressen... liegt es an der Hitze oder ist er ernsthaft krank? Das Auge tränt... also gleich damit zum Tierarzt?

Als stolze Chinchilla Mama und Hobbyzüchterin lernt man seine Tiere mit der Zeit sehr gut kennen. Auch das ein oder andere Wehwehchen kann man heilen, ohne sofort den Tierarzt aufsuchen zu müssen.

Bitte nicht falsch verstehen: Sobald ein Tier ernsthaft krank ist oder ohne ersichtlichen Grund plötzlich abnimmt, sollte man natürlich sofort einen geeigneten Tierarzt aufsuchen!

Doch schon alleine zur ersten Analyse und für Sofortmassnahmen ist ein geeignetes Buch über die Krankheiten, ihre Symptome, ihre Ursache und ihre Behandlung sehr hilfreich.

Dieses Buch habe ich nun gefunden, es wurde von Guido Schweighart geschrieben und nennt sich: “Chinchilla, Heimtier und Patient“

Meine bereits etwas ältere Ausgabe des „Vet- spezialBuches“ wurde 1995 herausgegeben. Inzwischen gibt es natürlich einige Neuauflagen davon. Ursprünglich für Tierärzte gedacht findet es auch immer größeren Nutzen in der privat Haltung.

Es geht schon auf der ersten Seite los, dass Guido Schweighart ein paar Aufklärende Worte zur Anschaffung und Haltung der Chinchillas gibt. Da gerade diese ursprünglichen Pelztiere immer mehr in den deutschen Haushalten als sogenannte „Spieltiere“ Fuß fassen, fehlt es sehr an Aufklärung über die Verhaltensweisen und die Haltung dieser exotischen Nager.

Ich werde auf einige Absätze des Buches ein bisschen eingehen und ihn in meinen Worten kurz zusammen fassen, damit Ihr Euch ein Bild über Guido Schweigharts: Chinchilla, als Heimtier und Patient“ machen könnt.

Die Herkunft:
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Schweighart erklärt, woher die Chinchilla ursprünglich stammen, aus den Ahnden, Mittelamerika. Wegen des Felles gejagt sind diese heute fast ausgestorben, wobei dies inzwischen weniger an dem Bestand der Tiere selber liegt, als vielmehr an der unzureichenden Nahrung.

Der Bewegungsapparat:
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Der Bewegungsaufbau/ Apparat der Chinchillas wird von Schweighart ähnlich dem der Hasen beschrieben. Jedoch ist die Geschwindigkeit und das Sprungvermögen bei Chinchillas sehr viel schneller und stärker ausgebildet. So können sie bereits aus dem Stand bis zu 1 Meter hoch springen und fast 2 Meter in die weite. Schweighart beschreibt fasziniert die sogenannten „Ecksprünge“ der Tiere, den sie bei der Flucht häufig anwenden. Sie springen in eine Nische, stoßen sich dort ab und flüchten in die entgegengesetzte Richtung. Die kräftigen Hinterläufe machen die etwas schwächeren und kürzeren Vorderbeine somit wieder wett. Die Vorderfüsschen werden bei Chinchillas meist zum Fressen gebraucht. Sie nehmen ihr Futter mit dem Mund auf, setzten sich dann auf die Hinterbeine und nehmen mit ihrem Pfötchen das Futter dann in die Hand um es „abzunagen“.

Der Verdauungstrakt:
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Chinchillas sind Nagetiere, deren Zähne permanent nachwachsen. Diese sollten sich beim Nagen und fressen selbständig abnutzen. Die Zähne sollten hellgelb bis ockerfarben sein, hellere oder gar weiße Zähne wie beim Menschen deuten deshalb auf einen Mineralstoffmangel hin. Schweighart beschreibt weiter sehr detailliert, wie viele Zähne und in welcher Reihenfolge sie beim Chinchilla angeordnet sind.

Der Verdauungstrakt unserer Chinchillas ist stark an seine karge Kost in seiner ursprünglichen Heimat angepasst. Viele unserer westlichen Chins leiden deshalb unter der wohl gut gemeinten, aber dennoch falscher Ernährung und Fütterung durch ihre Menschlichen Freunde. Falsches Futter kann zu sehr schweren Magen/ Darmerkrankungen führen. Der Darm der Chinchillas ist ca. 2,5 Meter lang, sehr schnell können sie an Verstopfung oder Durchfall erkranken, was nicht selten zum Tode der Tiere führen kann.

> Schweighart zeigt anhand von Bildern die unterschiedlichen Köttelgrößen. Wie sie richtig aussehen sollten, welche Form auf eine Verstopfung hinweißt und welche auf zu weichen Kot.

Haut und Haarkleid:
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Das einzigartige Fell der Chinchillas ist in der Tierwelt einmalig. Von den feinen Härchen wachsen bis zu 60 Stück aus einer Wurzel! Die einzelnen Haare stehen dabei vom Körper senkrecht ab. Die Form des Felles wird von einzelnen, verstreut gesetzten, sog, Grannenhaaren gesteuert. Diese sind etwas dicker und stärker als die normalen Haare und stehen dem Fell etwas über. Wenn man ein Chinchilla gegen das Licht hält kann man dieses meist sehr gut erkennen.

Als wirksamer Schutz gegen ihre natürlichen Feinde wie z.B. der Greifvogel, haben die Chinchillas einen besonderen Trick. Sie können Fell abwerfen, was bedeutet, dass man beim plötzlichen Zupacken nur Fellbüschel in der Hand hält, während das Tier flüchten kann.

Einen guten Schutz bietet das Fell auch gegen die Kälte, da in den Hochlagen der Anden oft ein eisiger Wind weht. Keine Hilfe bietet es jedoch bei Nässe, das Fell würde verkleben, da es nicht mit einem Fettfilm überzogen ist. Chinchillas besitzen keine Talg und Schweißdrüsen. Auch können Chinchillas nicht schwimmen: Das nasse Fell würde sich wie ein Schwamm aufsaugen und das Tier würde ertrinken.

Zur Reinigung des Felles brauchen die Chinchillas somit auch kein Wasser, sondern speziellen Sand (keinen Vogelsand!) um sich darin zu wälzen.

Der Fellwachstum verläuft sehr langsam. Abgestoßene Haare brauchen bis zu 3 Monaten oder länger, bis es vollkommen nachgewachsen ist.

Die Haut der Chinchillas ist sehr dünn. Was gerade bei notwendigen Spritzen zu Abszessen führen kann, die jedoch zumeist von selbst vollständig abheilen.

> Schweighart erklärt auch hier sehr anschaulich und mit einigen Bildern unterstützt wie das Haarkleid stark vergrößert aussieht.

Die Sinnesorgane:
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Alle Sinnesorgane sind bei dem Chinchilla sehr ausgeprägt. Die großen Augen sind an die dämmerungs- und nachtaktiven Tierchen angepasst. Dadurch, das ihre großen Kulleraugen ein bisschen hervorstehen haben Chinchillas ein weiteres Gesichtsfeld, das sich auch nach hinten oder nach oben erstreckt. Sehr gut sehen können die Chinchillas damit nicht, dieser Mangel wird aber durch die Tasthaare und den Geruchsinn wieder ausgeglichen.

Die Ohren des Chinchillas und ihr Hörvermögen ist dagegen sehr gut ausgeprägt. Die Ohrmuscheln sind beweglich und regulieren neben dem Hören auch die Körpertemperatur der Tiere.

Die Verständigung unter Chinchillas findet mit Lauten statt. Das kann sich wie ein quietschen anhören, jedoch auch eine Art bellen und fiepen, je nach Alter des Tieres, Situation und Grund.

Der Tast- und Geruchsinn sind gerade für Nachttiere wie die Chinchillas sehr wichtig. Besonders die langen Barthaare sind für die Abschätzung der weite bei einem Sprung sehr wichtig. Sie werden parallel mit den Augen und dem Geruchssinn eingesetzt um einen sicheren Sprung abzuschätzen.

Der Geschmacksinn der Tiere ist sehr ausgeprägt. So mögen sie sehr gerne alles süße und süß schmeckende an Nahrung, welches sie dann jedoch zumeist aufgrund ihrer Verdauung nicht vertragen können. Gleichzeitig besteht eine Abneigung gegen fast alles bittere und saure.

Die Fortpflanzung:
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Die Geschlechtsteile von männlichen und weiblichen Chinchillas sind sich sehr ähnlich. Daher kommt es sehr häufig vor das man die beiden verwechselt. Anhand von Bildern kann man dies aber sehr gut erkennen und man lernt es auch zu unterscheiden.

Die Zykluslänge beim weiblichen Chinchilla liegt bei 28 bis 35 Tagen. Oft fallen aber auch Hitzen aus, gerade über den Winter werfen sehr wenige Tiere.

Die Trächtigkeit:
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Wird das Weibchen bei der Brunft von ihrem Böckchen gedeckt folgt eine für Nagetiere gerade zu lange Tragezeit von ca. 111 Tagen. Nicht immer kann man am Tier selbst eine große Veränderung feststellen, das liegt auch an der Zahl der Jungtieren, welche sie trägt. Deutlich erkennen kann man es fast nur durch regelmäßige Gewichtskontrollen oder durch vorsichtiges abtasten des Bauches. Schweighart weißt darauf hin das gerade in der Schwangerschaft sehr viel Ruhe und das richtige Futter wichtig ist, ein Nährstoff- oder Mineralstoffmangel kann zu Schädigungen führen. Calcium ist in dieser Phase sehr wichtig, die Farbe der Zähne sollte regelmäßig kontrolliert werden.

Die Geburt:
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Meist erfolgt die Geburt in den frühen Morgenstunden. Chinchillas bauen kein Nest, sondern bekommen ihre Jungen stets da, wo sie sich gerade aufhalten, meist auf dem Boden des Käfigs oder auf einer glatten Unterlage. Das Weibchen bekommt Wehen, welche den Körper durchlaufen, manche Weibchen stöhnen dabei. Sie stellen sich auf die Hinterläufe und ziehen das Jungtier unter sich hervor. Dieses wird dann geputzt und gewärmt bis das nächste Jungtier kommt. Ist der Vater mit im Käfig hilft auch er meist beim säubern und wärmen der Jungtiere mit. Der Zeitraum der Geburt kann sich über mehrere Stunden hinziehen. 1-4 Jungtiere sind die normale Wurfgröße, sind es mehr Babys habe sie selten eine Überlebenschance.

Das Weibchen wird meist sofort nach der Geburt wieder nachgedeckt, wenn der Bock im Käfig bleibt.

Die Aufzucht der Jungtiere:
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Neugeborene Chinchillas sind sogenannte Nestflüchter. Sie kommen bereits voll entwickelt, mit offenen Augen und Fell zur Welt. Das Gewicht beträgt meist zwischen 35 und 60g. Sie werden von der Mutter gesäugt und auch wen sie bereits mit wenigen Tagen schon anfangen, nebenher feste Nahrung aufzunehmen, sollten mindestens 8 Wochen bei der Mutter bleiben.

> Auf diese mind. 8 Wochen wird sehr deutlich hingewiesen, da viele Züchter und/oder Hobbyzüchter die Jungtiere oftmals noch jünger abgeben, um ein besseres Geschäft zu machen. Das kann sich jedoch auf die Entwicklung der Tiere sehr negativ auswirken!

Die Haltung:
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Guido Schweighart beschreibt sehr dataliiert, wie Chinchilla gehalten werden sollten. So sollten z.B. Nachtaktive Tiere sollten nicht mit Tagaktiven in einem Raum gehalten werden wegen dem Stress. Auch die empfindliche Verdauung und das richtige Futter (Trinkwasser, Mineralstoffe etc.) werden angesprochen. Die Käfiggröße, sowie der richtige Umgang werden auf mehreren Seiten aufgeführt und Bilder zur Verdeutlichung bereitgestellt.

Die Krankheiten:
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Nun folgt eigentlich erst der Hauptteil des Buches. Guido Schweighart geht auf die einzelnen Krankheiten ein, ihre Symptome werden genau beschrieben, ihre Ursachen erforscht und ihre Behandlung empfohlen. Diese jetzt einzeln aufzulisten würde die Kapazität von Ciao sprengen...

Abschließende Worte:
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Guido Schweighart ist ein anerkannter Tierarzt, eigentlich DER Chinchilla Fachmann in Deutschland. Viele Tierärzte haben schon Vorlesungen von ihm besucht, seine Kompetenz in diesem Bereich ist fast unschlagbar. Das kann man auch beim lesen seines Buches sehr gut erkennen, denn nur wer selbst die Möglichkeit hat, Chinchillas zu halten und zu beobachten und kann die breite Masse an Gefahren und Eigenwilligkeiten dieser Exoten genau analysieren. Schweighart hat selbst sehr lange Zeit Chinchillas als Heimtiere besessen und konnte somit seine eigenen Erfahrungen sowie die Tierärztlichen Befunde genial verbinden und sie in einem Buch zusammen fassen.

Dieses Buch ist ein absolutes MUSS für jeden verantwortungsvollen Chinchillabesitzer. Natürlich kann und darf dieses Buch nicht den Gang zu einem Tierarzt ersparen, wenn ein Chinchilla ernsthaft erkrankt ist. Doch es gibt mir als Hobbyzüchterin eine gewisse Sicherheit, nachlesen zu können was mein Tier haben könnte, mögliche Ursachen und Symptome zu vergleiche. Denn ich bin tagtäglich mehrere Stunden mit meinen Tieren zusammen und kenne diese daher sehr genau. Mein Tierarzt muss sich auf meine Beobachtungen verlassen und oft suchen wir Gemeinsam nach Lösungen und Behandlungen.

Auch ist nicht jeder Tierarzt Chinchillaerfahren, was bedeutet das man als Halter selbst herausfinden muss, welchem Tierarzt in seiner Umgebung er auch wirklich vertrauen kann. Denn unsere Chinchillas sind und bleiben Exoten... und können einfach nicht mit Hasen und anderen Nagern verglichen werden.

Ich nehme mein Buch von Guido Schweighart vor jedem Tierarztbesuch selbst in die Hand und lese nach, was meinem Tier fehlen könnte. Dies spreche ich dann mit meinem Tierarzt ab und gemeinsam suchen wir nach der richtigen Behandlung.

Fast jeder Tierarzt hat das Buch: Chinchilla: Heimtier und Patient von Guido Schweighart in der eigenen Praxis stehen.

Auch wenn der Preis von 29,95 Euro etwas viel wirkt kann ich das Buch nur empfehlen. Es ist jeden Cent wert!

Sonstige Informationen:
*******************
Das Buch Guido Schweigart: Chinchilla - Heimtier und Patient ist im Gustav Fischer-Verlag erschienen und kostet 29,95 Euro.
(ISBN: 3432287712)

Liebe Grüße,
Gaby


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blaumeise1833335

blaumeise1833335

15.09.2002 15:12

Hy ich bestitze auch Chinchillas (4) und daher auch das Buch . Ein ganz dickes Lob besser hättest du den Bericht nicht verfassen können !!!

andreasloy

andreasloy

24.08.2002 09:54

... und trotzdem wünsche ich Dir gesunde Chincillas, auf das Du das Buch nicht brauchst.

antjeeule

antjeeule

12.08.2002 16:24

Liebe Gaby! Das ist aber wirklich interessant zusammengestellt. Mit Chinchillas habe ich mich bisher noch nie so genau beschäftigt wie jetzt in deinem Bericht. Was die alles haben können...! Da ist mein Chinchilla aus Frottee aber nicht so aufwendig in der Pflege. Der Bericht ist Klasse. Liebe Grüße, Antje

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