Fabio Montale will nicht mehr länger Polizist sein. Und die Polizei von Marseille hält ihn nach den Skandalen von »Total Cheops« auch nicht mehr für unverzichtbar. Er möchte lieber... mehr
u. Ronald VoullieGewicht: 535 gr / Abmessung: 19 cmVon Izzo, Jean-Claude / Übersetzt v. Grän, Katarina; Voullie, Ronald Fabio Montale ist ein kleiner Polizist mit Hang zum guten Essen und einem großen Herz für all die verschiedenen Bewohner der Hafenstadt: für die Italiener, die Spanier, die Algerier und auch die Franzosen. Ob einer Polizist wird oder Gangster, das ist reiner biografischer Zufall. Freund bleibt Freund. Deswegen muss Fabio auch handeln, als zwei seiner Gangster-Freunde ermordet werden. Als die beiden gerächt sind, muss er feststellen, dass das Spiel nach Regeln gespielt wird, die mit Ehre nichts zu tun haben. Von Leuten, denen genauso egal ist, ob einer Polizist ist oder Verbrecher.
u. Ronald VoullieGewicht: 535 gr / Abmessung: 19 cmVon Izzo, Jean-Claude / Übersetzt v. Grän, Katarina; Voullie, Ronald Fabio Montale ist ein kleiner Polizist mit Hang zum guten Essen und einem großen Herz für all die verschiedenen Bewohner der Hafenstadt: für die Italiener, die Spanier, die Algerier und auch die Franzosen. Ob einer Polizist wird oder Gangster, das ist reiner biografischer Zufall. Freund bleibt Freund. Deswegen muss Fabio auch handeln, als zwei seiner Gangster-Freunde ermordet werden. Als die beiden gerächt sind, muss er feststellen, dass das Spiel nach Regeln gespielt wird, die mit Ehre nichts zu tun haben. Von Leuten, denen genauso egal ist, ob einer Polizist ist oder Verbrecher.
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Erfahrungsbericht von Espionne über Chourmo / Jean C Izzo 15.07.2003
Produktbewertung des Autors:
Unterhaltungswert
hoch
Spannung
ziemlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
ergreifend
Pro:
etwas untypische, aber dennoch spannende Krimikost / tiefgezeichnete, sympathische Figuren / schöne, bildhafte Beschreibungen Marseilles / geradezu poetisch geschrieben
Kontra:
nicht wirklich . . .
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
"Izzo besingt die Stadt Marseille, ihre Schönheit im frühen Morgenlicht, ihre unverfälschte Lebensfreude, aber er zeigt auch das tödliche Gift, das in ihr steckt." Treffender als das Urteil der "Welt" könnte man die Magie der Marseille-Trilogie von Jean-Claude Izzo kaum auf den Punkt bringen. Nachdem mich der erste Teil "Total Cheops" schon begeistert hat wie kaum ein anderes Buch in diesem Jahr, kaufte ich mir wenige Wochen später bereits den zweiten Teil "Chourmo", während auch der dritte Teil "Solea" bereits in meinem Regal liegend auf seinen großen Auftritt wartet. Izzo hat einfach eine Magie, der man sich nicht entziehen kann, wenn man einmal angefangen hat, ihn zu lesen...
[ CHOURMO – DIE RUDERER DER GALEERE | story ]
Fabio Montale, in "Total Cheops" noch Polizist mit Herz in den nördlichen Vierteln von Marseille, hat den Dienst quittiert. Seine Zeit widmet er ausgiebig dem Fischen, gutem Essen und dem Gespräch mit Freunden, während er versucht, die Vergangenheit zur Ruhe zu kommen lassen.
Doch damit ist es zunächst einmal vorbei, als seine Cousine Gélou völlig aufgelöst vor der Tür steht. Sie sorgt sich ihm ihren Sohn Guitou, der mit seiner arabischen Freundin Naїma verschwunden ist. Und so macht Fabio sich auf die Suche nach dem Jungen, ohne zu ahnen, dass er schon wieder mittendrin steckt, im Sumpf des Schmelztiegels Marseille.
Noch bevor er herausfinden kann, wo Guitou nebst Freundin abgeblieben ist, wird sein alter Freund Serge ermordet, vor den Augen von Fabio durch Schüsse aus einem vorbeifahrenden BMW niedergestreckt. In was hat Serge, der Sozialarbeiter, da seine Nase hineingesteckt? War er irgendeiner Sache auf der Spur, die so brisant ist, dass er dafür sterben musste? Fabio versucht auf eigene Faust Anhaltspunkte zu finden.
Guitou bleibt unterdessen verschwunden und nach und nach wird für Fabio das zur Gewissheit, was der Leser schon seit dem Prolog weiß. Guitou ist längst tot, erschossen, nachdem er die erste gemeinsame Nacht mit Naїma verbracht hat. Aber warum musste Guitou sterben? Und wo ist Naїma abgeblieben? Fabio macht sich auf die Suche nach Antworten...
[ KRIMI NOIR IN MARSEILLE, KLAPPE DIE ZWEITE | buchkritik ]
Kaum hatte ich die ersten Sätze von "Chourmo" gelesen, war ich auch schon wieder mitten drin, in Izzos "antikem Theater" Marseille. Izzos Erzählstil ist wie ein Sog, der einen sofort in seinen Bann zieht und nicht mehr loslässt, bis man das Buch am Ende wieder zuklappt. Selten habe ich einen Autor gelesen, der mich schon allein durch seine Art zu erzählen so gefangen genommen hat. Izzo schafft es auf einzigartige Weise Stimmungen einzufangen, Gefühle auszudrücken, ohne viele Worte machen zu müssen und eine Stadt zum Leben zu erwecken. Er sitzt direkt am Puls Marseilles und macht ihn für den Leser fühlbar...
"Hier ist nichts schlimmer als woanders. Oder besser. Beton in einer verzerrten Landschaft aus Stein und Kalk. Und dort unten links die Stadt. Weit weg. Nur das Elend nicht. Sogar die Wäsche, die zum Trocknen vor den Fenstern hängt, ist ein Beweis dafür. Obgleich in Wind und Sonne flatternd, wirkt sie immer farblos. Arbeitslosenwäsche eben. Aber im Gegensatz zu "denen da unten" hat man hier eine gute Aussicht. Prachtvoll. Die schönste in Marseille. Man braucht nur das Fenster zu öffnen und hat das ganze Meer für sich. Umsonst. Wenn man nichts hat, ist es viel, das Meer zu besitzen. Wie ein Kanten Brot für die Hungrigen." ( S. 35)
Izzos Bestandsaufnahme der Stadt fällt dabei wieder einmal sehr zwiespältig aus. Einerseits liebt er ihre Leidenschaft, andererseits treiben ihn ihre dunklen Seiten zur Verzweiflung. In einem Interview, das im (vergleichsweise umfangreichen) Anhang des Buches nachzulesen ist, sagt er dann auch selbst: "Was geschieht, was ich sehe, was ich höre, bringt mich zur Verzweiflung. Ich habe keine Hoffnung mehr. Und das Schreckliche ist, dass ich umso verzweifelter bin, je mehr ich schreibe." Diese Verzweiflung spürt man "Chourmo" an und sie lässt sich auch an Fabio Montale, der ebenso sympathischen wie tragischen Hauptfigur, ablesen.
Sucht er am Anfang noch die Ruhe und den Abstand von der Welt und versucht mit seiner Vergangenheit als Polizist und dem Tod seiner Freunde Ugo und Manu (Schlüsselhandlung aus "Total Cheops") abzuschließen, wird er durch den Tod von Serge und die Suche nach Guitou wieder mitten hineinkatapultiert, in den Meltingpot. Er wird wieder zum chourmo, zum verzweifelten Ruderer in der Galeere namens Marseille. Die Bestandsaufnahme von Montales Leben fällt dabei ähnlich düster aus wie Izzos Bestandsaufnahme Marseilles und der französischen Gesellschaft...
"Heute war ich nichts mehr. Ich glaubte nicht an Räuber. Ich glaubte nicht an Gendarmen. Den Vertretern des Gesetzes war jegliche moralische Wertvorstellung abhanden gekommen, und die wahren Diebe hatten nie eine Handtasche klauen müssen, um abends etwas zu essen zu haben." (S. 65)
Montale scheint ein Lebender, umringt von Toten. Einfach zu viele liebe Menschen werden ihm im Laufe der ersten beiden Bände der Marseille-Trilogie genommen. Mehr als einem Menschen gut tut. Dass Montale alles immer mehr persönlich nimmt, ist insofern kaum verwunderlich. Oft wirkt er wie ein einsamer Cowboy (allerdings ohne Cowboy-Allüren) auf einem verzweifelten Rachefeldzug und oft sieht es dabei denkbar schlecht für ihn selbst aus. Korrupte, mit der Front National sympathisierende, gewaltbesessene Ex-Kollegen, die ihm nicht wohlgesonnen sind, islamistische Extremisten und Mafiosi...
Montale macht sich im Laufe der Handlung viele Feinde, denn ähnlich wie schon in „Total Cheops“ scheint er mit seinen Ermittlungen in ein Wespennest zu stechen. Die Marseiller Unterwelt spielt dabei wieder eine entscheidende Rolle, nur während es in "Total Cheops" am Rande noch um die rechtsradikale Front National geht, sind hier islamistische Gruppierungen verstärkt ein Thema. Izzo zeichnet sich also auch durch eine gewisse politische Brisanz und Aktualität aus, ein Aspekt, der das Buch noch facettenreicher macht.
Wie schon in "Total Cheops" zeichnet Izzo nicht schwarz/weiß, sondern grau. Die Grenzen zwischen gut und böse verschwimmen zu einem diffusen Schleier, der ganz realitätsnah und unverfälscht wirkt. Montale kennt beide Seiten der Medaille, er stand in seinem Leben schon auf beiden Seiten des Gesetzes. So sehr man Montale auch mögen will, in "Chourmo" überschreitet er eine unsichtbare Grenze, als er einem Menschen in einer Notlage nicht hilft und dabei in Kauf nimmt, dass derjenige stirbt. Da tröstet es auch nur wenig, dass das Opfer ein richtiges Schwein ist, dem man den Tod am liebsten wünschen möchte. Montale geht einen Schritt zu weit und wurde mir bei allem Verständnis dadurch ein bisschen fremd.
Izzo hat, wie auch sein Held Montale, keine Hoffnung mehr. Ein verkitschtes Happy End, kann man sich also in jedem Fall für die Marseille-Trilogie aus dem Kopf schlagen. Izzo dokumentiert, ohne zu schönen, den Zustand einer Stadt und die Lage einer Nation – wie könnte es da ein wirkliches Happy End geben? Vor allem, wo Montale quasi ein Widerlager in einem Meer von Toten zu sein scheint? Für den letzten Teil der Trilogie bleibt mir da wenig Hoffnung.
Stilistisch versteht Izzo auch mit "Chourmo" wieder gänzlich zu überzeugen. Da wäre zum einen seine Sprache, die für einen Krimi (wenn auch einen untypischen und wenig klischeebehafteten) überraschend poetisch und bildhaft erscheint und seine Art zu erzählen, die den Gedanken und Erinnerungen von Montale stets viel Raum gibt und den Figuren eine phantastische Tiefe verleiht. Das Geschehen und die Orte werden so unglaublich plastisch durch Izzos Beschreibungen, dass man fast das Gefühl hat, man könne das Meer riechen, jedes Mal, wenn Montale mit seinem kleinen Boot aufs Meer hinausfährt. "Chourmo" versteht somit nicht nur durch die Handlung und die tief gezeichneten Figuren zu fesseln, sondern auch durch Izzos Sprache.
"Chourmo" ist ein zweiter Teil, den man vermutlich auch ohne Kenntnis des ersten Teils lesen könnte, empfehlen würde ich das aber niemandem. Man erfährt in "Total Cheops" so viel über das Leben von Fabio Montale, über seine Vergangenheit, über seine Träume. Auch wenn "Chourmo" diese Dinge aufgreift, ein vollständigeres Bild erhält man, indem man beide Bücher liest. Und da Izzos Erzählstil ein solcher Genuss ist, möchte ich nun wirklich niemandem empfehlen, die Trilogie nicht komplett zu lesen. Das wäre wirklich Sünde.
Für "Chourmo" wurde Jean-Claude Izzo 2001 mit dem deutschen Krimipreis ausgezeichnet. Völlig verdient, aber leider zu spät, denn er starb ein Jahr zuvor an Lungenkrebs.
Meine Erwartungen an "Chourmo" waren nach der Lektüre von "Total Cheops" durchaus hoch, aber Izzo ist ihnen in jeglicher Hinsicht gerecht geworden. Die Marseille-Trilogie zählt für mich zum besten, was ich in diesem Jahr bislang gelesen habe (bei immerhin ca. 30 Buchtiteln bisher, eine ansehnliche Leistung).
"Chourmo" zeichnet sich durch eine feinfühlige, geradezu poetische Sprache, einen Erzählstil, der einen sofort in seinen Bann zieht, sympathische, realitätsnahe Figuren, eine spannende Story mit vielen Verwicklungen und sehr bildhafte, plastische Beschreibungen Marseilles aus. Wer etwas anspruchsvollere Krimikost sucht, wird hier bestens bedient und ich denke auch dem Krimi wenig verbundene Leser werden an der Marseille-Trilogie ihre Freude habe, da Izzo wirklich fernab jeglicher Krimiklischees schreibt.
Bewertung: 10 von 10 provenzalisch gewürzten Punkten
Pro: na ja, Izzo eben - man mag seinen Stil Kontra: oder man mag ihn nicht
Nun, habe ich diesmal nicht eine schöne reißerische Überschrift gefunden :)?
Nachdem ich den ersten Teil der "Marseilletrilogie" von Jean Claude Izzo mit großem Gefallen gelesen hatte, musste sofort auch noch der zweite Band "Chourmo" her.
Bis zur Sei ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich