Chronicle - wozu bist du fähig?

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Mach kaputt, was Dich kaputt macht

3  07.04.2012

Pro:
einige nette SFX, durchaus glaubhafte Figuren

Kontra:
am Ende verliert die Handlung ein wenig ihre Figuren aus dem Blickfeld

Dr.Ed

Über sich: Auch dieses jahr fallen Ostern und Weihnachten wieder auf einen Tag: Der nächste Ciao-Stammi in HH f...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 60 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo Zielgruppe!
Haben wir nicht alle mal davon geträumt, Superhelden sein zu dürfen? Oder wenigstens mal über Superkräfte zu verfügen? Nur, was würden wir daraus machen? Würden wir versuchen, damit die Welt zu retten? Oder würden wir einfach mal nur denjenigen so richtig verhauen, der uns in unserer Kindheit mal das Lieblingsspielzeug kaputtgemacht hat oder uns in unserer Jugend gemobbt hat, ohne dass man sich dafür bislang rächen konnte? Fragen über Fragen und genau mit diesen Fragen beschäftigt sich auch der Kinofilm, über den ich Euch heute hier berichten will.

### INHALT ###

~~~ Da MissVega schon ihre eigene Version verfasst hat, gibt es heute nur die „Dr.Ed findet Superhelden-Kostüme meistens lächerlich“ - Mittelversion ~~~

Andrew gehört zu den Teenies, die an ihrer Schule immer von anderen MitschülerInnen gemobbt wird. Auch zuhause hat er es nicht leicht: Seine Mutter ist an Krebs erkrankt und bettlägerig, während sein Vater aus Frust über diese Situation säuft und ihn dann im betrunkenen Zustand drangsaliert. Meist hängt Andrew mit seinem Cousin Matt herum und läuft mit einer Videokamera durch die Gegend, um das Geschehen um ihn herum zu filmen. Eines Tages stoßen Andrew und Matt mit ihrem Freund Steve am Rande einer Party in einem Waldstück auf ein seltsames Erdloch. Sie klettern hinein und finden dort eine riesige fluoreszierende, kristalline Struktur vor. Nach einer kurzen Untersuchung des Gegenstandes klettern sie wieder aus dem Loch heraus.

Kurze Zeit später stellen sie fest, dass sie über unnatürliche Kräfte verfügen. Sie können mit der Kraft ihrer Gedanken Gegenstände bewegen. Anfänglich nutzen sie das für allerlei Schabernack, indem vor einem Supermarkt parkende Autos verschieben oder in einem Spielzeugladen Stofftiere sich bewegen lassen. Fortlaufend spüren sie, wie ihre Kräfte immer weiter zunehmen und sie auch fliegen können. Doch spätestens als Andrew einen aufdringlichen Verkehrsteilnehmer von der Straße abkommen und die Böschung abstürzen lässt, wird ihnen bewusst, dass sie mit ihrer Kraft verantwortungsvoll umgehen müssen. So beschließen die Drei, gewissen Regeln im Umgang mit ihren Kräften einzuhalten. Für Andrew ist dies jedoch leichter gesagt als getan, denn er gerät immer wieder in emotionale Grenzsituationen, die ihn überfordern. Schließlich kommt es zur Katastrophe...

### MEINE MEINUNG ###

Mit Superkräften kann das eine ganz schön zwiespältige Sache sein. Was für den einen Ehre und Auszeichnung bedeutet, ist für den anderen Last und Bürde. Die einen gehen damit verantwortungsvoll um, andere damit eher gedankenlos. Man kann sie ebenso konstruktiv wie destruktiv einsetzen, für ebenso gute wie böse Zwecke. Genau hierin liegt auch der Unterschied zwischen Superhelden und Superschurken. Während die Helden ihre Superkräfte zum Wohle der Menschheit einsetzen, verantwortungsvoll damit umgehen und in der Regel auch psychisch stabil sind, während Superschurken dann doch eher amoralisch und psychotisch veranlagt sind, oder zumindest eine reichliche verquere Ethik haben. Häufig hat das Verhalten der Superschurken damit zu tun, dass ihnen von einigen Menschen böse Dinge angetan wurden, die sie nun der gesamten Menschheit unterstellen.

Bestes Beispiel dafür ist Magneto aus „X-Men: Erste Entscheidung“: Als Jugendlicher erlebte er grauenvolles in einem NS-Konzentrationslager und überträgt diese Erfahrungen später auf das, wie sich die Menschen gegenüber den Mutanten verhalten. Ähnlich verhält es sich mit Andrew. Er gilt an seiner Schule als Außenseiter und wird von Teilen seiner Mitschüler gehänselt und gemobbt. Auch zuhause hat er nicht viel zu lachen, weil seine Mutter krebskrank im Bett liegen muss und sein Vater aus Gram über diese Situation zu einem gewalttätigen Alkoholiker geworden ist. Cousin Matt ist zwar nicht unbeliebt, aber hat nicht gerade Schlag bei Frauen. Dagegen ist Steve eine ausgesprochene Sportskanone und als Schulsprecher respektiert und anerkannt. Am Ende ist Andrew derjenige, der seine Superkräfte gegen andere richtet, weil sie ihn nicht unbehelligt lassen.

Anfänglich nutzen die Jungs ihre Kräfte nur zur ihrem Vergnügen. Als Andrew jedoch mit seinen Kräften einen aufdringlichen Autofahrer von der Straße abkommen lässt, wird ihnen bewusst, dass sie mit ihren Kräften anderen Menschen auch Schaden zufügen können. Sie beschließen, fortan mit ihren Kräften verantwortungsvoller umzugehen, worin Andrew aber nur zögerlich einwilligt. In diesem Moment merkt man, wie sich innerlich ihre Wege trennen und das Verhängnis seinen Lauf zu nehmen beginnt. Während Matt und Steve in einem normalen Elternhaus aufwachsen, sich in der Schule einer gewissen Beliebtheit erfreuen und so die Chance hatten, ein halbwegs normales Sozialverhalten zu entwickeln, ist Andrew zuhause und in der Schule eher so etwas wie der Prügelknabe, so dass er eine Menge aufgestauter Wut mit sich herumschleppt.

So ist es auch nachzuvollziehen, wenn sich Steve und Matt ihrer Verantwortung bewusst sind und sich mit ihren Kräften auch zurückhalten. Dagegen sind die Superkräfte für Andrew eher wie ein Geschenk, das ihm willkommene Gelegenheit bietet, sich an all denen zu rächen, die ihn zuvor drangsaliert haben. Zwar kann er bei der schuleigenen Version von „You've got talent“ als Magier die Mitschüler begeistern, als er dann aber bei einer Party das erste Mal mit einem anderen Mädchen schlafen will und sich dabei übergibt, wird er wieder schnell zum Gespött der anderen, was er dann aber nicht mehr über sich ergehen zu lassen bereit ist und zurückschlägt. Auch von seinem Vater lässt er sich nichts mehr gefallen. Als der ihn darauf anspricht, dass sich bei ihm etwas geändert habe, ohne jedoch die Hintergründe zu ahnen, bekommt er Andrews Körperkraft zu spüren.

Dieser Film belegt einmal mehr die These, dass Monster nicht geboren werden, sondern immer irgendwo auch ein Produkt ihres sozialen Umfelds sind. Diese Mechanismen zeichnet „Chronicle“ in gekonnter Weise nach und zeigt damit einmal mehr, welche Banalität oft hinter dem sogenannten Bösen steckt. Insofern offenbart dieser Film erstaunliche Parallelen zu so manchem Superhelden-Filmen wie z.B. „Batman – the dark knight“, „Spiderman 1-3“ oder „Der unglaublich Hulk“. Auch dort sind es oft ganz banale Ereignisse, die die Superschurken zu dem machen, was sie sind. Allerdings passiert das in diesen Superhelden-Filmen oft auf einem deutlich abstrakteren Level. Von daher verfügt „Chronicle“ in gewisser Weise sogar über ein pädagogisch wertvolle Note, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob die tatsächlich so gewollt ist.

Was jedoch an diesem Film nervt, ist die wackelige Handkameraführung. Das soll dem ganzen wohl den Stil einer „Mockumentary“ à la „Blair Witch Project“ oder „Paranormal Activity“ verleihen. Der Unterschied liegt allenfalls darin, dass es sich hier nicht um vermeintlich gefundenes Material handelt, sondern der Protagonist in fast jedem Moment seine Videokamera laufen lässt. Aus dieser Perspektive erlebt das Publikum dann auch fast den gesamten Film, was auf Dauer einfach nur anstrengend ist, sofern man nicht ein ganz großer Fan dieses Stilmittels ist. Der Einstieg ist zwar ein wenig zäh, dient aber auch dazu, die Figuren und ihr Umfeld ein wenig näher einzuführen, wodurch dann ihre spätere Entwicklung für das Publikum auch besser nachvollziehbar wird. Jedoch ist die Inszenierung insgesamt ein wenig holperig.

Am Ende verliert sie ihre Figuren ein wenig zu sehr aus den Augen und konzentriert sich ein wenig zu sehr auf den finalen Showdown mit seinen Spezialeffekten, die sich in etwa auf dem Niveau von „Hancock“ bewegen. Auch die Darsteller können durchaus überzeugen und ihre Rollen glaubhaft verkörpern. Man nimmt Dane DeHaan die innere Zerrissenheit seiner Figur durchaus ab und auch die Entwicklung seiner Figur erscheint nicht völlig abwegig. All das vermag den Film zwar ein wenig über das Mittelmaß hinaus zu heben, aber im Endeffekt fehlt es dem ganzen an der nötigen Substanz, um sich wirklich nachhaltig im Gedächtnis einzubrennen. Am Ende bleibt einfach ein nicht näher definierbares unbefriedigtes Gefühl nach dem Motto „Wie? Das war's jetzt?“

### FAZIT ###

Was anfänglich wie ein spaßiger Jugend-Film daherkommt, ufert am Ende zu einer Zerstörungsorgie aus, wie man sie aus den „Hulk“-Filmen kennt. Der Film und seine Figuren haben zwar eine gewisse Tiefe, aber die wackelige Handkamera als visuelles Stilmittel ist mit zunehmenden Filmverlauf ebenso anstrengend wie überflüssig. Für eine Zielgruppe unter 25 Jahren kann ich den Film durchaus empfehlen, ansonsten würde ich es da eher frei nach Bruce Willis halten und sagen „Ich werde langsam zu alt für diesen Scheiß!“ Mehr als 3 von 5 Superhelden sind leider nicht drin, weil sich der Film am Ende nicht auf seine Figuren, sondern mehr auf seine Effekte verlässt.

### ABSPANN ###

Spielfilm USA 2012, 84 Min., FSK 12

Regie: Josh Trank
Buch: Josh Trank, Max Landis
Kamera: Matthew Jensen
Musik: -

~ Andrew Detmer – Dane DeHaan
~ Matt Garetty – Alex Russell
~ Steve Montgomery – Michael B. Jordan
~ Richard Detmer – Michael Kelly
~ Karen Detmer – Bo Petersen
~ Casey Letter – Ashley Hinshaw
~ Monica – Anna Wood
~ Wayne – Rudi Malcolm
~ Sean – Luke Taylor
~ Samantha – Crystal-Donna Roberts
~ Costly – Adrian Collins
~ Howard – Grant Powell
~ Austin – Armand Aucamp
~ Cala – Nicole Bailey
u.v.a.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
brennecke

brennecke

03.02.2013 15:09

h.h.h... hoppla, noch einen unbewerteten Bericht gefunden ... *schäm* ...

Carmelita2905

Carmelita2905

04.05.2012 22:50

Nee, den schau ich wohl eher nicht... Bin derzeit eh zu viel anderweitig unterwegs und Montag geht es ja in die Sonne. :-)

Sendorra

Sendorra

16.04.2012 09:01

Ja, so in etwa hatte ich mir das nach dem Trailer vorgestellt. Hach nee, der muss warten, es gibt grad so viel, das ich mir lieber anschaun würde.

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