Back to the Fifties, Baby!
31. Mai 2001
Pro:
Kongeniales Design im Retro - Look; großes Platzangebot, auch für Familien; ordentliche Fahrwerte, geringer Verbrauch
Kontra:
Design der Kabrioversion ist schwerer Stilbruch
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Zuverlässigkeit:
Fahreigenschaften:
Bedienung:
Platzangebot:
mehr
 Marcolino
Über sich:
Mitglied seit:04.05.2000
Erfahrungsberichte:184
Vertrauende:119
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 82 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Diesem Auto habe ich knapp ein Jahr lang entgegengefiebert. Das ungewöhnliche Retro-Design des Chrysler PT Cruiser, das in nie dagewesener Vollendung die stilistischen Eigenarten amerikanischer Straßenkreuzer der späten 40er und frühen 50er Jahre mit zeitgemäßer Technik, Wirtschaftlichkeit und Nutzbarkeit verbindet, faszinierte mich von dem Augenblick an, als ich zum ersten Mal ein Foto des Autos in einem Magazin abgebildet sah. So ein Auto wird ohnehin nur eine Studie bleiben und niemals in Serie gebaut werden, dachte ich mir und wurde einige Zeit später eines Besseren belehrt. Die Serienproduktion wurde offiziell bekannt gegeben und man konnte seit Anfang letzten Jahres eine umfangreiche Informationsmappe über den Wagen bei DaimlerChrysler bestellen. Das tat ich natürlich auch und außerdem lud ich mir von der eigens für dieses Automodell eingerichteten Internetseite (http://www.chrysler.com/pt-cruiser/) einen Bildschirmschoner herunter, der das Auto sehr schön mit viel Schattenwurf in Szene setzte. Mittlerweile existiert die Seite in dieser kultigen Form nicht mehr, aber dort findet man nun - recht nüchtern - allerlei Informationen über den PT Cruiser und seine Variationen. Über die Monate hinweg ist meine Begeisterung für den Wagen zwar langsam abgeflacht, aber als er dann in den Handel kam, musste ich ihn natürlich unbedingt endlich einmal in natura sehen, fühlen und - natürlich - Probe fahren!
Unser
örtlicher Chrysler-Händler zeigte sich da auch sehr kooperativ und ich bekam schnell einen Termin für eine ausgedehnte Probefahrt. "Nehmen Sie ihn doch ruhig übers Wochenende mit", bot der Händler an, wohl der Fehleinschätzung erlegen, in mir einen sicheren Kunden zu sehen. Ich tauschte also für ein Wochenende meinen Volvo 850, den ich beim Chrysler-Händler parkte, gegen dieses neue Spaßmobil, das mein Designverständnis seit Monaten so gekonnt umgarnt hatte. Zuerst fiel mir natürlich die ungewohnte Höhe des Wagens auf. Mit 160 cm ist er gut 20 cm höher als mein Volvo und erinnerte mich von der Seite fast mehr an einen V-Klasse-Mercedes, den der Händler ein Stück weiter ebenfalls zum Verkauf anbot. Der Einstieg gestaltete sich durch die hohen, weit öffnenden Türen verständlicherweise sehr bequem. Die Sitzposition ist auch ziemlich hoch, was ebenfalls mehr das Fahrgefühl eines Vans vermittelt als das einer kompakten Limousine, die der PT Cruiser eigentlich ist.
Die Karosserie ist ein wahres Meisterwerk der Autodesigner. Die vielen Kurven und Schwünge, die angedeuteten Trittbretter an den Türeneinstiegen, der bullige Kühlergrill, die nostalgisch schönen Chromtürgriffe und Türschlösser, die wuchtigen Radkästen - alles erinnert stark an den beginnenden automobilen Expressionismus in den USA vor knapp sechzig Jahren. Und auf den zweiten Blick entdeckt man, dass trotzdem geschickt moderne Materialien, wie Kunststoffstoßfänger und seitliche Stoßleisten verbaut wurden, ohne das harmonische Design in irgendeiner Form zu stören. Das Interieur setzt die gestalterische Linie der Karosserie gekonnt fort. Die Seitenverkleidungen der Türen sind asymmetrisch rund geschwungen, die runden, gut ablesbaren Instrumente wirken ebenfalls sehr nostalgisch. Glatte Flächen im bicolor-Look bestimmen die Farbgebung, die gut abgestimmt ist - irgendwie passt alles sehr harmonisch zueinander. Ein perlweißer Kugelkopf auf einer Chromstange, die tief unten in einem Kunstlederbalg verschwindet, stellt den Schalthebel dar. Das Vierspeichen-Lenkrad mit integriertem Fahrerairbag wirkt klassisch und entspricht doch neuesten Sicherheitsstandards. Selbst das originale Soundsystem (Radio zu sagen wäre untertrieben) ist auf das geschwungene Design abgestimmt. Die Sitze sind bequem und ausreichend breit und lassen sich in vielfacher Weise verstellen. Einklappbare Armlehnen verbessern den Komfort auf den vorderen Sitzen.
Dann ging die Fahrt los. Der 2-Liter-Vierzylinder-Motor mit 141 PS liefert einen konstanten Vortrieb, doch sein typisches Vierzylinder-"Geheul" ist er aber auch der erste echte Stilbruch. Eigentlich hatte man bei dem Wagen einen tief blubbernden Achtzylinder erwartet, obwohl man schon vorher genau weiß, dass das nicht der Fall ist. Die Beschleunigung ist recht ordentlich, aber alles andere als sportlich - aber wie der Name schon sagt, ist der Wagen ja ein "Cruiser", ein Straßenkreuzer zum gemütlichen dahinfahren also. Und das kann man mit dem gutmütigen PT Cruiser bestens tun. Der Motor reicht auch für eine angenehme Reisegeschwindigkeit. Laut Tacho fuhr der Wagen knapp 200 Km/h Spitze, im Fahrzeugschein stand etwas weniger (192 km/h). Der Verbrauch war zeitgemäß gering - nur knapp 7,5 Liter auf hundert Kilometer habe ich nach meiner Wochenendtour errechnet - für einen Wagen dieser Größe und Motorisierung sicher ein sehr guter Wert. Apropos Größe: In den Abmessungen ähnelt der Wagen am ehesten den aktuellen Minivans von Renault (Mégane Scenic) und Opel (Zafira). Mit nur 4,28 m Länge und 1,70 m Breite bei einer stattlichen Höhe von 1,60 m gibt es auch nicht allzu große Probleme mit der Parkplatzsuche. Aktive wie passive Sicherheit entspechen beim PT Cruiser aktuellen europäischen Standards: Stoßfänger und Karosserie mit ausschließlich weichen Kanten, große Knautschzonen, eine sichere Fahrgastzelle mit Seitenaufprallschutz, ABS, Dreipunkt-Gurte auf allen fünf Plätzen, Fahrer-, Beifahrer- und Seitenairbags mit Kopfschutz in den Vordersitzen - alles serienmäßig.
Auf der diesjährigen New York International Auto Show hat DaimlerChrysler übrigens eine Kabrioversion des PT Cruiser vorgestellt, die bald in den Handel kommen soll. Hier wurde, meiner Meinung nach, aber ein ganz gewaltiger Stilbruch verübt, denn im offenen Zustand verunstaltet ein fester Überrollbügel, der hinter den Vordersitzen ansetzt, das Design total. Seit diese Bügel beim VW Golf Kabrio Ende der Siebziger Jahre zum ersten Mal in einem Großserienauto verbaut wurden, stießen sich die Gemüter doch stark daran. Im Volksmund werden sie auch gern spöttisch als "Henkel zum Wegwerfen" bezeichnet. Nichts desto trotz hat mir das Wochenende mit der geschlossenen Version des PT Cruiser viel Spaß gemacht. Ich werde zwar bei meinem Volvo bleiben, aber dieses amerikanische Spaßmobil würde durchaus eine sehr interessante Alternative für mich darstellen.
------------------------------- © marcolino@ciao.com 31.5.2001
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19.08.2002 13:42
Klasse Bericht über ein sehr schönes Auto. Zum Glück gibts den jetzt mit der Dieselmotorisierung, denn die Benziner waren meiner Meineung nach eine Frechheit... Grüße chwagner
24.06.2002 11:46
Das Auto hat wirklich ein schönes Design.
27.06.2001 16:25
Dieser Wagen ist auch schon seit längerem mein Traum und wenn alles gut läuft wird mir dieser Traum gegen Anfang nächsten Jahres entgegenschweben!Aber naja...hervorragender Bericht!Also weiter so und ich hoffe man liest sich...ya FujinRA ;-)