Ein Schiff wird kommen ......
29.12.2003 (16.11.2009)
Pro:
Preis, Ausstattung, Design, Platz
Kontra:
Qualität leicht unter Konkurrenzniveau
Empfehlenswert:
Ja
 thomas_kretschmer
Über sich:
Mitglied seit:17.12.2003
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Vertrauende:43
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Seit Jahren schon sind mir die CHRYSLER – Cabriolets als besonders elegant und selten aufgefallen. Als dann auch noch die Erkenntnis des günstigen Preis-Leistungs-Verhältnisses hinzukam, stand für mich die Kaufentscheidung fest. Abgesehen von unbezahlbaren Anbietern wie Rolls-Royce oder Bentley bietet keine Marke auf dieser Welt ein Cabriolet mit diesem Platzangebot : - volle 4 Sitzplätze mit viel Knieraum, eigentlich sogar viel Platz für 5, aber der 5. Gurt fehlt wie bei den meisten Cabriolets, - Kofferaum mit akzeptablen 320 Litern nach DIN, dazu der "2. Kofferraum" in Form des Verdeckkastens, in den zusätzlich noch ca. 2-3 Sporttaschen passen, - Angebot eines wirtschaftlichen Vierzylinders ( 2,0 Liter / 141 PS ).
Karosserie / Verdeck : Ein Schiff wird kommen ...
Auf elegante 4,92 Meter streckt sich das Fahrzeug und liegt damit eineinhalb Klassen über AUDI A 4 oder MERCEDES C-Klasse. Roadster darf man angesichts dieser Erscheinung sogar als „Pippikisten“ bezeichnen. Im Gegensatz zur C-Klasse jedoch vergrößert sich der Kofferraum bei geschlossenem Verdeck nicht, was ein erheblicher Nachteil ist, wenn man mal viel zu transportieren hat. Zwar bildet sich bei geschlossenem Verdeck im Verdeckkasten eine Art zweiter Kofferraum, jedoch ist dieser nicht gut nutzbar, da er ja hinter der Rücksitzbank liegt. Hier zeigt sich, das CHRYSLER im Kosteninteresse den Konstruktionsaufwand gescheut hat, auch was die fehlende automatisch-elektrische Abdeckung des Faltverdeckes angeht, die bei deutschen Premiumprodukten bereits Standard ist. Die Persenning-Lösung jedenfalls ist lästiger „Pippifax“ ! Ansonsten ist das Verdeck gut isoliert und regendicht. Zum Thema Verdeckpflege und Lackpflege habe ich übrigens jeweils einen Bericht geschrieben.
Motor / Getriebe : Nullachtfuffzehn, aber gut Der Motor hat gewichtsbedingt viel zu tun, da er nur 188 Nm Drehmoment und die aufgrund des 16 Ventil-Zylinderkopfes erst bei 4.350 U/min zur Verfügung stellt. Die Leistung von 141 PS ist bei Ausdrehen der Gänge aber voll ausreichend. 12,3 ( 2,0 Liter ) bzw. 9,9 Sekunden ( 2,7 Liter ) vergehen bis Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt infolge für Cabriolets gutem cw-Wert ( 0,35 ) und langer Getriebeendübersetzung flotte 200 bzw. 210 km/h. Meiner Meinung nach vollkommen ungerechterweise wird der 2.0- Motor in der einschlägi-gen Motorpresse stark kritisiert wegen mangelnder Elastizität, Laufruhe usw. - auch im Zusammenhang mit anderen Fahrzeugen ( PT-Cruiser, Neon ) , in die er leicht verändert verbaut wird. Diese Beurteilung liegt meines Erachtens an dem schlechten Image der Marke CHRYSLER,
Bilder von Chrysler Sebring Cabrio 2.0 Touring
deren Motoren einfach „nicht zu gut abschneiden dürfen“ sowie unfähigen Journalisten, die voneinander abschreiben, weil sie zu faul oder zu inkompetent sind. Tatsächlich ist der Motor sparsam : Da ich bei einer Sparmeisterschaft vor ein paar Jahren schon einmal den 1. Preis gemacht habe ( Gewinn : ein Auto ) ist mir jeder Spartrick bekannt – auf ausgesuchten Strecken fahre ich mit genau gemessenen unglaublichen 6,0 Litern ( die Bordcomputerwerte liegen ca. 0,3 Liter über dem tatsächlichen Wert ). Normalfahrer werden mit angemessenen 8 bis 12 Litern Superbenzin auskommen. Im LPG-Betrieb liegt mein Verbrauch bei 7 Litern. Die sehr lange Getriebeübersetzung ( 2.300 U/min bei 90 km/h ) dämpft natürlich die Elastizität, aber : Dieser Nachteil eines lang übersetzten Getriebes kann durch früheres Runter- oder späteres Hochschalten kompensiert werden – die Nachteile eines kurzen Getriebes könnte man jedoch nicht kompensieren, wenn man erst einmal im 5. Gang ist. Diese Erkenntnis fehlt offenbar so manchen Motor-Journalisten, die bei schlappen Motoren nach kürzeren Getrieben schreien und dabei viel nötiger ein Semester an einer Technischen Universität hätten ! Also : schaltet früh hoch ( u.U. schon bei 40 km/h in den 5. Gang ) und beschleunigt niedertourig mit starkem Gasgeben, denn nur dieser Betriebszustand ermöglicht dem Motor den optimalen Wirkungsgrad ( Sparsamkeit ). Erst wenn trotz Vollgas die Beschleunigung nicht ausreicht, schaltet `runter. Leichtes Brummen oder Vibrieren sollten nicht irritieren, da kein Motor ( auch kein älterer Motor ) dadurch Schaden nimmt, sondern wird Dich mit einem überraschend niedrigen Verbrauch und hoher Lebensdauer belohnen. Vermeidet aber untertouriges Fahren ( unterhalb Leerlaufdrehzahl, d.h. < 1000 U/min ) sowie Motorruckeln. Natürlich werden viele dies bestreiten und irgendwas nachplappern von wegen der Motor muss atmen oder die Motorschmierung funktioniert nicht usw. Aber dieser Quatsch wird nicht dadurch zur Wahrheit, indem er immer wieder aufs neue wiederholt wird – tatsächlich leidet ein Motor nur unter sinnlos hohen Drehzahlen, erst recht wenn er kalt ist.
Qualität : ordentlich
In meinem SEBRING Cabriolet gibt es so gut wie kein Klappern oder Knistern ; Die Verwindungssteifigkeit ist angesichts der üppigen Abmasse gut. Die Geräuschisolierung ist o.k., die Lackqualität ist akzeptabel und es sind lediglich ein paar Staubeinschlüsse zu erwähnen. Auch nach all den Jahren glänzt der Lack noch wie die Limousine des Bundespräsidenten. Brilliant-Schwarz mit Klarlack erzielt den maximalen Tiefenglanz. American way of life erkennt man an nachlässig geschnittener Kofferaumverkleidung, anspruchslosem Plastik-Holz-Imitat ( das aber trotzdem schön aussieht ), einer im Motorraum nur lose montierten Stabilisator-Stange sowie etwas sparsamer Hohlraumkonservierung. Doch bereits der Unterbodenschutz ist vorbildlich ausgeführt, was auf eine gute Qualitätsendkontrolle im Werk in Michigan / USA hinweist ! Die Kunststoffmaterialien wirken etwas billig, sind aber akzeptabel und passgenau montiert. Die Cassetten-CD-Stereo-Anlage klingt ausgewogen und überzeugend und die Lautsprecher sind belastbar, wenn man mal die Sau `rauslassen will ( Tschuldigung...). Trotz schlechter Beurteilung in der einschlägigen Motor-Presse kann ich als erfahrener Autofachmann Entwarnung geben : Dieses Auto hält, was es verspricht und verspricht auch nicht wirklich mehr, als es halten kann. Wer damit nicht zufrieden ist, der soll einen Rolls-Royce oder einen Bentley kaufen, aber da erzähle ich ja nichts Neues. Seit meinem Sommerurlaub 2009, bei welchem das Fahrzeug arg strapaziert wurde ist im unteren Drehzahlbereich ein leises Rumpeln zu hören, was ich auf die Abgasanlage zurückführe. Ich denke, dass nach 7 Jahren Betrieb und 67.000 km die Innereien eines Auspufftopfes schon mal rumpeln dürfen, bevor das Teil den Heldentod stirbt und ausgewechselt werden muss.
Komfort / Sicherheit : auf der sicheren Seite Der Federungskomfort ist beeindruckend gut, ohne die Strassenlage zu beeinträchtigen. Ansonsten verbietet sich bei einem solchen Cabrio–Cruiser jeder Gedanke an Nürburgring-Allüren. Kurvenheckmeck, Drehzahlorgien und Leitplankenmodullierungen sollen die anderen machen ! Aber wenn das Cabrio–Schiff SEBRING im Rückspiegel aufkreuzt machen die anderen meistens Platz.
Seitenairbags und bei Überschlag ausfahrende Bügel / hintere Kopfstützen gibt’s dabei weder für Geld noch gute Worte, wo sich wieder einmal der technische Rückstand gegenüber der europäischen Konkurrenz zeigt. Die Crash-Sichheit aber ist amerikanisch und damit so gut, dass man allemal einen AUDI A 4 oder MERCEDES, erst recht aber irgendeinen Pippi-Roadster von der Piste ditschen könnte. Das ist eben der gleiche Vorteil, wie ihn auch ein Supertanker hat, wenn er ein Segelboot rammt. Die Sitze sind ungeheuer komfortabel mit sehr guter Seitenführung, das Leder ist überraschend angenehm im Winter wie im Sommer, wobei für den Winter das Fehlen einer Sitzheizung sehr ärgerlich ist. Die Sitzpostion des Fahrers ist vorbildlich. Man spürt einfach bei jedem Handgriff und jeder Bewegung, das man ein grosses Auto fährt und nicht irgendso’ne Pippikiste ( mir fällt einfach kein anderes Wort ein, verdammt ). Die Nebellampen sind die Leuchtstärksten, die ich jemals an einem PKW gesehen habe. Der automatisch abblende Innenspiegel ist sehr nützlich – warum muss ausgerechnet ein „billiger Amerikaner“ deutsche Autos mit solchen Sicherheitsfeatures im Rahmen einer serienmäs-sigen Ausstattung deklassieren ? Ist etwa alles nur eine Preisfrage ?
Technik : einfach laaaaaaangweilig Die Motoren verfügen nur über die EURO 3 – Norm , da CHRYSLER angesichts der geringen Verkaufsstückzahlen in Good Old Germany die Kosten für die D 4 – Qualifizierung vermied, die aber doch zum Standard gehören sollte. Geringe Steuermehrkosten muss man in Zukunft also in Kauf nehmen – ein akzeptables Opfer. Insgesamt sind alle CHRYSLER-Fahrzeuge keine technischen Highlights : keine Benzin-Direkeinspritzer, keine 6-Gang-Getriebe, keine elektrischen Servo-Lenkungen, ESP sucht man am besten im Fremdwörterlexikon, aber nicht bei CHRYSLER. Lediglich die MERCEDES-Dieselmotoren machen Hoffnung, aber nur im PT-Cruiser, natürlich nicht in einem amerikanischen Cabrio wie dem SEBRING. Am Rande bemerkt : eine so schlechte Bedienungsanleitung wie jene des SEBRINGs habe ich noch bei keinem Auto gesehen – einfach erschütternd. Nach einer Micky-Maus-Lektüre ist man allemal schlauer als nach einem Blick in dieses erbärmliche Heftchen. Das Serviceheft lässt sich seitenweise aus über Schmiernippel und Sicherheitshinweise. Dass man andererseits nirgendwo das Wort „Bremsflüssigkeitswechsel“ liest, ist unverzeihlich ! Unverständlich auch die mittelalterlichen Ölwechselintervalle von nur 12.000 km, obwohl mit Vollsynthetikölen ( 0 W 40 ) Intervalle bis 20.000 drin wären und der Mehrpreis gegenüber Mineralölen locker über die Kraftstoffersparnis wieder `reinkommt.
Sein oder Design – das ist hier die Frage
Über das Design lassen sich vier Dinge sagen : erstens, zweitens und drittens schick ; viertens : der Rest ist auch schick. Der SEBRING ist geschmackvoll gestylt. Weitere Ausführungen sind überflüssig, da sich über Geschmack sowieso nicht streiten lässt.
Unterhaltungskosten : mit wenig Moos trotzdem viel los Cabriolets sind neben Roadstern und Geländewagen die wertstabilsten Autos. Der SEBRING verliert dennoch schnell an Wert, sodass man ihn am besten lange hält. Die kleine Inspektion kostet inkl. Material 160 €, Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung haben die Typklasse 19, die Kraftfahrzeugsteuer beträgt 102 €. Wenn man seine Kinder dann auch noch in Lumpen `rumlaufen und nur Knäckebrot essen lässt, dann müsste sich ein solches Fahrzeug doch wohl leicht finanzieren lassen ( 30 % aller Kinder haben sowieso Übergewicht ! ). Inzwischen habe ich den Wagen von ATU auf Flüssiggas (LPG) umrüsten lassen und fahre ihn mit 7 Litern Flüssiggas auf 100 km sehr sparsam (der normale Verbrauch dürfte bei 8-12 Litern Flüssiggas liegen).
Preis-Leistungs-Verhältnis : Mehr ist einfach mehr
Es geht nichts über eine gute Ausstattung, ausser eine bessere Ausstattung – und CHRYSLER–Fahrzeuge haben immer die allerbeste Ausstattung. Leder, Klima, Alu, Metallic, elektrischer Spielkram - Dieses Erwachsenenspielzeug unterscheidet sich von Kinderspielzeug nur im Preis : trotzdem günstige 29.340 € werden für den 2,0 und 34.640 € für den 2,7 Liter mit Automatik aufgerufen. Einfach unschlagbar. Blickt man in Konkurrenz-Preislisten, möchte man nur noch fahrradfahren – oder eben SEBRING !!
Fazit : Verbesserungspotential CHRYSLER sollte nochmal die Schulbank drücken, wenn es verkaufsmässig in Europa fussfassen will : deutsche Autofahrer stehen auf ESP, Seitenairbags, Benzin-Direkteinspritz-ung, D4/5–Norm, 6-Gang-Getriebe usw. - und : sie sind offenbar zu blind, um ein Super-Cabrio zu erkennen. Der SEBRING gehört zu den meistunterschätzten Autos. Er gehört in meiner Familie zu den mit Abstand zuverlässigsten Fahrzeugen !!! Dies aber hat für SEBRING-Besitzer den grossen Vorteil, ein seltenes Auto zu fahren.
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21.01.2010 20:07
schönes autochen =) aber leider nicht in meinem preisrahmen
24.12.2009 21:29
ein Pferde- und Cabrioliebhaber, das verdient v. V.
21.12.2009 01:59
Den Titel hast Du von mir geklaut,oder? ;-)) LG, Roland