Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Günstiger als eine Siemens Anlage - - zukunftsfähig - - offenes System |
| Kontra: |
Wieder zwei neue Passwörter ! - - unbequemer Hörer - - Calling Groups sehr unpraktisch zu handhaben |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Im April 2004 hat sich meine Firma von ihrer Siemens ISDN Telefonanlage verabschiedet und betreibt seitdem ein Cisco IP Telefonie Netzwerk (Voice over IP - VoIP). Fast alle Arbeitsplätze wurden mit dem Cisco 7940 IP Telefon ausgerüstet. Nach einem Vierteljahr möchte ich nun meine Erfahrungen mit dem 7940 zusammenfassen. Dabei werde ich gezwungenermaßen auch auf Netzwerkfeatures eingehen, denn das Endgerät an sich kann so gut wie nichts. Es kann sogar noch weniger als ein normales Telefon. Sämtliche Dienste laufen direkt auf dem Unity-Server der die Anlage steuert, das Telefon selbst ist quasi nur eine Bedienkonsole.
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Ausstattung und Design
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Das Design würde ich als zurückhaltend modern beschreiben. Irgendwo zwischen Bauhaus und Postmoderne. Es gibt ein Produktbild in dieser Kategorie, darum möchte ich darüber nicht all zu viele Worte verlieren.
Der augenfälligste Unterschied ist das Fehlen von Kurzwahltasten. Gespeicherte Telefonnummern verbergen sich tiefer im Menü des Telefons. Ansteckbare Kurzwahlmodule sind als optionales Zubehör erhältlich.
Dank der eingebauten Schwenkstütze lässt sich der Stellwinkel des Telefons von flach liegend bis fast aufrecht stehend individuell anpassen. Die beiden Extremwerte sind für den normalen Einsatz kaum brauchbar, aber dazwischen wird wohl jeder sein persönliches Optimum finden.
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Handhabung
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Die Tasten haben einen angenehmen Druckpunkt, nicht zu hart und nicht zu weich, wackeln aber in ihrer Fassung ziemlich herum und machen auch kein hochwertig anmutendes Tippgeräusch. Kling eher ein wenig nach Plastikspielzeug. Dafür sind die Zahlen groß und kontrastreich aufgedruckt
Das Display ist ebenfalls schön groß und gut lesbar. Monochrom und mit deutlich sichtbaren Bildpunkten wirkt es als hätte man ein Handydisplay der ersten Generation auf Desktopgröße aufgeblasen. Manchem mögen die groben Pixel stören, der Lesbarkeit tut das aber keinen Abbruch.
Am Hörer habe ich das einiges zu kritisieren. Außen besitzt er eine handschmeichelnde, leicht aufgeraute Oberfläche, ähnlich wie man sie von den obligatorischen Gigaset Telefonen kennt. Innen jedoch ist die Oberfläche glattes graues Plastik, das irgendwie unappetitlich aussieht. Vor allem weil man darauf jeden Fingerabdruck und jeden Krümel Ohrenschmalz sieht. Schlimmer jedoch finde ich, dass man das Teil nicht vernünftig zwischen Schulter und Ohr klemmen kann. Ich arbeite jetzt seit über drei Monaten mit dem 7940 und habe noch keinen Weg gefunden den Hörer freihändig so zu balancieren, dass ich nicht wie Quaismodo hinter meinem Schreibtisch hänge.
Vielleicht sollte ich die Anschaffung eines Headsets beantragen. Die sind allerdings mit ca 150 Euro sehr teuer. Man kann aber auch eventuell vorhandene von normalen Telefonen über einen Adapter (ca. 15€) anschließen. Funktioniert nach Auskunft von Kolleginnen problemlos.
Eine andere Lösung wäre auch der eingebaute Freisprecher. Lautsprecher und Mikrofon sind seltsamerweise hinter dem Hörer verbaut. (Auf dem Produktbild kann man das mit etwas gutem Willen erkennen.)
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Benutzerführung
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Das 7940 verhält sich zwar in den Grundfunktionen wie ein normales Telefon, wer jahrelang am Siemens Gigaset rumgefummelt hat, wird sich jedoch etwas umgewöhnen und auf Neues einstellen müssen.
Das fängt damit an, dass man sich am Telefon vor der ersten Benutzung authentifizieren muss. Die Passwortflut rollt weiter. Als wenn ich nicht schon genug PIN und Passwörter hätte. Ein Login ist nicht oft nötig, was aber wiederum die Wahrscheinlichkeit erhöht das man die Telefon-PIN genau DANN vergessen hat.
Die Reihe von vier Softkeys unter dem Display deren Bedeutung sich kontextabhängig ändert, ist selbsterklärend, nach einer kurzen Einweisung hatten die meisten Mitarbeiter das Prinzip kapiert.
Gegen die alten Siemens-Geräte kann man ja sagen was man will, aber die Benutung war wirklich unkompliziert. Wenn man erstmal wusste wie, waren Übernahmen, Weiterleitungen etc. ratzfatz erledigt mit meist nur einem Tastendruck.
Beim 7940 ist bei allen Handhabungen immer mindestens ein Tastendruck mehr nötig. Darüber hinaus ist die Einrichtung von sogenannten Calling Groups, also Gruppen von Leuten deren Gespräche man auf dem eigenen Apparat entgegennehmen kann, sehr unpraktisch gelöst.
Im Grundsystem wie es von Cisco ausgeliefert wird, gibt es nämlich keinerlei Anzeige, weder akustisch noch optisch, wenn jemand aus der eigenen Calling Group angerufen wird. Das ist ausgesprochen unangenehm, weil man dann darauf angewiesen ist immer zu lauschen ob im Raum irgendwo ein Telefon klingelt, das zur eigenen Calling Group gehört. Ist der Klingelton sehr leise eingestellt oder das Telefon gar in einem anderen Raum, kann schon mal der eine oder andere Anrufer sich nen Wolf klingeln.
Wenn ich dann einen Anruf der Gruppe heranhole, und erst dann!, erscheint auf meinem Display die Information wer gerade wen zu erreichen versucht. Dann muss ich mit einem weitern Tastendruck das Gespräch aufnehmen. Oder es bleiben lassen. Das Problem dabei: der Anrufer (zumindest innerhalb der Anlage) sieht, dass ich den Anruf herangeholt habe und könnte eventuell verschnupft reagieren, wenn er sieht, dass ich ihn nicht annehme. Das war mit der Siemens Anlage wesentlich praktischer, denn auf meinem Display habe ich immer gesehen wer aus meiner Gruppe von wem angerufen wurde. Auch ohne irgendwelche Knöpfchen zu drücken.
Nun ist die Cisco Anlage ein sehr offenes System. Nahezu beliebige Anwendungen lassen sich in XML programmieren. Will man das aber nicht selber tun, muss man teure Lizenzen hinzukaufen. So gibt es auch eine Erweiterung die das Calling Group Verhalten wesentlich benutzerfreundlicher macht. Die hätte für unsere Anlage (ca. 300 Anschlüsse) rund elftausend Euro gekostet. Unser Management hat sich dagegen entschieden und so bleibt beim normalen Angestellten das Gefühl des technischen Rückschrittes, obwohl die Technologie in Wirklichkeit der alten ISDN Anlage haushoch überlegen ist. Nur mit der Implementierung hapert es eben. Eine vergebene Chance, Cisco!
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Infrastruktur
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Da IP-Telefonie auf einer anderen Technologie beruht als herkömmliches ISDN, ist auch das Telefon inkompatibel. Sämtliche Daten laufen über normales Ethernet-Protokoll. Darum sind spezielle Server und Switches für den Aufbau der Anlage anzuschaffen, die allesamt ebenfalls von Cisco angeboten werden. Die unterstützen das sogenannte PoE (Power over Ethernet, Stromversorgung durch Netzwerkkabel), so dass die Telefone kein Netzteil benötigen. Klingt selbstverständlich, ist es bei VoIP aber nicht. Sofern man PoE noch nicht installiert hat sind allerdings umfangreiche Patchingarbeiten notwendig.
Die Server sind das Herzstück der Anlage, denn das Telefon kann gar nichts. Alle Leistungsmerkmale müssen auf dem Server installiert werden und von dort lädt sie sich das Telefon als eine Art Terminal Client herunter.
Nach draußen werden die Gespräche dann über einen Wandler ins ganz normale ISDN Netz weitergeroutet. Hätte man ein IP-Telefonie-Netzwerk beispielsweise in einem anderen Firmenstandort könnte man die Gespräche zu dieser Nummer aber auch über das Internet oder ein eigenes Firmennetz routen. Das setzt allerdings stabile Verbindungen voraus.
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Sprachqualität
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Keine Abstriche zu den normalen ISDN Telefonen, die wir bisher benutzt haben.
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Features
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Ein großer Pluspunkt der Anlage ist, dass man sie ins bestehende Mailserversystem einbinden kann. Das funktioniert soweit ich weiß bisher nur mit Microsoft Exchange Systemen und dem entsprechenden Mailclient (Outlook). Diese Integration bringt dann aber solche netten Sachen wie Wählen aus dem Outlook Kontakte-Verzeichnis heraus (mit einem Mausklick stellt das Telefon die gewünschte Verbindung her). Oder ich bekomme meine Sprachnachrichten als WAV-Datei in meine Outlook Inbox und kann sie so am Rechner abhören, sie archivieren oder als email weiterleiten.
Das Setup des Telefons wird über ein Web-Interface gesteuert. Intelligenterweise brauche ich für den Zugang wieder ein Passwort. Diesen Zugang mit der PIN zu ermöglichen die ich ja sowieso schon am Telefon zur Authentifizierung (am gleichen System!) benutze schien den Entwicklern wohl zu wenig Hinrakrobatik. Super gemacht, ihr lieben Ingenieure. Jeder Computeranwender sinkt vor Dankbarkeit auf die Knie.
Dort kann man ein eigenes Adressbuch pflegen, das man dann über das Menü am Telefon aufrufen kann. Halte ich aber für recht überflüssig, da ich ja aus meinen Outlook Kontakten heraus auch wählen kann und zwei Kontaktlisten zu pflegen ist mir dann doch zu aufwändig.
Als Sprachen für das Telefonmenü sind bei uns Englisch und Deutsch auszwählen.
Sehr angenehm sind mir schon mehrere Male die langen Anruf-Listen aufgefallen. Die Liste der verpassten, angenommenen und und selbst getätigten Anrufe umfasst insgesamt 36 Einträge, wobei neben den Nummern sogar der Name des Gesprächspartners angezeigt wird (soweit dem System bekannt). Sowas erspart viel Wählarbeit. Außerdem kann ich auf das gesamte Telefonbuch über das Telefondisplay zugreifen und dort nach Nummern, Vor- und Nachnamen suchen und das sogar unscharf! Äußerst praktisch.
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Fazit
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Das Telefon ist für den Privatmann komplett uninteressant, weil es Teil der Cisco IP Telefonie Telefonanlage ist. Wir besitzen seit einem Vierteljahr ein solches System in der Firma und die Resonanz ist geteilt. Das Telefon an sich ist ein solides und brauchbares Gerät, allein die Implementierung einzelner Features auf der Infrastruktur lässt zu wünschen übrig. Vor allem ist das das Calling Group Verhalten zu nennen, für das man erst teure Lizenzen kaufen muss um es richtig benutzerfreundlich zu gestalten.
Für die Anlage sprechen die Kosten. Die Leasingkosten für 3 Jahre liegen rund ein Drittel unter denen einer Siemens ISDN Anlage. Es ist jedoch ziemlich arbeitsaufwändig die komplette Infrastruktur umzustellen. Außerdem ist zu bedenken, dass sich der Support für die Anlage naturgemäß in die IT Abteilung verlagert, wo genügend Manpower vorhanden sein sollte. Ich denke aber die IP-Telefonie ist mehr und mehr im kommen wird bald auch in privaten Markt umkrempeln.
Diese allgemeinen Bemerkungen seien mir erlaubt, denn das 7940 ist nicht getrennt von der zugehörigen Telefonanlage zu betrachten, die Bewertung unten beziehe ich soweit möglich dennoch auf das Gerät selber.