Erinnerungen an damals...
20.09.2001
Pro:
sparsam, einmaliges Fahrgefuehl, "un Art de vivre"
Kontra:
null passive Sicherheit, grosser Wendekreis, wenig Anhaengelast; - )
Empfehlenswert:
Ja
 e30cab
Über sich:
Mitglied seit:17.09.2001
Erfahrungsberichte:2
Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 52 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Eigentlich ein recht sinnloser Bericht, denn die Ente stirbt auf unseren Strassen langsam aus. Ich selbst fahre jetzt auch Auto und nicht mehr Lebensgefuehl, aber manchmal wuensche ich mir meinen Liebling doch zurueck, und wenn auch nur fuer ein paar Stunden.
Es ist wie mit vielen Sachen, man muss sie lieben oder hassen, am besten ist eine Mischung aus beidem ;-) Ich habe mit meiner ersten Ente in fuenf Jahren halb Europa bereist und dabei etwa 180.000 km zurueckgelegt. In dieser Zeit waren ein Getriebe und ein Motor, sowie diverse Blechteile und ein Rahmen faellig. Zum Getriebe muss man sagen, dass die "neuere" Ausfuehrung mit Scheibenbremsen recht kritisch auf zu schnelles Rueckwaertsfahren reagiert, dabei koennen sich naemlich die Schaltklauen loesen und man kann dann nicht mehr schalten. Mir ist das gleich in der ersten Woche passiert und so kam fluchs ein "neues gebrauchtes" rein. Arbeitsaufwand, damals als Anfaenger ein Tag. Schoen ist, das man einfach alle vorderen Blechteil abschraubt und so im Frontbereich ungehemmt schrauben kann ( mit etwas Erfahrung dauert ein Motorwechsel dann einen halben Tag (alleine wohlgemerkt)). Eine Woche spaeter habe ich den ganzen Karren bei nasser Fahrbahn dann vor ein Verkehrsschild geschoben und wieder war eine umfangreiche Reperatur faellig. Man muss sich halt erstmal an die eigenwillige Fahrweise dieses Gefaehrts gewoehnen.
Im Laufe meiner Entenzeit habe ich dann viele Treffen besucht, die uebrigens trotz sinkender Zulassungszahlen noch zahlreich stattfinden ( auf mein Lieblingstreffen in Roetgesbuettel fahre ich immer noch jedes Jahr zu Ostern, obwohl ich meine Ente schon vor Jahren verschenkt habe). Zur Technik: luftgekuehlter Zweizylinder Boxer mit satten 27 PS, da macht es keinen Spass auf die Autobahn zu fahren. Eine Aerodynamik vergleichbar mit einer Schrankwand, Eiche massiv, lassen das ganze bei 120 Km/ Spitze aufhoeren, aber mehr halten die Bremsen auch nicht aus, wenns mal drauf ankommt.
Umso angenehmer ist das Fahren auf schlechter Wegstrecke, denn durch die eigenwillige Art der Federung (Vorder und Hinterachse sind gekoppelt gefedert ) schluckt das Fahrwerk einfach alles weg. Super auch die 15 Zoll Bereifung mit den schmalen 125er Reifen, damit ledert man im Winter alles ab, Schneeketten - was ist das?
Zwischen erstem und zweiten Gang muss eine Gedenkpause eingelegt werden denn der Erste ist nicht synchronisiert, besonders beim runterschalten bemerkbar. Die Innenaustattung ist auf ein Minimum reduziert, und die zwei "Gartenstuehle" koennen auf langen Touren zu Torturen werden ( 2000 Km am Stueck nach Suedfrankreich, ich sage euch - mein Ruecken!)
Minimalster Benzinverbrauch lag bei 3,5 Litern, der hoechste bei 7. Da koennen sich moderne Autos mal ne Scheibe abschneiden, allerdings muss man zugeben, das die Ente auch nicht viel Sicherheit um den Fahrer gebaut hat und somit nur knapp 600 Kilo wiegt. Unfaelle sollte man also besser vermeiden ;-) ueberhaupt sollte man einige Schrauberfaehigkeiten besitzen, denn ab und zu verlaesst einen das gute Stueck. Ich habe allerdings immer aus eigener Kraft mit Bordmitteln nach Hause gefunden, und den Service bei Citroen (auf jeden Fall in Braunschweig bei Auto&Sport) kann man getrost vergessen, denn da wird ( wurde ) man als Entefahrer nichtmal mit dem Hintern angekuckt.
Das man mit der Ente ein viertueriges "cabrio" erwirbt, weiss jeder, und so kommt man auch mit schmalem Geldbeutel in den Genuss des oben ohne Fahrens. Steuer und Versicherung sind ebenso ein Lacher und schonen den Geldbeutel. Wegen der "schlechten" Fahrleistungen hatte ich irgendwann die Nase voll vom Entenfahrerdasein und bin noch einige andere Franzusen gefahren. Inzwische kommt mein Auto aus Bayern und eins hat es wieder mit meinem ersten Auto gemeinsam: man kann das Dach wegfalten :-)
Fazit: wenig Auto fuer noch weniger Geld, aber man sollte keine zwei linken Haende haben, oder einen guten Schrauber kennen. Wie es um den Zustand der letzen Exemplare bestellt ist, kann ich nicht mehr beurteilen, aber der Rost war schon damals ein arger Feind... das war also mein rein nostalgischer Rueckblick auf die Anfaenge meiner Autokarriere ;-)
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19.09.2005 11:20
Eines meiner Lieblingstiere. Und Kultauto Numero Uno. Klasse beschrieben. LG Jürgen
20.09.2001 18:28
Der Motor im Trabbi geht erheblich schneller rein bzw. raus. Die Ente gehört zu den wenigen Kultautos (Mini, Trabbi, 2CV, Fiat 500,...) BD, robafella
20.09.2001 08:50
ein "sehr hilfreich" - wegen der nostalgischen wallungen, die mich beim lesen deines berichts ueberkamen... :)