DAS waren noch Zeiten!
02.02.2002
Pro:
das einzige Auto mit Charakter
Kontra:
nur passive Sicherheit möglich
Empfehlenswert:
Ja
 LeaofRafiki
Über sich:
Füchschen ist am 08.03.11 morgens um 4:30 Uhr bei meiner Tierärztin zuhause gestorben.
:-( LiebeN...
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Jetzt höre ich mich schon an wie eine uralte Oma..., aber wie das so ist beim Stöbern, gibt es ja auch den einen oder anderen Moment, wo man resp. frau sehnsüchtig in Vergangenheit blickt. Selbiges tuend erstand vor meinem inneren Auge wieder mein, nein, leider nicht erstes, aber zweites Auto: eine Ente. Genauer gesagt, eine Kastenente, korrekt eine 2CV AK (ihre Vorgängerin war eine aufgemotzte Ente, eine Diane). Beige-sandfarben, mitten in ihrem unverwechselbaren Gesicht prangte ein überdimensionaler "Atomkraft - Nein Danke" Aufkleber und um ein Haar hätte sie hinten Blumenkästen gekriegt... Dafür hatte sie Gardinchen. Immerhin war sie nicht nur ein Auto, sondern Wohnmobil, Lastentransporter und Geheimversteck alles in einem. Ich weiß nicht einmal mehr, was sie gekostet hat, bekam ich sie doch als Neuwagen geschenkt... Und da sie keine Montagsproduktion war, blieb ich auch die wenigen Jahre, die wir miteinander teilen durften, von Pannen und Reparaturen verschont. Aber nicht nur deswegen hab ich sie heiß und innig geliebt. Viele, viele Kilometer haben wir miteinander verbracht und etliche Abenteuer erlebt, das verbindet...
Warum aber wollte ich unbedingt eine Kastenente? Nun, das eigenwillige Fahrgefühl ist in etwa das gleiche wie in der "normalen" Ente - bei engen Kurven knutschte man die Seitenteile und jedesmal klappte das Fenster runter, was ewig blaue Flecken am lässig rausgehängten Ellenbogen gab, aber umgekippt ist sie dennoch nie. Allerdings war meine eben "nur" ein Zweisitzer mit Ladefläche. (Wollte ich allerdings mal wieder das berühmte Enten-Cabrio-Gefühl haben, hab ich mir einfach die meiner Mutter ausgeliehen) Dies hatte für mich damals den unbezahlbaren Vorteil, daß ich mir nie eine Unterkunft suchen mußte auf meinen Fahrten quer durch Deutschland und Europa. Die Ladefläche war zwar ein büschen kurz, aber diagonal ging's. Also am Wochenende eine rollbare Schaumstoffmatratze, Kissen und Federbett eingepackt und los. Im Winter war's zwar recht schnell kalt, denn das Blech war ja wie bei einem Lieferwagen üblich, völlig unverkleidet und morgens gab's dann die schönsten Eisblumen an den Fenstern, dafür wurde ich im provencalischen Sommer auch von auf meine Nase tropfendem Kondenswasser geweckt. Bei Schnee und Eis gab's nen Schleuderkurs auf einer spiegelglatten Marburger Halde, kurz vor dem Abgrund rutschte das Heck gottlob in die richtige Richtung, aber so lernte ich wenigstens mit Gas und Bremse wenden. A propos lernen, als Lieferwagen war sie damals schon mit zwei Außenspiegeln ausgestattet, und mit deren Hilfe parke ich heute noch ein. Was man einmal gelernt hat... Die Sitze waren eine Katastrophe. Eine etwas bessere statt Segeltuch Plastikverspannung - aber in jungen Jahren steckt man sowas locker weg. Genauso gewöhnungsbedürftig war die Revolverschaltung, daß der Rückwärtsgang vor dem 1. lag und vom 2. in den 1. runterschalten am besten mit nicht in der Fahrschule gelerntem Zwischengas ging.
Mit ihrer Handvoll PS war sie natürlich keine kräftige Zugmaschine und so versagte sie mit drei Passagieren in den Alpen auch prompt ihren Dienst. Also hieß es: Beifahrer aussteigen, wenden, rückwärts den Berg hoch und warten, bis die Spaziergänger nachkamen. A propos rückwärts fahren... Meinen einzigen Unfall hatte ich, als ich verträumt an einer Ampel hielt und mir plötzlich einfiel, daß ich als geplante Linksabbiegerin auf der falschen Spurt stand. Also flink in den Rückspiegel geschaut, keiner hinter mir?, prima, Rückwärtsgang rein, Gas und *krach*. Sand da auf einmal ein verdatterter Käfer mit eingedötschter Motorhaube... NEIN, ich lüge nicht! Zwar hat die Ente nur papierdünnes Blech, wäre somit bei jedem Unfall unterlegen, nicht aber die Kastenente! Die hatte nämlich statt hinterer Stoßstange ein massives Eisenrohr, exakt in Höhe der 99.000 anderen Kotflügel und Scheinwerfer. Bekanntschaft mit diesem durften später noch zwei weitere "Drängler" machen, sehr zum Leidwesen ihrer Versicherung. Nun ja, normalerweise war sie ja nicht besonders schnell... Aber bergab! Erst recht mit Rückenwind! Unschlagbar mit 110 km/h Spitze...
Am schönsten jedoch war ihre Zulassung als LKW. Richtig! Da sie wie schon erwähnt, ein Zweisitzer mit Ladefläche war, hatte ich sie als LKW zugelassen. Sparte immerhin Steuern. Damals. Und so begab es sich auf einer Fahrt nach Berlin, daß ich die damalige Transitstrecke passieren mußte. An allen Grenzübergängen nun gibt und gab es zwei Möglichkeiten: PKW und LKW. Ich, nichts Böses ahnend, reihte mich natürlich wie üblich bei den PKW ein. Nach stundenlanger Wartezeit wurden endlich auch meine Fahrzeugpapiere kontrolliert, doch statt nachdem obligatorischen Check, ob ich keine Flüchtlinge im Minitank hätte, wurde ich unsanft zurückgewiesen. Ich sollte mich doch bitte bei den LKWs neu anstellen. Brav ordnete ich mich unter grölendem Gelächter der dort versammelten Trucks in die Schlange ein, doch schon wartete das nächste Unglück auf mich. Wo denn bitteschön meine Zollpapiere wären, und außerdem sei der Laderaum ja gar nicht versiegelt. Oh Heilige Bürokratie! Nach stundenlangem Hin und Her, etlichem am Kopf Kratzen und vielen Fragezeichen in den Augen wagte es endlich ein nicht ganz linientreuer DDRler mich durchzulassen. Aus Schaden wird frau klug und so benutzte ich, wann immer an irgendeinem Grenzübergang eine kilometerlange Schlange war, ab da den LKW-Übergang. Holländische, italienische, französische Grenzer bogen sich vor Lachen, spendierten einen Kaffee, wenn ich ins Zollhäuschen marschierte und winkten mich später, als mein Gefährt hinlänglich bekannt war, einfach durch. Auch unter den Brummifahrern war ich bekannt wie ein bunter Hund, schlief auf jedem Rastplatz, eingerahmt von haushohen Artgenossen sicher wie in Abrahams Schoß und genoß das Vergnügen, auf hügeligen Autobahnen Rückendeckung zum Überholen zu bekommen... Auch meine (damaligen) Katzen liebten dieses Auto. Konnten sie doch bequem auf der blechernen Fensterbank der hinteren Seitenscheiben sitzend das Geschehen jenseits des Glases beobachten. Sie liefen frei rum, ab und an kam eine nach vorne, hockte sich auf die Rückenlehne und versuchte mir Anweisungen zu geben, manchmal aber auch sprintete eine nach hinten und öffnete einfach die Tür. Diese ließ sich zwar von außen abschließen, jedoch immer von innen öffnen. Später kaufte ich dann freiwillig einen Katzentransportkorb...
Unser Beisammensein währte nur gute zwei Jahre, dann warf mich ein Krankheitsgeschehen aus der Bahn, so daß sie verkauft wurde und ich zwei Jahre lang nur öffentliche Verkehrsmittel benutzen konnte. Danach war ich zu erwachsen. Leider. Aber gäbe es dieses Auto heute wieder, ich könnte schwach werden. Und nicht nur wegen des geringen Benzinverbrauchs. Bis dahin fahre ich den längst nicht so schönen, aber auch wieder eigenwilligen Nachfolger, einen Berlingo... Technische Details hab ich außen vor gelassen. Erstens ist's zu lange her und zweitens gibt's da so einen schönen Spruch, der da lautet: "Frauen und Technik"...
© LeaofRafiki, 02.02.2002 *************************************************** ACHTUNG FAKERSCHUTZ: Sobald dieser Bericht oder Teile davon von einem anderen Verfasser als LeaofRafiki bei Ciao, Dooyoo, Hitwin, Yopi, Griasdi oder Ecomments erscheint, handelt es sich um geklaute Worte !!!!!
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03.07.2004 15:42
meinen Enten trauere ich manchmal heute noch nach. Unvergesslich meine Freundin, die auf dem Rücksitz seekrank wurde, oder die selbstgeschnitzten Profile in den Winterreifen meine Dyane....eine Ente ist ein Lebensgefühl, kein Auto! LG feliz
22.03.2003 23:38
Auch ich habe meine Autofahrerkarriere mit einem 2CV angefangen, allerdings mit der kleinen 400 ccm (16 PS). Gemeinsam haben wir, daß bei Enten Gardinen hatten. Meine hatte, quasi als selbstgebaute Specialedition einen Drehaschenbecher und im Rollverdeck eine eingestzte Klarsichtfolie (um den Sternenhimmel besser betrachten zu können - tja, Entenfahrer waren immer schon ganz was romantisches). Ich habe meine letzte Ente vor 12 Jahren abgegeben, könnte mir aber vorstellen, mir wieder eine zuzulegen. Sie sollte halt ein bischen mehr Power unter der Haube haben und vielleicht etwas mehr Sicherheitstechnik. Was ich aber auf keinen Fall möchte ist, das Citroen im Stile VW eine "neue" Ente auflegt. Wenn, dann muß es optisch schon die alte sein. Es ist halt doch schön, hin und wieder in Erinnerungen schwelgen zu können. Schöne Zeit b.j.
18.06.2002 20:23
Hi LeaofRafiki Der bericht ist dir sehr gut gelungen Denn mein Vater hatte auch mal 3 Enten