20 Jahre Ente, Kult und Lebensgefühl
11.10.2002
Pro:
Praktisch, luftig, sicher, sparsam, einfach
Kontra:
langsam, laut, schwache Heizung, Rost
Empfehlenswert:
Ja
 autoklinik
Über sich:
Uuups...2010 ging Ciao-mäßig ganz schön an mir vorbei. 2011 war es bislang nicht viel besser...jetzt...
Mitglied seit:10.10.2002
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Seit zwanzig - nein einundzwanzig Jahren gab es keinen Tag, an dem ich nicht mindestens eine Ente besessen hätte. Momentan sind es wohl um die zwanzig, einige zum verkaufen, zwei in der Warteschleife zur Schlachtung und immerhin zwei zugelassene Fahrzeuge. Ich kann mir eigentlich kaum ein besseres Kraftfahrzeug vorstellen (höchstens zum Beispiel ein Fahrrad, aber das ist ja kein (KRAFTfahrzeug). Enten sind ungeheuer praktisch (Rückbank raus - 27 Sekunden --> Kombi, Beifahrersitz raus - 19 Sekunden --> Riesenkombi, Dach auf - 35 Sekunden --> LeiterSurfboardBaudielentransporter. Auch ein Klavier war schon drin). Sie sind sparsam: Sprit 5,5 bis 7 Liter, Haftpflichtversicherung Typklasse 10 (die billigste), Steuer je nach Baujahr um die 150 Eumel pro Jahr. Wenn der erhältliche G-Kat(!!!) nachgerüstet wird, sind es sogar nur noch 60 Euro. Ersatzteile meistens billig (Auspuffanlage bei mir komplett ca. 90 Euro) und einfach einzubauen. Enten schrauben ist wie Lego bauen. Und da nix dran ist, was nicht unbedingt nötig ist, kann auch nicht viel kaputt gehen. Dennoch: Eine Ente will ein bisschen gepflegt werden. Ein Auto mit 65-jähriger Historie erfordert schon etwas Wartungsaufwand. Kontakte erneuern und einstellen, Ventilspiel einstellen, diverse Schmiernippel, die nach Fett lechzen usw. Spätestens alle 10000 km ist eine mehr oder weniger aufwendige Inspektion fällig. Wer seine Ente pflegt wird sich wundern, wie zuverlässig diese Wägelchen sein können. Die Schlussposition in der ADAC-Pannenstatistik stammt aus Zeiten als die schlimmsten Feinde der Ente ihre Besitzer waren: Sparfanatiker mit der Einstellung, dass ein billiges Auto doch wohl keinen Ölwechsel braucht... Ergebnis war, das diese geschundenen Tierchen erst eine Werkstatt von innen sahen (und sehen) wenn nix mehr geht - oder gleich auf dem Schrottplatz landeten. Zum Thema Sicherheit: Ich habe schon viele um ein großes Maß verkürzte Enten gesehen. Den Insassen ist aber immer verhältnismäßig wenig passiert. O.K. das Blech ist dünn, die Konstruktion sieht bei Crashtests echt alt aus. Aber: Durch die lange Haube wird zumindest von vorn viel Aufprallenergie absorbiert. Die dünnen Türchen indes können im Zeitalter von Seitenaufprallschutz und Kopfairbags wirklich kein großes Sicherheitsgefühl vermitteln. Aber: 1. ist die Ente so langsam, dass sie meistens erst ankommt wenn der Unfall schon passiert ist, 2. haben Enten sensationell sichere, gut kontrollierbare Fahreigenschaften (insbesondere im Winter!) - also aktive Sicherheit - 3. sind EntenfahrerInnen sowieso die besten AutofahrerInnen. Allein die Tatsache, dass sehr viele Frauen Ente fahren mag einen Grund dafür darstellen, dass sie sehr selten in schwere Unfälle verwickelt werden. 4. sind EntenfahrerInnen näher dran: Es ist laut, es zieht meistens irgendwoher und es ist relativ eng. Daraus resultiert eine große Nähe zu dem was abgeht. Die Schnarchnasen, die in ihrem Daimler überhaupt nichts mehr vom Straßenverkehr mitkriegen sind wahrscheinlich gefährdeter als jede(r) EntenfahrerIn. Besonders im Winter kommt das zum Tragen, weil die Glatteisgefahr geradezu am eigen Leib zu spüren ist, während Otto-normalfahrer in seiner warmen Kutsche der Illusion erliegt es sei warm. Dafür funktioniert die Heizung im Sommer tadellos, selbst wenn sie abgestellt ist - wenn sie sich denn abstellen lässt. Ein Angstthema aller Ententreiber ist der Rost. Unzählige Exemplare sind ihm schon zum Opfer gefallen, aber angesichts der vielen noch existierenden ihrer Art noch zwölf Jahre nach der Produktionseinstellung sprechen eine deutliche Sprache: So schlimm kann es nicht sein. R4 und Käfer sind quasi aus dem Straßenbild getilgt, Enten laufen noch zu zehntausenden. Ein Grund mag sein, dass sich selbst die letzte Grotte verhältnismäßig leicht restaurieren lässt. Der Markt bietet von allen Reparaturblechen bis hin zu kompletten feuerverzinkten Fahrgestellen alles was zur Erhaltung der Ente dienlich ist, wiewohl die gesamte Ersatzteilversorgung nach wie vor gesichert ist. Fazit: Enten sind bei guter Pflege absolut alltagstaugliche Kultoldies. Sie stehen insofern in einem höchst angenehmen Kontrast zu den heutigen niederquerschnittalubefelgtem Einheitseinerlei auf unseren Straßen.
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02.08.2009 18:43
Unikum, meinte ich natürlich! :-)
02.08.2009 18:43
Ds war schon ein Unkkum, besonders die Pick Up Ente :-)
31.12.2008 02:20
Bin ich auch ne gute Zeit lang gefahren. War immer sehr spassig - eben eine Lebensauffassung. ;o) LG Thomas