Citroën 2CV6 (Ente)

Erfahrungsbericht über

Citroën 2CV6 (Ente)

Gesamtbewertung (33): Gesamtbewertung Citroën 2CV6 (Ente)

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Die Ente ohne Watschelgang!

4  19.09.2005

Pro:
Fahrgefühl, Cabrio, Verbrauch, Nostalgie pur

Kontra:
Auweia, Sicherheit, sehr anfällig für Rost

Empfehlenswert: Ja 

hjschwarz63

Über sich: Ist zur Zeit nicht so doll. Dauernd passiert mir was. Greetings Jürgen

Mitglied seit:06.10.2004

Erfahrungsberichte:69

Vertrauende:35

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 88 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

letzte Woche lief im TV die Sendung "Die 100 kultigsten Autos".
Gewonnen hat natürlich der Citroen 2CV, im Volksmund auch als Ente bekannt.
Die Ente kam noch vor den Käfer, was in Deutschland schon an ein Wunder grenzt.

Dieser Erfolg hat mich inspiriert, über eines meiner früheren Autos zu schreiben.
Die Ente war nämlich eines meiner Lieblingsfahrzeuge überhaupt.

Günstig zu erwerben, billig im Unterhalt und im Großen und Ganzen auch zuverlässig.

Desweiteren war die Technik sowas von anspruchslos und robust, das man wenn man nicht 2 linke Hände hat, alles selbst machen kann.

Der lange und beschwerliche Weg zur Ente
----------------------------------------------------------------
Es war aber zu der Zeit (1989) gar nicht so einfach, eine technisch einigermassen intakte Ente zu finden, bei welcher auch der Preis noch im Rahmen des möglichen lag.
Ich habe 4 Monate gesucht, zig Enten Probegefahren und die Irrwitzigsten Preisverhandlungen geführt, bis meine Arbeit zum verdieneten Erfolg kam.
Hier muß ich anmerken, das manche Leute Fahrzeuge angeboten haben zu Preisen die schon fast an Betrug grenzten.
Aber jede Suche hat bekanntlich irgendwann eine "Ente"

Im Herbst '89 war eine echte Ente mein Eigentum.

Mein Vogel war eine rote 2CV6 Club mit satten 28 PS aus knappen 600 ccm Hubraum.
Der Boxermotor blubberte sehr angenehm vor sich hin und klang irgendwie nach viel mehr Hubraum als der Wagen besaß.

Ich habe 2500 DM bezahlt. Der Wagen hatte neuen TÜV und sah über als auch unter dem Blech sehr vielversprechend aus.

Auch die Technik war OK. Kein Ölverlust, wenig Rost und intakte Federung.
Der Motor lief rund und sprang auch sofort an.

Die technischen Daten lesen sich wie folgt:

Motortyp M 28/1
Hubraum 602 cm3
Hubraum (nach dt. Steuerformel) 597 cm3
Zylinderzahl 2 (Boxermotor, luftgekühlt)
Bohrung / Hub 74 mm / 70 mm
Verdichtung 8.5 : 1
Ventile 2 pro Zylinder
Maximale Leistung 29 PS (DIN) / 21 kW bei 5750 U/min
Maximales Drehmoment 39.2 Nm bei 3500 U/min
Kraftstoff Normal verbleit oder Super bleifrei

Maße
---------
Länge 3830 mm
Breite 1480 mm
Höhe (unbelastet) 1600 mm
Radstand 2400 mm
Vordere Überhanglänge 680 mm
Hintere Überhanglänge 750 mm
Spurweite vorn 1260 mm
Spurweite hinten 1260 mm
Wendekreis (Durchmesser) 11.6 m

Gewichte
-------------
Fahrzeuggewicht leer 600 kg
Zul. Gesamtgewicht 930 kg
Zul. Dachlast 30 kg
Max. Anhängelast 270 kg ungebremst
400 kg gebremst

Getriebe
-------------
1. Gang 5.202 : 1
2. Gang 2.656 : 1
3. Gang 1.785 : 1
4. Gang 1.315 : 1
Rückwärtsgang 5.202 : 1
Achsübersetzung 4.125 : 1

Wie man anhand der Daten sieht, eine echte Rakete. Lach.

Die Ente war Baujahr 1983 und hatte also schon 6 Jahre harten Einsatz hinter sich.

Die Ausstattung und der Komfort
------------------------------------------------
Nun ja. Hier gibt es nicht allzuviel zu berichten. Keine Servolenkung, keine Fensterheber, kein ABS, keine Sitzheizung und auch sonst nicht viel.
Aber nen Kat hatte sie.
Und das 1. was ich eingebaut habe war ein Zusatzlüfter im Heizungsschlauch, da die Heizung ansonsten ihres Namens nicht so ganz gerecht wurde.
Auf gut Deutsch hab ich mir schon im Herbst den Allerwertesten abgefroren.

Instrumentenmäßig war auch nicht allzuviel vorhanden. Ein Tacho und ein paar Warnleuchten mußten genügen.
Dafür hatte man die sehr gut im Blickfeld des Fahrers.
Die Schaltung war etwas gewöhnungsbedürftig. Es handelt sich um eine so genannte Revolverschaltung. Der Schalthebel sitzt im Armaturenbrett und wird beim schalten nach links oder rechts und gleichzeitig nach hinten oder vorne geschoben.
Aber nach kurzer Eingewöhnung klappte das ohne Probleme und verschalter.

Auch die Handbremse fand ich nicht auf Anhieb.
Sie liegt ebenfalls gut versteckt neben dem Schalthebel im Dunkeln.

Die Bedienung der Schalter und Knöpfe stellt nicht vor irgendwelche Rätsel.
Alles liegt sinngemäß angeordnet und gut erreichbar zur Hand.

Die Sitze waren sehr bequem. Sie wurden nachträglich eingebaut und stammte eigentlich vom Citroen Visa. Da hat mein Vorgänger gute Arbeit geleistet.
Außerdem hatte der Vogel ein umklappbare Rücksitzbank. Das war zu der Zeit in solch einem Fahrzeug eher die Ausnahme.
Der Kofferraum war gut zu erreichen und ausreichend geräumig.

Ebenso enorm war die Kopffreiheit. Ich hatte locker mal 20cm Luft bis zum Dachhimmel.

Beim Fahren zeigte die Ente was sie wirklich drauf hat. Der Federungskomfort und die unnachahmliche Kurvenneigung sind bei Kleinwagen bis heute unerreicht.
Dies liegt an den längsseitig verbauten Federelementen. Diese Lösung ist genial.
Die Radaufhängung bestand aus Längsschwingen, die in den Ecken der Bodengruppe aufgehängt und über Zugstreben mit je einer Spiralfeder links und rechts verbunden waren.
Die eingekapselten Federeinheiten befanden sich unter den Türen in Längsrichtung und federten jeweils das Vorder- und Hinterrad einer Fahrzeugseite im gemeinsamen Verbund ab.
Diese einmalige Konstruktion verhalf der Federung zu einer trampolinartigen Charakteristik, die zwar günstig für den Transport des oben erwähnten Eierkorbs, aber weniger geeignet für plötzliche Fahrtrichtungswechsel war.

Hierzu gibt es nähere Infos im Internet, da es hier zu lange dauern würde, die Funktionsweise zu erklären.

Nur soviel, das der damalige Chefkonstrukteur Pierre Boulanger ein Fahrzeug in Auftrag gab, welches einen Bauern mit rohen Eiern über schlechte Wege bringen muß,
ohne das auch nur ein Ei kaputt geht.
Das müßte alles sagen!

Fahrleistungen und Verbrauch
--------------------------------------------

Nun, die waren nicht so berauschend. Von 0 auf Hundert kam mir immer wie eine
Ewigkeit vor, dürften so um die 40 Sekunden gewesen sein.
Und die Höchstgeschwindigkeit lag bei knapp 120 km/h.

Wenn ein Berg kam war natürlich runterschalten angesagt, das man wenigstens mit angemessenem
Tempo hoch kam.

Der Verbrauch wiederum war sehr erfreulich. So zwischen 5 und 7 Liter auf 100 km ist in Ordnung für ein Auto das nen CW wert wie ein Hochhaus hat und man meist Vollgas fahren mußte um
zügig voran zu kommen.

Klar, bei zügiger Fahrt war man am Anfang schon ängstlich wenn die erste Kurve kam und die Ente sich wie ein Motorrad reinlegte. Gott hab ich oft gedacht "Jetzt fällt sie um".
Aber nix. Das Dingens ist aufn Asphalt geklebt. Sah es auch noch so spektakulär aus.
Sie fiel nie um.

Wartung und Pflege
-----------------------------
Jo, da brauchte mein Amadeus sehr viel von. Häufige Ölwechsel, ab und zu die Bremsklötze lösen wenn sie mal wieder fest waren und sehr viel Rostvorsorge war angesagt.

Dem kam ich dann zuvor indem ich der Ente einen Edelstahlrahmen verpasst habe.
Ab da war Schluß mit Rost.
Zu zerlegen ist das Auto sehr einfach. Alles nur mit ein paar Schrauben oder gar nur mit Scharnieren befestigt.
Nach einer Woche lief sie wieder wie gewohnt.
Wartungsarbeiten am Motor waren auch gut zu erledigen. Sei es Zünkerzenwechsel oder Luftfilter erneuern.
Kotflügel ab und man kam überall hin.
Die Motorhaube war nur mit einem Scharnier befestigt, so das man sie einfach seitwärts aus demselben schieben konnte und schon war Platz en mass zum arbeiten.

Ingesamt habe ich rund 3000 Mark investiert und es nie bereut, da das arbeiten an der Ente sehr viel Spaß macht und alles so simpel wie nur möglich aufgebaut ist.
Jeder der auch nur die geringste Ahnung von Technik hat, kann an diesem Auto wirklich fast alles selbst machen.

Die Unterhaltskosten sind auch nicht der Rede wert. Damals ging es ja noch nach Leistung bei der Versicherung und die Steuer für 600ccm ist sehr wenig.

Fazit
-------
Ich vermisse meine Ente sehr. Ich weiß nicht, warum ich sie überhaupt wieder verkauft habe.
Dummheit sage ich heute.
Durch ihre Einfachheit in der Bauweise war sie sowas von robust und leicht zu reparieren,
das ich heute noch gerne dran rumschrauben würde.
Die Ente wurde offiziel von 1948 bis 1990 gebaut und verkauft.
Die Entwicklung und die ersten Vorserienmodelle kamen aber schon in den 30ern ans Tageslicht.
Wer mehr über die Ente erfahren möchte, hier eine HP wo man viel nachlesen kann über Technik, Modelle und fetzige Sonderbauten.

www.acc.de

In diesem Sinne wünsche ich allen Selbstschraubern, das sie mit ihren Fahrzeugen ebenso viel Spaß an der Arbeit haben wie ich mit der Ente.

Auf die mangelnde Sicherheit möchte ich hier gar nicht eingehen. Ein Fahrzeug welches in den 30ern
entwickelt wurde kann mit den damaligen (80er) Standarts und mit den heutigen erst recht nicht mithalten.
Was bei so einem Fahrzeug zählt ist der Individualismus und der Spaß den das Auto
verbreitet.

Danke fürs lesen, bewerten und kommentieren.

Greetings Jürgen

PS: Wer mehr wissen möchte, kann mich im PGB anschreiben. Ich beantworte gerne weitere Fragen zum Thema Ente.
Bilder von Citroën 2CV6 (Ente)
Citroën 2CV6 (Ente) Bild 4752841 tb
Ein Traum in rot
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
michao

michao

01.07.2006 00:15

Ausgesprochen gelungener Klassikerbericht ! Gruß Micha

Nick_Neschi

Nick_Neschi

25.01.2006 14:22

dafür gibt`s auch von mir ein bh...aber wie hast du das übersetzungsverhältnis vom getriebe rausbekommen ???...*grübel* :o)

willibald-1

willibald-1

27.10.2005 09:31

DAs war vor 15-20 Jahren mal mein Traumauto. Ist aber ein Traum geblieben...

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