1999 habe ich meinen Berlingo 1,4 multispace mit 60tkm gekauft. Da war er 2 Jahre alt.
Heute (2006) hat er 187tkm runter. Genug Zeit, um sich gut kennenzulernen.
Da mein betagter Renault 5 rapide reparaturanfällig wurde und dringend ein Ersatz her mußte, liebäugelte ich mit dem Citroen. Ausschlaggebend war für mich das große Platzangebot, die Raumhöhe (wohl eher Gefühlssache) und das optionale, elektrische Faltdach, daß den Berlingo beinahe zum Cabrio macht.
Anfangs war ich begeistert und sehr zufrieden mit dem Gefährt; doch das sollte nicht lange halten.
ANTRIEB:
Nachdem mich der Freundliche um die Gebrauchtwagengarantie betrogen hatte (diese war vereinbart, allerdings im Vertrag eine kostenpflichtige Nachbehandlung nötig- alles ohne Hinweis des Händlers), machten sich kurz nach Übernahme ein hoher Ölverrauch bemerkbar. Der Motor fiel durch übermäßige Geräusch- und Rauchentwicklung (Abgas) auf, die Diagnose sollte für mich kostenpflichig werden.
Kurzum: meine Peugeot-Werkstatt konnte niemals die Ursache für den Fehler finden.
Ich kippe bis heute regelmäßig Öl nach, zwischendurch waren zusätzlich zum Verbrauch Ölundichtigkeiten zu beklagen, die behoben werden mußten: 1x Kopfdichtung, 2x Simmerringe. Zudem ist der Motorblock zweiteilig, an der Verbindung ölt der Motor ebenfalls.
Durch einen Defekt des elektrischen Kühlerlüfters (ein neuer kostet ca. 300 EUR!) mußte ein zweites Mal die Zylinderkopfdichtung erneuert werden. Zudem hatte sich durch die Hitze der Kopf verzogen; er konnte zum Glück noch geplant werden. Reparaturkosten mehr als 1000 EUR. Der erste Tausch der Kopfdichtung kostete bereits 1500 DM.
Bei 120tkm versagte die Kupplung ihren Dienst. Verzeihbar, aber nochmals 500 EUR teuer.
Bei 140tkm fiel der Auspuff ohne Vorwarnung einfach herunter. Er war am Hosenrohr abgerostet. Hierbei musste gleich noch die Lambda-Sonde (ebf. abgerostet) getauscht werden. Die Werkstattarbeit hierzu war außerordentlich schlecht (Auspuff nicht korrekt befestigt) und teuer (400 EUR + Lamdasonde 130 EUR).
Die Schaltung ist und bleibt unpräzise und legt die Gänge nur mit Geduld und Nachdruck ein. Die Abstimmung Motor/Getriebe erstickt jeden Durchzug, man muss eigentlich ständig schalten (was überhaupt keinen Spaß macht mit dem Getriebe), denn der 1,4l-Motor braucht Drehzahl, damit was passiert.
FAHRWERK:
Das Fahrwerk brauchte im Gegensatz zum Motor bislang nur wenig Wartung. Unangenehm fiel auf, daß bereits bei 65tkm ein ausgerissenes Lager (Gummi + Metall) erneuert werdem musste, was mit einem schwammigen Fahrgefühl einherging. Das neue Lager wurde eingebaut (Kosten 750 DM), das schwammige Fahrgefühl blieb.
Bis auf zwei ausgewechselte Stabis vorne war's das (jew. 80 EUR).
Der Berlingo ist eher weich abgestimmt und bietet einen guten Fahrkomfort. Allerdings geht dies zu Lasten der Fahrsicherheit, da sich der Aufbau sehr schnell aufschaukelt. Das Fahrzeug untersteuert, in Kurven quietschen die Räder sehr früh. Ersteinmal ungefährlich, aber im Winter tückisch: im Zweifelsfall fährt der kopflastige Berlingo einfach mal geradeaus, statt in die Kurve. Ein gutes Winterauto ist meiner nicht (trotz immer sehr guter Winterreifen Semperit Top Grip Testsieger, Im Sommer Goodyear GT3 Leichtlaufreifen).
FAHRLEISTUNGEN:
150 km/h in der Ebene, Beschleunigung wie ein Diesel vergangener Zeiten. Also ausreichend..
INNENRAUM/ELEKTRIK/ANBAUTEILE:
Der Innenraum, v. a. der Fahrersitz, verschleißt übermäßig schnell. Bei 100tkm mußte das Sitzkissen + der Bezug erneuert werden (Eigenarbeit). Jetzt ist dies schon wieder fällig (Kosten: ca. 100 EUR, Sitzfläche und Bezug bei Citroen erhältlich).
Belüftungsdüsen lassen sich längst nicht mehr verstellen, teils ist die Mechanik fest oder Plastikteile sind abgebrochen. Den Austausch habe ich nicht vornehmen lassen, da die Teile im Innenraum übermäßig teuer sind.
Die Kopfstützen sind nur ans Gestell drangeschäumt und wackeln übermäßig, das Easy-Entry-System der Vordersitze ist beidseitig defekt, überhaupt ist der Verstellmechanismus der Sitze schnell verschlissen und dann schwergängig.
Die Lüftung ist unterdimensioniert, die Heizung im Winter ebenfalls (hinten friert man).
Positiv sind die guten Belüftungsmöglichkeiten durch die Austellfenster und das große, immer dichte elektrische Faltdach, das das Fahrzeug ungemein aufwertet und im Sommer v. a. in der Stadt richtig Spaß macht. Dennoch vermisse ich eine Klimaanlage. Aber die wäre mit Sicherheit auch schon längst hinüber.
Dem Mäusekino im Armaturenbrett muss man mit französischer Gelassenheit gegenübertreten. Kein Tag, an dem nicht mindestens das ABS oder die Airbag-Warnleuchte leuchtet oder blinkt. Hauptursache hierfür ist eine wackelige Verkabelung des Gurtstrammers, die immer wieder Kontaktprobleme produziert.
Überhaupt ist der Berlingo ein Kontaktwunder, letztens versagte wieder der Kühlerlüfter den Dienst, und der Freundliche brauchte 1 Std Zeit, um festzustellen, daß der Stecker nicht richtig drauf war... 60 EUR.
Es ist darüber hinaus anzuraten, gelegentlich die Scheiben der Ausstellfenster auf festen Sitz zu prüfen. Sie sind angeschraubt, mir fiel leider bereits eine einfach so beim Öffnen herunter.
Die elektrischen Fensterheber haben die ganze Zeit klaglos ihren Dienst versehen. Leider ist nun der an der Fahrerseite kaputt. Ein Plasikteil, auf dem die Scheibe ruht, ist zerbrochen. Dennoch muss der komplette Scheibenheber getauscht werden, da es bei Citroen und Peugeot fast nur noch Sets zu kaufen sind. Kosten wären hier über 200 EUR + Einbau. Ich weigere mich. Bleibt die Scheibe halt zu.
Die Heckklappe sollte besser Heckklapper heißen, denn genau das tut sie während der Fahrt. Sie wurde bei Kundendiensten immer wieder eingestellt. Die Ruhe hielt aber niemals lange. Durch das permanente Klappern löst sich auch die Plastikverkleidung, noch ein Geräusch mehr im Heck. Leider ist die Heckklappe auch sehr unhandlich und schwer, öffnete sich auch schon im Stadtverkehr selbsttätig. Ich hätte lieber die beiden Drehtüren. Auch unangenehm: durch herabfallende Nietenteile (wo auch immer diese herkommen?!) blockierte mehrfach der Schloßmechanismus. Ich habe das Schloß ausbauen müssen, und eine Plastikabdeckung dazwischengeschraubt, damit der Mechanismus geschlossen ist und keine Fremdkörper eindringen können.
ÖKONOMIE:
Der Berlingo war einst recht günstig. Ich habe ihn für 14000 DM erworben.
Versicherung und Steuer sind ebenfalls günstig.
Der Verbrauch ist es eher nicht, auf der Autobahn holt er 11 Liter, in der Stadt auch. Nur beim gemächlichen Dahingleiten fährt er auch mit 6,5 Litern. Immer schön hochschalten...
Die Wartungskosten halten sich in Grenzen. Die Kundendienste sind vergleichsweise erschwinglich.
Ersatzteile hingegen sind unverschämt teuer, egal was es ist. Bei Reparaturen ist schnell mal ein Tausender fällig. Hier wird klar, womit der Hersteller sein Geld verdient.
FAZIT:
Nach all den Jahren bin ich zwar gelassener, aber keineswegs toleranter geworden. Der einst attraktive, günstige Familienwagen entpuppte sich bald als Groschengrab und hat durch seine Anfälligkeit so manches Weihnachtsgeld verschluckt und so manchen Urlaub verhindert. Die Kosten-/Nutzenrechnung fällt katastrophal aus. Mein nächster Wagen kommt sicher nicht aus Frankreich, sondern ist ein VW, Skoda oder Toyota.
03.06.2008 08:16
Den Bericht kann ich fast eins zu eins unterschreiben. Von der Zylinderkopfdichtung über die Stabis bis zur Fensterscheibe auf der Fahrerseite (gestern). Allerdings kam bei mir noch die Klimaanlage dazu (Konstruktionsfehler, Vierteljahr auf Ersatzteil gewartet, nach einhem Jahr schon wieder Totalausfall) und beide vorderen Federn gebrochen (haben auch mehrere Berlingos/Partner) Nicht zu vergessen den Heckscheibenwischer. Allerdings hat unserer erst 150.000 auf dem Tacho.... Der Berlingo ist ein tolles Auto, man sollte ihn aber nach drei Jahren verkaufen......
06.07.2006 00:29
Sicherlich ein guter Bericht, der viel über dieses Fahrzeug aussagt, das in die Jahre gekommen ist.
04.07.2006 16:58
Schöner erster Bericht! Liebe Grüße, Blue.Angel