Fahrzeugbewertung des Autors:
| Pro: |
sehr komfortabel, großer Innenraum, sparsam |
| Kontra: |
schmutzempfindlich Sitzbezüge, seitenwindempfindlich |
Vorgeschichte:
Eigentlich wollten wir uns ja den Picasso mal näher ansehen, aber dann stand da eine silberne C5 Limousine auf dem Hof des Cit-Händlers und wir mussten einfach mal eine Probefahrt mit einer Hydropneumatikfederung machen. Kurz noch nach den schlechtesten Straßen gefragt und ab ging die Post. Bei dieser Fahrt viel uns nichts besonders auf. Der Wagen fuhr extrem leise (war ein Benziner), es herrschte absolute Ruhe, nichts knarrte oder klapperte. Wir stiegen aus bedankten uns brav und nahmen ein paar Prospekte mit. Zum Spaß fuhren wir die Probefahrtstrecke jetzt mit unserem Wagen ab. Was für ein Unterschied!! Wir brauchten fast doppelt so lang, weil auf einmal Straßenschäden und Unebenheiten auftraten, die mit dem C5 überhaupt nicht aufgefallen sind. Das war der Moment, wo wir eigentlich schon sicher waren, dass unser „Neuer“ aus gallischer Produktion kommen sollte.
Die Euphorie endete schlagartig, als ich die einschlägigen Foren zu Citroen-Produkten und dem C5 insbesondere las. Polternde Hinterachsen, spinnende Elektronik, knarrende Scheiben und ein Dauertest in ams, der zu allem ermunterte, nur nicht zum Kauf eines C5.
Was mir allerdings nach intensivem Studium auffiel, war die Tatsache, dass die meisten Probleme die Anfangsjahre (2001/2002) betraf und mit zunehmenden Produktionsjahren kaum noch gravierende Mängel auftraten. Auch war aus den Foren zu erkennen, dass viele Probleme mit Ausstattungsdetails aus den gehobenen Versionen einhergingen. Da wir ein zuverlässiges Auto benötigten, war uns ziemlich schnell klar, dass wir mit der Basisversion am wenigsten Pannen einkaufen würden. Denn immer noch war der Komfort bei der Probefahrt in unseren Köpfen drin. Also wurde im Frühjahr trotz großer Bedenken eine C5 Limousine in der damaligen Version X bestellt.
Fahrzeugausstattung
C5 107 PS HDI (Diesel)
ABS, ESP, ASR
Je 2 Front-, Seiten- und Kopf-Airbags
Außenspiel elektrisch verstellbar und beheizt
Nebelscheinwerfer
Fahrersitz höhenverstellbar
Lenkrad höhen- und tiefenverstellbar
Mittelarmlehne hinten mit Ablagefach und Durchreiche zum Kofferraum
Automatische Verriegelung des Kofferraums beim Wegfahren
Manuelle Klimaanlage
Schubladen unter den Sitzen
uvm.
Extras:
Metalliclackierung
Heckscheibenwischer
Die ersten Kilometer:
Anfang Juli war es soweit. Wir gaben unser altes VW-Produkt ab und stiegen in den C5 ein. Die Fahrzeugabnahme war problemlos, trotz gezielter Suche (den Foren sei Dank) wurden keine Mängel festgestellt. Die Verarbeitung war gut, allerdings ist die so genannte Haptik bei diversen deutschen Premium- und möchtegern Premiummarken etwas besser, was aber nicht unbedingt mit Qualität gleichzusetzen ist. Beim Öffnen der Türen (per Infrarot) erwacht der C5. Er nivelliert sich automatisch in die Horizontale. Die Türen fallen satt ins Schloss und nach Drehen des Zündschlüssels vernimmt man sehr leise einen Dieselmotor. Einmal in Fahrt genießt man die angenehme Ruhe im Innenraum (ca. 65 db/a bei 110 km/h). Nichts klappert oder knirscht, man gleitet über die Straßen in einer Art und Weise, die man aus „normalen“ Mittelklasseautos nicht gewohnt ist, bis, ja bis die ersten Gullydeckel oder holprigen Bahnübergänge einem aus dem Traum des Leisen dahin gleitens herausreißen. Hier merkt man den Einsatz von McPherson Federbeinen. Nicht dass sie im C5 schlechter abfedern als in anderen Fahrzeugen, ganz im Gegenteil, aber der Kontrast zu langen Bodenwellen, die die Hydropneumatik souverän ausgleicht und den kurzen Stößen ist viel größer als in konventionellen stahlgefederten Fahrzeugen.
Innenraum/Bedienung
Steigt man in das Fahrzeug kommt einem auf Anhieb alles sehr vertraut vor. Ob Bedienungshebel oder Armaturenbrett alles ist da wo man es erwartet. Für alte Citroenfahrer sicher enttäuschend, für Umsteiger auf die Marke sehr angenehm. Ablagen gibt es in Hülle und Fülle. Neben einem sehr großen, durch die Klimaanlage gekühltem Handschuhfach, findet man je eine Schublade unter dem Fahrer- und Beifahrersitz, in den vorderen Türen sind neben einer Ablage auch zwei Klappfächer integriert und zwischen Lenkrad und Fahrertür ist nochmals ein kleines Fach für Sonnenbrillen und Münzen. In der Mittelkonsole befindet sich neben den Schaltern für die Höhenverstellung der Hydropneumatik eine Ablage, die auf Knopfdruck zum Cup-Holder wird. Die Mittelarmlehne auf der Rücksitzbank offeriert ein Staufach und ebenfalls zwei Cup-Holder. Neben dem Zigarettenanzünder gibt es im hinteren Bereich der Mittelkonsole noch eine zweite 12-Volt Steckdose.
Die vorderen Sitze (mit Lordosenstütze) sind angenehm groß, bieten aber bei zügiger Kurvenfahrt nicht sonderlich viel Seitenhalt, was aber beim Charakter des C5 leicht zu verschmerzen ist. Der Bordcomputer zeigt, aktuellen Verbrauch, Durchschnittsverbrauch, zurückgelegte km und Restreichweite an. Zudem kann man eine Höchstgeschwindigkeit programmieren. Erreicht man diese ertönt ein Signalton. Ganz praktisch, wenn man auf geschwindigkeitsbegrenzten Straßen unterwegs ist. Noch ein Detail, was ich vorher nicht kannte: Die Black-Panel-Funktion. Damit kann man bei Nachtfahrten bis auf den Tacho alle Anzeigenlampen und den Bordcomputer ausschalten. Am Anfang habe ich das belächelt, jetzt nutze ich die Funktion regelmäßig.
Egal ob Front- oder Heckpassagiere, Platz ist genügend vorhanden. Auch der Kofferraum ist gut nutzbar und mit 455 Liter für das normale Urlaubsgepäck vollkommen ausreichend. Die Rücksitzbank/-lehne ist geteilt umklappbar. Vorteil dabei ist, dass die Kopfstützen nicht abmontiert werden müssen.
Kritik ernten jedoch die Stoffbezüge der X-Version. Sie sehen zwar schick aus (besser als in den teueren Varianten) aber sie ziehen Staub und Fusseln magisch an. Da hilft nur ein zusätzlicher Sitzbezug.
Die von Citroen angebotenen Gummimatten (einfache Version) für den Fußraum haben hinten den Vorteil dass Sie neben den Außensitzen auch den mittleren Bereich abdecken.
Motorleistung
Citroen bietet in der Grundausstattung neben einem Benziner nur den kleinen Diesel mit 107 PS Leistung an. Aber keine Sorge, auch mit dieser Motorleistung ist man dank bulligem Drehmoment kein Verkehrshindernis.
Im Gegenteil, die Beschleunigung ist absolut ausreichend (knapp 12 Sekunden von 0 auf 100 km/h) und auf Autobahnen kann man auch an Steigungen locker im Geschwindigkeitsbereich bis 170 km mithalten. Wenn’s sein muss erreicht man auch die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h. Der Motor ist im Fahrbetrieb praktisch nicht mehr hörbar. Hier hat die Dämmabteilung wirklich gute Arbeit geleistet. Einzig beim losfahren merkt man dann doch sein Gewicht und eine kleine Anfahrtsschwäche unter 2.000 Umdrehungen. Dies ist aber in Praxis zu vernachlässigen. Der Dieselverbrauch liegt um die 6 Liter. Ich muss allerdings dazu sagen, dass der Wagen kaum im Stadtgebiet eingesetzt wird, sondern meistens auf Landstraßen und Autobahnen. Reizt man den Motor aus, kann der Durchschnittsverbrauch auch mal an die 9 Liter Marke heranreichen. Da ist man dann aber wirklich zügig im Bereich der Höchstgeschwindigkeit unterwegs. Andererseits fährt er auch deutlich unter 6 Liter wenn man nicht viel schneller als 120 km/h unterwegs ist.
Vom Russpartikelfilter bekommt man während der Fahrt nichts mit. Auch der Spritzverbrauch liegt im normalen Bereich für ein ‚Fahrzeug dieser Größe mit Commonrail-Diesel. Der Motor ist mit EURO 3 eingestuft.
Fahrwerk/Lenkung/Schaltung/Bremsen
Citroen steht quasi für komfortables Fahren und zu einem richtigen Citroen gehört auch die Hydropneumatik, jetzt als Hydractive 3 bezeichnet. Ich will hier nicht auf die technischen Details eingehen, sondern nur auf die Auswirkungen im täglichen Fahrbetrieb. Dank guter Geräuschdämmung und HP wird man von der Außenwelt wirkungsvoll abgeschirmt. Auf Autobahnen kommt man sich vor wie in einem ICE, die Landschaft rauscht an einem vorbei, es herrscht Ruhe und von Straßenunebenheiten bleibt man weitgehend verschont. Das ist eine ganz neue Dimension des Fahrens. Die Lenkung ist exakt, bietet aber keine Rückkopplung zum Straßenzustand. Auch das Getriebe lässt sich gut schalten. Es hakelt nicht und die Schaltwege sind für einen „Nichtsportler“ sehr kurz. Die Kritik der Autotester konnte ich bisher nicht nach verfolgen.
Neben dem Komfort bietet aber die HP noch einen weiteren Pluspunkt, den sonst – selbst mit Niveauregulierung – kein anderes Fahrwerk bieten kann: Egal wie voll der Wagen gepackt wird - man merkt keinen Unterschied im Fahrverhalten. Kein Einknicken, nicht das Gefühl als würden die Forderräder nicht mehr genügend Grip haben. Das ist wirklich Klasse. Darauf möchte ich nicht mehr verzichten.
Die Bremsen (4xScheiben) sind über jeden Zweifel erhaben. Die Bremswege sind kurz und bei Notbremsungen schaltet sich automatisch die Warnblinkanlage an.
Das Fahrverhalten ist unkritisch, dank HP kann man auch flott um die Kurven fahren, denn das Fahrzeug richtet sich immer in der Horizontalen aus. Bei Kurvenfahrten verhärten sich automatisch die äußeren Hydraulikkugeln. Somit fährt man ohne die üblichen Schaukelbewegungen komfortabel abgestimmter Fahrzeuge durch Kurven. Dank Computerzeitalter „denkt“ der C5 mit. Beim öffnen der Türen richtet er sich automatisch aus. Wirkt von vorne wie eine höfliche Verbeugung. Auch das Beladen des Kofferraums geht nicht ohne die elektrische Hydropneumatikpumpe. Jedes Gepäckstück oder jeder Insasse wird sofort ausgeglichen.
Dank HP kann man auch die Höhe des Fahrzeuges jederzeit manuell verändern. Die Tasten befinden sich auf der Mittelkonsole. Hat den Vorteil, wenn es wirklich mal über Feldwege oder ähnliches geht, dass man den Wagen einfach höher legen kann.
Lt. Unterlagen senkt sich der C5 automatisch wenn die Geschwindigkeit über 110 km/h liegt. In der Praxis bekommt man davon allerdings nichts mit.
Kritische Punkte
Wo viel Licht ist gibt es aber auch „etwas“ Schatten.
Hierzu zählt das Verhalten bei kurzen Bodenunebenheiten. In Summe federt der C5 diese genauso gut ab wie jedes andere, mit Stahlfedern ausgerüstete Fahrzeug dieser Klasse. Aber genau da liegt das „psychologische“ Problem. Durch den überdurchschnittlichen Komfort wirken die Stöße wie aus einer andern Welt.
Ob es an der anderen Art der Federung liegt oder ob andere bauliche Gründe mitspielen: Der C5 ist seitenwindempfindlich. Die Limousine zwar nicht so stark wie der Kombi, aber man merkt es trotzdem deutlich.
Die Schweinwerfer mit den normalen Halogenlichtern flackern ganz leicht. Das muss mit der Bordelektronik zusammenhängen, da auch das Display des Autoradios davon betroffen ist. Störend ist dies aber nicht. Wenn man nicht genau aufpasst, fällt es gar nicht auf.
Auch ein Phänomen ist die Verhärtung des Bremspedals, wenn das Fahrzeug abgestellt wird. Beim Starten ist das Bremspedal hart wie ein Brett und man braucht entweder den Handbremshebel oder einen sehr kräftigen Druck aufs Bremspedal, damit man das Fahrzeug halten kann. Das kommt zwar nicht immer vor, aber ab und zu. Konnte bis jetzt noch keinen logischen Zusammenhang finden.
Die Basisversion ist nur an den vorderen Türen mit elektrischen Fensterhebern ausgestattet und die haben ein gewisses Eigenleben. Normalerweise kann man auf Fingertipp die Scheiben rauf und runter fahren. Nur beim Hochfahren kann es passieren, dass die Scheibe auf halber Höhe stehen bleibt. Da hilft dann nur ganz runter fahren und den Schalter solange drücken, bis die Scheibe wieder ganz oben ist (kam bis jetzt zwei bis dreimal vor).
Die Sitzbezüge sind sehr schmutzempfindlich und ziehen Fussel und Staub magisch an. Ohne zusätzliche Sitzbezüge verzweifelt man
Kosten/Pannen/Reparaturen:
Das Fahrzeug inkl. den oben genannten Extras kostete abzüglich des von Citroen gewährten Firmenrabattes 17.500 € (inkl. Steuern!!). Dazu kamen 500 € Überführung. Citroen bietet u.a. auch unterschiedlichste Garantieverlängerungen an. Wir haben uns für die längste Variante entschieden: Entweder 5 Jahre oder 120.000 km. Kosten hierfür pro Monat 18 €. Unser Gebrauchtwagen wurde exakt zum Händlereinkaufspreis (Schwacke) in Zahlung genommen, was den Kaufpreis nochmals um 3.500 € reduzierte.
An Steuern werden für den 2.0 Liter Diesel 308 € verlangt. Die Versicherung lasse ich jetzt mal außen vor, da gibt es viel zu viel unterschiedliche Preise.
Das Fahrzeug wurde von uns ohne Radioanlage bestellt, da wir ein Becker TrafficPro aus dem Vorgängerfahrzeug einbauen ließen. Der Einbau erfolgte über einen Fachhändler. Hier kamen für den Einbau des Radios, der GPS-Antenne, 6 Lautsprecher, Handy-Freisprecheinrichtung und einen zusätzlichen Becker-CD-Wechsler nochmals 800 € dazu.
Den Wechsler haben wir übrigens ins Handschuhfach einbauen lassen. So kommt man bequem während der Fahrt an das Gerät und Platz für andere Utensilien ist auch noch genügend vorhanden.
Der Wagen ist bis jetzt problemlos 22.000 km gefahren. Bei der ersten kostenlosen Inspektion haben wir einen Ölwechsel machen lassen (85 €). Wäre zwar nicht notwendig gewesen (auch die Werkstatt meinte wir brauchen das nicht) aber sicher ist sicher.
Der Diesel muss alle 20.000 km zum Service. Sicher nicht die Welt, da haben andere Hersteller ganz andere Wartungsintervalle, aber dafür halten sich auch die Kosten im Rahmen. Für die erste Inspektion verlangte unser Citroen-Händler 220 €
Nachdem ja jetzt der Winter Einzug hält haben wir uns bei Citroen einen Satz Winterreifen Michelin Pilot Alpin Größe 195/65 R15 H auf Originalfelgen zugelegt. (635 €). Dazu muss man wissen, dass es sich bei den Original-Felgen um eine Mischung aus Leicht- und Stahlfelge handelt. Rüstet man reine Stahlfelgen nach, benötigt man eine Eintragung in den Fahrzeugpapieren.
Fazit:
Bedauerlicherweise hat Citroen kein allzu Gutes Markenimage bei uns aber der C5 ist wirklich ein Geheimtipp. Er ist ein überdurchschnittlich komfortables und sicheres Fahrzeug, das auch so manchen Luxuswagen aus Stuttgart, München oder Ingolstadt ins „Schwitzen“ bringt. Klar ist dort der Innenraum etwas edler ausgestattet, aber was Fahrverhalten, Raumangebot und Ruhe anbelangt kratzt er schon an den Mittelklassemodellen unserer Edelmarken und das zu Preisen die gerade mal dem Wertverlust dieser Marken in den ersten Jahren entsprechen.
Nach dem Facelift ist er deutlich gereift und sämtliche Dieselmodelle erfüllen EURO4 inkl. Partikelfilter. Hinzu kommt noch eine richtige Fahrzeuggarantie (serienmäßig zwei Jahre ohne Kilometerbegrenzung), was ja bei einigen Deutschen Herstellern allen voran VW gar nicht mehr angeboten wird.
Ich kann nur jedem empfehlen, sich mal sich genauer bei Citroen umzuschauen, es könnte sich lohnen!
Haltedauer: 5 Monate
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