Der letzte echte Citroen
06.10.2000
Pro:
sehr komfortables und entspanntes Reisen
Kontra:
stellenweise anfällige Technik, nur wenige wirklich gepflegte CX am Markt vorhanden
Empfehlenswert:
Ja
 Seneca_X1
Über sich:
Fast Neun Jahre bei ciao und mehr als 100 Meinungen - wer hätte gedacht, dass es so schlimm wird? ;-...
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Vertrauende:36
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 18 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Was verleitet den Passanten von heute dazu, sich auf der Strasse nach einem Auto umzudrehen? Die Marke? Nun, Autos aus Fernost wären da chancenlos, da sie sich untereinander zu ähnlich sehen. Der Klang? Einen Porsche erkenne ich am Klang, einen Käfer auch. Die Ente schnattert und eine Corvette bollert vor sich hin, aber sonst? Fehlanzeige! Das Design? Da kommen wir der Sache schon näher. Niemand würde sich nach einem Opel Rekord von 1981 umdrehen, es sei denn, er ist knallgelb lackiert und hinten höhergelegt... Der CX sollte den legendären Ruf der DS in den siebziger Jahren in die Neuzeit transportieren. Er war bei seiner Präsentation 1974 von der Fachpresse in erster Linie als zweckmässig und modern eingestuft worden, ohne die Extravaganz der Göttin erreichen zu können. Das "CX" steht im Französischen für den Luftwiederstands-Beiwert, das erste Modell liess mit seiner Typenbezeichnung "CX2000" ahnen, in welche Richtung die Reise gehen sollte. Im Grossen und Ganzen blieb das Design des CX im Laufe seiner immerhin über fünfzehnjährigen Bauzeit nahezu unangetastet, lediglich 1985 wurde das Innenraumdesign komplett verändert und die Stossfänger auf Kunststoff umgestellt. Die konsequente Design-Linie wurde damit zwar leicht verwässert, aber der Zeitgeist fordert eben seinen Tribut. Die Innenausstattung wurde "entschärft", die Lupeninstrumente mussten schnöden Analogskalen weichen, die Position des Radios indes blieb unverändert zwischen den Vordersitzen - trotz massiger Mittelkonsole...
Viele Details am CX zeigen, dass sich die Ingenieure auch mit Kleinigkeiten beschäftigt haben. Ein Beispiel sei hier angeführt: die Heckscheibe ist nach innen gewölbt. Dieses unscheinbare Detail bewirkt, dass bei Regen kein Wassertropfen die Sicht nach hinten trüben konnte (in Fahrt versteht sich). Leider hatten die Ingenieure nicht für alles ein gutes Händchen, was zum Beispiel die unmögliche Position der Batterie direkt unterhalb des linken Frontscheinwerfers zeigt. Grundsätzlich ist die Technik des CX solide, was die teilweise extremen Laufleistungen beweisen. Die Schnelltransporter (erkennbar am Hochdach und der doppelten Hinterachse) zum Beispiel erreichen Laufleistungen von vielen hunderttausend Kilometern mit dem ersten Motor und teilweise sogar der ersten Kupplung! Empfehlenswerte Motorisierung ist der Turbodiesel 1 mit 2,5 Litern Hubraum und 95 PS, der nicht die Anfälligkeiten des Turbo 2 zeigt, der seinerzeit mit 120 PS und 258 Nm Drehmoment der schnellste Seriendiesel der Welt war. Die Benziner sind etwas empfindlicher, besonders die Turbo-Versionen sind mit Vorsicht zu geniessen, wenn nicht regelmässige Pflege nachgewiesen werden kann. Allerdings bieten diese mit ihren 168 bzw 156 PS (Kat.) den grössten Fahrspass. (Ich empfehle den Tatort "Zahn um Zahn" von 1985 mit Götz George als "Schimanski"!)
Die Hydropneumatik habe ich in meinem Bericht über die DS ausführlich beschrieben, daher verzichte ich an dieser Stelle auf eine detaillierte Ausarbeitung. Nur soviel: das Fahrzeugniveau lässt sich im CX Serie 2 erstmals und bisher zum einzigen Mal über einen elektrischen Schiebeschalter verstellen - sehr edel! Das ohnehin sänftenartige Fahrgefühl kann man durch den Einsatz von "Komfortkugeln" mit grösseren Durchlassventilen fast grenzenlos steigern. Die hinteren Schwingarmlager bedürfen besonderer Aufmerksamkeit, da Citroën es leider versäumt hat, diese ausreichend zu dimensionieren. Erkennbar sind betroffene Fahrzeuge an den "X-Beinen" sowie an den Knarr-Geräuschen beim Ein- und Ausfedern. Der CX wird immer seltener auf unseren Strassen und viele noch fahrende Exemplare wirken ungepflegt und dienen als reines Transportmittel. Leider wird diese Behandlung dem Anspruch des letzten "echten" Citroen nicht gerecht, was dann auch zu negativen Gebrauchtwagentests wie vor einiger Zeit in der Auto Bild führt. Der CX ist ein erhaltenswerter Vertreter seiner Zunft, da er für Nonkonformismus und Individualität steht wie kein zweites Auto der 70er und 80er Jahre. Gute Exemplare werden derzeit bereits teurer, ein sehr gepflegter CX aus den letzten beiden Baujahren kann durchaus an die DM 20.000,-- kosten! Interessenten sollten sich an Fachleute wenden, eine gute Adresse ist der André-Citroën-Club (http://www.andre-citroen-club.de).
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01.03.2007 17:32
Ja ,hier merkt man das sich einer auskennt. Bin gerade mal wieder aufmerksam geworden auf so ein Auto. Da ist es immer gut sich bei so genannten Kennern zu informieren. konnte schon mal vor 18 monaten so einen ex -Bestatter bekommen ,aber wegen der durchrostungen hinten in der Nähe der achse habe ich davon abgesehen. jetzt könnte ich eventuell einen mit noch reichlich tüv bekommen,da überlegt man wieder. gefahren habe ich noch nie einen, aber das Auto reizt auch so immer wieder mal. Vor Monaten ging so ein gelber mit doppelachse und riesen Aufbau weg bei ebay. Da sehe ich mir immer noch mal die Bilder an und bin erstaunt. So ein Teil möchte ich mal live sehen. Wahnsinn ! da war ich nicht flüssig um die ca. 6500 euro aufzubringen für die dieses Hammerteil wegging. Hätte auch keinen Platz gewusst um sowas abzustellen. Aber darüber nachzudenken wie es gewesen wäre mit so einem Monster zu verreisen kommt oft wieder.
01.06.2003 23:48
Ein wunderschöner Bericht, den Du da über ein kultiges Teil Automobilgeschichte geschrieben hast. Es ist wirklich ein Jammer wie wenig gut erhaltene Exemplare es noch auf unseren Straßen gibt. Vor 15 Jahren fuhr ich mal einen CX Break, und werde die Touren durch Europa damit nie vergessen - vor allem die Umrüstung in Frankreich auf die schönen gelben Scheinwerfer, die dank deutscher Behördlichkeit nur von kurzer Dauer war. Die von Dir genannten Details sind erstaunlich gut erinnert - die 'Komfortkugeln' waren schweineteuer ;-) An das Fahrgefühl kam dann allerdings in der Tat bis heute nie wieder ein anderes Fahrzeug heran! Witzig war auch die pneumatische Maximal-Anhebung der Bodenfreiheit (Werkstatteinstellung) auf so manchen abgelegenen Straßen in Jugoslawien :-)
10.07.2002 12:42
ah ja...der CX....irgendwie wusste ich, daß ich früher oder später auf diesen Artikel stoße... :-) vibes marcus