Schiff ahoi!
22.06.2001
Pro:
Fahrbarer Traum ! ! !
Kontra:
Rost, unzuverlässige Elektrik, anfällige Hydropneumatik, aber ehrlich : Interessiert nicht !
Empfehlenswert:
Ja
 Victorinox
Über sich:
Vic in kurz: 29, 185, 73, 14, 12, 61
Mitglied seit:03.05.2001
Erfahrungsberichte:20
Vertrauende:9
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 35 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Als Kind eines Citroen-Verrückten (2 x 2CV, 6 x DS, 1 x CX, bisher 3 x BX) habe ich mir Anfang der 90er mit einem Freund einen CX GTI, Baujahr 1980, geleistet. Schon die Probefahrt war toll: Da während der Fahrt die Lichtmaschine den Geist aufgab, kostete uns der Traum in (Rost-)Weiss nur noch 1000 DM. Das Auto ist die Wucht: 2,4 Liter Hubraum auf 4 Zylinder verteilt, 130 PS und Frontantrieb machen den CX GTI zu einem absoluten Traumauto!
Das Fahrgefühl ist eigentlich nicht zu beschreiben, daher bezeichne ich das Folgende als Versuch ;) Dieses Auto besitzt eine Öffnung für den Fahrer, die einem wie eine Geldschranktüre anmutet. So schwer und satt fällt die Türe ins Schloß. Die Sitze sind so weich, die man sich das von seinem Sofa daheim immer gewünscht hat und schlucken einen regelrecht. Die adäquate Sitzposition ist natürlich halbliegend, passend zur Form des Autos. Wenn der Blick wieder nach vorne fällt, fesselt ihn Futurismus der siebziger Jahre. Lupentacho und -drehzahlmesser unter einem ovalen Baldachin, ein einarmiges Lenkrad (das an heißen Tagen durch die schräge Frontscheibe derart aufgeheizt wird, dass man Fahren gerne auf Abends verschiebt) und die ewige Weite des größten Armaturenbretts der Welt bieten ein einmaliges Flair.
Der Motor wird mit einem Schlüssel angelassen, der komischer und nutzloserweise beidseitig klappbar ist. Die Gängewege sind laaange und es ist daher eine echte Freude, dass man bei 60 km/h einfach den Fünften einlegen und bis 200 km/h hochziehen kann. Die Elastizität des Motors läßt das genauso zu wie das Anfahren im Dritten. Bevor der Leser meint, der Victorinox spinnt: Der erste und dritte Gang liegen so nahe beinander, dass diese Mißgeschick fast nicht abzustellen ist. Das eigentliche Metier des CX sind lange Strecken. Autobahnenstunden schwinden dahin, man schwebt und genießt. Streß will einfach nicht aufkommen. Und: Der Hinguckfaktor liegt deutlich über einem Porsche 911! Aber ein echter CX-Fahrer interessiert sich dafür natürlich nicht. Aber auch Bundesstraßen sind prächtig zu fahren. Die Citroen-typische Federung, die Hydropneumatik, gleicht nicht nur Bodenunebenheiten aus. Offensichtlich zählt sie auch Kurven zu ihrem Aufgabenbereich und versetzt den CX in schöne pendelnde Bewegungen, die Menschen mit Veranlagung zur Seekrankheit hin- und wieder nicht eben freundlich goutieren. Der Titel ist Zitat eines Mitfahrers, der vermutlich nur durch die Tatsache des Fehlens von Führerschein und Auto zur wiederholten Mitfahrt bereit war.
Ein wenig was für Geübte ist die Bremse. Der Bremsknopf (genau: kein Pedal!) ist sensibel und wer vorher VWOpelFordetc. gewöhnt war, der erlebt seine schwarz-rauchenden Wunder. Man möge pfleglich damit umgehen. Das Platzangebot ist reichlich, allerdings noch kein Vergleich zum CX Prestige, der mit 45 cm Abstand zwischen Vorder- und Fondssitzen kleine Walzereinlagen gestatten würde, wenn nicht 1974 beim Übergang von der DS zum CX der ebene Fußraum des DS abgeschafft worden wäre. (BTW: Warum haben eigentlich Fronttriebler immer einen Kardantunnel?)
Eine Tragik ist allerdings die Rostanfälligkeit des schönen Autos. Diese flachen Riesen sind einfach nur für Südfrankreich gebaut und zur legendären Kompliziertheit von Elektrik und Hydropneumatik brauche ich nichts mehr sagen. Außer das es ziemlich häufig Grund gibt, diese Kompliziertheit zu verfluchen. Achja, man möge bitte große Städte meiden, denn so leichtgängig die Lenkung ist, so unübersichtlich ist auch die Karosserie. Dazu einen kleinen Schwank aus früher Jugend: Im Parkhaus übersah mein Vater beim Ausparken (CX Prestige) einen der ersten Mitsubishi Colts. Eine dieser Blechflöhe. Der CX hatte zwar noch nicht mal einen Kratzer im Gummiauflag der Chromstoßstange. Der Colt sah aber leider fies aus: Motorhaube, Kühler, Kotflügel, Stoßstange, Licht und Blinker wollten erneuert werden. Wie gesagt, man meide große Städte:))))
Ein Alptraum sind die Kosten: 14 Liter Super verbleit bzw. entsprechende Mischung, Versicherung und Steuer und nicht zuletzt die Reparaturen machen das Auto zu einem schönen und ganz schön teuren Hobby!
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01.03.2007 18:10
Guter Bericht .Danke. Aber Braucht der wirklich 14 liter.??? Trotzdem super nett geschrieben,
11.09.2006 01:47
Im Vergleich zu anderen Autoberichten erfährt man nicht ganz so viel.
26.02.2004 23:03
Sehr guter Bericht, aber die Hydropneumatik ist lange nicht so mies wie von Dir Beschrieben. Es kommt schon sehr auf den Fahrer und die Werkstatt an. Heute kosten Teilrestaurierte CX bis ca.15 000 €. Leider baute Citroen keinen würdigen Nachfolger. Grüße