Fliegender Teppich
13.08.2002
Pro:
Design, Komfort, Fahrgefühl
Kontra:
Kosten, Verbrauch beim Benziner
Empfehlenswert:
Ja
 Schwartzer.Rab
Über sich:
Mitglied seit:13.08.2002
Erfahrungsberichte:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 20 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich gestehe: Ja, ich bin infiziert. Trotzdem werde ich natürlich versuchen, dieses Fahrzeug möglichst sachlich und objektiv zu beurteilen. Kaum ein Auto wird Fahrer so sehr in zwei Lager spalten wie dieses. Entweder man liebt es oder man haßt es. An diesem Auto ist alles anders - darauf muß man sich einlassen, oder man wird damit nicht glücklich.
Zu aller erst wäre da natürlich die Citroen-typische hydropneumatische Federung zu nennen, die für einen überragenden Komfort sorgt und Fahrbahnunebenheiten einfach wegbügelt. An der Hydropneumatik hängt aber auch das gewöhnungsbedürftige, aber effiziente Bremssystem: Dabei kann man das Bremspedal nicht wie üblich heruntertreten, sondern es bleibt fest stehen und reagiert sehr giftig auf Betätigung. Neulinge werden daher die eine oder andere ungewollte Vollbremsung hinlegen, bevor sie sich daran gewöhnt haben. Der Vorteil liegt aber auch auf der Hand: Die Bremsen sind extrem kräftig und moderne Spielereien wie ein "Bremsassistent" werden vor solch einem Hintergrund überflüssig.
Ebenfalls hydropneumatisch unterstützt ist die sogenannte DIRAVI-Lenkung. Diese ist geschwindigkeitsabhängig, d.h. bei niedrigen Geschwindigkeiten ist sie äußerst leichtgängig, auf der Autobahn ist hingegen kaum noch Servo-Unterstützung vorhanden. Zudem ist sie automatisch zurückstellend: Ist das Lenkrad eingeschlagen, muß man es nur loslassen und die Räder drehen sich wie von Geisterhand wieder in Geradeausstellung. Das ist nicht nur äußerst praktisch beim Einparken, sondern sorgt auch für hervorragenden Geradeauslauf. Überhaupt hat man im CX das Gefühl, wie auf Schienen unterwegs zu sein. Die Kombination aus der DIRAVI-Lenkung und der strömungsgünstigen Form machen das Auto auch völlig unempfindlich gegen Seitenwind.
Die diversen Schalter für Blinker, Licht, Scheibenwischer etc. sind in sogenannten Satelliten untergebracht, die rechts und links vom Lenkrad arrangiert sind. Dadurch muß man bei Betätigung die Hände nicht vom Steuer nehmen. Die Sitze sind hervorragend und plüschig. Lediglich die unmögliche Position des Radios bei den Serie 2 CX (ab 1985) zwischen den Sitzen ist zu bemängeln. Die Verarbeitungsqualität ist dürftig, ebenso die Materialanmutung. Klappern gehört beim CX zum Handwerk.
Es gab den CX in drei Varianten: Limousine, Break (= Kombi) und Prestige bzw. Limousine Lang (= Chaffeurslimousine mit verlängertem Radstand). Der Break ist mit knapp 5 Metern Länge ein echtes Raumwunder, ebenso der Prestige, in dem man sich im Fond wie im Rolls fühlt. Den CX gab es in vielen Motor- und Ausstattungsvarianten. Der Einfachheit halber beschränke ich mich auf die Varianten der Serie 2, da die Serie 1 kaum noch verfügbar und oft schon in Sammlerhand ist. Diese zweite Serie ab 1985 verfügte über 3 Benzinmotoren und 3 Dieselmotoren.
Bei den Benzinern sind das: a) der 22 TRS (2.2 Liter Vergaser mit 106 PS), der sparsam, aber auch schwachbrüstig ist und über einen Starterzug verfügt. Es gab den 22 nie mit Kat. Selten am Markt zu haben, aber wenn, dann günstig und oft aus Rentnerhand. Insofern ein günstiges Einsteigermodell, vor allem, wenn man viel Kurzstrecke fährt und die einfachere Ausstattung verkraften kann. b) der 25 GTi (2.5 Liter Einspritzer mit 121 Kat-PS bzw. 138 PS ohne Kat). Wesentlich stärker und durchzugsstark, aber auch ziemlich durstig, vor allem in der Automatik-Variante. Bei letzterer mit 15 Litern rechnen, ansonsten mit 11-12. c) der GTi Turbo (2.5 Liter mit 160 Kat-PS bzw. 168 PS ohne Kat). Eine echte Rakete, rennt und rennt. Und säuft, leider. Ein Bombenauto, aber nix für Neulinge. Auch wegen der immensen Ersatzteilpreise. Die Dieselvarianten: a) der 75 PS Saugdiesel. Gemütlich und günstig zu haben, aber natürlich ohne jedes Temperament. Braucht um die 8-9 Liter. b) der 95 PS Turbodiesel. Gab es bis 1987; ist deutlich schneller als der Sauger und verbraucht sogar weniger Sprit. Läßt sich mit 7-8 Litern fahren. c) der 120 PS Turbodiesel. Löste die 95 PS Variante 1987 ab. Rennt auf der Autobahn "wie die Sau", ist aber auch empfindlich gegen Dauervollgas. Wenn man mit ihm artgerecht umgeht ist er sicher die interessanteste Diesel-Variante. Verbrauch wie beim 95 PS Modell.
Alle CX sind sehr zuverlässig, wenn die Wartung immer pingelig eingehalten wurde. Ansonsten kann ein CX auch ein Faß ohne Boden werden. Da heißt es Vorsicht und beim Kauf auf Pflegezustand und regelmäßige Wartung achten. E-Teil-Preis sind in aller Regel teuer bis astronomisch, vor allem, wenn man direkt bei Citroen kauft. Auch Rost ist ein Problem, kann aber zumeist einfach entdeckt werden. Vor allem die Schweller, die Türen und die Heckklappen sind akut gefährdet.
Fazit: Ein CX ist ein fantastisches Auto, kann aber auch sehr, sehr teuer werden. Daher als Laie beim Kauf, wenn möglich, einen Fachmann hinzuziehen. Wenn einen aber erst mal der Virus gepackt hat, empfindet man andere Autos nur noch als fahrende Provisorien...
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01.03.2007 17:46
Sehr informativ und lehrreich wenn ma sich für so einen Fast -Oldtimer interesiert. mal sehen vielleicht hole ich mir auch nochmal so einen. Könnte eventuell einen mit Lkw -Zulassung bekommen. Günstiger Unterhalt möglich ,da kat etc. noch ein Fremdwort
24.12.2006 20:44
Die Erfahrungskenntnisse wurden sachlich und gut in Text gesetzt..
12.04.2006 21:42
Hallo, kann Deine Erfahrungen bezüglich der Ersatzteilpreise bei Citroen nur bestätigen!