Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
auf subtile Weise und ohne Zurschaustellung von praktizierter Bestialität zutiefst erschütternd |
| Kontra: |
existiert nur auf Englisch |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Filmkritik zu:
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CLOSET LAND
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"Von der Freiheit Denken"
_Was bedeutet Freiheit? Was macht sie aus, was schränkt sie ein?
Was darf der Staat? Wo liegen seine Befugnisse und wo sind seine Grenzen?
Wann darf der Staat die Freiheit eines Menschen einschränken oder sogar aufheben - bzw.: Darf er das überhaupt jemals?
Fragen über Fragen; sie alle werden in "Closet Land" angeschnitten._
* * *
In einem Raum ohne Türen sitzt eine Frau auf einem Stuhl, der an einen Marterpfahl erinnert. Ihre Augen sind verbunden, ihre Hände auf den Rücken gefesselt. Sie trägt ein weißes Nachthemd. Ein Mann im akkuraten schwarzen Anzug pirscht heran. Mit verstellter Stimme flüstert er ihr Grausamkeiten ins Ohr. Wenige Momente später befreit er sie von der Augenbinde und den Fesseln, um als jemand anders ihr Vertrauen zu gewinnen.
Wir sprechen hier nicht von einem skurrilen Sado-Maso-Stück, sondern von einem schockierend nah an der Realität angesiedelten Drama. In "Closet Land" ist die körperliche Gefangennahme und Unterdrückung einer Frau die Konsequenz ihres Freidenkertums. Denn in "Closet Land" gibt es keine Demokratie. Eine Despotie, vom Handlanger im schwarzen Anzug repräsentiert, herrscht über einen unbenannten Staat in einer nicht näher bestimmten Zeit.
Die Frau, die man nachts aus ihrem Bett entführt hat, ist Kinderbuchautorin. Man wirft ihr vor, ihre junge Leserschaft manipulieren zu wollen. Ihre Bücher enthielten die falschen Werte, enthielten staatsfeindliche Werte. Man legt ihr ein Formular vor. Darauf soll sie anhand ihrer Unterschrift erklären, dass sie ihre Schuld einsieht, bereut und zukünftig nur noch genehmigte Texte verfasst. Doch die Frau weigert sich und insistiert, sie habe ihre Leser nie beeinflussen wollen. Was folgt, sind Demütigung und Folter. Übt der Staatsdiener im schwarzen Anzug zunächst nur psychischen Druck auf die Autorin aus, folgen - als Reaktion auf ihre Beharrlichkeit - massivere Gewalttaten, um ihren Willen zu brechen. Letztendlich wird auch vor der Anwendung von Strom und der Abtrennung eines Zehs nicht zurückgeschreckt.
"Closet Land" ist ein erschreckender Film - eine erschreckend reale Abbildung dessen, was möglicherweise hinter vielen verschlossenen Staatstüren geschieht. Autor und Regisseur Radha Bharadwaj ist es gelungen, den Film, trotz des schockierenden Inhalts, ruhig und bedächtig zu inszenieren. Es gibt keine anderen Protagonisten als die beiden erwähnten. Madeleine Stowe und Alan Rickman, die man aus lauteren Streifen wie Komödien oder Thrillern kennt, verkörpern sie mit der notwendigen Tiefe und Ausdruckskraft. Auch von einer übermäßigen Ausstaffierung des Films mit Soundeffekten und Hintergrundmusik wurde abgesehen. Die Figuren befinden sich stets in demselben Raum - einem Raum, der hohl und schallend ist, was die Stimmen der Protagonisten immens verstärkt. Durch diesen Effekt wird die Aufmerksamkeit der Zuschauer ganz bewusst auf die bloße Interaktion der Figuren gelenkt.
Und es sind in der Tat nur diese Figuren, die wichtig sind. Nicht die Folter. Deshalb wird im Moment der Folter auch früh ausgeblendet und Blut nur angedeutet. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Protagonisten, als Personen und als Symbole eines größeren Zusammenhangs:
Sie ist eine beruflich erfolgreiche Frau mit einem vernachlässigten Privatleben. Gleichzeitig steht sie für den mündigen Bürger, für jemanden, der sich seine (geistige) Freiheit nicht nehmen lassen will und mit eiserner Willenskraft darum kämpft. Und genau diese hat der Handlager des Regimes zu zerstören. Er, mittlerer Jahre, ist mit seinem Leben unzufrieden. Nur noch die Routine seines Berufes verleiht ihm das Gefühl, nützlich zu sein. Symbolisch steht er für die willenlosen Schergen von despotischen Regimes, denn er entpuppt er sich als ein Mensch ohne Gewissen bzw. einer, der sein Gewissen im Laufe der Jahre abgestumpft hat. Während die Frau noch genau weiß, was Freiheit bedeutet und warum es sich dafür zu leiden lohnt, hat er schon längst vergessen, wie es sich anfühlt, frei zu sein. Denn er selbst ist unfrei und wird von seinen Vorgesetzten im Hintergrund wie eine Marionette gesteuert: von einer Grausamkeit zur nächsten.
Und eben weil die Protagonisten so sind wie sie sind, verschiebt sich im Laufe des Films deren Wirkung. Zuerst empfindet man Mitleid für die gekidnappte, geschundene Frau und Hass für ihren Folterer. Doch je stärker sie wird, desto verzweifelter erscheint ihr Folterknecht. Schweißgebadet zwingt er sie durch einen Parcours von Folterinstrumenten und hat schließlich, als sie immer noch auf ihrer Freiheit besteht, selbst die größte Furcht vorm Regime. Etwas anderes steht jedoch fest: Der Autorin kann er keine Angst mehr machen.
"Closet Land" aus dem Jahre 1991 ist relativ unbekannt. Zwar hat der Film in den USA und in England positive Rezensionen erhalten, doch blieb ihm weltweite Bekanntheit versagt. "Closet Land" ist einer jener Filme, die selten sind, weil sie offen zeigen, was wirklich hinter den geschlossenen Türen eines despotischen Regimes passieren könnte. Vielleicht ist er traurigerweise sogar eine immer-gültige Allegorie, hält man sich aktuelle Vorkommnisse wie beispielsweise in Gefängnissen unterdrückerischer Staaten Augen. Dass "Closet Land" bislang, und damit bereits seit mehr als 15 Jahren, nur als englische Originalversion verfügbar ist, kann man als freiheitsliebender Mensch nicht nachvollziehen. Synchronisationen in jedweder Weltsprache sind wünschenswert. Fehlt es an Geld, um diese zu realisieren, oder etwa an Freiheit?
Doch wer des Englischen mächtig ist, hat Glück und kann einen mitreißenden Film voller Wert und Wichtigkeit erleben. Noch immer kann ich die Stimme der Kinderbuchautorin hören, im Klang zwar entkräftet durch die aufreibenden Prozeduren, in ihrer Substanz und Ausdruckskraft aber stärker denn je: "You can break my body - but you cannot break my mind!"
Denn:
_Was sind körperliche Schmerzen, wenn es darum geht seine geistigen Werte zu beschützen?
Was bedeuten Schnitte und Wunden, wenn man, indem man sie erträgt, seine Seele, seine Ideale bewahren kann?
Wie viel sind die eigenen Prinzipien wert?
Welche Qualen will man dafür dulden?
Etwa den eigenen Tod?_
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© Eminencia / Divalein, 2005 / 2008 | weitere Erfahrungsberichte |
No one can hurt you in your imagination
Bewertung für Closet Land von
Katez
Pro: mitreißende und nachdenklich machende Geschichte, großartige Schauspieler
Kontra: schwer in Deutschland erhältlich, nichts für schwache Nerven...
Diesmal geht mein Bericht über den wohl beeindruckendsten und nachhaltigsten Film, den ich je gesehen habe.
Ursprünglich wollte ich den Film nur sehen, da Alan Rickman darin mitspielt und habe lange, lange Zeit gesucht, bis ich ihn schließlich bei ebay e ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
05.09.2005
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Kloß im Hals
Bewertung für Closet Land von
tairrie
Pro: unglaubliche Performance der beiden Akteure, der Film geht durch Mark und Bein
Kontra: nichts für einen gemütlichen Abend mit Popcorn, künstlerischer Anspruch liegt nicht unbedingt allen
Prolog: Closet Land....? Nie gehört!
Closet Land ist ein - meiner Meinung nach völlig zu Unrecht - eher unbekannter Film weit ab vom Mainstream. Es ist hierzulande leider auch relativ schwer seiner habhaft zu werden, ich habe ihn über ebay aus Australi ...
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Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als sehr hilfreich |
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sehr hilfreich
23.01.2004
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