Schule fürs Leben
21. Jan 2003
Pro:
regt zum Nachdenken an, kann auch im Untericht verwendet werden (gut für Studenten)
Kontra:
höchstens der übliche DVD Preis
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Action:
Anspruch:
Humor:
Romantik:
Spannung:
mehr
 Neardark123
Über sich:
Hast du keine Erziehung genossen, frecher Bengel? Was fällt dir ein, eine dir völlig unbekannte Frau...
Mitglied seit:12.10.2002
Erfahrungsberichte:70
Vertrauende:16
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 116 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Diesen Film werden wohl viele von euch kennen, aber da ich jetzt einen DVD Player habe und mir meine Freundin die DVD "Der Club der toten Dichter" als erste eigene DVD geschenkt hat, kommt Ihr um ein Review nicht herum. Komme ich mal zum (bestimmt bekannten) Inhalt des Films:
Die Welton-Schule ist ein erzkonservatives Jungeninternat, liegt relativ abgelegen in den Bergen von Vermont. Die Grundprinzipien, denen sich diese Institution verschrieben hat sind Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung, was die Akademie als ideale Vorbereitung für ein späteres Studium an den Elite-Universitäten prädesteniert. Der Alltag an der Schule ist gekennzeichnet durch Faktenlernen, klassischen Frontalunterricht und wenig Freizeit. Am Beginn des neuen Schuljahres in 1959 sind zwei Neue zu verzeichnen. Zum einen der neue Englischlehrer John Keating (Robin Williams), ebenfalls eine ehemaliger Welton-Absolvent, und der Schüler Todd Anderson (Ethan Hawke), dessen Bruder als herausragender Schüler einen bleibenden Eindruck an der Akademie hinterlassen hat. Da die Schüler nicht nur den hohen Anforderungen des Unterichtes, sondern auch den Erwartungen ihrer Eltern gerecht werden wollen, stehen sie unter einem enormen Leistungsdruck. Rückhalt bietet den Schülern dabei nur die gegenseitige Hilfe untereinander. Der zurückhaltende Todd wird gleich sehr schnell durch seinen Zimmerkameraden Neil Perry (Robert Sean Leonard), der arg unter seinem strengen Vater zu leiden hat, in einen solchen Lern- und Freundeskreis eingebunden, was das Leben im Internat erträglicher macht. Der gewöhnlich sehr strenge Unterichtsverlauf wird durch unkonventionelle Unterichtsmethoden des neuen Englischlehresr Keating durchbrochen. Er pfeift auf die traditionsgebundenen Lehrpläne, läßt die Schüler wissenschaftliche Abhandlungen über Lyrik aus ihren Büchern herausreißen und ermutigt sie zu selbständigem Denken. "Carpe diem - nutzet den Tag und macht Euer Leben zu etwas Besonderem " ist sein Unterichtsmotto. Vor allem der von seinem Vater unterdrückte Neil läßt sich von dieser leidenschaftlichen Lebenseinstellung anstecken und bringt in Erfahrung, daß Keating zu seiner Schulzeit Mitglied im "Club der toten Dichter" war, einem Geheimbund, dessen Mitglieder sich in nächtlichen Sitzungen in einer Höhle fremde oder selbst geschriebene Gedichte vorlasen. Er animiert seine Freunde dazu diesen "Club" neu zu beleben. So treffen sie sich Nachts und geben sich neben Zigaretten- und Alkoholkonsum vor allem ihren freigeistigen Bestrebungen hin. Als Neil angespornt durch seinen Lehrer, die Liebe
zum Theaterspielen entdeckt und gegen den Willen seines Vaters, an der Aufführung einer Laiendarstellergruppe von Shakespeares "Sommernachtstraum" teilnimmt, geraten die Ereignisse aus dem Ruder und der soeben erwachte Selbstbestimmungsdrang der jungen Männer wird auf den harten Boden der Realität zurückgeholt. Und das mit fatalen Folgen.
Der Film geht in jedem Fall unter die Haut und berührt den DVD-Schauer. Peter Weir versteht es meisterhaft die Problematik des Erwachsenwerdens innerhalb eines streng vorgegebenen Erziehungsmusters, auf sensible Weise zu verdeutlichen. Sehr ergreifend schildert er hier die Entdeckungsreise, auf die sich junge Heranwachsende begeben, wenn es darum geht Individualität und Leidenschaft am eigenen Leib zu erfahren und dafür auch einzustehen. Diese nonkonformistische Einstellung läuft den tradierten Strukturen des konservativen Erziehungsideals, welches die Jugendlichen in erster Linie zu Gehorsam und Leistung erziehen will, natürlich entgegen. Doch ist der Durst "nach dem Mark des Lebens" erst einmal geweckt, gibt man sich als junger Mensch nur schwerlich mit der Trockennahrung der festgefahrenen Alltäglichkeit zufrieden. Somit kommt auch der Einfluss den Robin Williams Charakter in diesem Film auf seine Schüler hat einem emotionalem Erdbeben gleich, das zu einem geistigen Befreiungsschlag und Aufbegehren gegen die Welt der Erwachsenen führt. Dass dieses Aufbäumen letztendlich scheitert ist im Endeffekt nur der Unfähigkeit und Halsstarrigkeit der älteren Generation zuzuschreiben, die ihren falsch verstandenen Ehrgeiz auf ihre Kinder projiziert und jede Form von Nonkonformität mit Hilfe von subtilem oder offensichtlichem Psychoterror bekämpft. Doch auch diese Methoden der Einschüchterung können den Drang nach Leben und Leidenschaft nicht aufhalten, wie die letzte Szene, in der die Schüler für Ihren Lehrer und ihre Überzeugung aufstehen, eindrücklich und bewegend vor Augen führt. Das wirklich intensive und gefühlsechte Spiel der damals noch jungen Darsteller kann auf ganzer Linie überzeugen. Hier wird die gesamte emotionale Klaviatur, die Selbstzweifel und Verunsicherungen der Heranwachsenden verdeutlicht. Doch auch das Bedürfniss nach Anerkennung und Selbstbestimmung kann hier von den Schauspielern, allen voran Ethan Hawke und Robert Sean Leonard, eindrucksvoll vermittelt werden. Robin Williams ist brillant in seiner Rolle und beeindruckt durch die Sensibilität seiner auch oscarnominierten Darstellung. Peter Weir hat wirklich das Beste aus seinen Darstellern herausgeholt und garniert das ganze mit atmosphärischer Dichte und einer hervorragenden Kameraarbeit, die mit ihrer gezielten, ausgefeilten Lichtführung das Geschehen vor allem auch emotional begleitet (warme Töne zu Beginn, kühle Farbgebung gegen Ende des Filmes). Getragen wird das Ganze von Maurice Jarres einfühlsamen Musicscore. Ein Film der nachdenklich macht und mich zumindest immer wieder tief bewegt. Auf den eintretenden Gänsehauteffekt am Ende des Films ist nach wie vor Verlass... Ich denke nicht nur ich hatte bei dieser Szene Tränen in den Augen.
Ein Paar Daten zu der DVD: Erscheinungsdatum ist der 16.05.2002 gewesen Genre ist ein Schul-Drama Regie führte Peter Weir Darsteller sind u.a. Robin Williams, Ethan Hawke, Robert Sean Leonard FSK-Freigabe: 12 Laufzeit: Film: ca. 123 min Bonus: ca. 68 min Audio: Deutsch: Dolby Digital 5.1 Englisch: Dolby Digital 5.1 Italienisch: Dolby Digital 5.1 Bildformat: 16:9 (1.77:1) anamorph DVD-Typ: Typ-9 (single sided, dual layer) Regionalcode: 2 Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Hebräisch, Griechisch, Türkisch, Kroatisch, Slowenisch Extras/Ausstattung: Hommage an Peter Weir Zusätzliche Szenen Audiokommentar von Regisseur Peter Weir, Kameramann John Seale und Drehbuchautor Tom Schulman Kinotrailer 8-seitiges Booklet
die Bildbeurteilung: Am Anfang fällt die kräftige Farbgebung des Transfers auf, der die anfängliche Herbststimmung und das warme Licht schön widergeben kann. Der Kontrast ist gut, könnte an manchen Stellen aber noch etwas kräftiger sein, denn das Bild wirkt gelegentlich etwas weichgezeichnet. Die Schärfe ist dadurch auch nicht immer optimal. Zwar geht die Gesamtschärfe noch in Ordnung, doch in Details wäre meiner Ansicht nach mehr Zeichnung von Vorteil gewesen. Vor allem bei Close-Ups von Gesichtern hätte ich mir mehr Schärfe gewünscht. Der Rauschfilter trägt das Seine zu dieser Wirkung bei. Leichte Nachzieher und softe Objektkanten lassen das Bild wie durch einen Weichzeichner erscheinen. Löblicherweise halten sich Defekte in Form von Dropouts und Artefakten zurück und auch die Kompression verhält sich unauffällig. Das führt insgesamt zu einem befriedigenden Ergebnis... Aber bei einem Drama ist das eventuell noch zu verzeihen.
Der Soundtrack: Es handelt sich ja nicht um einen Actionkracher, und somit sollte man sich auch hüten etwaiges Soundmaterial zu erwarten. Hier zählen in erster Linie die Dialoge und die Musik. Diese verteilt sich auch schön auf die Frontspeaker und nutzt zeitweise auch den hinteren Bereich, auf dem es ansonsten recht still zugeht. Es gibt zwar auch ein paar atmösphärische Effekte, doch beschränkt sich die Räumlichkeit auf Hallanteile und gelegentliche bidirektionale Umgebungsgeräusche, welche aber auch eher den Frontbereich frequentieren. Dementsprechend ruhig geht es auch im Bassbereich zu. Bis auf musikalische Einlagen, wird der Subwoofer eigentlich nicht genutzt. Die Dialoge sind sauber, klar und kommen jederzeit verständlich rüber. Es ist eben ein dem Genre angemessener Mix mit soliden Qualitäten. Spektakuläres kann man hier nicht erwarten, aber immerhin gelingt es dem Musicscore eine schöne Atmosphäre aufzubauen....
Der DVD-Bonus: Natürlich musste hier im Zuge der Neuauflagenserie, auch Bonus-Material her: z.B. Ein zusammengeschnittener Audiokommentar von Peter Weir (Regie), John Seale (Kamera) und Tom Schulman (Drehbuch) geht auf den Entstehungsprozess relativ detailiert, manchmal aber auch etwas zähflüssig ein. In einer etwa 26-minütigen "Hommage an Peter Weir" erzählen fast alle am Film beteiligten Schauspieler über Ihre Erfahrungen mit Regisseur Peter Weir und dessen Einfluß auf deren schauspielerisches Wirken. Man erfährt hier zwar nicht wirklich viel und die Lobpreisungen stehen eindeutig im Vordergrund, aber immerhin werden auch ein paar Anekdoten zum Besten gegeben. Ein etwa 8-minütiger Zusammenschnitt einer nicht verwendeten Sequenz, zeigt den "Club der toten Dichter" nach Neils besagter Theateraufführung. Über den inzwischen verstorbenen Sounddesigner Alan Splet erfahren wir etwas aus dem Munde von Peter Weir und Regisseurkollege David Lynch in einem Feature von rund 11 Minuten Länge. Während von Weir eine Interviewsequenz vorliegt, plaudert Lynch hier aus dem Off, welches mit Fotos von Alan Splet unterlegt ist. Ein interessantes Feature für Cineasten ist der Menüpunkt "John Seale - Meisterklasse", in dem der geneigte Filmfan ausführlich über die Beleuchtungsarbeit und Kameratricks am Set informiert wird. Abschluß des Bonusmaterials bildet der Kinotrailer und ein 8-seitiges Booklet ist auch noch dabei. Leider gibt es keine Kommentare oder Interviews von Robin Williams zum Film und auch ein Making Of mit Eindrücken vom Set vermisst man hier, so dass man unterm Strich dem Bonusmaterial "nur" eine befriedigende Note ausstellen kann...
Statement oder last Words:
Der Film "Der Club der toten Dichter" ist ein bewegender Film über das Erwachsenwerden, die Entdeckung der eigenen Individualität und das Auflehnen gegen festgefahrene und sinnlose Traditionen. Peter Weir beweist hier wieder einmal, dass er ein Regisseur mit herausragendem Gespür für sensible Themen ist und es gelingt ihm, diese Sensibiltät durch sein aussergewöhnliches Schauspielerensemble zu transportieren. Man beschäftigt sich auch nach dem Abspann noch gedanklich mit dem Film, der melancholisch und nachdenklich macht. Die technischen Werte der Special Edition können zufriedenstellen. Das Bild ist nicht fehlerfrei, geht aber in Ordnung und der 5.1 Ton kommt sauber, aber dem Genre entsprechend unspektakulär daher. Ein wenig Bonusmaterial gibt es auch noch, so dass man angesichts des aussergewöhnlichen Filmes, dem ich in der Gesamtwertung noch einen Extrapunkt gebe, eigentlich ohne Bedenken zugreifen kann...
So... das ganze ist ein wenig ausführlicher geworden, da ich einiges noch an der Uni verwenden möchte. Also, falls Ihr in Kassel studiert und mal einen Studenten Teile aus dem Bericht vortragen hört; Das bin ich... *lach*
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23.07.2004 16:50
Ich schaue den Film am Montag in der Schule an und wollte mich nochmal informieren. Echt ein super Bericht!!! LG Cheris
03.02.2004 16:28
Sehr ausführlicher Bericht über einen sehr guten Streifen. Hab die DVD vor einigen Wochen für 12|99 kaufen können und gleich zugeschlagen. cu albertas
19.04.2003 23:18
Ich kenne den Film zwar und fand ihn auch nicht schlecht allerdings gehört er zu den Filmen die ich nicht 2 mal ansehe